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Mittwoch, 11. September 2024

Buddy Boat Tour

Nachdem der Ferienrummel sich in Friesland gelegt hat haben wir 2 schöne Spätsommerwochen auf dem Boot genossen. Diesmal mit einer neuen Erfahrung als 


Buddy-Boat-Tour 


2 Boote liegen hintereinander an einer Wiese
 Perlu / Aquamarijn

Unser Buddy-Boat war die Perlu der Hafenhopper aus Bremen. Im letzten Jahr hatten wir diese in Stavoren kennengelernt und ein paar gemeinsame Tage verbracht. Ihnen und Ihren Katzen gefiel Friesland so gut, dass sie dieses Jahr wieder die friesischen Seen und Kanäle befuhren. 


Treffen vor Joure


Als ersten Treffpunkt verabredeten wir das Marrekrite Hafenbecken vor der Schleuse nach Joure.
Nach unserer etwas schaukeligen Überfahrt über die Langwarder Wielen wurden wir bereits mit Kaffee empfangen und Fussel traf seine beiden Katzenfreundinnen wieder. 

Hund beguckt 2 Katzen auf dem Boot

Für den Abend war dann deutsches Fastfood angekündigt. Die Hafenhopper haben ihre Perlu technisch / elektrisch voll hochgerüstet mit PV-Anlage, Batterien und Konverter, was Strom betrifft sind sie autark. So wurden wir mit Currywurst und Pommes aus der Friteuse überrascht. Der Gasgrill wurde angeschmissen und der Geruch von frisch frittierten Pommes wehte über die Marrekrite.

Grillen vor dem Boot auf der Wiese

Insgesamt verbrachten wir 3 Tage an dieser Marrekrite, da musste abends dann auch mal konrolliert werden, ob denn alles in Ordnung ist.

Die Captains fahren im Beiboot um die Schiffe


Nach so langem Outback dann einen Abstecher in den Passantenhaven von Joure, Mal wieder Duschen stand auf dem Programm und die Vorräte und den Wassertank auffüllen. Wir blieben mit unserer Aquamarijn 2 Nächte, die Hafenhopper legten schon am nächsten Tag wieder ab. Gemeinsam hatten wir beschlossen, Richtung Nationalpark Alde Fean / Earnewald zu schippern. 


Sitebourster Ie


Erster Zwischenstop sollte die Marrekrite im Sitebourster Ie sein. Unser Buddy-Boat fand einen schönen Platz und wir folgten am nächsten Tag auf direktem Wege über das Sneeker Meer, den Prinses-Magriet-Kanal und das Pikmer. Anlegen war dann Millimeterarbeit, aber mit vereinten Kräften kein Problem.
Die Boote liegen Heck an Heck eng aneinander

Kulinarisches Highlight hier:  Burger mit Pommes.

Selbstgemachter Burger mit Pommes

Die Tage wurden wieder wärmer mit Temperaturen an die 30 Grad, Abkühlung verschaffte uns Eis am Stiel und die Eiswürfelmaschine, nichts, was es nicht gibt an Bord der Perlu. Fussel etwas Abkühlung auf dem Wasser zu verschaffen war schwierig, er ist doch eine Landratte.

Hund sitzt auf einem SUP an Land


Alde Feanen / Earnewald


Wir beratschlagten, wie die Tour Richtung Earnewald weitergehen sollte und waren uns schnell einig, dass wir einen gemütliche Spazierfahrt durch die Kanäle und über die Seen in den Alde Feanen machen wollten. Bootsightseeing über das Krumme Ee, Grytmansrak, Hooidamsloot, De Geau, Grutte Kritte, Oksepoel, Hansmar, Folkertssleat, kurzes Stück Prinses-Magriet-Kanal und dann in die Saiterpetten.
Blick von einem Boot auf das vorausfahrende

Ein uns allen noch unbekanntes Seengebiet mit zahlreichen Marrekriten. Wir fanden einen wunderschönen Platz an einer Insel in den Saiterpetten. Dort ist auch das Headerbild zum Beitrag entstanden.

Sonnenaufgang über dem Wasser

Alle waren restlos begeistert von dieser Landschaft, wir werden wiederkommen. Diesmal blieben wir mit unserer Aquamarijn nur 1 Nacht und brachen am nächsten Tag zum Passantenhaven in Earnewald auf. Die Hafenhopper folgten dann am nächsten Tag.

Wir genossen noch einen letzten gemeinsamen Abend, diesmal ließen wir uns mal im Restaurant bedienen.
Die Bootsleute am Tisch im Restaurant

Leider trennten sich dann am nächtsen Tag unsere Wege, die Hafenhopper fuhren wieder raus an die Marrekriten, wir wollten noch ein paar Tage das (nicht zu) quirlige Leben in Earnewald incl. Hafenkino genießen. Schweren Herzens nahmen wir Abschied von einander und sind fest entschlossen, wieder zusammen auf Tour zu gehen. Es war einfach eine tolle und erfahrungsreiche gemeinsame Zeit, in der aber auch jeder immer seine eigenen Freiräume hatte. Nachdem Fussel sich auch von seinen Katzenfreundinnen verabschieden mußte fand er aber dann noch schnell neue Freunde, Flocke und Simba.

Drei Hunde treffen sich

2 Hunde gehen gemeinsam spazieren

Sonntag, 22. Oktober 2023

Irgendwas war immer - Abgesang auf die Saison 2023

All in - es war eine gute Saison. Mehr aber auch nicht. Denn:  

Irgendwas war immer 

Von O (Ostern) bis O (Oktober) verbrachten wir so viel Zeit wie nie auf dem Wasser. Wir sind nach wie vor sehr dankbar über das, was wir haben und lieben diese Art, zu leben. Dennoch fiel ein Satz auffällig häufig in dieser Saison: 

Das hatten wir uns anders vorgestellt 

Mit dem eigenen Boot unterwegs

Es war die erste Saison, in der wir hauptberuflich Captain und Crew waren. Unabhängig von Urlaubszeiten, Wochenenden, Feiertagen. Im Winter träumten wir uns als EndlessSunshine-Sailor ohne Zeitdruck auf große, lange Rundreise. Höher in den Norden wollten wir, auch die angrenzenden Provinzen Overijssel und Flevoland warten schon lange auf uns.

