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Donnerstag, 25. Mai 2023

In dubio Heeg

Unser Heimathafen ist in Heeg. Der schöne kleine Ort in der niederländischen Provinz Friesland ist uns sehr ans Herz gewachsen. Aufgrund seiner exponierten Lage zwischen Ijsselmeer und den friese Meren sowie seiner sehr guten Infrastruktur macht so ziemlich jeder Wassersport-Urlauber in NL früher oder später Bekanntschaft mit Heeg. Het bruisend Watersport-Dorp - so wirbt der VVV für Heeg und das trifft es tatsächlich sehr gut. Ich sag es gerne mit einem gelungenen Bootsnamen:  

In dubio Heeg 

Im Zweifel Heeg

Heeg ist zu unserer zweiten Heimat geworden. Immer öfter erreichen mich Fragen zu Heeg, die ich auch gerne beantworte. Ursprünglich hatte ich geplant, einen "richtigen" Reiseführer-Beitrag über Heeg zu verfassen. Aber ich merkte schnell: das ufert aus. Es gibt auch genug verfügbare Informationen, die VVVs machen einen wirklich guten Job. Deshalb ist es ein ganz persönlicher Beitrag mit einer Mischung aus meinen Lieblings-Tipps und Antworten aus häufig gestellten Fragen geworden. Viel Spaß!   

Welchen Hafen soll ich ansteuern, wenn ich mit dem Boot nach Heeg komme? 

Es gibt unglaublich viele Häfen in Heeg. Das ungefähre Verhältnis: Auf 80 Einwohner kommt ein Hafen. Private Yachthäfen, die auch Passanten aufnehmen, wenn Platz ist. Häfen mit Charterbetrieb, an Werften angeschlossene Häfen. Ich würde als Passant in Heeg immer den offiziellen Passantenhafen Heeger Wal ansteuern. Als wir noch charterten, waren wir mehrmals dort und immer zufrieden. Die Hafenmeister waren immer freundlich und hilfsbereit. Soweit wir sehen und hören, hat sich daran auch nichts geändert. Es gibt Boxen für Boote aller Größen. Auch die sehr großen Plattbodenschiffe können dort festmachen. Daneben gibt es noch reichlich Platz für Wohnmobile mit allen Versorgungsmöglichkeiten. Der Passantenhafen liegt zentral am Heeger Meer, mit kleinem Strand, Liegewiese und Spielplatz. Mit wenigen Schritten ist man auch auf der kleinen Hauptstraße mit Geschäften und Restaurants, liebevoll "die Meile" genannt.  Ein paar Schritte weiter und man ist beim Supermarkt. 

  

Passantenhafen Heeg
Passantenhafen Heeg 


Kann ich auch im Zentrum von Heeg festmachen? 

Ja, man kann an allen Kaden festmachen. Aber - Übernachten ist nicht gestattet. Man darf dort nur tagsüber für wenige Stunden festmachen. 

Wie ist die Versorgungslage? Gibt es einen Supermarkt? 

Ja. Der kleine Krämerladen ist Geschichte. Nun gibt es einen richtig guten Supermarkt. Gleiche Besitzer, anderer Name, anderer Standort. Zu finden am Ortsende (vom Passantenhafen aus gesehen, knapp 5 min zu Fuß ) Der Markt ist gut sortiert, man bekommt alles für den täglichen Bedarf zu normalen NL-Supermarkt-Preisen. Die Mitarbeiter sind alle immer freundlich, die Waren sind immer frisch. Wir sind damit sehr zufrieden. Direkt am Supermarkts ist auch eine Kade, an der man kurz festmachen darf. Bevorraten mit Boot ist somit komfortabel möglich.

Kade in Heeg beim Supermarkt
Kade in Heeg, Nähe Supermarkt 

Blick auf Heeg
Blick von unserem Hafen auf Heeg 


Wie ist das mit Bootsbedarf? Komme ich da im kleinen Heeg zurecht?  

Und wie! Durch den Ort führt die Harinxmastrjitte, die bereits erwähnte "Meile". Dort findet man ein großes, gut sortiertes Geschäft für Wassersportbedarf. Mit allem, was man so im Regelfall braucht und mit einigem, was man nicht zwingend braucht, was aber schön ist. Viele Bootsfahrer planen einen Besuch in Heeg ein, weil das Angebot wirklich auf den Punkt ist. Dann gibt es noch 1001 - ein kleines Krämerwaren-Geschäft. Mutet an wie aus einer anderen Zeit, ist aber tatsächlich super sortiert. Fehlt Dir eine bestimmte Schraube, eine Lampe - 1001 hat sie. Und wenn nicht, dann haben sie dort eine Idee, wie man sie ersetzen kann. Ein echter Geheimtipp in Friesland. Der auch uns schon öfter gerettet hat.  Darüber hinaus gibt es diverse Werften, Bootsbaubetriebe, Schiffslackiereien. Alle meist gut gebucht, weil sehr kundig und wirklich hilfreich. Termine sollten vorher abgesprochen werden.  

Lohnt sich ein Shopping-Bummel? 


Naja. Wer bummeln will, ist schnell fertig. So groß ist die Auswahl nicht. 
Warenhaus Heeg
Aber es gibt ein bißchen was. Z.B. das Heeger Warenhaus. Ambitionierter Name für ein kleines Geschäft. Tatsächlich kommt man dort gut zurecht. Es gibt alle Haushaltswaren, die man so braucht, schöne Deko, Drogeriebedarf. Ich mag das Geschäft sehr gerne und komme dort immer erstaunlich gut klar. Besser als in so mancher Mall. Es gibt auch einen kleinen Elektro-Bedarf, aber das Angebot ist sehr überschaubar. Unser hoher Besuch brauchte im letzten Jahr ein Ladekabel, da blieb nur" Mutten Se na Sneek, da wo de grote Winkels sein"                   

Boutiquen: Wechselnd. Manchmal gibt es eine Pop-Up Boutique, seit Big C ruht da allerdings still der See. Auf dem Weg zum Supermarkt kommt man an einer teuren Boutique  vorbei. Mir gefällt sie nicht. .Das Angebot ist hochgestochen, der Service auch. An der drehbaren Brücke innerorts gibt es ein kleines Schmuckgeschäft, das Angebot ist niedlich, die Preise überschaubar. Überschaubarer als die Öffnungszeiten. 

