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Donnerstag, 25. Mai 2023

In dubio Heeg

Unser Heimathafen ist in Heeg. Der schöne kleine Ort in der niederländischen Provinz Friesland ist uns sehr ans Herz gewachsen. Aufgrund seiner exponierten Lage zwischen Ijsselmeer und den friese Meren sowie seiner sehr guten Infrastruktur macht so ziemlich jeder Wassersport-Urlauber in NL früher oder später Bekanntschaft mit Heeg. Het bruisend Watersport-Dorp - so wirbt der VVV für Heeg und das trifft es tatsächlich sehr gut. Ich sag es gerne mit einem gelungenen Bootsnamen:  

In dubio Heeg 

Im Zweifel Heeg

Heeg ist zu unserer zweiten Heimat geworden. Immer öfter erreichen mich Fragen zu Heeg, die ich auch gerne beantworte. Ursprünglich hatte ich geplant, einen "richtigen" Reiseführer-Beitrag über Heeg zu verfassen. Aber ich merkte schnell: das ufert aus. Es gibt auch genug verfügbare Informationen, die VVVs machen einen wirklich guten Job. Deshalb ist es ein ganz persönlicher Beitrag mit einer Mischung aus meinen Lieblings-Tipps und Antworten aus häufig gestellten Fragen geworden. Viel Spaß!   

Welchen Hafen soll ich ansteuern, wenn ich mit dem Boot nach Heeg komme? 

Es gibt unglaublich viele Häfen in Heeg. Das ungefähre Verhältnis: Auf 80 Einwohner kommt ein Hafen. Private Yachthäfen, die auch Passanten aufnehmen, wenn Platz ist. Häfen mit Charterbetrieb, an Werften angeschlossene Häfen. Ich würde als Passant in Heeg immer den offiziellen Passantenhafen Heeger Wal ansteuern. Als wir noch charterten, waren wir mehrmals dort und immer zufrieden. Die Hafenmeister waren immer freundlich und hilfsbereit. Soweit wir sehen und hören, hat sich daran auch nichts geändert. Es gibt Boxen für Boote aller Größen. Auch die sehr großen Plattbodenschiffe können dort festmachen. Daneben gibt es noch reichlich Platz für Wohnmobile mit allen Versorgungsmöglichkeiten. Der Passantenhafen liegt zentral am Heeger Meer, mit kleinem Strand, Liegewiese und Spielplatz. Mit wenigen Schritten ist man auch auf der kleinen Hauptstraße mit Geschäften und Restaurants, liebevoll "die Meile" genannt.  Ein paar Schritte weiter und man ist beim Supermarkt. 

  

Passantenhafen Heeg
Passantenhafen Heeg 


Kann ich auch im Zentrum von Heeg festmachen? 

Ja, man kann an allen Kaden festmachen. Aber - Übernachten ist nicht gestattet. Man darf dort nur tagsüber für wenige Stunden festmachen. 

Wie ist die Versorgungslage? Gibt es einen Supermarkt? 

Ja. Der kleine Krämerladen ist Geschichte. Nun gibt es einen richtig guten Supermarkt. Gleiche Besitzer, anderer Name, anderer Standort. Zu finden am Ortsende (vom Passantenhafen aus gesehen, knapp 5 min zu Fuß ) Der Markt ist gut sortiert, man bekommt alles für den täglichen Bedarf zu normalen NL-Supermarkt-Preisen. Die Mitarbeiter sind alle immer freundlich, die Waren sind immer frisch. Wir sind damit sehr zufrieden. Direkt am Supermarkts ist auch eine Kade, an der man kurz festmachen darf. Bevorraten mit Boot ist somit komfortabel möglich.

Kade in Heeg beim Supermarkt
Kade in Heeg, Nähe Supermarkt 

Blick auf Heeg
Blick von unserem Hafen auf Heeg 


Wie ist das mit Bootsbedarf? Komme ich da im kleinen Heeg zurecht?  

Und wie! Durch den Ort führt die Harinxmastrjitte, die bereits erwähnte "Meile". Dort findet man ein großes, gut sortiertes Geschäft für Wassersportbedarf. Mit allem, was man so im Regelfall braucht und mit einigem, was man nicht zwingend braucht, was aber schön ist. Viele Bootsfahrer planen einen Besuch in Heeg ein, weil das Angebot wirklich auf den Punkt ist. Dann gibt es noch 1001 - ein kleines Krämerwaren-Geschäft. Mutet an wie aus einer anderen Zeit, ist aber tatsächlich super sortiert. Fehlt Dir eine bestimmte Schraube, eine Lampe - 1001 hat sie. Und wenn nicht, dann haben sie dort eine Idee, wie man sie ersetzen kann. Ein echter Geheimtipp in Friesland. Der auch uns schon öfter gerettet hat.  Darüber hinaus gibt es diverse Werften, Bootsbaubetriebe, Schiffslackiereien. Alle meist gut gebucht, weil sehr kundig und wirklich hilfreich. Termine sollten vorher abgesprochen werden.  

Lohnt sich ein Shopping-Bummel? 


Naja. Wer bummeln will, ist schnell fertig. So groß ist die Auswahl nicht. 
Warenhaus Heeg
Aber es gibt ein bißchen was. Z.B. das Heeger Warenhaus. Ambitionierter Name für ein kleines Geschäft. Tatsächlich kommt man dort gut zurecht. Es gibt alle Haushaltswaren, die man so braucht, schöne Deko, Drogeriebedarf. Ich mag das Geschäft sehr gerne und komme dort immer erstaunlich gut klar. Besser als in so mancher Mall. Es gibt auch einen kleinen Elektro-Bedarf, aber das Angebot ist sehr überschaubar. Unser hoher Besuch brauchte im letzten Jahr ein Ladekabel, da blieb nur" Mutten Se na Sneek, da wo de grote Winkels sein"                   

Boutiquen: Wechselnd. Manchmal gibt es eine Pop-Up Boutique, seit Big C ruht da allerdings still der See. Auf dem Weg zum Supermarkt kommt man an einer teuren Boutique  vorbei. Mir gefällt sie nicht. .Das Angebot ist hochgestochen, der Service auch. An der drehbaren Brücke innerorts gibt es ein kleines Schmuckgeschäft, das Angebot ist niedlich, die Preise überschaubar. Überschaubarer als die Öffnungszeiten. 