Alleine - siehe oben. Von Anfang an. Die längste Zeit, die wir am Stück geschafft haben, waren drei Wochen. In denen wir aber aufgrund von - genau - 'irgendwas war immer' nur knapp anderthalb Wochen unterwegs sein konnten. Ereignisse, Termine, der unselige Murphy und ja - so blöd wie sich das anhört - das Wetter.  

Der Wind, der Wind, das nervige Kind 

Es war nicht nur die nasseste, es war auch die windigste, stürmischste Saison ever. Das sage nicht nur ich, das sagen alle. Und wir bilden uns das nicht ein. Die Ertragszahlen der großen Windkraftanlage  im Ijsselmeer bestätigen das. Jeden einzelnen Monat der Saison gab es mehr Wind als im ganzen letzten Herbst/ Winter zusammen. Die Tage, an denen wir unter Windstärke 4 kamen, konnte man an einer Hand abzählen. Für Tage mit Windstärke 6 und mehr, also richtige Sturm- bis hin zu Orkantagen hingegen reichen 4 Hände nicht aus. Alles Tage, an denen Freizeit-Schifffahrt nicht ratsam war. Better safe than sorry und so. 

Mit dem Boot zu einsamen Anlegeplätzen

Schlechtes Timing 

kam dazu. Als wir wieder einmal die Heimfahrt in den Pott antraten, sagte ein niederländischer Stegnachbar scherzhaft zu uns: De Duitsers, die harren immer tapfer bei Schlechtwetter aus und fahren nach Hause, wenn das Wetter besser wird. War was dran...... 

Kein Frühling, Nichtsommer und plötzlich alte Weiber 

Vor dem Nichtsommer schafften wir nur eine einzige längere Tour. Zu schönen Marrekrite-Plätzen in den Meren und einem längeren Aufenthalt in Joure. Alles schick und schön - aber es sollte nur der Auftakt sein. Aus diversen Gründen gab es danach nur noch Stippvisiten-Touren. Eine einzige der hellen Nächste verbrachten wir auf den Meren, die auch noch teils verregnet. Auch einen Stavoren-Aufenthalt brachen wir wegen ernster Sturmwarnung ab. Zum Nichtsommer sag ich nichts mehr. Rausreißen sollten es die alten Weiber. Klappte auch. In Teilen. Auch diese Tour mussten wir unterbrechen. Das nördlichste Ziel, welches wir erreichten, waren wiederum die Alde Feanen. Die gesetzt sind und jedes Jahr ein Muss. Dokkum und Co müssen noch warten. Genau wie Overijssel und Flevoland.

Mit Hund auf der Fähre


Sehnsucht ist schließlich ein Notfall 

Hafeneinfahrt Stavoren
In diesem Fall Ijsselmeer-Sehnsucht. Die Stippvisite in Stavoren war uns einfach nicht genug und so wurde der Sehnsuchtsort abermals unser Ziel. Wir hatten noch einmal fast eine ganze herrliche Woche Sommerfeeling pur. Theoretisch hätten wir sogar mehr Zeit gehabt. Aber - hallo Sturmwarnung, Du olle Nervensäge. 

Den letzten längeren Aufenthalt an Bord hatten wir uns auch - genau - anders vorgestellt. Hallo Murphy, Du Dämlack. Wir hatten fast alle Leinen los, der Motor brummte, wir wollten zusammen mit Schwager und Schwägerin eine schöne, sonnige, große Abschiedsrunde drehen. Aber - das Bugstrahlruder meldete frühen Winterschlaf. Für mit ohne war es  - genau - zu windig. Also nur Hafenkino in diesen Tagen. Plus Ausflüge nach Makkum, nach Sneek und ans Wattenmeer. 
Sogar ein Strandtag war noch drin. 


Mit Hund am Strand


 Auf den allerletzten Drücker machen wir noch einen ganz spontanen Abstecher nach Urk. Das gefiel uns so gut, dass es noch einen extra Eintrag bekommen wird. ( Mit irgendwas muss man sich ja über den Winter trösten ;) )   

Hafen von Urk mit Hund


Die letzten Schritte der Saison 


Immerhin - das Bugstrahlruder ist bereits repariert. So waren wir für die Fahrt ins Winterlager gerüstet. Auch da: es war - mal wieder - eine äußerst stürmische Woche, die an den Küsten sogar mit Sturmflut und Orkan endete. Wir konnten am anvisierten Tag ein sturm- und regenfreies Zeitfenster von einigen Stunden nutzen und waren zunächst einfach nur froh, alles gut über die Bühne gebracht zu haben. Die Wehmut kommt dann dies Jahr später.....   




Unser Bootshund  


Bootshund im Element
Auf der Positiv-Seite steht:  Dr. Fussel ist ein prima Bootshund. Das hat viel besser geklappt als erhofft. Er fühlt sich im Wortsinn pudelwohl an Bord, es ist genau seins. Immer nah bei seinen Menschen, immer viel zu gucken und drumherum viel Freiheit und Auslauf. Er liebt alles daran. Es sind eher wir, die dadurch eingeschränkter sind. Auch wenn uns das vorher klar war, es kam die Saison halt obendrauf. Wir können nicht mehr überall anlegen, wir müssen nach genug Auslauf für unseren Leichtmatrosen gucken. Und wir können ihn schwer alleine an Bord lassen. Alleine schon, weil ein abgeschlossenes Boot sich ähnlich wie ein Auto schnell aufheizt. Da Fussel sich bis jetzt auch absolut nicht ans Fahrradfahren gewöhnen lässt, fielen auch gemeinsame Fahrradtouren weg. Das hatte vor allem ich mir deutlich anders vorgestellt. So schön die Touren in NL auch sind, alleine macht das einfach nicht soviel Spaß. 

Dummerweise wissen wir schon jetzt - das nächste Jahr wird nicht besser. Nächstes Jahr ist das Jahr der Rundungen und Jubiläen, nächstes Jahr sind etliche Termine fest gesetzt. Alle natürlich im allerbesten "Irgendwas ist immer Rhythmus"  . Selbst nur drei Wochen am Stück werden schwierig.  

