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Montag, 1. Juli 2024

Midsommer auf dem Boot

Dieses Jahr konnten wir uns endlich einen Wunsch erfüllen. 

Midsommer auf dem Boot in Nederland

Oft haben wir darüber gesprochen, Mittsommer an einer Marrekrite zu liegen oder am Ijsselmeer zu sein. So starteten wir bei gutem Wetter und Sonnenschein zu einer Marrekrite im 

Gaastmeer

Belohnt wurden wir mit traumhaften hellem, weißem Licht bis spät in die Nacht und spektakulärem Sonnenuntergang.


Sonne spiegelt sich im Wasser

Blick über Wiesen und kleinem See

Boot mit Innenbeleuchtung am Abend am Steg

Sonnenuntergang vom Boot aus, Abendrot am Horizont

Sonne kurz vor dem Untergang spiegelt sich im Wasser


Danach ging es dann weiter zu unserem Lieblingsort am Ijsselmeer 

Stavoren

Einmal im Jahr müssen wir dort hin. Für alle der perfekte Ort, den wir binnen mit dem Boot am Ijsselmeer erreichen können. Nie langweilig, es gibt immer viel zu gucken. 
Im Passantenhaven Binnen


Captain und Hund auf der Insel im Passantenhaven Stavoren


die Schleuse



der Deich incl. Schafe und das Ijsselmeer

Hund auf dem Deich am Ijsselmeer, im Hintergrund Schfe

Hund beobachtet die Schafe auf dem Deich


der alte Buitenhaven

Captain und Hund beobachten die Schiffe im alten Hafen


Und überall Plätze zum Toben für Fussel

Hund im Wasser am Strand vom Ijsselmeer



Hund wälzt sich im Sand am Strand

Hund auf der Wiese auf dem Deich vor dem Ijsselmeer


Dieses Jahr haben wir die Marina Buiten etwas genauer erkundet, auch dort noch weitläufige Wiesen und ein kleiner Strand. Trotz wirklich gutem Wetter nach langer Zeit und Wochenende war es nicht zu überlaufen. Einige aus unserem Heimathafen Eendracht hatten die gleiche Idee und so verbrachten wir einen Abend in geselliger Runde in einem Lokal an der Schleuse. Dort entdeckten wir ein Bild, hat Fussel uns etwas verheimlicht ? 

Gemälde zeigt Hund am Strand vor dem Deich am Ijsselmeer

Sonnenuntergang / Midsommer am Ijsselmeer


Captain und Hund spazieren am Strand im Sonneruntergang

Blick vom deich über das Ijsselmeer, Sonne beleuchtet den Horizont

Schafe grasen auf dem Deich im Sonnenuntergang

Roter Abendhimmel  über Stavoren vom Boot aus gesehen

Alter Aussenhafen im Sonneruntergang

Auf der Rückfahrt zu unserem Heimathafen nach Heeg haben wir dann noch einmal eine Nacht im Gaastmeer verbracht. Es war ein traumhaftes Bootsfahrwetter 

Blick auf den Kanal bei der Ausfahrt vom Passantenhaven


Daher noch eine kleine Extrarunde über den Kanal bis kurz vor Workum. Diesen sind wir vor Jahren erst einmal gefahren als Start zur Workumer Trekvaart. In Workum selbst waren wir noch nicht mit dem Boot, steht noch auf unserer To-Do Liste.

Aber jetzt wird erst einmal ein altbekannter Ort neu erkundet, nicht mit dem Boot, Logbucheintrag folgt...
   

Dienstag, 21. Mai 2024

Die erste Bootstour der Saison

Für diesen Aufenthalt an Bord war eine erste Tour geplant und der Plan ging auf. Das Wetter spielte mit, wir genossen die ersten Tage noch im Heimathafen, Sonne und den 'Wochenendtrubel'. 

Besuch und erster Törn 


Besuch vom Niederrhein hatte sich angekündigt, Losung "Ahoi Felicita"  Simone und Stefan vom gleichnamigen Insta-Account waren mit ihrem Boot in Friesland unterwegs. Eine Übernachtung in unserem Hafen sollte sein, kein Problem. Passentenplätze sind um diese Jahreszeit immer frei. Wir verbrachten schöne, lustige Stunden miteinander, der Sprockhöveler Magenwärmer - ein ganz spezieller Anlegeschluck - trug dazu bei.