Bäcker: Gibt es. Etwas außerhalb der Laufzone. Aber auf dem Weg zum Supermarkt ausgeschildert. Der Orangenkuchen ist ihr Markenzeichen, auch wirklich lecker. Sie beliefern auch den Supermarkt, man muss also den extra Umweg nicht machen, wenn man einen Großeinkauf startet. 

Heeg Friesland Ortsmitte
die Meile in Heeg 


Wo kann man zum Essen hingehen? Gibt es Nachtleben? 

Restaurants:  Etliche. Ich beschränke mich auf die, wo wir hingehen. Das alteingesessene 
de Boeier, solide Hausmannskost, gute Pizzen. Dort sitzen meistens die Einwohner und die, für die Heeg das zweite Zuhause ist. Der normale Tourist entscheidet sich eher für die etwas vornehmeren Restaurants oder die mit den großen Schildern. Wir sind aber lieber bei de Boeier. De Boier hat ein "richtiges" Restaurant, im Sommer auch mit Garten und Terrasse am kleinen Stadskanal und ein kleines Eetcafe mit kleiner Karte. Wer wirklich leckere Pommes und Frikandel will, ist dort richtig. Das Eetcafe fungiert auch als Dorfkneipe, im Winter wird der Billardtisch rausgeholt. Die andere große Imbissbude im Ort direkt am Passantenhafen ist auch ok. Die teureren Restaurants haben wir bis heute nicht ausprobiert. So ein Extra brauchen wir eigentlich nicht. Insidertipp in Heeg und in Friesland ist immer noch die Oude Vishal. Ein kleiner Imbiss mit Schwerpunkt Fisch und großer Terrasse am Ortsrand.  Familienbetrieb seit mehreren Generationen. Der Kibbeling dort ist klasse, der Service auch, die Aussicht erst recht. Wer dorthin will: Bemüht bitte Google Maps. Zum einen wegen des sowohl zu Fuß als auch per Boot schwierig zu findenden Wegs - wir nannten diesen Ort nicht ohne Grund Narnia. Zum anderen wegen der Öffnungszeiten. Die Vishal stand vor zwei Jahren aus privaten Gründen zum Verkauf, im letzten Moment zogen die Inhaber zurück und brachten es nicht übers Herz. Wir sind sehr froh darüber und nehmen auch die Kehrseite in Kauf: Die Vishal hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten aus privaten Gründen. Die aktuellen Öffnungszeiten werden aber sehr gewissenhaft bei Google eingepflegt, da kann man sich drauf verlassen. 

in der alten Fischhalle Heeg
Mit dieser Aussicht schmeckt der Kibbeling nochmal so gut  


Was gibt es noch für Übernachtungsmöglichkeiten?  

Es gibt einige Angebote. Mehrere Campingplätze, die auch Glamping und Mobilheime anbieten. Sowohl am Heeger Meer als auch an den landeinwärts liegenden Poelen. Einige Ferienwohnungen und Häuser. Ein Hotel. Eine Pension. Kein bed and breakfast von privat. Zur Ausstattung aller Angebote findet man beim VVV ergiebige Informationen. 

Ferienhaus Siedlung Heeg
Kunst am Kanal in der Bungalowsiedlung 

        

Welche Ausflüge kann man ohne Boot machen?  

Mit dem Auto kommt man schnell zu bekannten Wegmarken in Friesland. Zum Ijsselmeer fährt man mit dem Auto eine halbe Stunde, zur Nordsee nur wenig länger. Das Künstlerdorf  Workum empfiehlt sich mit schönen Geschäften und Gallerien zum Bummeln und Kite-Surfer-Watching, Makkum hat einen großen Strand, dort kann man super im Ijsselmeer schwimmen. Immer einen Ausflug wert ist Harlingen für das Nordseehafen-Feeling. Für größere Einkaufsbummel empfiehlt sich Sneek. Fahrradtouren gehen natürlich auch immer. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Heeg selbst hat zwei Knooppunte.  Überschaubare Runden kann man drehen via Ijlst, dort weiter am Kanal entlang nach Sneek und zurück. Nicht ganz so schön landschaftlich die Route nach Woudsend, aber immerhin mit einer tollen Rastmöglichkeit am Aquadukt. Immer schön die Runde über Oudega und Gaastmeer, mit mehr Zeit empfiehlt sich die Runde über die Aldegaaster Brekken. Dort kann man auch ganz prima baden. Außerdem gibt es am Passantenhafen noch die Möglichkeit, den "Fährverkehr" mit einem Plattbodenschiff nach Balk zu nutzen.       


Fährverkehr Heeg Balk
Fährdienst Heeg Balk mit Plattbodenschiff 



Fietsknooppunt Heeg
Stadtpark Heeg, Fietsknooppunt  

Ich hoffe, ich konnte ein bißchen anteasern und auch Heeg-Kennern ein bißchen was Neues vermitteln. Was möchtet Ihr noch gerne wissen? Es gibt bestimmt noch Fragen, auf die ich so jetzt nicht gekommen bin. 

Klarstellung aus Gründen: 

Genannte Geschäfte, Häfen, Restaurants etc. wissen nichts von ihrem Glück, dass sie in diesem Blogpost benannt werden. Es ist keine beauftragte und keine bezahlte Werbung. Es sind einzig und allein meine Erfahrungen und Tipps, die ich gerne und als Herzenssache weitergebe. Wenn das unter die Definition Werbung fällt - ja, dann ist das hier Werbung. Werbung nur beeinflusst von meiner eigenen Überzeugung. 