Bootsleben ist die teuerste Art, unbequem zu leben 

Koje Boot Hund
So war es halt. Bzw. so war es halt nicht. Klar, wir hatten sehr schöne Wochen, wir haben alles genossen, was ging. Aber ich gebe auch zu: Aufgrund des oft sehr usseligen Wetters fanden wir häufiger als - genau - wir uns das vorgestellt hatten, dass unser Zuhause auch sehr schön ist. Bootsleben ist und bleibt die teuerste Art, unbequem zu leben. Und ich gebe auch zu: Wenn man flexibel ist, ist das Gefühl ein anderes. Hat man nach anstrengenden Arbeitswochen nochmal eine Woche Urlaub im Oktober, bedauert man vielleicht schlechtes Wetter, ist aber reif für Essen, lesen, schlafen und wieder von vorne.  Ist man flexibel und hat nicht nur den Urlaub auf dem Wasser, bedeutet das Beste eben manchmal der ersten Heimat den Vorrang zu geben.  

Dennoch: Wir lieben unsere Aquamarijn ungebrochen, wir lieben den Hafen, wir lieben Heeg, wir lieben das Leben auf dem Wasser. Mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Deswegen lass ich die Saison auch nicht mit diesem Abgesang enden, sondern es wird neben dem Beitrag zur Insel der Seligen aka Urk auch noch einen mit allen Höhepunkten der Saison geben. 

Blue Moon auf dem Wasser

 

Und bei Euch so ? Gab es nur Sonnen- oder auch mal Schattenseiten? Erzählt mal. Welches Fazit zieht Ihr nach dem Sommer?   

Aber natürlich kann das hier so als alleiniger Logbuch-Rückblog nicht so stehen bleiben. Die Höhepunkte komprimiert findet Ihr in diesem Sehnsucht ist ein Notfall Beitrag. 



Sonntag, 27. Dezember 2020

Schöne Momente in 2020 - Epilog

Abgesang auf die Saison 

Nach dem Sommerurlaub ist - wahrscheinlich vor dem Sommerurlaub. Im nächsten Jahr. So die Befürchtung. Wenn überhaupt.

Eigentlich hatten wir noch eine goldene Oktoberwoche geplant, aber wie so oft lag der Fehler wieder im eigentlich. Lief unter der Kategorie Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die Lage eskalierte quickly und es rollte eine zweite Welle. Leider keine, die man mit einem Boot bezwingen könnte. Also eigentlich schon, aber ..... ach egal, ich will auch hier nicht redundant werden. Nach dem Sommerurlaub hatten wir noch genau ein schönes Wochenende auf dem Wasser, welches wir dazu nutzten, wenigstens einmal in diesem Jahr die Aldegaaster Brekken zu beehren. Wir waren dort zwar - trotz regen Bootsverkehrs auf den umliegenden Kanälen und Seen - schlussendlich relativ alleine. Trotzdem war es eher nur suboptimal. Notiz an uns: Brekken bei Ostwind meiden. Selbst bei Windstärke 4 schon hart kabbelig und rollig. Nun ja - war trotzdem schön. 


Und wir trösteten uns mit der Aussicht auf die Oktoberwoche. Hahaha. Was folgte, waren noch genau zwei Hafenwochenenden mit viel Wind, viel Regen und viel Arbeit. Denn es blieb uns nichts anderes übrig, als das Boot winterfest zu machen und ins Winterquartier zu bringen. Was mich bei unserem letzten Besuch dieses Jahr tatsächlich in bittere Tränen ausbrechen ließ, als wir an Bord gingen. In dem Moment konnte ich es kaum noch ertragen. Alles, was war, alles, was vor uns liegt. Die Ungerechtigkeit, mit der ich einfach so dauernd ungeschützt nach "draußen" muss. Stayhomestaysafe für mich nur etwas, wovon ich lese. Obwohl ich wirklich gerne home staye und noch lieber safe wäre. Dafür ist es verboten, dort Zeit zu verbringen, wo wir absolut sicher waren. Die Wochenenden auf dem Boot hatten mir Kraft gegeben, eine Atempause, eine Zeit, in der ich sicher war, in der ich mich sicher nicht anstecken konnte. Ausgerechnet das durften wir nicht mehr. An diesem letzten Abend auf der Aquamarijn in 2020 war ich wirklich so fertig wie selten. 

Aber es half ja alles nix. Etliche Wochen eher als geplant brachten wir das Boot um die Ecke zum Winterlager. Trotz eines "Es lag nicht an mir, es lag am Steg Manövers" lieferten wir das Boot unversehrt ab und sagten "tot ziens, tot volgend Jaar!" So hoffen wir.  

Hab einen guten Winterschlaf, beste Aquamarijn. So ein Winterschlaf wäre für uns alle auch die beste Lösung. Was bleibt, ist die Erinnerung an viele tröstende Momente. An das Glücksgefühl, in der Koje, begleitet von den Geräuschen des Wassers, der Vögel und der Häfen, leicht schaukelnd in einen tiefen Schlaf zu gleiten. Am nächsten Morgen mit heißem Kaffee verschlafen an Deck zu sitzen, den Tag in sich aufzunehmen und sich zu freuen, auf das, was da kommt. Auf Licht, Luft, Freiheit. Und was bleibt, ist die Hoffnung. Hoffnung auf eine Entspannung bis zum nächsten Frühjahr und eine bessere Saison als diese unsere zweite Saison mit der Aquamarijn. 



Schönster Laufsteg vonne Welt und umliegende Dörfer - wenn wir erst wieder darüber gehen können
   


Samstag, 19. Dezember 2020

Schöne Momente in 2020 - Sommerurlaub Teil zwei

En Jammer met het weer 

So schön wie die erste Woche war, so mies begann die zweite. Zum Glück nur wettertechnisch. Hatten wir in der ersten Woche nachts gerade mal ein Bettlaken zum Zudecken ertragen können, mussten wir am Wochenende schon mit Kuscheldecke upgraden und der Schlafsack lugte schon um die Ecke. 