Bäcker: Gibt es. Etwas außerhalb der Laufzone. Aber auf dem Weg zum Supermarkt ausgeschildert. Der Orangenkuchen ist ihr Markenzeichen, auch wirklich lecker. Sie beliefern auch den Supermarkt, man muss also den extra Umweg nicht machen, wenn man einen Großeinkauf startet. 

Heeg Friesland Ortsmitte
die Meile in Heeg 


Wo kann man zum Essen hingehen? Gibt es Nachtleben? 

Restaurants:  Etliche. Ich beschränke mich auf die, wo wir hingehen. Das alteingesessene 
de Boeier, solide Hausmannskost, gute Pizzen. Dort sitzen meistens die Einwohner und die, für die Heeg das zweite Zuhause ist. Der normale Tourist entscheidet sich eher für die etwas vornehmeren Restaurants oder die mit den großen Schildern. Wir sind aber lieber bei de Boeier. De Boier hat ein "richtiges" Restaurant, im Sommer auch mit Garten und Terrasse am kleinen Stadskanal und ein kleines Eetcafe mit kleiner Karte. Wer wirklich leckere Pommes und Frikandel will, ist dort richtig. Das Eetcafe fungiert auch als Dorfkneipe, im Winter wird der Billardtisch rausgeholt. Die andere große Imbissbude im Ort direkt am Passantenhafen ist auch ok. Die teureren Restaurants haben wir bis heute nicht ausprobiert. So ein Extra brauchen wir eigentlich nicht. Insidertipp in Heeg und in Friesland ist immer noch die Oude Vishal. Ein kleiner Imbiss mit Schwerpunkt Fisch und großer Terrasse am Ortsrand.  Familienbetrieb seit mehreren Generationen. Der Kibbeling dort ist klasse, der Service auch, die Aussicht erst recht. Wer dorthin will: Bemüht bitte Google Maps. Zum einen wegen des sowohl zu Fuß als auch per Boot schwierig zu findenden Wegs - wir nannten diesen Ort nicht ohne Grund Narnia. Zum anderen wegen der Öffnungszeiten. Die Vishal stand vor zwei Jahren aus privaten Gründen zum Verkauf, im letzten Moment zogen die Inhaber zurück und brachten es nicht übers Herz. Wir sind sehr froh darüber und nehmen auch die Kehrseite in Kauf: Die Vishal hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten aus privaten Gründen. Die aktuellen Öffnungszeiten werden aber sehr gewissenhaft bei Google eingepflegt, da kann man sich drauf verlassen. 

in der alten Fischhalle Heeg
Mit dieser Aussicht schmeckt der Kibbeling nochmal so gut  


Was gibt es noch für Übernachtungsmöglichkeiten?  

Es gibt einige Angebote. Mehrere Campingplätze, die auch Glamping und Mobilheime anbieten. Sowohl am Heeger Meer als auch an den landeinwärts liegenden Poelen. Einige Ferienwohnungen und Häuser. Ein Hotel. Eine Pension. Kein bed and breakfast von privat. Zur Ausstattung aller Angebote findet man beim VVV ergiebige Informationen. 

Ferienhaus Siedlung Heeg
Kunst am Kanal in der Bungalowsiedlung 

        

Welche Ausflüge kann man ohne Boot machen?  

Mit dem Auto kommt man schnell zu bekannten Wegmarken in Friesland. Zum Ijsselmeer fährt man mit dem Auto eine halbe Stunde, zur Nordsee nur wenig länger. Das Künstlerdorf  Workum empfiehlt sich mit schönen Geschäften und Gallerien zum Bummeln und Kite-Surfer-Watching, Makkum hat einen großen Strand, dort kann man super im Ijsselmeer schwimmen. Immer einen Ausflug wert ist Harlingen für das Nordseehafen-Feeling. Für größere Einkaufsbummel empfiehlt sich Sneek. Fahrradtouren gehen natürlich auch immer. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Heeg selbst hat zwei Knooppunte.  Überschaubare Runden kann man drehen via Ijlst, dort weiter am Kanal entlang nach Sneek und zurück. Nicht ganz so schön landschaftlich die Route nach Woudsend, aber immerhin mit einer tollen Rastmöglichkeit am Aquadukt. Immer schön die Runde über Oudega und Gaastmeer, mit mehr Zeit empfiehlt sich die Runde über die Aldegaaster Brekken. Dort kann man auch ganz prima baden. Außerdem gibt es am Passantenhafen noch die Möglichkeit, den "Fährverkehr" mit einem Plattbodenschiff nach Balk zu nutzen.       


Fährverkehr Heeg Balk
Fährdienst Heeg Balk mit Plattbodenschiff 



Fietsknooppunt Heeg
Stadtpark Heeg, Fietsknooppunt  

Ich hoffe, ich konnte ein bißchen anteasern und auch Heeg-Kennern ein bißchen was Neues vermitteln. Was möchtet Ihr noch gerne wissen? Es gibt bestimmt noch Fragen, auf die ich so jetzt nicht gekommen bin. 