Mittwoch, 22. März 2023

Immer diese Passanten

Immer diese Passanten 

Wir hatten eine tolle Saison im letzten Jahr. Aber - irgendwas ist ja immer. Auch im Paradies gibt es manchmal Ärger. Ob im Hafen oder auf Instagram - ein unschönes Thema kommt immer wieder hoch:  Seit Big C viele Neulinge aufs Wasser und in die Häfen gelockt hat, ist die gute alte Seemannschaft nicht mehr jedem ein Begriff. Wir bedauern das alle sehr. Ich hatte über das sehr gefährliche Brückenmanöver berichtet, welches uns erschreckte. Den Reaktionen musste ich entnehmen: Wir waren nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. 

Noch etwas gab immer wieder Grund für Klagen. Das teils unterirdische Benehmen von Passanten in den Häfen. Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben. Ich hatte ihn schon so gut wie verworfen. Will ja keine die grantige Kojen-Rentnerin geben. Aber die ganze Saison über verging kaum ein Tag, an dem Passanten nicht unangenehm auffielen. Entweder bei uns oder es kam in der Instagram-Boots-Bubble auf. Auch nach der langen Winterpause mit Ausblick auf die neue Saison kam das Thema immer wieder hoch. 


Ja, wir sind auch oft Passanten. 

Darauf bedacht, als Gastlieger den Gastgebern Wertschätzung und Rücksichtnahme entgegen zu bringen. Die meisten Passanten benehmen sich auch so. Jedoch: s.oben, Big C , Seemanschaft und so. Viele scheinen Grundregeln des Miteinander verlernt zu haben. Rücksichtnahme Fremdwort. Viele wollen sich jetzt erst recht nehmen, was (wieder) geht. Lange war es gerade im maritimen Umfeld anders. 

Worum geht es hier überhaupt? Was ist hier mit Passanten gemeint?  

Eine  kleine Einordnung: Für die Freizeitschifffahrt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo und wie man über Nacht liegen kann, wenn man als Passant mit dem Boot unterwegs ist. In den Niederlanden ist diese Infrastruktur überdurchschnittlich gut. Eine dieser Möglichkeiten ist es, einen freien Platz in einem regulären Yachthäfen zu ergattern.   

Liegeplatz Yachthafen Niederlande

Das Yachthafen-Karussell - Passanten willkommen 


Unser Boot liegt in einem privat betriebenen Yachthafen. Wir mieten unsere Box ganzjährig, haben einen festen Liegeplatz und können dort liegen, solange und so oft wie wir wollen. Inclusive Nutzung sämtlicher Angebote des Hafens. Vergleichbar mit einem Campingplatz. Wir sind also quasi Dauercamper. Wenn wir mit dem Boot über Nacht weg sein werden, sagen wir im Hafenbüro Bescheid. Der Hafenmeister oder die nette Dame im Büro wissen dann, unsere Box ist frei. Wenn ein Passant kommt, kann er da rein. Der Hafen verdient damit zusätzliches Geld. 

Schon, wenn man vom Heeger Meer abbiegt und den Schildern zu unserem Hafen folgt, liest man diverse Male: Passanten welkom. Aber auch: Passanten bitte melden beim Hafenmeister. Anlegen bitte erst am Meldesteiger. Mehrere Male. Mehrsprachig. Am Meldesteiger ist das Procedere dann erklärt. Am Hafenbüro dito. Ist dort keiner, kann man klingeln und es meldet sich sofort jemand. Dieses Procedere funktioniert in den meisten Häfen gleich. Es entsteht so in der Saison ein eifriges Karussell, welches allen dient. Simpel und gut. Sollte man meinen. 

Meldesteiger für Passanten im Yachthafen



The Regels are the Regels - eigentlich 


Aber: Es gibt immer und überall welche, für die Regeln nicht gelten. Die einfach durch einen Hafen brettern, voller Einsatz Bug-und Heckstrahlruder und sich den Platz aussuchen, den sie gerade schick finden (oder den, den sie als nicht ganz so schwer zum Anlegen empfinden) Dann wird das Boot mehr oder weniger fachmännisch festgemacht und man geht erstmal fein in den Ort. Dem Passanten doch egal, ob er sich beim Hafenbüro melden sollte. Dem Passanten doch egal, ob der Liegeplatzinhaber vielleicht noch zurück kommt. Oft kann man schon dankbar sein, wenn das Boot wenigstens so festgemacht ist, dass es keine Schäden an Nachbarbooten anrichtet. Und wenn doch der Meldesteiger genutzt wird, kann man von Glück reden, wenn dieser heil bleibt. Alles schon da gewesen. 

Manchen ist auch gar nicht klar, dass sie in einem privaten Yachthafen gelandet sind, sie sind halt nicht so versiert im Karten lesen und nehmen die erste Einfahrt, in der Passanten welkom steht. Dass der echte Passantenhafen eine Einfahrt später kommt, tja Pech, nee. Man liest Passanten welkom und ab dafür. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das führt natürlich zu echtem Verdruss, auch die Hafenmeister und Betreiber sind mittlerweile nicht mehr amused. Der Ton ist rauer geworden. Ich kann es gut verstehen. Klar, man kann sich mal vertun, man kennt sich vielleicht nicht gut aus. Aber wenn ich mit einem Boot unterwegs bin, dann informiere ich mich doch über die Gepflogenheiten. Jeder Vercharterer gibt ein Handbuch mit an Bord, wo diese Procedere genau beschrieben sind. 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 