Kleines und großes Pappschaf

Simone und Stefan fahren zum Liegeplatz


Motorinspektion


Bevor wir dann Dienstags in See stachen noch ein kurzer Besuch bei unserer Schiffs-/Motorwerkstatt des Vertrauens. Eine Anmerkung auf der aktuellen Rechnung klären, Termin vereinbaren. Diese hatte zuvor die verabredete Inspektion durch geführt:
  • Kraftstofftank reinigen, Wasser abpumpen - Diesen hatten wir extra über den Winter nicht vollgetankt wegen der Reinigung und so sammelt sich dann immer Wasser im Tank 
  • Alle Filter und Öl wechseln
  • Impeller wechseln - Dieser saugt das Wasser von außen in den Kühlkreislauf des Motors
  • Stopfbuchse kontrollieren, nachziehen - Diese dichtet die Welle/den Antrieb nach außen ab. Besteht z.B. aus Filz und muß auch gefettet werden, damit die Welle sich drehen kann bzw. damit nichts heiß läuft. Nach dem Winterlager ist sie in der Regel sehr trocken, der Filz muß sich  einmal voll Wasser saugen, damit die Stopfbuchse wieder richtig abdichtet. 
  • Bilge reinigen - Die Bilge ist quasi ein kleines Auffangbecken unterhalb des Motors / der Welle, Öl, Wasser und sonstiger Schmodder sammelt sich da. Das Wasser kommt in der Regel durch die vorerwähnte Stopfbuchse.
Stellt die Werkstatt dann noch Mängel fest, die behoben werden sollten, teilen sie dieses auf der Rechnung mit. Bei uns war es der Schlauch der Lenzpumpe. Dieser ist aus einem Material, welches im Alter durchbrechen kann und nicht erst porös wird. Im Fall der Fälle würde damit kein Wasser mehr nach draußen abgepumpt. Die Lenzpumpe ist unten in der Bilge, tiefste Punkt des Bootes, eingebaut. Sollte Wasser eintreten wird sie automatisch durch einen Schwimmer aktiviert.

Balk


Unser erster Törn führte uns dann nach Balk, hatten wir letztes Jahr nicht auf dem Programm, mal sehen, was es so neues gibt. Balk hat einen relativ neuen Passantenhaven, direkte Einfahrt vom Slotermeer über die Luts, welche durch Balk fließt.

Die Luts, Kanalansicht Richtung Slottermeer

Der Hafen ist klein und überschaubar, hat aber zwei Hafenbecken, eines davon für größere Boote. Dort legen auch wir immer an, eine schöne Aussicht und große Wiese für unseren Fussel.

Hafenbecken außen in Balk

Britta und Fussel auf der Bank vor dem Boot

Dirk und Fussel auf Wiese gegenüber vom Passantenhaven


Wir blieben bis Freitag, genoßen das erste Eis dieser Saison bei einem Stadtbummel und überhaupt den ersten Törn.

Die Luts im Ortscentrum von Balk


Christi Himmelfahrt wurde es dann knalle voll, aber auch das ist der Reiz, es gibt immer was zu gucken.

Großer, wolliger Hund geht spazieren


Belangenvereniging 


Die Belangenvereniging, Vereinigung der Liegeplatzinhaber, ist eine tolle Sache, kümmern sich um (fast) alles, organisieren auch Bootstouren, Für deutsche Mitglieder wird extra aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt. Samstag dann die jährlich Versammlung, immer interessant, konstruktiv und z.T. auch lustig. Wenn ich da an so manchen Elternabend in der Schule denke...
Probleme werden besprochen, die Hafenmeister sind anwesend und berichten über die Zukunftspläne für den Hafen, welche Arbeiten anstehen. Aktuell müßen im nächsten Winter weitere Stege und Spundwänder erneuert werden, um die Substanz des Hafens zu erhalten.

Abends das jährliche Barbecue der Belangenvereniging - Für genügend Grillgut und Getränke ist gesorgt, jeder grillt für sich selbst an den großen Grills. Man kommt in Kontakt mit den Bootsinhabern, die nicht unmittelbar am eigenen Steg liegen, neue werden begrüßt. Fast immer die erste Frage : Wo liegt Ihr ? Ach da, Platz ... .