Klarstellung aus Gründen: 

Genannte Geschäfte, Häfen, Restaurants etc. wissen nichts von ihrem Glück, dass sie in diesem Blogpost benannt werden. Es ist keine beauftragte und keine bezahlte Werbung. Es sind einzig und allein meine Erfahrungen und Tipps, die ich gerne und als Herzenssache weitergebe. Wenn das unter die Definition Werbung fällt - ja, dann ist das hier Werbung. Werbung nur beeinflusst von meiner eigenen Überzeugung. 


Freitag, 28. April 2023

Ich bin jetzt ein Bootshund!

Tach auch Liebeleins. Ja, da staunt Ihr? Nachdem ich schon erfolgreich den Blog der fabelhaften Ü-50er zeitweise gekapert habe, mach ich das jetzt auch mit dem Logbuch. 

Hund Promotion(gekapert hihihi) So ein Piraten-Vokabular - das passt jetzt zu mir wie nix. Ich bin jetzt nämlich ein Bootshund. Gestatten: Leichtmatrose Fussel bisher besser bekannt als Mr. Portugal, meines Zeichens Dr. Fussel, promovierter Käse-Experte in den besten Jahren. Ja, so ist das. Ich habe schließlich schon mehr als ein Leben hinter mir. 

Jetzt bin ich auch noch ein Bootshund! 

Ich hab mir zuhause schon die ganze Zeit gedacht "da ist was im Busch. Meine Menschen, die haben noch was in petto für mich"  Die sind zwar ebenso wie ich schon im gesetzteren Alter, aber auch ebenso erlebnishungrig. Die ganzen letzten Tage herrschte schon so eine Aufregung. Was da alles aus allen Ecken zusammengekramt und eingepackt wurde! Das sah schon fast nach einem kleinen Umzug aus. Und alles so maritim angehaucht! Letzte Woche ging es dann endlich los. Ich war ziemlich neugierig. 

Endlich angekommen - endlich an Bord 

Picknick im Hafen
Angekommen sind wir dann in einem Hafen. Das war toll. Soviel zu gucken. Wir gingen einen Steg entlang und meine Menschen meinten, das wäre jetzt unsere Sommer-Residenz. Ich wäre ja am liebsten sofort in eins der Boote da gesprungen, mehrmals hab ich einen Versuch gestartet. Aber erst machten wir einen Spaziergang. An lauter Kanälen entlang, bis zu einer sehr großen Halle.

Dort vor der Halle lag ein Boot im Wasser - und da durfte ich endlich draufspringen. Ich hatte auch gar keine Angst, ich war nur neugierig. Schick da oben, voll der gute Ausblick.
Zum ersten Mal mit Hund auf dem Boot


Dann bekam ich meine "Matrosen-Ausrüstung" und ab ging's. Zurück über die Kanäle. Diesmal auf dem Wasser. Das war toll. Es schaukelte, es vibrierte - ich hab sofort meinen Platz gefunden und es voll genossen. Angelegt haben wir dann an dem Steg, den wir vorher besichtigt hatten. Da hab ich das verstanden mit der Sommer-Residenz. 

Rettungsweste für Hund

Hund während Bootsfahrt


Immer Programm im Hafenkino 

Schön ist es im Hafen. Immer was zu gucken. Am Wochenende kamen ganz viele Leute, die natürlich  erstmal von mir angewufft wurden. Schließlich bin ich ja auch ein begnadeter Wachhund. Den Hafenmeister hatte ich vorher auch schon angewufft. Woher soll ich das wissen? Wenn der einfach auf unseren! Steg kommt und anfängt, zu quatschen. Aber jetzt hab ich es kapiert. Der ist der Chef. Und die anderen sind unseren Bootsnachbarn. Von da an hab ich mich von meiner besten Seite gezeigt. Und alle sind hellauf begeistert vom neuen Crew-Mitglied der Aquamarijn. Natürlich. 

Wachhund Bootshund

Bootshund

Meine Menschen hatten viel zu tun auf der Aquamarijn, aber alles lief nach Plan in diesem Jahr. Der Motor schnurrte, der Wassertank wurde gereinigt, die Persenning imprägniert und was alles so dazu gehört. Ich immer mittendrin.


Hund auf Steg laufen

Die schmale Gangway auf dem Boot laufe ich wie ein Döppken. Kein Moment des Zögerns. Nur umdrehen kann ich mich da nicht. Deswegen muss ich direkt immer eine ganze Runde laufen, wenn ich von Bord will. Aber nun - jeder Gang hält schlank. Abends war ich auch immer total kaputt. Selbst den abendlichen Anlegeschluck hab ich meistens verschlafen. Ich schlaf ja eh gerne und viel, aber an Bord nochmal mehr. Wo das so schön schaukelt, da träumt es sich noch besser. 

Bootshund  müde

Bootshund Crew

So viel Spannendes in der Umgebung  

Es blieb aber auch genug Zeit für ausführliche Spaziergänge rund um den Hafen. So spannend. Nicht nur, dass echt jeder Spaziergang an einem Wasser entlang führt. Seen, Kanäle, Grachten - unfassbar. Und so viele Tiere gibt es in Heeg. Ziegen hab ich gesehen, Hühner, Enten, Blesshühner. Und Hasen! Hasen leben im Hafen! Wie toll ist denn das? Noch waren sie schneller als ich, aber ich arbeite dran. Allerdings legen meine Menschen keinen großen Wert auf Hasenbraten. Stellt Euch das mal vor. Das ist doch doof. 

Mit Hund am Heeger Meer


Mit Hund am See

Spaziergang mit Bootshund

Kinderspiel für einen Wasserhund wie mich 

Meine Menschen sind sehr glücklich, dass ich auch alles so toll finde auf ihrem Boot. Ich sei der geborene Bootshund, meinen sie. Es wäre so, als ob ich noch nie was anderes gemacht hätte. Nun ja, in mir steckt halt Wasserhund, das sieht man doch wohl. Und ich bin halt eben clever. So eine Promotion macht sich ja auch nicht von alleine. Jedenfalls - alle hier an Bord freuen sich über den gelungenen Saisonstart und auf die neue Saison. Das wird ganz groß. 