Beispiele gefällig?: Es ist früher Abend, ich stehe mit einem Bootsnachbar am Steg, wir unterhalten uns. Von hinten kommt einer auf uns zu und quatscht sofort los: "Ey, Ihr da. Ich muss Euch mal was fragen"  Mir kommt sofort die Galle hoch und ich würde am liebsten fragen, ob wir schon mal zusammen an einen Baum gekotzt haben oder warum er mich so vertraulich anspricht. Mein Bootsnachbar ist schon geübter. Er ist ein echter hanseatischer Captain, dem kommt so schnell keiner doof. Er antwortet : "Ja, Ihnen auch guten Abend. Und Ja, wir sprechen deutsch. Und wir sind auch nett, wir unterbrechen gerne, um Ihnen zu helfen" Krchchch. Der Passant, leicht verunsichert, wirft sich aber erstmal in wichtige Pose "Wir liegen auf der 226 mit einer 14 Meter Yacht. Da können wir ja wohl bleiben oder?" Ich rolle die Augen. Wie er sich in Pose wirft, über die Haare streicht bei den Worten "14 Meter Yacht" Glaubt der, wir erstarren jetzt in Ehrfurcht? Weil wir nur knappe 10 haben? Achtung Spoiler: Wir sind das ganze Jahr hier, wir kennen jede Charteryacht in Friesland. Auch die 14 Meter Yacht, mit der er angibt. Er kann sich vielleicht mit seiner Crew für ein paar Tage die 14 Meter Yacht leisten, wir aber können uns eine 10 Meter Yacht das ganze Jahr und das nächste und die nächsten leisten. So nämlich. Mein Bootsnachbar erklärt mit Engelsgeduld das Passanten-Procedere und schlußfolgert: Wer lesen kann, ist halt klar im Vorteil. Eigentlich ganz einfach. Der Passant schleicht sich, kommt aber schließlich noch zurück, um sich zu bedanken. Immerhin. Du mich auch. Und nun gute Fahrt weiterhin. Und demnächst erst an den Meldesteiger. Nix einfach mit "14 Metern auf der 226"  

So in der Art ging es die ganze Saison munter weiter. Es ackern sich riesige Charteryachten durch den Hafen. Munter vor sich hin motzend "Was sind das für enge Boxen hier" "Wie scheiße ist das ausgeschildert" "Fresse halten" und erstmal rabumm gegen einen Poller. Immerhin nicht gegen ein Boot. Da sind wir ja schon dankbar. Zugegeben: Unser Hafen ist nicht für Anfänger. Es ist eng hier. Aber - bitte. Hat Euch keiner gezwungen, hier anzulegen. Besonders Motzer freuen sich, wenn sie in einer Box landen, wo der Liegeplatz-Halter feste Seile angebracht hat.  Diese Festmacher-Leinen werden selbstredend allzeit gerne von Passanten genutzt. So praktisch. Nice. Dass die Seile in 90 % der Passanten-Fälle anschließend dumm ins Wasser fallen gelassen werden - Shit happens.


Hafenkinoprogramm in Dauerschleife  


Es werden 20 Meter lange Querstege mit einem 8 Meter Boot komplett okkupiert, es ragen Boote soweit über die Stege hinaus, dass manövrieren für andere komplett unmöglich wird. Richtig nett auch die, die erstmal das komplette Charteryacht-Equipment auf dem schmalen Steg ausbreiten und es sich gemütlich machen. Ach, da wollen auch noch andere durch? Ja, blöd, ne. Hahaha. Da legen wir erstmal die Hälfte der  Klamotten über die Reling empfindlicher Segelboote. So what! Wenn der Hafenbetreiber keine Garderobenständer zur Verfügung stellt, was soll man da auch tun?   

Gar nicht zu reden davon, dass manche Passanten sich in den Sanitäranlagen austoben, als käme nach ihnen kein Mensch mehr. Und und und. Wie gesagt, es ist eine Minderheit, die sich so benimmt. Leider eine stetig wachsende Minderheit. Es gibt auch immer mehr Dauerlieger im Hafen, die sich zusehends ärgern. Es gibt Bootseigner, die dauernd Gastlieger aus ihren Boxen scheuchen müssen. Die sich zumeist uneinsichtig zeigen. Man solle sich nicht so anstellen und der Dauerlieger sich halt gefälligst seinerseits einen anderen Platz suchen. 

Ganz neu im Passanten-Kino: Auch wenn man kein Boot hat, ist ein Hafenparkplatz anscheinend begehrenswert. Da bleibt man solange auf der Straße, bis man mit einem Hafen-Anlieger durch das Tor fahren kann. Und wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten E-Auto-Lade-Plätze, auf denen man dann tagelang stehen bleibt. Auch wenn man da eigentlich nur stundenweise stehen darf. Dumm für die, die mit ihrem E-Auto den Heimweg antreten wollen und noch aufladen müssen. 

Hawaiihemden gehen immer. Nicht 


Noch spät in der Saison kamen sie mir entgegen. Vier erwachsene Männer in zu engen Shorts und bunten Hawaiihemden. Grölend einen der hafeneigenen Bollerwagen hinter sich her ziehend. Im Bollerwagen: halsbrecherisch gestapelte leere Bierkästen. Frohgemut zog man durch den Hafen, aus dem Hafen heraus, zum Supermarkt. Nachschub organisieren. Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer 4 Uhr.   
Bollerwagen im Hafen

Verblüffender Fakt: die hafeneigenen Bollerwagen sind nicht dafür gedacht, vatertagsmäßig durch den Ort zu ziehen. Die dienen wie in jedem Hafen dazu, sein Gepäck an den Steg zu verfrachten. Immerhin schön, dass der Bollerwagen zurück in den Hafen gekommen ist. Leider soll er nicht als Tisch-Ersatz am Boot verbleiben, er kommt wieder nach vorne zu den anderen. Damit auch andere diesen Bollerwagen nutzen können. Kleiner Hinweis: Der Ballermann ist wieder bespielbar. Nehmt doch bitte Schaufel, Eimerchen und Strohhalm und geht dahin. 

Für mehr "altmodisches" Miteinander 

              
Ich könnte endlos erzählen. Aber so ist es halt. Nicht nur in den Häfen. Sondern auch oft genug im ganz normalen Alltagsleben. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung werden immer weniger. Wie gesagt, in den letzten Jahren ist es ärger geworden. Die Ignoranz der Menschen und das sich zu allem berechtigt fühlen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auch in unserem Hafen wird, soll sich da noch so einiges ändern. Es wird so nicht weitergehen können. Obwohl es wirklich schade ist. Denn es ist auch oft sehr nett, sich mit Passanten zu unterhalten, auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Passantenkultur in den Häfen ist eigentlich eine schöne. Für beide Seiten gewinnbringend. Es wäre schön, wenn man sich darauf wieder konzentrieren könnte.