Persenning imprägnieren


Nach dem Vergnügen noch die Arbeit am nächsten Tag. Die Persenning musste imprägniert werden.
Eigentlich nicht schwierig, aber...... Die Emulsion wird mit Wasser gemischt und dann mit einem Schwamm, weichen Bootsbesen aufgetragen. Sie schützt und dichtet wirklich gut, hat nur den Nachteil, dass sie sich sehr schwer von Fenstern, dem Deck entfernen lässt, wenn etwas über tropft. Also muss einer auftragen und der zweite mit einem Lappen bereitstehen, um die Tropfen direkt aufzufangen / wegzuwischen.

Dirk auf dem Vordeck reinigt die Persenning


Als mittlerweile eingespieltes Team haben wir natürlich auch das gemeistert, jetzt können die nächsten Törns in Ruhe geplant werden.


Donnerstag, 21. September 2023

Weil es so schön ist - Stavoren 2.0

Hafeneinfahrt Stavoren
Aquamarijn nimmt Kurs 
War das ein ein Wetterken letzte Woche! Die alten Weiber  (nochmal bittegerne ) ließen sich dies Jahr nicht lumpen und bescherten uns nach dem Nichtsommer und der unfreiwillig kurzen Stippvisite in Stavoren DIE Gelegenheit für 

Stavoren 2.0. in diesem Jahr 

Wir hatten ein großartige Zeit. Wir sind so so gerne in diesem schönen Ort am Ijsselmeer. Soviel Hafenkino, so eine schöne Atmosphäre, immer nette Menschen, immer ein guter Austausch. Als wir in den Hafen einfuhren, wurden wir direkt ge-spotted. Insta-Fame und so ;) ( dazu später mehr) 

Es war noch nicht viel los im Hafen - das sollte sich zum Wochenende hin ändern. Wir bekamen unseren Lieblingsplatz an der Insel des Passantenhafens - was besonders für unseren Bootshund toll ist. Direkt an der Wiese, viel Platz zum rumtollen und Freundschaften schließen. 


Lieblingsplatz in Stavoren

Tierische Begegnung in Stavoren

Highlight Insta-Treffen mit den Hafenhoppern 


Instatreffen in Stavoren

Diesmal hatten wir ein besonderes Highlight. Insta-Freunde aus Bremen, die Hafenhopper genießen einen ausgedehnten Bootsurlaub im schönen Fryslan und waren vor Ort. Da es den Beiden auch so gut am Ijsselmeer gefiel und wir soviel Spaß hatten, verlängerten sie spontan ihren Aufenthalt dort. So dass nicht nur Fussel, Enya und Luna ausgiebig Zeit zum kennenlernen hatten.

 

Hund und Katzen
Und Sie sind.....? 

Wir waren viel am Strand, mit den Füßen und der Schnauze sogar im Wasser. Ich hatte meine Fiets mit und fand dabei einiges Erstaunliche unterwegs: 


Straßenkunst Koudum
Ja, ist denn heut schon Ostern? 


Denkmal Melkwierum
Oceanic Airways? Flug 828? 

Ich habe im Logbuch schon viel über Stavoren geschrieben und warum der Ort für mich eine besondere Bedeutung hat. Wer es noch nicht gelesen hat - bitte hier entlang: Das Vrouwtje van Stavoren und das Ruhrpottmädchen 

Da ich öfter Fragen zu Stavoren beantworte, nachfolgend zusammengefasst ein paar Antworten auf die 

FAQs 

Anreise mit dem Boot: Binnen über den Johan Friso Kanal - über das Heeger Meer, de Fluessen, Aquadukt von Galadammen. Schleuse: keine. Brücke: eine bei Warns. Mit gelegentlich langer Wartezeit, wenig Festmachmöglichkeit, dafür aber unangenehmen Winden und Strömungen. Buiten: über das Ijsselmeer. Schleuse: eine mit zwei Kammern und direkt angeschlossener Brücke. 