An und für sich war es unklug, bei dem Wetter und vor allem bei der Prognose unseren Heimathafen zu verlassen, weil wir kaum irgendwo bei Sturm so gut liegen wie in der eigenen Box. Aber nach den vielen Hafenwochenenden wollten wir schon gerne noch ein bißchen touren. Wir vertrauten darauf, dass wir die "Lieblingsorte und ein bißchen was Neues Tour" ordentlich geplant hatten. (was dann auch so war) 

Wir legten Montags bei böiger Windstärke 4 ab, fuhren aber nur die Kanalrunde bis nach Woudsend. Das kurze Stück Heeger Meer Fahrt war spannend genug. Anvisiert hatten wir einen Platz an der Marrekrite im Kanal mit Blick auf die "Skyline" und Brücke, den wir tatsächlich ergattern konnten. Wirklich schön, ein toller Blick. 

Wolken können se, die Friesen
Wolken können se, die Friesen 


Dienstags bekamen wir dann dort Besuch aus der Heimat. Nachbars hatten nach zigmaliger Verschiebung tatsächlich ihre schon lange geplante Bootscharterwoche während unseres Urlaubs und starteten quasi mit der Besichtigung der Aquamarijn. Auch hier der Fehler im eigentlich. Denn eigentlich wollten wir im Mai mit ihnen zusammen ein langes Wochenende auf unserem Boot verbringen  - so blieb es in diesem Jahr bei diesem Kurzbesuch. Wie ja auch alle anderen geplanten Besuche ausnahmslos ausfielen. Ob wir sie wohl jemals werden nachholen können? 

Von Woudsend fuhren wir bei viel Regen und Wind über's Slotener Meer nach Balk. Balk hat seit letztem Jahr endlich einen richtigen Passantenhaven, so dass man diesem schönen, aber etwas abseits gelegenen Ort auch mit dem Boot einen Besuch abstatten und sogar über Nacht bleiben kann. Vorher musste man schon ziemlich Glück haben, um dort einen der sehr raren Übernachtungsplätze zu ergattern und dafür ist der Umweg schon ziemlich groß. Ich hatte den Passantenhaven in diesem Internetz studiert und war mir ziemlich sicher, er würde uns ein guter Hafen während des für Mittwoch angesagten Sturms sein. Ich behielt Recht. Zum Glück. Denn auch die dringenden Warnungen vorher behielten Recht. Es war wirklich hardcore Sturm. 




Aber wir hatten einen feinen Platz im neu erbauten Jachthavenquartier, lagen gut und sicher und dank der exorbitant guten Lasso-Künste unseres jungen Stegnachbar auch sicher vertäut*. Am Nachmittag des Sturmtags wurde es dann etwas heller, ruhiger und freundlicher, so dass wir tatsächlich ein kleines bißchen durch die schöne Gracht und die dortigen Geschäfte wandeln konnten.          



Von Balk aus fuhren wir dann über Sloten ins Brandemeer und von dort über Haringssloot und den Follegasloot zur Marchjepole. DAS musste einfach sein. Das Wetter war endlich wieder auf unserer Seite und wir hatten einen feinen Tag an unserer Lieblingsinsel, die wir fast ganz für uns alleine hatten. Keine trinkwütigen Sauerländer in Sicht diesmal. 





Insel mit "Leihbücherei", Strand und tollem Blick. Braucht man mehr?

Von der Marchjepole aus ging es über Echtenerbrug "rüber" auf die andere, uns unbekannte Seite. Ein Stück weit fuhren wir über den vielbefahrenen Jonkerskanal, einfach nur um zu gucken. Naja. So ungefähr muss der Dortmund/ Ems Kanal von der Wasserseite aus aussehen. Da wir nicht weiter wollten, wendeten wir, fanden und befuhren den Fluss Tjonger. So weit wie wir kamen mit unserer Aquamarijn, Irgendwann beginnt dort die Torfroute und dort sind die festen Brücken für uns zu niedrig. Die Fahrt auf dem Tjonger gefiel uns gut, sehr idyllisch, sehr einsam und landschaftlich ein etwas anderes Bild als "drüben" in Friesland. Wir fanden dort eine feine Marrekrite und verbrachten eine ruhige, wenn auch regnerische Nacht. Am nächsten Tag war das Wetter sehr wechselhaft und wir warteten länger als geplant, bis wir die Leinen lösten. 




Der erste Teil führte uns die Engelenfahrt entlang bis Heerenveen. Sehr schöne Strecke, dort war uns auch das Wetter noch gewogen. Heerenveen selbst lockte uns nicht. In die Stadt rein kamen wir mit der Aquamarijn nicht (feste Brücken!) , die außerhalb gelegenen Häfen wirkten zwar okay, aber was sollten wir dann da? Die Umgebung selbst war dort nicht sehr einladend. Die Heerenveen Umfahrung selbst war auch nur so ging so. Sehr enge Kanäle, vollgestopft mit Booten, schmale Brücken und natürlich einige nicht ganz so kundige Bootsfahrer, mit denen wir in der Durchquerungskolonne waren. Also weiter bis oder kurz vor Akkrum, so der Plan. Akkrum kannten wir nur von der Autodurchfahrt auf dem Weg zu unserem alten Lieblings-Vercharterer. Das würde sich auch dieses Jahr nicht ändern, aber das wussten wir zum Zeitpunkt der Ortsquerung Heeerenveen noch nicht. Die Fahrt auf dem Kanal Heerenveen/ Akkrum war wenig reizvoll. Sehr langweilige Landschaft, viel Industrie, keine Idylle, nichts, was reizt. Nicht einmal das Elefantenrennen mit der Eisenbahn konnten wir gewinnen..... 