Mit Hund im Hafen

P.S. Holländischer Käse ist auch sehr lecker. Vor allem der, den meine Menschen mir immer von dem großen gelben Stück absäbeln. 


Und hier geht es weiter mit der Saison. Viel Besuch über Pfingsten und wir gingen auf den ersten richtigen Bootstörn. Das war spannend !  

Mittlerweile bin ich schon erfahren und hab jede Menge Tipps. Vor allem für Liegen mit Boot in der freien Natur 


Ein erstes Resümee findet Ihr hier: Abgesang auf die Bootssaison 2023 - Irgendwas war immer ! 

Und hier ist der Rückblick auf die Höhepunkte der Saison. Die von meinen Menschen und vor allem natürlich von mir !!!!!! 

Mittwoch, 22. März 2023

Immer diese Passanten

Immer diese Passanten 

Wir hatten eine tolle Saison im letzten Jahr. Aber - irgendwas ist ja immer. Auch im Paradies gibt es manchmal Ärger. Ob im Hafen oder auf Instagram - ein unschönes Thema kommt immer wieder hoch:  Seit Big C viele Neulinge aufs Wasser und in die Häfen gelockt hat, ist die gute alte Seemannschaft nicht mehr jedem ein Begriff. Wir bedauern das alle sehr. Ich hatte über das sehr gefährliche Brückenmanöver berichtet, welches uns erschreckte. Den Reaktionen musste ich entnehmen: Wir waren nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. 

Noch etwas gab immer wieder Grund für Klagen. Das teils unterirdische Benehmen von Passanten in den Häfen. Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben. Ich hatte ihn schon so gut wie verworfen. Will ja keine die grantige Kojen-Rentnerin geben. Aber die ganze Saison über verging kaum ein Tag, an dem Passanten nicht unangenehm auffielen. Entweder bei uns oder es kam in der Instagram-Boots-Bubble auf. Auch nach der langen Winterpause mit Ausblick auf die neue Saison kam das Thema immer wieder hoch. 


Ja, wir sind auch oft Passanten. 

Darauf bedacht, als Gastlieger den Gastgebern Wertschätzung und Rücksichtnahme entgegen zu bringen. Die meisten Passanten benehmen sich auch so. Jedoch: s.oben, Big C , Seemanschaft und so. Viele scheinen Grundregeln des Miteinander verlernt zu haben. Rücksichtnahme Fremdwort. Viele wollen sich jetzt erst recht nehmen, was (wieder) geht. Lange war es gerade im maritimen Umfeld anders. 

Worum geht es hier überhaupt? Was ist hier mit Passanten gemeint?  

Eine  kleine Einordnung: Für die Freizeitschifffahrt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo und wie man über Nacht liegen kann, wenn man als Passant mit dem Boot unterwegs ist. In den Niederlanden ist diese Infrastruktur überdurchschnittlich gut. Eine dieser Möglichkeiten ist es, einen freien Platz in einem regulären Yachthäfen zu ergattern.   

Liegeplatz Yachthafen Niederlande

Das Yachthafen-Karussell - Passanten willkommen 


Unser Boot liegt in einem privat betriebenen Yachthafen. Wir mieten unsere Box ganzjährig, haben einen festen Liegeplatz und können dort liegen, solange und so oft wie wir wollen. Inclusive Nutzung sämtlicher Angebote des Hafens. Vergleichbar mit einem Campingplatz. Wir sind also quasi Dauercamper. Wenn wir mit dem Boot über Nacht weg sein werden, sagen wir im Hafenbüro Bescheid. Der Hafenmeister oder die nette Dame im Büro wissen dann, unsere Box ist frei. Wenn ein Passant kommt, kann er da rein. Der Hafen verdient damit zusätzliches Geld. 

Schon, wenn man vom Heeger Meer abbiegt und den Schildern zu unserem Hafen folgt, liest man diverse Male: Passanten welkom. Aber auch: Passanten bitte melden beim Hafenmeister. Anlegen bitte erst am Meldesteiger. Mehrere Male. Mehrsprachig. Am Meldesteiger ist das Procedere dann erklärt. Am Hafenbüro dito. Ist dort keiner, kann man klingeln und es meldet sich sofort jemand. Dieses Procedere funktioniert in den meisten Häfen gleich. Es entsteht so in der Saison ein eifriges Karussell, welches allen dient. Simpel und gut. Sollte man meinen. 

Meldesteiger für Passanten im Yachthafen



The Regels are the Regels - eigentlich 


Aber: Es gibt immer und überall welche, für die Regeln nicht gelten. Die einfach durch einen Hafen brettern, voller Einsatz Bug-und Heckstrahlruder und sich den Platz aussuchen, den sie gerade schick finden (oder den, den sie als nicht ganz so schwer zum Anlegen empfinden) Dann wird das Boot mehr oder weniger fachmännisch festgemacht und man geht erstmal fein in den Ort. Dem Passanten doch egal, ob er sich beim Hafenbüro melden sollte. Dem Passanten doch egal, ob der Liegeplatzinhaber vielleicht noch zurück kommt. Oft kann man schon dankbar sein, wenn das Boot wenigstens so festgemacht ist, dass es keine Schäden an Nachbarbooten anrichtet. Und wenn doch der Meldesteiger genutzt wird, kann man von Glück reden, wenn dieser heil bleibt. Alles schon da gewesen. 