Häfen: Marina Stavoren 2 x, einmal binnen, einmal buiten. Platz auch für Passanten, 
Stavoren Passantenhafen
melden am Meldesteiger. Wir waren noch in keiner der Marinas, finden aber, dass sie aber einen guten Eindruck machen. Einige private Jachthäfen - können wir nichts zu sagen. Bekannte sind fest in de Roggebroek und dort sehr zufrieden. Der alte Hafen im Ort: Zugang nur vom Ijsselmeer. Immer voll, viele große Plattbodenschiffe, viele Gruppen, viele Kneipen. Unser Favorit: Der Passantenhafen binnen. Plätze längs der Kaden und an der Binneninsel. Zieht sich durch den ganzen Ort, auch hinter der Brücke sind noch viele Plätze. Anmelden über die Marina-App oder warten, bis der Hafenmeister seine Runden dreht. Strom am Steg inclusive, Wasser separat. Preise moderat. Sanitäranlagen nicht die modernsten, aber sauber. 

Versorgung: Gut zugängliche Tanke für Boote und Autos. Großer Supermarkt mit Boots-Anlegemöglichkeit. Guter Metzger. Kleinere Boutiquen im Ort. Leider kein Bootsbedarf mehr im Ort. Am alten Hafen und am Passantenhafen jeweils eine sehr gute Fischbude. Etliche Restaurants. Wir waren bisher in de Kruidmolen und im Posthoorn, bei beiden sehr zufrieden. De Kruidmolen bietet auch einen Abhol-Service, den wir auch diesmal genutzt haben. 

Sehenswürdigkeiten: Das Vrouwtje natürlich und der Buttje Brunnen - einer der Elfsteden-Brunnen. 

Vrouwtje van StavorenButtje van Stavoren

Fahrradtouren: Stavoren ist ein Teil der Zuiderzeeroute. Man kann auch kleinere Teile davon fahren, immer am Ijsselmeer entlang mit schönen Ausblicken. 

Strand: Fußläufig von allen Marinas zu erreichen. Klein, aber fein. Fällt sachte ab, ist seit dem großen Sturm im Juli allerdings etwas abgebrochen. Ich hoffe, die kundigen Niederländer schütten wieder etwas auf. Hinter dem Strand beginnt auch ein schöner Fußweg am Ijsselmeer entlang. Achtung: lebende Drempels ...... 

Schafe Deich Stavoren

Mit Hund am Strand Stavoren



Ein erstes Resümee findet Ihr hier: Abgesang auf die Bootssaison 2023 - Irgendwas war immer ! 

               

  

Freitag, 4. August 2023

Nach Mittsommer kommt Nichtsommer

Tach auch Liebeleins! Isset nich wunderfein? Der wärmste und längste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wo bleibt der Hitzeschutzplan? Moppern auf hohem Niveau - ich weiß. Wir haben wenigstens die Möglichkeit, uns flexibel um das Wetter herum zu planen. Dennoch - erst gab es keinen Frühling, dann verwindeten all unsere Mittsommer-Planungen und jetzt? 

Nach Mittsommer kam - der Nichtsommer 


Mitte April sind wir ins Wasser gegangen, seitdem begleitet uns der Wind. Nicht einfach nur Wind, sondern viel davon. Selten nur sind wir unter Windstärke 4 gekommen, zwei harte Sommerstürme sind in NL schon über Land gezogen. Seltenst konnten wir gemütliche Sommerabende an Deck genießen, dafür sind die Arktis-tauglichen Schlafsäcke wieder im Einsatz.    


In den niederländischen Schären 


Gleichwohl wagten wir im Juli eine Tour ins Outback, bevor die Hochsaison startet und es "druk op de water" wird (Spoiler: Es ist nach wie vor überall ziemlich leer. Wonder why) Wir fuhren bei erträglichen 3 - 4 Windstärken den großen Schlag bis hinter das Sneeker Meer. Rund um die größeren Meere versteckt die friesische Seenplatte besondere Kleinode, sogenannte Poelen. Kleine Seen mit wenig Tiefgang. Nicht für alle Boote geeignet, sorgfältiges Studium der Wasserkarte und Kontrolle des Tiefenmessers dringend angeraten. In den Goingarijpster Poelen fanden wir einen wunderbaren Marrekrite-Platz. Nicht nur ich finde, dass diese Poelen durchaus mit skandinavischen Schären mithalten können.   