Kurz vor Akkrum setzte Regen ein, windig war es dazu und die Sicht war ziemlich bescheiden. Wir verspürten wenig Lust, uns durch die unbekannte und durchquerungstechnisch nicht ganz einfache Stadt bei diesem Wetter zu schlängeln. Spontan beschlossen wir, bis auf Sneeker Meer durchzufahren. Irgendwie wollten wir wieder zurück in "unseren", schönen Teil Frieslands. Der Weg führte uns durch die Terkaplester Poelen, wo wir auch vorher noch nie waren. Obwohl wir wenig sehen konnten, die Navigation dadurch ziemlich anstrengend war, fanden wir es sehr sehr schön. Gerne wären wir einfach da geblieben, wussten aber, dass dort diverse Untiefen lauern, auch an den Marrekriten. Das musste bei dem Wetter nun auch echt nicht sein. Das Wetter wurde so gruselig, dass wir echt Mühe hatten, in der sehr schlecht betonnten Fahrrinne zu bleiben und mussten zu zweit aufmerksam gucken. Keine Chance, mal eben die Karte oder die App zu konsultieren. Also durch die Brücke von Heerenzijl, wo wir noch einen eigenartigen Walzer eines dieser kleinen, in diesem Sommer dauernd auftauchenden Charterboote, die wie ein englisches Narrowboat aussehen, beobachteten. Irgendwann hatten die sich aber auch  ausgewalzert und wir waren wieder zurück. In unserem Revier und hatten direkt Heimatgefühle. Erleichterte Heimatgefühle. Auf dem Meer selbst war es stürmisch, so fuhren wir durch und legten uns halbwegs windgeschützt an "unseren" Gewittersteiger. Nach soviel kolumbinischen Routen war uns erstmal nach einem Ruhetag und wir verbrachten wir einen ruhigen Sonntag an diesem Steiger, der uns schon so oft einen feinen Rückzug geboten und uns gut aufgenommen hatte. Danach waren wir dann bereit für einen schönen Abschluss dieses Urlaubs. 

*Mittlerweile hab ich das mit den Pollern und Seil drumlegen bzw. manchmal auch werfen relativ gut raus, aber in Balk klappte es einfach nicht. Zu weit weg, der Poller, beim Anlegen hatten wir ihn nicht gebraucht und auch nicht kriegen können. Wegen des Sturms wollten wir uns gerne aber auch achtern mit einer Doppelspring absichern. Klappte und klappte nicht. Auch das nette Mädel vom Steg nebenan übte vergeblich. Bis ihr Freund wiederkam und mal eben nonchalant drüben das Seil um den Poller warf. Und netterweise zu uns kam und dassselbe für uns tat. Ja, die jungen Niederländer. Die lernen das noch vor Fahrradfahren.... 


Nachtrag : Hier gibt es noch einen ausführlichen Bericht über Balk !  

Sonntag, 22. November 2020

Schöne Momente in 2020 ?!

Schöne Momente in 2020? Die gab es? 

Ja, es war ein schlimmes Jahr. Ein annus horribilis wie aus dem Lehrbuch. 
Dieses Jahr hat uns allen viel genommen. Auch die Bootssaison ist davon nicht verschont geblieben. 

Erst durften wir nicht aufs Wasser, obwohl wir gekonnt hätten. 
Dann hätten wir aufs Wasser gedurft, konnten aber nicht mehr. 
Schließlich endete die Saison so, wie sie begonnen hatte: 
Wir hätten gekonnt, durften aber nicht mehr. 

Beklagt habe ich das bereits an anderer Stelle, die Unlogik, die Ungerechtigkeit dahinter. 
An der Kröte schlucke und kaue ich auch immer noch. Weiter weg als auf dem Wasser kann man ja wohl von allem nicht sein. Die Zeit auf dem Boot und auf dem Wasser waren die einzigen Zeiten, in denen ich in keinster Weise gefährdet war, während das sonst bei mir so weiß Gott gezwungenermaßen nicht der Fall ist. 

Auch geschrieben habe ich wenig in den letzten Monaten. Das ist all dem, was war, zum Opfer gefallen. Wie immer, wenn Zeit knapp ist, ist Blogzeit die, die eingespart werden kann. Aber - dennoch will ich 2020 nicht auch noch erlauben, dass es blogtechnisch nicht zu mehr als einer ewigen Suada gereicht hat und schon mal gar nicht, dass dieses Logbuch im Januar beim Bericht über die Boot stehen bleibt.   

Was ich immer geschrieben habe in den letzten Monaten, waren die Antworten auf die Fragen im 5 Jahres-Journal, welches mir die Trixe vor einigen Jahren schenkte. 
Letztens war folgende Frage zu beantworten:  "Was ist Dein größter Traum?" 
Im letzten Jahr antwortete ich naiv und hoffnungsfroh: "Dass alles so bleibt, wie es ist!" 
Ratet, was ich dieses Jahr schrieb? Richtig. "Dass alles wieder so wird, wie es war!" Diese Antwort hat mich selber bestürzt. Wie traurig ist das? Aber es ist die Wahrheit. Ich will mein, unser aller Leben zurück! Immer noch und noch immer und noch mehr als im Frühjahr. Und die Befürchtung, dass dieser Traum unrealisierbarer wird als meine allererste Antwort* auf diese Frage - das wiederum hätte ich mir nie träumen lassen. Nie, nicht in meinen wildesten Albträumen. 
(*Ein Boot war die Antwort im Jahr 2018. Und das hielt ich für unrealisierbar. Dass ein Boot leichter zu kriegen ist als die Gelegenheit es zu nutzen..... Ich kann es immer noch nicht fassen.)   

Ja, das Jahr hat uns viel genommen, das Jahr hat uns viel, zuviel abverlangt.  Was es uns nicht genommen hat, sind Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, Hilfe. Und unsere Zuflucht. Auch wenn die Verfügbarkeit fragil war/ist. 

 
Schöne Momente in 2020? Die gab es? Ja, die gab es. 

Und davon will ich hier erzählen. Denn -  von all den schweren Dingen kann ich noch nicht erzählen. Wenn ich überhaupt schon wieder was erzählen kann, dann hiervon. Von der Hoffnung, der Ruhe und der Stärke, die hiermit verbunden ist. In diesem Blog für unsere Aquamarijn und das, was sie für uns ist. In diesem Jahr war sie spät, aber nicht zu spät für uns da. Den ganzen Winter über hatte ich  mir den Moment ausgemalt, in dem wir endlich wieder in Friesland sein würden, in dem wir unser Boot in Empfang nehmen können. Dass wir so lange darauf würden warten müssen.....  

Der Moment, als wir endlich von der Autobahn abfuhren, über die erste Brücke an der Follegasleat fuhren, als wir endlich im Jachthafen ankamen und vor allem, als wir im Winterlager endlich unser Boot wieder hatten - diese Momente waren dann nicht nur Momente der reinen Freude. Sondern auch Momente der Erkenntnis, wie fragil alles war und ist.   