Montag, 10. Oktober 2022

Fahrradtour durch das Gaasterland

Die Fahrradtour nach Sloten war sehr schön, aber nur der Auftakt. Die Highlight-Tour kam erst noch.  

Einmal kreuz und quer durch das Gaasterland - bis zu einem verwunschenen See 

In den Wäldern des Gaasterlandes liegt versteckt ein wunderschöner See. So versteckt, so verwunschen, dass er nicht mal einen eigenen Namen hat. Er liegt im Naturschutzgebiet Wyldemerk und wird halt der See im Wyldemerk genannt. Ich hatte nur durch Zufall davon gelesen. Man kann auch mit einem Boot  dorthin, maximale Bootsgröße dafür ist allerdings eine kleine Sloep (friesisch für Schaluppe, ein sehr typisches Boot in Friesland für Tagestouren) Unsere Alternative war das Fahrrad. Wir stellten uns mit Hilfe der Fietsknooppunte eine Route zusammen, bei wir auf der Hälfte der Strecke an diesem See eine schöne Pause machen konnten. 

Mit dem Fahrrad durch das Gaasterland

FAhrradweg im Gaasterland

Die Route führte uns zunächst ein gutes Stück die Luts entlang. Auch da haben wir mit der Aquamarijn keine Chance, aber sehen wollten wir den Fluss, von dem so viele schwärmen, schon gerne. Der Fahrradweg führt ein gutes Stück genau neben dem Fluss. Die Luts wird nachher ganz schmal und man sieht auch, dass sie teils begradigt und in eine Wanne gelegt wurde. Hat ein bißchen was von Themenfahrt im Vergnügungspark. 

die Luts , ein Fluss in Friesland



Fahrradweg entlang der Luts

begradigte Luts

Irgendwann mussten wir die Luts verlassen und fuhren tief in den Wald hinein. Der Wald wirkt dort sehr urtümlich, die Fahrradwege werden sehr schmal, bisweilen abenteuerlich bei Gegenverkehr. Zumal sie in viele Kurven führen. Es fehlen nur die Steigungen, sonst könnte man gut von Serpentinen sprechen. An diesem Tag war es gut warm, wir genossen die schattige Möglichkeit sehr. Und idyllisch war es. Wenn es auch bisweilen Fragen aufwies..... 

Bremer Wyldernis Fahrradroute
Bremer Wildnis? Haben wir uns verfahren? 

Und dann tauchte er auf. Der See. Man muss ein bißchen suchen, er ist nicht extra ausgeschildert. Aus Gründen vermutlich. An den Wochenenden ist er wohl gut frequentiert, vor allem Einheimische nutzen diese bei Touristen eher unbekannte Bademöglichkeit. Wir hatten den See an diesem Tag fast für uns alleine und fanden auf einer Lichtung einen wunderbaren Rastplatz. Andere Radelnde sahen wir erst später, als wir den See weiter umrundeten. Der See wirkt wirklich verwunschen, wie aus der Zeit gefallen. Mitten im Wald, Baumumstanden, nur an wenigen Ufern kommt man bis ans Wasser. 

See im naturschutzgebiet Wyldemerk

Am See der Wyldemerk

Von der Wyldedemerk aus fuhren wir weiter durch Waldwege, durchquerten ein Heidegebiet, bewunderten viele der schönen friesischen Pferde. Das letzte Stück Weg führte schließlich an einer Art Hofladen Boulevard vorbei zurück nach Balk. Allgegenwärtig auch hier im übrigen die "Holland steht Kopf Flagge". 

Heidegebiet im Gaasterland ohne Heide
die Heide blühte nicht. Dafür viele wilde Blumen. Auch schön  

Pferde in Friesland

Hofladen Strasse in Friesland
der Captain wartet immer geduldig, bis ich alle Fotos gemacht habe. Bedankt Euch bei ihm 

Alles in allem gehört diese Fahrradtour zu den schönsten, die wir je gemacht haben. Und wir haben viele schöne gemacht. Ich könnte mich nicht entscheiden, welche die schönste ist. Aber diese hier ist  ganz weit oben in unserem privaten Ranking und wird definitiv irgendwann genauso wiederholt. Der See ist auch ein echter Geheimtipp, also nicht weitersagen. Psst. Selbst langjährige Friesland-Urlauber hatten da noch nie von gehört.     

Und hier geht es weiter: Mit dem Boot von Balk über Sloten bis in Sneeker Meer. Leider mit sehr gefährlichem Brückenmanöver in Sloten !  

Sonntag, 9. Oktober 2022

Mit dem Fahrrad von Balk nach Sloten

Mit de Fiets durch Felder, Wälder, an Kanälen und Meeren entlang -
bis hin zu einem verwunschenen See 

Fahrradtouren rund um Balk 

lassen keine Wünsche offen. Friesland bietet viele schöne abwechslungsreiche Möglichkeiten zum  "Radeln nach Zahlen". In den Alde Feanen, um Langweer herum und von Heeg aus haben wir schon einige großartige Touren gemacht. Die Touren rund um Balk sind direkt auf einer der vorderen Plätze in unserem hauseigenen Ranking eingestiegen. Wir waren sehr begeistert. 

Schon alleine von der schieren Anzahl der Möglichkeiten. Balk liegt im Gaasterland, einer für friesische Verhältnisse waldreichen Gegend. Durch das Gaasterland ziehen sich viele der Fahrradwege, kürzen somit auch einiges ab. Ohne große Anstrengung kann man von Balk aus via Mirnser Kliff das Ijsselmeer erreichen und von dort den Küstenfahrradweg weiterfahren. Man kann querfeldein den See de Fluessen erreichen, dito Lemmer und und und. Wir entschieden uns für zwei Touren. Zum einen eine Route, die uns in einem großen Kreis bis Sloten und zurück führen würde. Zum anderen für eine Runde bis zum besagten verwunschenen See und durch die Heide und Felder wieder zurück.  