friesische Schären


Endlich eine Fahrt ins Blaue 


Gerne wären wir länger draußen geblieben, angedacht war ein Abstecher in die Terkaplester Poelen . Aber - für die nächsten Tage prognostizierte der Buienradar unseres Vertrauens zur Abwechslung Starkwind und viel Regen.  Auf Umwegen fuhren wir zurück in den Schutz des Heimathafens. Ein echter Ruhe vor dem Sturm Tag gönnte uns eine Fahrt ins Blaue. Bootfahren kann so beglückend sein.    

Fahrt ins Blaue

Better safe than sorry


De Entscheidung war richtig. Das Wetter gab alles. Sturm bis Windstärke 7, heftige unberechenbare Böen und wenigstens eine Belohnung für alle tapfer an Bord ausharrenden: Einen Regenbogen, der sich einmal quer über das ganze Hafenbecken ausdehnte. 

Regenbogen über Hafenbecken


Abgehobene Strandtage im Nichtsommer 


Nach dem stürmischen Wochenende zeigte sich leichte Besserung. Sprich es gab ab und ein Zeitfenster ohne Regen. Mit Windstärke 4 - 5 selbstredend. Nicht soooo toll für eine Bootstour.  Auf 4 Rädern fuhren wir für einen "Strandtag" ans Ijsselmeer. Gut eingemummelt schauten wir denen zu, die sich über den Wind freuen. Fussel fand es auch spannend, er war auch ohne Kite mehrfach kurz vorm Abheben. 

Kitesurfer Workum


Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in die Ijs-Borderij Margje am Workumer Trekweg. Eis geht schließlich bei jedem Wetter, sind wir uns einig oder? Und gehört zu einem Strandtag ja wohl dazu. Übrigens ein echter Geheimtipp in Friesland, fragt ruhig. Gourmet Fussel kam auch nicht zu kurz, er liebt es, die Spitzen von frischem Gras abzuknabbern und davon gab es reichlich. 

Ijsborderij Margje



Meerweh 

Ausblick aufs Wattenmeer
Am zweiten einigermaßen schönen Tag packte mich das Meerweh. Unterversorgung mit Vitamin Sea - wer kennt diesen Notfall nicht. Wir fuhren an den Punkt, an dem Ijsselmeer und Nordsee zusammentreffen, zum Hafen von den Oever. Einer der größten Fischerei-Häfen der Niederlande. Dort ließen wir uns den Starkwind um die Nase wehen. Unseren Dr. Fussel immer fest an der Leine, nicht, dass er abhebt. Der Hafen von den Oever ist beeindruckend, dazu gibt es einen schönen Panorama-Weg hin zum Weltkulturerbe Wattenmeer mit Aussichtspunkt. 

Hafen den Oever



Schockverliebt in Bruno 

Danach wurde das Wetter wieder grottiger, einmal regnete es fast 30 Stunden durch. Doch wir harrten aus. Denn auf uns wartete ein Höhepunkt im Sommerprogramm. Meine Schwägerin und ich hatten ein Date. Und waren sofort schockverliebt. In Bruno und in die ganze Herde der Alpaka World Friesland. Es war ein großartiges Erlebnis, die begleitende Führung war toll, die Tiere geliebt, gepflegt und tiefenentspannt. Kann ich wärmstens empfehlen. 


Schockverliebt in Bruno



Derzeit wettern wir zu Hause im Ruhrpott ab. Abwarten, was der Nichtsommer uns im weiteren Verlauf andient. Ich bin mindestens so skeptisch, wie Kollege Alpaka. Mehr Fotos und Videos zum Date mit Bruno und den anderen Touren findet Ihr in epischer Breite in meinem Instagram Feed und den Stories. Ich freue mich, wenn Ihr da rein schaut, hier wie dort Kommentare hinterlasst. Auch Re-Posts und Verlinkungen werden gerne genommen. Wissta ja. 
      

Skeptisches Alpaka

     Allen solange eine schicke Zeit!
 Datet keinen Bruno, den ich nicht auch daten würden.     