Manchen ist auch gar nicht klar, dass sie in einem privaten Yachthafen gelandet sind, sie sind halt nicht so versiert im Karten lesen und nehmen die erste Einfahrt, in der Passanten welkom steht. Dass der echte Passantenhafen eine Einfahrt später kommt, tja Pech, nee. Man liest Passanten welkom und ab dafür. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das führt natürlich zu echtem Verdruss, auch die Hafenmeister und Betreiber sind mittlerweile nicht mehr amused. Der Ton ist rauer geworden. Ich kann es gut verstehen. Klar, man kann sich mal vertun, man kennt sich vielleicht nicht gut aus. Aber wenn ich mit einem Boot unterwegs bin, dann informiere ich mich doch über die Gepflogenheiten. Jeder Vercharterer gibt ein Handbuch mit an Bord, wo diese Procedere genau beschrieben sind. 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 


Beispiele gefällig?: Es ist früher Abend, ich stehe mit einem Bootsnachbar am Steg, wir unterhalten uns. Von hinten kommt einer auf uns zu und quatscht sofort los: "Ey, Ihr da. Ich muss Euch mal was fragen"  Mir kommt sofort die Galle hoch und ich würde am liebsten fragen, ob wir schon mal zusammen an einen Baum gekotzt haben oder warum er mich so vertraulich anspricht. Mein Bootsnachbar ist schon geübter. Er ist ein echter hanseatischer Captain, dem kommt so schnell keiner doof. Er antwortet : "Ja, Ihnen auch guten Abend. Und Ja, wir sprechen deutsch. Und wir sind auch nett, wir unterbrechen gerne, um Ihnen zu helfen" Krchchch. Der Passant, leicht verunsichert, wirft sich aber erstmal in wichtige Pose "Wir liegen auf der 226 mit einer 14 Meter Yacht. Da können wir ja wohl bleiben oder?" Ich rolle die Augen. Wie er sich in Pose wirft, über die Haare streicht bei den Worten "14 Meter Yacht" Glaubt der, wir erstarren jetzt in Ehrfurcht? Weil wir nur knappe 10 haben? Achtung Spoiler: Wir sind das ganze Jahr hier, wir kennen jede Charteryacht in Friesland. Auch die 14 Meter Yacht, mit der er angibt. Er kann sich vielleicht mit seiner Crew für ein paar Tage die 14 Meter Yacht leisten, wir aber können uns eine 10 Meter Yacht das ganze Jahr und das nächste und die nächsten leisten. So nämlich. Mein Bootsnachbar erklärt mit Engelsgeduld das Passanten-Procedere und schlußfolgert: Wer lesen kann, ist halt klar im Vorteil. Eigentlich ganz einfach. Der Passant schleicht sich, kommt aber schließlich noch zurück, um sich zu bedanken. Immerhin. Du mich auch. Und nun gute Fahrt weiterhin. Und demnächst erst an den Meldesteiger. Nix einfach mit "14 Metern auf der 226"  

So in der Art ging es die ganze Saison munter weiter. Es ackern sich riesige Charteryachten durch den Hafen. Munter vor sich hin motzend "Was sind das für enge Boxen hier" "Wie scheiße ist das ausgeschildert" "Fresse halten" und erstmal rabumm gegen einen Poller. Immerhin nicht gegen ein Boot. Da sind wir ja schon dankbar. Zugegeben: Unser Hafen ist nicht für Anfänger. Es ist eng hier. Aber - bitte. Hat Euch keiner gezwungen, hier anzulegen. Besonders Motzer freuen sich, wenn sie in einer Box landen, wo der Liegeplatz-Halter feste Seile angebracht hat.  Diese Festmacher-Leinen werden selbstredend allzeit gerne von Passanten genutzt. So praktisch. Nice. Dass die Seile in 90 % der Passanten-Fälle anschließend dumm ins Wasser fallen gelassen werden - Shit happens.


Hafenkinoprogramm in Dauerschleife  


Es werden 20 Meter lange Querstege mit einem 8 Meter Boot komplett okkupiert, es ragen Boote soweit über die Stege hinaus, dass manövrieren für andere komplett unmöglich wird. Richtig nett auch die, die erstmal das komplette Charteryacht-Equipment auf dem schmalen Steg ausbreiten und es sich gemütlich machen. Ach, da wollen auch noch andere durch? Ja, blöd, ne. Hahaha. Da legen wir erstmal die Hälfte der  Klamotten über die Reling empfindlicher Segelboote. So what! Wenn der Hafenbetreiber keine Garderobenständer zur Verfügung stellt, was soll man da auch tun?   

Gar nicht zu reden davon, dass manche Passanten sich in den Sanitäranlagen austoben, als käme nach ihnen kein Mensch mehr. Und und und. Wie gesagt, es ist eine Minderheit, die sich so benimmt. Leider eine stetig wachsende Minderheit. Es gibt auch immer mehr Dauerlieger im Hafen, die sich zusehends ärgern. Es gibt Bootseigner, die dauernd Gastlieger aus ihren Boxen scheuchen müssen. Die sich zumeist uneinsichtig zeigen. Man solle sich nicht so anstellen und der Dauerlieger sich halt gefälligst seinerseits einen anderen Platz suchen. 

Ganz neu im Passanten-Kino: Auch wenn man kein Boot hat, ist ein Hafenparkplatz anscheinend begehrenswert. Da bleibt man solange auf der Straße, bis man mit einem Hafen-Anlieger durch das Tor fahren kann. Und wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten E-Auto-Lade-Plätze, auf denen man dann tagelang stehen bleibt. Auch wenn man da eigentlich nur stundenweise stehen darf. Dumm für die, die mit ihrem E-Auto den Heimweg antreten wollen und noch aufladen müssen. 