Schon fast eine Allee - der Fahrradweg von Balk nach Sloten
Schon fast eine Allee - der Fahrradweg von Balk nach Sloten 

Fahrradtour nach Sloten 

In Sloten waren wir lange nicht. Mit der Aquamarijn sind wir immer nur durchgefahren. Wir hatten kurz überlegt, ob wir uns in diesem Jahr für Sloten statt für Balk entscheiden sollten. Gegen Sloten sprach, dass die Anlegemöglichkeiten für Passanten dort nicht so dolle sind. Das Aqua Camping ist ok, aber oft voll und auch nicht nah am Ort. Die Passanten-Anleger im Ort sind heiß umkämpft und die Sanitäranlagen dort sind unter aller Kanone. Und mit dem Fahrrad ist Sloten von Balk aus ruckizucki zu erreichen. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. 

Rucki zucki wollten wir aber gar nicht. Wir suchten eine schöne Strecke aus, die uns in weitem Bogen nach Sloten führte. Durch schöne Feldwege, kleine Weiler und am Kanal entlang erreichten wir die kleinste Stadt der Niederlande - Sloten. Sloten hat tatsächlich Stadtrechte, aus der Historie heraus, ist aber de facto nur ein kleines Dorf. Ein zugegeben schönes. 

Mit dem Fahrrad in Sloten



Mühle in Sloten

Sloten - einzigartig schöner Ort. Wirklich?  

Dennoch finde ich persönlich Sloten überschätzt. Alle Welt schwärmt davon, müsse man gesehen haben, so malerisch, so idyllisch. Ja, stimmt. Aber - auch andere Orte in Friesland sind nicht weniger malerisch. Wenn ich jemandem nur ein einziges friesisches Dorf empfehlen müsste, würde ich definitiv Ijlst wählen. Genauso malerisch, genauso idyllisch. Wenn nicht sogar malerischer mit seinen hängenden Gärten. 

Gracht in Sloten
Gracht in Sloten vs.

Gracht in Ijlst
Gracht in Ijlst 

Und was ist jetzt mit dem erhofften Brückenkino? 

Trotzdem war es nett, in Sloten zu sein. Wir machten Pause an der Sloter Brücke und hofften auf Brückenkino. An dieser Brücke ist es von einer Seite her eng, von der anderen kommen mehrere Kanäle zusammen. Das alles rund um die Passantenplätze. Es knubbelt sich also von zwei Seiten und man kann dort spannende Manöver erleben. Dazu kommt, dass an dieser Brücke ein Brückengeld erhoben wird. Zu diesem Zweck lässt der Brückenwärter einen Klompen an einer Angelschnur hinunter, in den ein balancierfreudiges Crew-Mitglied das Geld wirft. Auch da gibt es gelegentlich interessante Szenen zu beobachten. Aber uns wurde an diesem Tag nichts geboten. Wir wollten so gerne mal außen vor, statt immer mittendrin sein. Aber nix. Nada, null, niente. Just in der Zeit, in der wir darauf lauerten, als Zuschauer dem berüchtigt trubeligen Treiben an der Brücke beizuwohnen, passierte genau ein Boot die Brücke. Doch so viele. 

Mit dem Fahrrad an der Brücke in Sloten
So. Programm kann losgehen. Einmal Brückenkino bitte

       

Brücke Sloten Brückengeld
Archivbild. So bezahlt man Überbrückungs- aka Klompengeld 

( Spoileralarm: Nur wenige Tage später waren wir - unverschuldet - Hauptdarsteller im dortigen Brückenkino! Ihr dürft gespannt sein. Das war echt eine unfassbare Situation. Wir haben ja schon viel gesehen und erlebt. Das meiste zweimal. Aber das auch noch nicht. Stay tuned )  

Zurück nahmen wir die Route am Sloter Meer entlang. Auch sehr schön, das von Land aus zu sehen. Wir fuhren übrigens eher zurück als angedacht. Wir wollten eigentlich in Sloten dinieren. Aber das Angebot war wie immer sehr überschaubar. Die beiden Restaurants im Ort waren knallvoll, draußen saß auch schon das auffällig oft in Sloten anzutreffende Publikum. Herrencrews, die sich gerne mit ihren Abenteuern brüsten. Und aus der einst besten Frituur der Niederlande ist eine ordinäre Fish and Chips Bude geworden, deren Fettgestank weit durch den Ort wehte und alles andere als einladend war. Da suchten wir uns uns lieber was nettes in Balk.      

Mit dem Fahrrad am Sloter Meer


Freitag, 7. Oktober 2022

Bootstörn Sommer 2022 - zweite Station Balk

 Die zweite Station: Balk 


Wir hatten es noch auf der Insel im Gaastmeer beschlossen: die nächste Route würde uns weg von den offenen Meeren Richtung Binnenland führen. Besser war das. 

Lang und hoch statt kurz und kabbelig: Die Wellenfahrt 


Trotz kleinerer Störungen starteten wir gut ausgeruht von der Insel. Ziel des Tages: Balk. Gut ausgeruht war auch angesagt, die Fahrt war - ich sag mal - interessant. Der Captain sagt zwar zu Recht  "so schlimm war der Wind jetzt auch wieder nicht". Das stimmt zwar und wir sind auch schon einige Male bei noch deutlich mehr Wind über die Meere geschippert. Aber diesmal kam der Wind aus Nordost, was er in Friesland selten tut. Und es war kein stetiger, sondern ein böiger Wind. Die friese Meren können schon bei einer geringen Windstärke erstaunlich kabbelig sein. Das liegt an der nicht so großen Wassertiefe, da bauen sich Wellen schnell und knackig auf. Soweit so bekannt. An diesem Tag kamen die Wellen aber nicht kurz und kabbelig, sondern lang und hoch. Öfter mal was Neues. Gar nicht soooo schwierig zu fahren, aber auch nicht angenehm. Es rollte gut. Unsere Aquamarijn pflügte tapfer und unverdrossen. Allerdings wurde sie sehr nass. Wir kennen es, dass das Wasser über das Unterdeck spritzt und man dort nicht mehr so gut sitzen kann. Aber dass das Wetter bis zum höchsten Punkt schwappt - das hatten wir bisher noch nie. Ich war wirklich froh, dass wir Stavoren gecancelt hatten. 