Und da better safe than sorry kennzeichne ich diesen Post als Werbung, unbeauftragt, alles selbst bezahlt. Wegen Namensnennung der besuchten Bauernhöfe. Gibt nichts, was es nicht gibt. Die Welt wird immer bekloppter.    

Mittwoch, 22. März 2023

Immer diese Passanten

Immer diese Passanten 

Wir hatten eine tolle Saison im letzten Jahr. Aber - irgendwas ist ja immer. Auch im Paradies gibt es manchmal Ärger. Ob im Hafen oder auf Instagram - ein unschönes Thema kommt immer wieder hoch:  Seit Big C viele Neulinge aufs Wasser und in die Häfen gelockt hat, ist die gute alte Seemannschaft nicht mehr jedem ein Begriff. Wir bedauern das alle sehr. Ich hatte über das sehr gefährliche Brückenmanöver berichtet, welches uns erschreckte. Den Reaktionen musste ich entnehmen: Wir waren nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. 

Noch etwas gab immer wieder Grund für Klagen. Das teils unterirdische Benehmen von Passanten in den Häfen. Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben. Ich hatte ihn schon so gut wie verworfen. Will ja keine die grantige Kojen-Rentnerin geben. Aber die ganze Saison über verging kaum ein Tag, an dem Passanten nicht unangenehm auffielen. Entweder bei uns oder es kam in der Instagram-Boots-Bubble auf. Auch nach der langen Winterpause mit Ausblick auf die neue Saison kam das Thema immer wieder hoch. 


Ja, wir sind auch oft Passanten. 

Darauf bedacht, als Gastlieger den Gastgebern Wertschätzung und Rücksichtnahme entgegen zu bringen. Die meisten Passanten benehmen sich auch so. Jedoch: s.oben, Big C , Seemanschaft und so. Viele scheinen Grundregeln des Miteinander verlernt zu haben. Rücksichtnahme Fremdwort. Viele wollen sich jetzt erst recht nehmen, was (wieder) geht. Lange war es gerade im maritimen Umfeld anders. 

Worum geht es hier überhaupt? Was ist hier mit Passanten gemeint?  

Eine  kleine Einordnung: Für die Freizeitschifffahrt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo und wie man über Nacht liegen kann, wenn man als Passant mit dem Boot unterwegs ist. In den Niederlanden ist diese Infrastruktur überdurchschnittlich gut. Eine dieser Möglichkeiten ist es, einen freien Platz in einem regulären Yachthäfen zu ergattern.   

Liegeplatz Yachthafen Niederlande

Das Yachthafen-Karussell - Passanten willkommen 


Unser Boot liegt in einem privat betriebenen Yachthafen. Wir mieten unsere Box ganzjährig, haben einen festen Liegeplatz und können dort liegen, solange und so oft wie wir wollen. Inclusive Nutzung sämtlicher Angebote des Hafens. Vergleichbar mit einem Campingplatz. Wir sind also quasi Dauercamper. Wenn wir mit dem Boot über Nacht weg sein werden, sagen wir im Hafenbüro Bescheid. Der Hafenmeister oder die nette Dame im Büro wissen dann, unsere Box ist frei. Wenn ein Passant kommt, kann er da rein. Der Hafen verdient damit zusätzliches Geld. 

Schon, wenn man vom Heeger Meer abbiegt und den Schildern zu unserem Hafen folgt, liest man diverse Male: Passanten welkom. Aber auch: Passanten bitte melden beim Hafenmeister. Anlegen bitte erst am Meldesteiger. Mehrere Male. Mehrsprachig. Am Meldesteiger ist das Procedere dann erklärt. Am Hafenbüro dito. Ist dort keiner, kann man klingeln und es meldet sich sofort jemand. Dieses Procedere funktioniert in den meisten Häfen gleich. Es entsteht so in der Saison ein eifriges Karussell, welches allen dient. Simpel und gut. Sollte man meinen. 