Hawaiihemden gehen immer. Nicht 


Noch spät in der Saison kamen sie mir entgegen. Vier erwachsene Männer in zu engen Shorts und bunten Hawaiihemden. Grölend einen der hafeneigenen Bollerwagen hinter sich her ziehend. Im Bollerwagen: halsbrecherisch gestapelte leere Bierkästen. Frohgemut zog man durch den Hafen, aus dem Hafen heraus, zum Supermarkt. Nachschub organisieren. Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer 4 Uhr.   
Bollerwagen im Hafen

Verblüffender Fakt: die hafeneigenen Bollerwagen sind nicht dafür gedacht, vatertagsmäßig durch den Ort zu ziehen. Die dienen wie in jedem Hafen dazu, sein Gepäck an den Steg zu verfrachten. Immerhin schön, dass der Bollerwagen zurück in den Hafen gekommen ist. Leider soll er nicht als Tisch-Ersatz am Boot verbleiben, er kommt wieder nach vorne zu den anderen. Damit auch andere diesen Bollerwagen nutzen können. Kleiner Hinweis: Der Ballermann ist wieder bespielbar. Nehmt doch bitte Schaufel, Eimerchen und Strohhalm und geht dahin. 

Für mehr "altmodisches" Miteinander 

              
Ich könnte endlos erzählen. Aber so ist es halt. Nicht nur in den Häfen. Sondern auch oft genug im ganz normalen Alltagsleben. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung werden immer weniger. Wie gesagt, in den letzten Jahren ist es ärger geworden. Die Ignoranz der Menschen und das sich zu allem berechtigt fühlen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auch in unserem Hafen wird, soll sich da noch so einiges ändern. Es wird so nicht weitergehen können. Obwohl es wirklich schade ist. Denn es ist auch oft sehr nett, sich mit Passanten zu unterhalten, auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Passantenkultur in den Häfen ist eigentlich eine schöne. Für beide Seiten gewinnbringend. Es wäre schön, wenn man sich darauf wieder konzentrieren könnte.

Sonntag, 12. März 2023

Einmal Vitamin Sea bitte

Hach. Ach. Hach. War das schön. Es musste einfach sein. Einmal durchatmen. Die Nordsee begrüßen. Licht, Luft und sogar ein bißchen Sonne genießen. Eben

                           Einmal Vitamin Sea bitte 


Strand in Callantsoog

Wie in jedem Vor-Frühling haben wir uns ein paar Tage Auszeit an der Nordsee gegönnt. Diesmal dank des "'nen Scheiss muss ich Modus" für eine Kurzwoche von Mo - Fr aka langes Rentner-Wochenende. Eine in NL außerhalb der Saison sehr gängige Buchungsperiode. Hat den großen Vorteil, dass es deutlich günstiger ist als am Wochenende. Und natürlich nicht so voll. Gleichzeitig war es 

                                             Mr. Portugals erster Urlaub


Mit Hund an der Nordsee


Und wir durften mit. Wie schon einige Male zuvor waren wir in Callantsoog. 
Callantsoog perfekter kleiner Ort an der Nordsee
Urlaub dort ist immer entspannt. Der Ort ist nicht der idyllischste zugegeben, aber dafür überschaubar und hat alles, was man so braucht. Vor allem ist man immer schnell am Strand und am Meer. Direkt hinter der großen Düne am Ortseingang gibt es ein kreisrundes Haus, in dem man Appartements buchen kann. Hunde sind erlaubt. Die Appartements sind nicht groß, aber schön eingerichtet und für ein paar Tage reicht das allemal. 

Unserem fusseligen Schatz gefiel es super. Die Weite, der viele Platz am Strand zum toben, die bei Ebbe entstandenen Priele, in denen man so schön rummatschen kann, die Dünen, in denen es so viel zu erschnüffeln gab. Die Wellen wurden noch skeptisch beäugt. Er wagte sich zum Wasser, aber wenn die Wellen kamen, hüpfte er doch lieber ein paar Schritte zurück. 

Mit Hund am Strand
Ach, ist das schön hier. Und soviel zu sehen 

Alles in allem - es waren wunderbare Tage. Wir haben es genossen - unser Tussendoortje an der Nordsee. Und ganz bald geht es dann nicht nur ans Wasser, sondern auch aufs Wasser.   

Toben am Hundestrand
Im Gleichschritt Richtung Freiheit  

Hundespaß im Sand
Tagesplan steht: Ball spielen am Strand 

Sonnenuntergang am Strand
Da staunt sogar Mr. Portugal still

In 2024 führte uns der erste Kurzurlaub des Jahres in eine ganz neue Location: Winter Wunderland Worpswede  

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Bootssaison 2022 - das Resümee

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit für ein Fazit auch hier im Logbuch.  

Bootssaison 2022 - das Resümee 

Schlicht und ergreifend: Es war eine tolle Saison. Die beste und längste. die wir bisher mit unserer kostbaren Aquamarijn hatten. Wir starteten früh in die Saison und beendeten sie spät. Dank gelungener Urlaubstage-Planung des Captains und meines "nen Scheiß muss ich" Modus genossen wir viele Tage das Gefühl der Freiheit, des Lebens auf dem Wasser.    

Im Heimathafen

Wer ein Boot hat, hat immer was zu tun 

Das Wetter spielte fast die ganze Saison über mit. Im Land der vielen Meere windet es meistens, Wolken und ihr Inhalt sind schnell von dannen geblasen. Selbst an sehr heißen Tagen hat man Erleichterung durch die leichte Brise. Von orkanartigen Stürmen blieben wir in diesem Jahr ebenfalls verschont, Tage mit Windstärken über 6 konnte man an einer Hand abzählen.  