Funfact:. Die Pollen blieben unbeeindruckt kleben. Man hätte doch denken können, dass soviel Wasserkraft auch da was wegschafft. Aber nix da. Wir waren jedenfalls froh, als wir das Heeger Meer überquert hatten und eine Runde durch ruhigere Kanäle gleiten konnten. Das Wetter war ansonsten gut, blauer Himmel und viel Sonne. Auf dem Sloter Meer wurde es nochmal unruhig, aber schon kein Vergleich mehr mit dem Heeger Meer. Trotzdem schön, in den ruhigen Fluss Luts einzubiegen, der uns nach Balk führte. 

Zuhause ist, wo mein Boot ist

Zuhause ist, wo mein Boot ist - heute der Passantenhafen in Balk 


In Balk angekommen, bekamen wir den Platz im Passantenhaven, den wir wollten. Sprich genau den, der uns schon vor zwei Jahren einen sicheren Hafen in stürmischen Zeiten bot.  Der Passantenhaven in Balk ist relativ neu und sehr gepflegt. Schöne Anlegeplätze, die meisten davon in Boxen. Es gibt auch einige Plätze, wo man nur seitlich anlegen muss, aber gerade bei viel Wind bevorzugen wir es, gut vertäut in einer Box zu liegen. Der Passantenhaven liegt vor der malerischen Kulisse des ebenfalls neu errichteten Jachthavenquartiers. Zur anderen Seite hat man einen guten Ausblick auf die Luts, den Fluss, der Balk durchquert. Der Hafen besteht aus zwei großen Becken, das vom Kanal aus gesehen hinten liegende Becken ist noch einmal windgeschützter. Die Hafenmeister sind sehr freundlich und hilfsbereit, die Sanitäranlagen klein, aber  fein und vor allem sauber. 

Passantenhaven Balk
Box im Passantenhaven Balk 

Das Yachthafenquartier in Balk
Malerische Kulisse in Balk 

Der Weg zum Passantenhaven Balk
Blick auf die Luts 

Balk - noch immer so etwas wie ein Geheimtipp 


Wirklich schön für Balk und uns, dass es jetzt diesen Hafen gibt. Früher war es absolute Glückssache, in dieser Stadt einen Platz zu finden, weil rar gesät. Ein weiteres Problem ist die geringe Wassertiefe der Luts und vor allem die festen Brücken. Mit Segelboot oder auch einer Motoryacht wie der unseren kommt man nicht weit in die Stadt rein. Das hat dazu geführt, dass Balk bis heute noch so etwas wie ein Geheimtipp ist. Ein unterschätzter Ort, der es meiner Meinung nach locker mit seinen Nachbar-Orten aufnehmen kann. Balk ist eine mittelgroße Stadt mit einem breit gefächerten Angebot, sowohl an Gastronomie als auch an Einkaufsmöglichkeiten. Die Innenstadt liegt  gediegen rund um die Luts, vom Passantenhaven aus gut zu Fuß zu erreichen. Balk liegt mitten im Gaasterland, das einzige wirklich waldreiche Gebiet Frieslands. Wir hatten schon viel Gutes gehört von den Fahrradtouren, die man rund um Balk fahren kann. Und genau das hatten wir vor für die nächsten Tage.  Dazu berichte ich separat, weil die traumschönen Routen einen eigenen Eintrag verdienen. 


Balk Stadtmitte bei Nacht
Moon over Balk Street 

Balk - immer einen Besuch wert 



Wir verlängerten unseren Aufenthalt, denn wir bekamen noch Besuch. Der andere Teil der familieneigenen Flotte war von unseren Berichten aus Balk so begeistert, dass sie sich spontan für einen Wochenendausflug entschieden. Wenn man direkt von Heeg aus fährt, schafft man es auch in gut anderthalb Stunden. Es war für die Beiden das erste Mal, dass sie mit ihrem Boot so weit fuhren und woanders übernachteten. Balk war perfekt für diesen Test und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Zuhause ist eben da, wo das Boot ist.  Für die nächste Saison freuen wir uns auf mehr gemeinsame Törns. Ganz im Sinne von:    


Lebe Dein Leben 


Seinen Namen hat der Balk übrigens aus der Historie. Der Ort entstand als Handelsplatz im 15ten Jahrhundert. Über den Fluss Luts wurde damals ein Balken gelegt, um den Handel zu erleichtern. An dieser Stelle wurde es immer belebter und so entstand ein ganzer Ort, eben der Ort Balk. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Entstehung und gibt einen friendly reminder mit auf den Weg. 

Der Balken von Balk

Lebe Dein Leben.
Gib jedem um Dich herum Liebe. 
Alles andere kann man lernen. 
Lache jeden Tag, das Leben ist kurz.

Die Skutjes-Fähre 


Und noch etwas lernten wir in Balk: Es gibt einen Fährverkehr zwischen Balk und Heeg, mit einem Skutsje. (friesisch für Plattbodenschiff oder Tjalk) In Balk macht man da fleißig Werbung für, in Heeg haben wir das all die Jahre nicht erfahren. Obwohl wir das Boot schon öfter gesehen haben, die schöne Aleida Hendrika. Man lernt halt nie aus.         