Meldesteiger für Passanten im Yachthafen



The Regels are the Regels - eigentlich 


Aber: Es gibt immer und überall welche, für die Regeln nicht gelten. Die einfach durch einen Hafen brettern, voller Einsatz Bug-und Heckstrahlruder und sich den Platz aussuchen, den sie gerade schick finden (oder den, den sie als nicht ganz so schwer zum Anlegen empfinden) Dann wird das Boot mehr oder weniger fachmännisch festgemacht und man geht erstmal fein in den Ort. Dem Passanten doch egal, ob er sich beim Hafenbüro melden sollte. Dem Passanten doch egal, ob der Liegeplatzinhaber vielleicht noch zurück kommt. Oft kann man schon dankbar sein, wenn das Boot wenigstens so festgemacht ist, dass es keine Schäden an Nachbarbooten anrichtet. Und wenn doch der Meldesteiger genutzt wird, kann man von Glück reden, wenn dieser heil bleibt. Alles schon da gewesen. 

Manchen ist auch gar nicht klar, dass sie in einem privaten Yachthafen gelandet sind, sie sind halt nicht so versiert im Karten lesen und nehmen die erste Einfahrt, in der Passanten welkom steht. Dass der echte Passantenhafen eine Einfahrt später kommt, tja Pech, nee. Man liest Passanten welkom und ab dafür. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das führt natürlich zu echtem Verdruss, auch die Hafenmeister und Betreiber sind mittlerweile nicht mehr amused. Der Ton ist rauer geworden. Ich kann es gut verstehen. Klar, man kann sich mal vertun, man kennt sich vielleicht nicht gut aus. Aber wenn ich mit einem Boot unterwegs bin, dann informiere ich mich doch über die Gepflogenheiten. Jeder Vercharterer gibt ein Handbuch mit an Bord, wo diese Procedere genau beschrieben sind. 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 


Beispiele gefällig?: Es ist früher Abend, ich stehe mit einem Bootsnachbar am Steg, wir unterhalten uns. Von hinten kommt einer auf uns zu und quatscht sofort los: "Ey, Ihr da. Ich muss Euch mal was fragen"  Mir kommt sofort die Galle hoch und ich würde am liebsten fragen, ob wir schon mal zusammen an einen Baum gekotzt haben oder warum er mich so vertraulich anspricht. Mein Bootsnachbar ist schon geübter. Er ist ein echter hanseatischer Captain, dem kommt so schnell keiner doof. Er antwortet : "Ja, Ihnen auch guten Abend. Und Ja, wir sprechen deutsch. Und wir sind auch nett, wir unterbrechen gerne, um Ihnen zu helfen" Krchchch. Der Passant, leicht verunsichert, wirft sich aber erstmal in wichtige Pose "Wir liegen auf der 226 mit einer 14 Meter Yacht. Da können wir ja wohl bleiben oder?" Ich rolle die Augen. Wie er sich in Pose wirft, über die Haare streicht bei den Worten "14 Meter Yacht" Glaubt der, wir erstarren jetzt in Ehrfurcht? Weil wir nur knappe 10 haben? Achtung Spoiler: Wir sind das ganze Jahr hier, wir kennen jede Charteryacht in Friesland. Auch die 14 Meter Yacht, mit der er angibt. Er kann sich vielleicht mit seiner Crew für ein paar Tage die 14 Meter Yacht leisten, wir aber können uns eine 10 Meter Yacht das ganze Jahr und das nächste und die nächsten leisten. So nämlich. Mein Bootsnachbar erklärt mit Engelsgeduld das Passanten-Procedere und schlußfolgert: Wer lesen kann, ist halt klar im Vorteil. Eigentlich ganz einfach. Der Passant schleicht sich, kommt aber schließlich noch zurück, um sich zu bedanken. Immerhin. Du mich auch. Und nun gute Fahrt weiterhin. Und demnächst erst an den Meldesteiger. Nix einfach mit "14 Metern auf der 226"  

So in der Art ging es die ganze Saison munter weiter. Es ackern sich riesige Charteryachten durch den Hafen. Munter vor sich hin motzend "Was sind das für enge Boxen hier" "Wie scheiße ist das ausgeschildert" "Fresse halten" und erstmal rabumm gegen einen Poller. Immerhin nicht gegen ein Boot. Da sind wir ja schon dankbar. Zugegeben: Unser Hafen ist nicht für Anfänger. Es ist eng hier. Aber - bitte. Hat Euch keiner gezwungen, hier anzulegen. Besonders Motzer freuen sich, wenn sie in einer Box landen, wo der Liegeplatz-Halter feste Seile angebracht hat.  Diese Festmacher-Leinen werden selbstredend allzeit gerne von Passanten genutzt. So praktisch. Nice. Dass die Seile in 90 % der Passanten-Fälle anschließend dumm ins Wasser fallen gelassen werden - Shit happens.