Zu unserer Freude blieben wir auch von größeren Baustellen auf dem Boot verschont. Letztes Jahr endete die Saison mit Ungewißheiten. Ich berichtete. Die Werft unseres Vertrauens hatte über den Winter gute Arbeit geleistet, wir konnten problemlos Fahrt aufnehmen. Trotzdem ließen wir die jährliche Inspektion machen, besser ist das. Ein paar kleine Mängel wurden gefunden, deren Beseitigung wir beauftragten. Plus einiger vorbeugender Verbesserungen auf Vorschlag der Werft. Safety first. Auch und gerade auf dem Wasser. 

Die Aquamarijn im Hafen


Auf Touren kommen 

In den Urlaubswochen des Captains waren wir auf längeren Törns, konzentrierten uns aber vorwiegend auf uns bekannte Reviere und Häfen. Stavoren beehrten wir nur einmal in diesem Jahr, dafür aber mit hohem Besuch. Auch das sehr schöne Tage, deren Erinnerung uns durch den Winter trägt. Im Sommerurlaub genossen wir den Erholungswert des Nationalparks Alde Feanen ausgiebigst, erkundeten die Umgebung von Balk en Detail und auch einige andere Lieblings-Orte kamen nicht zu kurz. Die einzige Neuentdeckung waren die Terkaplester Poelen, die uns sehr begeisterten.

Blick über das Ijsselmeer

Allein an Bord 

In meiner "Allein an Bord" Zeit genoß ich meinen Logenplatz im Hafenkino, richtete das Boat-Office ein und erkundete Heeg samt Umland mit "de Fiets" bis ins Kleinste. Meistens mit einer Pause am Aquaduct, der Rastplatz zu Land gefiel mir außerordentlich gut. Außerdem hatte ich ihn selbst in der Hochsaison meistens für mich alleine. Ganz großartig fand ich es, in der Zeit der Sommersonnenwende, den auch in Friesland schon fast weißen Nächten an Bord zu sein. Das steht auf dem Wunschzettel für die nächsten Saison: Zu dieser Zeit ganz weit draußen auf dem Wasser zu sein.     

Weiße Nächte an Bord


Setting Sail 

An den Wochenenden unternahmen wir oft Touren mit dem segelbegeisterten Teil der Familie. Wetterabhängig, ob unter Segeln oder motorend. Es kamen einige gesegelte Seemeilen zusammen, mehr als in den Vorjahren. Neu war, dass wir erstmals auch zusammen in einem anderen Hafen über Nacht blieben. Wir genossen diese gelungene Premiere. Wiederholung(en) fest angepeilt für die nächste Saison. Nach wie vor sind wir alle sehr angetan von unserer kleinen Familienflotte. Für uns ist es schön, auch gelegentlich das Segel-Gefühl genießen zu können. Ich mag besonders die Ruhe, die sich an manchen Punkten dabei einstellt. Wenn man so ganz leicht unter Segeln dahingleitet, nur das Plätschern des Wassers, ganz leichtes Segelflattern und ein paar Vögel hört - das hat schon was. Und für die beiden anderen ist es schön, mit uns auch mal mehr Strecke machen zu können. Außerdem: Jedes Jahr kommen neue Erlebnisse dazu, die wir vier einträchtig in die Schublade "What happens in Fryslan, stays in Fryslan" stecken. Dieses Jahr: das Feudelgate. Die Erinnerung daran und der nur uns vieren verständliche Code macht das ein oder andere Familientreffen deutlich witziger. Gerade erst wieder gemerkt. 

Segeln auf den friese meren


Im Heimathafen 

Im Heimathafen haben wir uns durchweg wohlgefühlt. Es gab in diesem Jahr zwei große Feste, bei denen wir viel Spaß hatten und einige andere aus dem Hafen besser kennenlernten. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Es gab auch ein paar problematischere Themen, die sowohl im Hafen als auch in der Insta-Boots-Bubble für Gesprächsstoff sorgten. Es ist nach wie vor ziemlich voll auf dem Wasser und in den Häfen, vor allem in der Hochsaison. Die Big C Jahre haben etliche Menschen zu dieser Art von Urlaub bewogen. Ohne dass sie Ahnung davon haben oder sich diese Ahnung auch nur ansatzweise aneignen wollen. Nicht immer und überall lebt der beschworene Geist alter Seemannschaft weiter.   

In dubio Heeg

Es wird sich weisen, wie es bei diesen Themen weitergeht. Nach der Bootssaison ist vor der Bootssaison. Ein paar Monate müssen wir noch überbrücken. Die detaillierten Rückblicke auf diese Saison sind alle im Logbuch nachzulesen. Ein paar Themen sind noch in der Mache. Zum einen der angekündigte Eintrag zum schönen Heeg, zum anderen möchte ich auch noch das ein oder andere zum Thema Seemannschaft zur Diskussion stellen.

Unbezahlbar: Freiheit leben zu können 

Es war unsere vierte Saison mit der Aquamarijn und unsere bisher beste. Sie brachte neben eingelösten Versprechen auch Vorfreude auf noch mehr Zeit an Bord und auf dem Wasser in den nächsten Jahren.  Wir sind nach wie vor unendlich froh, dass wir diese Möglichkeit haben. So dankbar dafür, in dieser eigenartigen Zeit das Gefühl von Freiheit nicht nur bewahren, sondern auch leben zu können. So gut, dass wir damals buchstäblich alle Bedenken über Bord schmissen. Darauf ein gepflegter Anlegeschluck.        