Das Boot ist viel für uns, aber in diesem Jahr war es vor allem unsere Zuflucht. 
Der Ort, an dem wir mal durchatmen, mal wieder wir sein konnten. 
Wir waren selten da, zu selten. Und wenn wir da waren, mussten wir auch meistens da bleiben. Gefahren sind wir monatelang nicht.  Dennoch war es schön, sie zu haben. 

Unser Marijntje, unsere Zuflucht. Unsere Aquamarijn, das selbstverständlich wunderfeinste Boot der Welt. 


Die Aquamarijn, frisch aus dem Winterschlaf erweckt im noch sehr leeren Hafen,
fast 2 Monate später als geplant   


Freitag, 27. September 2019

Der erste Urlaub auf eigenem Kiel - Epilog

Die alten Weiber gaben alles und direkt das Wochenende nach unserem Urlaub versprach allerfeinstes Bootswetter. Wir waren zwar erst vier Tage zuhause, aber - was soll's. Wir beschlossen, nicht erst dann aufzuwachen, when September ends und fuhren am Freitag nach Feierabend direkt wieder nach Narnia. 

Nix mit Eroberung der Wäscheberge, Augen zu, Mantra "Putzen kann man auch im Winter" und direkt nach dem ersten Hafenkino-Kaffee am Samstagmorgen Leinen los. Wir fuhren noch einmal eine längere Strecke, bis ins Tjeuker Meer und gönnten uns ein Wochenende auf und an der schönen Insel Marchjepolle.

#RausausderStadtfahrTweet 
Wir finden diese Insel mit ihrem idyllischen Strand außerordentlich schön, alleine sind wir damit leider nicht. In der Hochsaison ist es reine Glückssache, ob man dort einen Platz kriegt. Und auch an diesem Wochenende war es schon relativ voll. Aber wir ergatterten einen feinen Platz und genossen noch einmal das, was die friese Meren so besonders macht. Wasser, Insel, Sand, Wiesen, Boote - fern ab von allem. Ein Paradies, wo man einzig und alleine mit dem Boot hinkommt. Nicht zu Fuß, nicht mit dem Fahrrad, schon gar nicht mit dem Auto. Das Gefühl, welches sich einstellt, wenn man an diesen Plätzen übernachtet, ist so einzigartig, man kann es kaum vermitteln. Aber wer es einmal kennengelernt hat, will es nie wieder missen. Sehnsucht ist ein Notfall. So wahr. 

Die Marchjepolle im Tjeuker Meer
eine Insel mit zwei Stegen 
Unser Inselplatz war mal wieder inclusive interessanter Nachbarschaft am Steg. Ostpreußsche Sauerländer, die dem verlorenen Paradies der Familie nachtrauerten, aber für sich selbst unerwartet und überraschend ihre zweite Heimat auf holländischen Gewässern gefunden hatten. Sie kamen wie die Jungfrau zum Kind aufs Wasser und konnten gar nicht mehr aufhören zu schwärmen. Unter anderem vom Genever, den sie uns nahebringen wollten. Ausgerechnet.  Na denn. Da ließen wir uns natürlich nicht zweimal bitten ..... Bei der Gelegenheit erfuhren wir auch, was im Hochsommer an der Marchjepolle so los gewesen war. Anscheinend ist diese Insel mittlerweile in der Saison eine Insel mit Vollversorgung. Den Brötchenservice aus Echtenerbrug kannten wir ja schon, den schwimmenden Lieferdienst für Ijs und Haring sichteten wir in diesem Jahr auch bereits diverse Male. Auf der Marchjepolle gab es weiterführende Dienstleistungen für den bedürftigen Bootsurlauber. Aufsehen erregten vor allem ein rot beleuchtetes Boot mit ähem wie soll ich sagen Wellness-Angeboten und eins mit pflanzlichen Erzeugnissen. (Cem Özdemir würde sagen "Ich kenne diese Pflanze nicht") Ja, machste nix. Geschäftstüchtig sind die Holländer ja. Schade nur, dass diese schönste aller kleinen Inseln somit eher für uns nur in der Nebensaison in Frage kommt.

Sonnenuntergang Marchjepolle
Sonnenuntergang im Tjeuker Meer 

Sonnenaufgang Marchjepolle
Sonnenaufgang - ein Goodie, wenn man auf dem Boot unerwartet früh wach wird   

Schade auch, dass einer der Genevertjes wohl nicht so ganz in Ordnung war, so dass die Rückfahrt am nächsten Tag bei Windstärke 4 aus ungünstiger Südwest-Richtung (sprich fiese kabbelige Wellen) schon sagen wir etwas spezieller  ausfiel. Aber das Seil in der Heimatbox saß.....   

Freitag, 16. August 2019

Stürmische Zeiten - aber das Leben ist gut

The old king is dead - long live the King !

Nein, ich zitiere hier kein shakesperianisches Drama, es ist auch keins passiert. Alles gut. Aber gestern mittag war es wieder mal soweit. Im Radio lief "Viva la vida". Das Lied, um das wir alle einen absichtlichen Bogen machen, von dem wir aber nicht verhindern können, dass es uns von Zeit zu Zeit unvermutet trifft. Dareinst - in einer fern anmutenden, in echt gar nicht so lange vergangenen Zeit - war es "unser" Lied. Das Lied, welches wir immer hörten, wenn wir auf dem Weg in unsere damalige zweite Heimat waren. Sobald wir von der Autobahn abbogen, wurde dieses Lied angemacht und es passte immer haargenau bis vor die Haustür. Wenn der Trommelwirbel einsetzt - nach übrigens exakt 3:00 Minuten - bogen wir in "unsere" Straße ein. Bis heute ist es so: Wenn ich die ersten Tamtamtam Schläge und "I used to rule the world. Seas would rise when I gave the word" höre - empfinde ich einen Schlag in die Magengrube und hab einen dicken Kloß im Hals. Ohne das kann ich das Lied nicht hören. Weil tempi passati. Unwiederbringlich.