Hafenkinoprogramm in Dauerschleife  


Es werden 20 Meter lange Querstege mit einem 8 Meter Boot komplett okkupiert, es ragen Boote soweit über die Stege hinaus, dass manövrieren für andere komplett unmöglich wird. Richtig nett auch die, die erstmal das komplette Charteryacht-Equipment auf dem schmalen Steg ausbreiten und es sich gemütlich machen. Ach, da wollen auch noch andere durch? Ja, blöd, ne. Hahaha. Da legen wir erstmal die Hälfte der  Klamotten über die Reling empfindlicher Segelboote. So what! Wenn der Hafenbetreiber keine Garderobenständer zur Verfügung stellt, was soll man da auch tun?   

Gar nicht zu reden davon, dass manche Passanten sich in den Sanitäranlagen austoben, als käme nach ihnen kein Mensch mehr. Und und und. Wie gesagt, es ist eine Minderheit, die sich so benimmt. Leider eine stetig wachsende Minderheit. Es gibt auch immer mehr Dauerlieger im Hafen, die sich zusehends ärgern. Es gibt Bootseigner, die dauernd Gastlieger aus ihren Boxen scheuchen müssen. Die sich zumeist uneinsichtig zeigen. Man solle sich nicht so anstellen und der Dauerlieger sich halt gefälligst seinerseits einen anderen Platz suchen. 

Ganz neu im Passanten-Kino: Auch wenn man kein Boot hat, ist ein Hafenparkplatz anscheinend begehrenswert. Da bleibt man solange auf der Straße, bis man mit einem Hafen-Anlieger durch das Tor fahren kann. Und wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten E-Auto-Lade-Plätze, auf denen man dann tagelang stehen bleibt. Auch wenn man da eigentlich nur stundenweise stehen darf. Dumm für die, die mit ihrem E-Auto den Heimweg antreten wollen und noch aufladen müssen. 

Hawaiihemden gehen immer. Nicht 


Noch spät in der Saison kamen sie mir entgegen. Vier erwachsene Männer in zu engen Shorts und bunten Hawaiihemden. Grölend einen der hafeneigenen Bollerwagen hinter sich her ziehend. Im Bollerwagen: halsbrecherisch gestapelte leere Bierkästen. Frohgemut zog man durch den Hafen, aus dem Hafen heraus, zum Supermarkt. Nachschub organisieren. Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer 4 Uhr.   
Bollerwagen im Hafen

Verblüffender Fakt: die hafeneigenen Bollerwagen sind nicht dafür gedacht, vatertagsmäßig durch den Ort zu ziehen. Die dienen wie in jedem Hafen dazu, sein Gepäck an den Steg zu verfrachten. Immerhin schön, dass der Bollerwagen zurück in den Hafen gekommen ist. Leider soll er nicht als Tisch-Ersatz am Boot verbleiben, er kommt wieder nach vorne zu den anderen. Damit auch andere diesen Bollerwagen nutzen können. Kleiner Hinweis: Der Ballermann ist wieder bespielbar. Nehmt doch bitte Schaufel, Eimerchen und Strohhalm und geht dahin. 

Für mehr "altmodisches" Miteinander 

              
Ich könnte endlos erzählen. Aber so ist es halt. Nicht nur in den Häfen. Sondern auch oft genug im ganz normalen Alltagsleben. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung werden immer weniger. Wie gesagt, in den letzten Jahren ist es ärger geworden. Die Ignoranz der Menschen und das sich zu allem berechtigt fühlen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auch in unserem Hafen wird, soll sich da noch so einiges ändern. Es wird so nicht weitergehen können. Obwohl es wirklich schade ist. Denn es ist auch oft sehr nett, sich mit Passanten zu unterhalten, auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Passantenkultur in den Häfen ist eigentlich eine schöne. Für beide Seiten gewinnbringend. Es wäre schön, wenn man sich darauf wieder konzentrieren könnte.