Anlegeschluck

Schreibt mir gerne, welche Themen Euch jetzt gerade bewegen. Welches Resümee zieht Ihr? War es auch bei Euch eine gute Saison? Seid Ihr zufrieden mit Euren Heimathäfen, erwägt Ihr einen Umzug? Habt Ihr Bedenken wegen der stark steigenden Preise? Was plant Ihr für die nächste Saison? Mehr oder weniger fahren? ( Die Frage richtet sich nicht nur an Bootsbesitzer, sondern auch an alle anderen. Was plant Ihr urlaubstechnisch für das neue Jahr? )

Kommentare hier im Blog sind offen, werden aber auch wie immer gerne auf Instagram oder Twitter genommen. ( d.h. sie sind eigentlich offen, aber irgendwas stimmt gerade mit dem Blogger-Layout nicht.... Ich bin dran. Schreibt mir solange gerne auf Insta oder Twitter. Bitte danke. Sorry. ) 

       Und schon wieder ist ein Jahr um. Auch die nächste Saison ist Geschichte 

Ein erstes Resümee findet Ihr hier: Abgesang auf die Bootssaison 2023 - Irgendwas war immer ! 

Sonntag, 11. Dezember 2022

Saisonende 2022

Der letzte Akt der Saison. Immer eine wehmütige Angelegenheit. Fairerweise muss ich zugeben: In diesem Jahr waren wir tatsächlich "nur" wehmütig. Das war schon unsere vierte Saison, aber es war die erste, von der wir das Gefühl hatten, dass wir sie voll ausnutzen konnten. Ab und an muss ich vor allem an das Saisonende in unserem annus horribilis 2020 denken. Wie gut, dass es dies Jahr anders war. Ich hatte fast den kompletten Sommer auf dem Wasser verbracht, auch der Captain hatte so viele Tage wie nie auf unserer kostbaren Aquamarijn. Aber nun war Schluss mit lustig. 

Wegmarke Eilandbrug
Eilandbrug Kampen, die immer freudig begrüßte Wegmarke

Unsere Planung gab keine volle Woche mehr her. Wir fuhren Mittwochs gegen späten Abend los und Dienstags zurück. Das Wetter war durchwachsen in diesen Tagen. Gut, dass wir am langen Wochenende Anfang Oktober unsere Abschiedsrunde bereits gedreht hatten. Diesmal blieben wir durchgängig im schon ziemlich leeren Hafen. Es war ersichtlich Herbst, die ersten Boote fielen bereits auf den Parkplatz ;)

Hafen zum Saisonende
Es wird merklich leerer im Hafen

Boote raus aus dem Wasser
Statt Blätter fallen hier im Herbst die Boote auf die Straße  

Haben ist besser als brauchen

Wir räumten um und räumten aus. Vor allem letzteres. Da unser Boot den Winterschlaf in einer Halle hält, müssen wir das eigentlich nicht in diesem Ausmaß. Wir packten aber diesmal vieles ein. Vor allem alle Camping-Gadgets. Man weiß ja nicht, was den Winter über  passiert. Auch wenn ich sonst eher nicht die Großmeisterin im Horten und Sammeln bin, weiß ich doch: Es gibt Lebenslagen, da gilt: haben ist besser als brauchen. Im Winter dumm gucken und sagen: Ach Menno, das haben wir auf dem Boot, das könnten wir jetzt so gut brauchen - das würde mich mega ärgern. Also kann jetzt kommen, was will: Zur Not machen wir Camping daheim. E basta. 

Nicht nur Arbeit  

Noch einmal fuhren wir nach Sneek, Einkaufsliste abarbeiten. NL-freie Zeit will überbrückt werden. Immerhin - die Eisdiele hatte noch auf. Gegen die Kälte Eis mit einem Kopje Koffie. Zu dem es ein Eis gab. Nettjes oder? Am Wochenende kam noch die Verwandschaft, auf dem familieneigenen Segelboot war auch noch einiges zu tun. Wie immer also geschäftige Tage. Aber nicht alles war Arbeit in diesen Tagen. Ein paar schöne Stunden waren noch drin. Wir schlossen die Unternehmungen der Saison mit einem Bummel durch das schöne Workum ab und entdeckten tatsächlich noch ein paar schicke to-dos, die für nächstes Jahr auf die Liste kommen. Wie im Vorjahr gönnten wir vier uns ein etwas schickeres Abschiedsessen und damit finito la musica.  

Eisdiele in Sneek
Eis mit Kaffee mit Eis 


Ab ins Winterlager    

Nach einem letzten Abendrot und einer malerischen Nacht brachten wir Dienstags unsere Aquamarijn in die Halle. In leichter Schieflage. Wassertank leer, Benzintank voll, da ist das so. Aber die Fahrt verlief dies Jahr völlig ereignislos. Puuh. Das hätte ich auch kein zweites Mal gebraucht.  Der Motor war die ganze Saison über Thema, wir hatten noch einiges machen lassen auf Empfehlung der Werft unseres Vertrauens. Auch da galt: Haben ist besser als brauchen. 

Sonnenuntergang im Hafen
Am letzten Hafen-Abend des Jahres gab der Sonnenuntergang nochmal alles

Heeg am Abend
Abschieds-Spaziergang - Heeg im Abendlicht

Angelegt Winterlager
Angekommen im Winterlager 

Boote im Winterlager
Das Nachbarboot wartet bereits in der Halle auf die Aquamarijn 

Boot gut an den Steg des Winterlagers gelegt, noch ein netter Plausch mit dem Meister des Winters, der alles Weitere erledigt und dann ging es zurück. Das Wetter gab an dem Tag nochmal alles, man hätte gut länger fahren können. Aber nun. So spazierten wir mit dem guten Gefühl einer tollen Saison im Rücken zurück zum Hafen, machten noch ein Picknick am Aquaduct und das war's. Der letzte Schritt war getan 


Guten Winterschlaf, beste Aquamarijn. Nächstes Jahr hast Du einen Passagier mehr.      

Der letzte Eintrag des Jahres im Logbuch gilt dem Resümee. Wie war sie denn jetzt in Gänze, die Bootssaison? Bitte hier entlang