Gestern aber war es erstmals anders. Der Schlag war nicht ganz so heftig, der Kloß nicht ganz so dick bei  "The old king is dead - long live the King!" konnte ich wieder mitsingen und den Trommelwirbel grinsend begleiten. Denn unser altes viva la vida ist zwar verloren, aber nun haben wir Narnia. Unser eigenes, nicht mehr nur geborgtes Narnia. Und das fühlte sich so verdammt gut an. Trotz des immer noch gefühlten Schlages und den Kloß runterschucken müssen.
Das Leben ist gut - vor allem auf dem Boot

Drei Wochenenden waren wir nun hintereinander auf der Aquamarijn und jede einzelne Minute war schön. Vom kay-wye-bee-Wochenende habe ich bereits berichtet. Das Wochenende drauf war dann - ein perfektes Boots-Wochenende wie aus dem Bilderbuch. Die Aquamarijn - oder wie ich sie jetzt meistens nenne: et Marijntje (soviel Holländerin steckt in mir, dass ich aus meiner tje-Verniedlichungs-Sucht nicht rauskomme) - zeigte sich von ihrer friedlichsten Seite, sie tat, was sie sollte und was wir wollten. Und wir wollten vor allem Einsamkeit. Nicht ganz so einfach in der Hauptsaison, wie wir ja schon zur Genüge festgestellt hatten. Einerseits toll auch in dieser Jahreszeit die Wunder der friese Meren genießen zu können, andererseits sind wir eben nicht alleine. 

Auch an diesem Wochenende war es voll, voller, am allervollsten. Die Sneekweek begann und die große Skutjes-Regatta auf dem Heeger Meer. Wir steuerten zielsicher über das Heeger Meer raus und dann über das Gaastermeer in den Kanal, der zu den Oudegaster Brekken führt. Aufgrund der dort vorherrschenden Untiefen war es relativ leer. Wir suchten und fanden die eine Marrekrite, die unser Tiefgang erlaubte und ergatterten einen Platz. An dem wir einfach blieben. Die Ruhe genossen, lasen, sonnten und im Falle des Captain bastelten. Was Männer auf Booten eben so tun. Umso größer der Kulturschock, als wir Sonntag aus den Brekken rausfuhren und uns im Hochsommer-Sonntags-Betrieb wiederfanden. Alles, was schwimmen kann, war auf dem Wasser. Kamener Kreuz ist ein Schiss dagegen. Bilder davon gibt es keine, keine Zeit zu knipsen. Glücklich zurück im Hafen lernten wir dann auch unsere anderen Stegnachbarn kennen, die sich bis dato auf einem längeren Segeltrip befunden hatten. Sehr nett, auch aus dem Pott, passt. Sehr schön. 

Marrekrite in den Oudegaaster brekken

Das Kuh-Orakel - wenn sie liegen, gibt es Regen
Das Kuh-Orakel: Wenn sie liegen, gibt es Regen* ! 


Was man bei Windstärke 7 so tut  Gemeinsam standen wir dann auch das letzte Wochenende durch. Wobei unsere Standfestigkeit derbe geprüft wurde. Es hatte nämlich dezente 6 - 7 Windstärken, kurz vor Orkan. Im Amsterdamer Hafenbecken tobte sogar ein Tornado. Dementsprechend sind wir und auch sonst niemand genau keinen Meter gefahren. Aber egal. Es war trotzdem schön. Wir bereiteten schon ein wenig den Urlaub vor, bevorrateten uns getränketechnisch für den Rest der Saison, genossen ein bißchen Sonne und lekker Essen. 
Zu gucken gab es genug, zu quatschen und zu basteln auch.


Wenn man genau hinguckt: Ich hab einen Blitz fotografiert. jaha !
 Am Samstag gönnten wir uns einen Trip nach Harlingen. 2016 begannen wir dort unseren Urlaub und waren aus mehreren Gründen nicht so recht überzeugt von diesem Ort. Diesmal fanden wir es aber total schön dort, wahrscheinlich weil unsere Erwartungen runtergeschraubt waren. Und - weil wir Brunnen Nr. 6 unserer Besichtigungsliste zufügen konnten. Noch 5 ... die schaffen wir auch noch. Ist ja jetzt unsere zweite Heimat! Mit dem wiedergewonnenen "Going on to rule the world" Gefühl !   
  
De Walvis - Elf-Brunnen-Tour in Friesland
De Walvis - Elf-Brunnen-Tour in Friesland 

Harlingen Hafen binnen und Veerhaven

* Das stimmt übrigens wirklich. Wenn Kühe liegen, naht Regen. Sie tun das, um sich wenigstens einen Flecken trockenen Grases zu bewahren, weil sie nasses nicht verdauen können. Und auch wenn der Captain meine Aussage lustig fand: Kühe sind Vegetarier. In Echt ! Bittegerne Ihre Autorin mit bäuerlichen Wurzeln .  
   

Mittwoch, 10. Juli 2019

Das erste lange Wochenende

 Wie unglaublich geil war das? Langes Wochenende, Holland! Früher DER Klassiker. Heutzutage kaum mehr bezahlbar. Es sei denn.... man hat was eigenes. Also was zum drauf oder drin wohnen. Jodeldiplom hilft da nicht wirklich.

Es gelang dem Gatten, sich kurzfristig noch ins Team Brückentag zu buchen und zwischen Bootsübernahme und erstem richtigen Genuss mussten wir nur für 3 schlanke Arbeitstage zurück nach Hause. Noch ein Vorteil des Jodeldiploms: Wir können fahren, ankommen und abreisen, wie wir wollen. Ohne uns an Zeiten von Vermietern oder Vercharterern zu halten. So beschlossen wir Mittwoch-Abends, kaum dass der Gatte den Heimathafen erreicht hatte, einen Kaltstart. Das Kreuz Oberhausen war gesperrt, ein ellenlanger Stau Holland-Reisender dahinter und wenn wir sofort ins Auto springen würden, könnten wir vor dem Stau herfahren. Gesagt, getan. In weiser Voraussicht hatte ich daheim bereits alles fertig und so waren wir ruck zuck in Narnia. Saßen auf Deck, schauten auf den Hafen und waren zwar müde, aber unbeschreiblich glücklich.

Yachthafen Abendstimmung


Den Liegeplatz in Narnia haben wir bis auf weiteres übernommen, für dies Jahr ist er eh bezahlt und gehörte zum Paket dazu. Den angrenzenden Ort kennen wir bereits aus den letzten Jahren, witzigerweise diente er uns bereits 3mal als sicherer Hafen bei schlechtem Wetter. Die Infrastruktur ist super, es ist DER Seglertreff in Friesland schlechthin. Und was für Segler gut ist, ist auch für Motorboote fein. Wir sind in 2 1/ 2 Std. da, das ist zwar eine Nummer, aber wir schauen erstmal, wie wir das auf Dauer finden. Wir wüssten noch ein anderes Gebiet, kurz hinter Arnheim, das wäre eine Stunde weniger. Halten wir als Alternative im Hinterkopf, glauben allerdings, wenn wir dorthin umziehen würden, würden wir jedes Mal bei Ankunft denken, nur noch eine Stunde und wir wären im gelobten Narnia Land.

Nun aber waren wir erstmal da. Der Donnerstag ging geplant drauf für Erledigungen. Erster wichtigster Punkt war das Namensschild. Wir hatten Hoffnungen in den Ort gesetzt, weil dort immer noch Plattbodenschiffe nach alter Tradition gebaut wurden und wir wollten auch so ein Holzschild, wie es eigentlich auch auf diese Aquanaut-Reihe gehört hatte. Die angrenzende Werft konnte uns zwar mit Namen helfen, selbst machen die es aber auch nicht. Auch die beiden Bootsbedarf-Läden erwiesen sich zwar als hilfreich, aber man konnte uns nur verweisen. Schade. Wir verspürten wenig Lust, die nächsten kostbaren Narnia-Tage mit Namensschild-Rumgondeleien zu verbringen. Google ist unser Freund und wir beschlossen, das zuhause über dieses Internet zu regeln. Vielleicht setzt es sich ja doch durch .....

Dann traten wir noch in ergiebige Action und bekamen erwartungs- und erfahrungsgemäß alles, was für's Erste auf unserer Liste stand. Sogar frisches Holland-Sushi für das erste Abendessen an Bord.

Gepäck an Bord mit Handkarren
Erstmal alle Plörren an Bord. Einräumen kann man auch an der Marrekrite 
Freitag dann warfen wir die Leinen und ab auf die erste Tour mit UNSEREM Boot. Wir fuhren die große Kanalrunde über Woudsend, glitten über das Aquadukt des Johan Friso Gott hab ihn selig und drehten zwei Runden durch Lieblingskanal und am Gewittersteiger vorbei. Zwei, weil wir ja gucken wollten, wo ein besonders schöner Marrekrite Platz frei war. Wir entschieden uns schließlich für den Kanal, an dem wir vor wenigen Wochen erst den Urlaub mit der Ardeche begonnen hatten und legten an.  Witzigerweise konnte ich uns die ganze Zeit sehen, wie wir da Anfang Mai auf der Ardeche gesesssen hatten, mehr oder weniger ahnungslos, dass wir schon wenige Wochen später wieder da sein würden. Mit eigenem Boot und mitten in der Saison, die wir uns sonst nie geleistet hätten. Auf der Ardeche hatten wir zwar ab und an - jedes Mal, wenn eine Aquanaut vorbei fuhr - über die Maybe gesprochen. Aber wir hatten im Laufe der Jahre soviele Boote besichtigt, in der Woche gingen wir noch nicht im Geringsten davon aus, dass wir wirklich zu Potte kommen würden.

Naturschutzgebiet Sneeker Meer

Mit der Ardeche im Mai im Naturschutzgebiet Frijgerzen. Niemals hätte ich gedacht, nur wenige Wochen später wieder da zu sein. Unfassbar.

Frijgerzen, nur wenige Wochen später. Wir können es kaum glauben
Derselbe Kanal, andere Kanalseite, anderes Boot. Ich kann es immer noch nicht glauben. 


Am Samstag war es weniger windig, das Wetter versprach einiges. Wir beschlossen, einfach da zu bleiben, wo wir waren. Wir wollten einiges am Boot machen, Chrom polieren, einräumen, umräumen, ausräumen, dekorieren. Unsere eigene Deko, vor allem die Geschenke sollten einen herausragenden Platz erhalten. Alles halt so einrichten, wie wir es gut finden und brauchen. Und das geht ja prima an einer Marrekrite. Mit vielen Pausen zwischendurch, ergiebigem Kanalkino, Coffee, Cookjes und pre-cooked Nasi Goreng vom in dieser Hinsicht wie überall bestens ausgestatteten Holland-Supermarkt. Kurzum:  jedes gängige holländische Klischee bedient. Aqua-Camping wie aus dem Bilderbuch.

Das holländische Traum Klischee
der holländische Traum - Aquacamping mit allen Klischees

Sonntags fuhren wir dann zurück. Eine ungeplante Runde über das Sneeker Meer, der Gewittersteiger-Kanal war uns zu voll. Es war Bombenwetter, alles, was auch nur ein Mini-Segel hatte, war auf dem Wasser. Dementsprechend war die Rückfahrt. Langsam, langsamer, am allerlangsamsten. Der Rückweg über den JFK ( JohanFriso-Kanal) war Kamener Kreuz in Vollendung. Aber was soll's. Es gab viel zu sehen, wir thronten auf der Aquamarijn, ein leichter Fahrtwind belebte den Tag. Zurück im Hafen legten wir ein leider nur grenzwertiges Anlegemanöver hin, da ist noch Luft nach oben. Dann Boot putzen, entstauben, spülen. Was man eben im Hafen so macht als Bootsbesitzer.

Die nächsten in Angriff zu nehmenden Punkte: Der Strom-Kreislauf. Kühlschrank und Stecker sind nur an den Landstromkreislauf angeschlossen, die Vorbesitzer waren eben Hafenlieger. Dabei lädt die bordeigene Solaranlage die Verbraucher-Batterie des Bootes formidabel auf, eigentlich allerbeste Voraussetzungen. Erste Adressen haben wir, die wir deswegen ansprechen werden. Solange behelfen wir uns mit dem Umwandler, den wir in einer der unzähligen Bootskisten voller Werkzeug fanden. Ging auch.

Bootsleben ist eben die teuerste Variante unbequem zu leben. Aber auch die geilste.


Die Nennung der Werft dient der Vollständigkeit. Dies ist keine bezahlte Werbung. Auch keine unbezahlte. Allenfalls eine unaufgeforderte. Aquanaut selber hat nicht die geringste Ahnung davon, dass wir jetzt dieses Boot besitzen und deren Loblied singen.