Fährverkehr Balk Heeg
Da liegt sie und sagt nichts - die Aleida Hendrika  


Mittwoch, 5. Oktober 2022

Der Bootstörn startet - erste Station Gaastmeer

Erste Station: Das Gaastmeer 


Eigentlich nicht ganz richtig. Die erste Station war die hafeneigene Bootstankstelle. Auch für unsere Aquamarijn gilt: Ohne Mampf kein Kampf. Aber die Erinnerung an diese lästige und teure Pflicht verdrängt man halt lieber.... aus Gründen sozusagen. 

Es war ordentlich windig an unserem ersten Bootstag und da es schon relativ spät war, als wir nach Einkaufen und Tanken losfuhren, beschlossen wir, die erste Station würde das Gaastmeer sein. Das ist nicht allzu weit von unserem Heimathafen weg, knappe anderthalb Stunden über das Heeger Meer, ein Stück über die Workumer Vaart und dann ins Gaastmeer. Im Gaastmeer ist einer der größten Marrekrite Spots in Friesland. Die Marrekrite im Gaastmeer besteht aus zwei Inseln, es gibt Anleger außen mit Blick auf den See, zwei geschütztere Naturhafenbecken und eine kleine versteckte Bucht, die man nicht auf den ersten Blick findet.     


Sonnenuntergang am Gaastmeer
Sonnenuntergang am Gaastmeer 


Marrekrite Wimpel
( Exkurs: In diesem Blogeintrag habe ich die Marrekrite ausführlich beschrieben. Wir sind heute wie damals außerordentlich dankbar für die Arbeit der Marrekrite und schätzen dieses einmalige Angebot sehr. Allen, die in Friesland Bootsurlaub machen, lege ich die Webseite marrekrite.frl ans Herz. Es sollte selbstverständlich sein, deren Wimpel zu erwerben, wenn man ihre Angebote nutzt. Wir haben bereits eine stattliche Sammlung beisammen) 

Aufgrund des Windes entschieden wir uns für eins der geschützteren Hafenbecken und genossen zuallererst einen gepflegten Anlegeschluck. Den hatten wir uns verdient. Danach ging es an die grobe Planung. Wir hatten wie schon im Vorjahr keine Pläne gemacht, keine Tour ausgearbeitet. Da wir unser eigenes Boot haben, sind wir in der glücklichen Lage, unsere Touren spontaner zu planen. Eine Bootstörn ist für uns keine once in a lifetime Gelegenheit, sondern gelebter und geliebter Alltag. Wir können uns jeden Tag neu entscheiden, das tun, wozu wir Lust haben und was die Wetterverhältnisse hergeben. Wir müssen nicht mehr auf Biegen und Brechen fahren, weil wir nur eine kurze limitierte Zeit haben. Das einzige Zeitlimit ist noch das Urlaubsende des Captains. 

Anlegeschluck - so wichtig
Der erste Anlegeschluck des Törns  

Insel im Gaastmeer
unterwegs auf der Insel im Gaastmeer 


Der Captain war sehr urlaubsreif, ich berichtete. So war es auch schnell beschlossen. Wir würden einen weiteren Marrekrite Tag einlegen, die Ruhe und Einsamkeit genießen. Auf der Gaastmeer Insel kann man auch eine feine Runde laufen und dabei den Blick schweifen lassen. Weiter wurde beschlossen: Wir machen keinen super weiten Törn dieses Jahr. Aus Gründen, siehe oben. Das Ziel Stavoren wurde ebenfalls gecancelt. Auch wenn wir Stavoren sehr lieben und es immer perfekte Tage dort sind - zum einen hatten wir bereits einen ausgedehnten Stavoren Aufenthalt in diesem Jahr, zum anderen drohten fiese böige Winde. Das braucht man auf dieser Fahrt nicht zwingend. Zwei Ziele legten wir fest: Balk sollte es werden, diesmal etwas ausgiebiger als beim letzten Mal und in die alde Feanen wollen wir. Ein Muss in jedem Jahr. Berichte coming soon.       

(Was zur Chronik auch dazu gehört: Zu jedem Sonnenschein gehört auch Schatten. So bietet auch der Aufenthalt an der Marrekrite immer mal wieder eine Überraschung. Manchmal eine laute in Form der Marrekrite-eigenen Firma Immergrün, die gerne frühmorgens ausrücken. So auch diesmal. Aber das ist ok, von nichts kommt nichts, schon gar keine gepflegte Insel mitten im Nirgendwo. Dann hatten wir noch ein Segelboot, deren Crew zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen schien und die für ziemlich viel Lärm und Aufsehen sorgte. Und zu guter Letzt brachten wir ein Souvenir vom Gaastmeer mit, welches uns noch länger erhalten blieb und erst am großen Bootsputztag am Schluss des Urlaubs mühevoll wegzuschrubben war: Jede Menge Pollen, die aufgrund des Sturms über das Meer fegten und sich bemerkenswert hartnäckig an unserer Persenning festsetzten) 

Marrekrite an der Marrekrite
Firma Immergrün rückt an 

Fliegende Pollen bei Sturm
PP = Pollenplage 

 Und hier geht es weiter: Zweite Station Balk 

Donnerstag, 29. September 2022

Radeln nach Zahlen - das Netz der Fietsknooppunte

Mit de Fiets / dem Fahrrad unterwegs in den Niederlanden 

Die Niederlande haben eine ausgeprägte Fahrradkultur. Soweit so bekannt. Weniger bekannt ist, wie die Niederlande diese Fahrradkultur organisieren und fördern. In den Insta-Stories habe ich in diesem Jahr viel zu unseren Fahrradtouren und auch zu meinen alltäglichen Fahrten während des ganz normalen Alltagslebens ge-postet. Vor allem die Frage nach dem Radwege- und Fietsknooppunten-System kam immer wieder. Deswegen wird das hier ein Erklärbär-Beitrag dazu.  

In den Niederlanden bewältigen viele ihren normalen Tagesablauf mit dem Fahrrad. Es ist nicht nur normal, sondern auch deutlich entspannter als in Deutschland. Nirgendwo, selbst in den größten Städten kommt man als Fahrradfahrer in grenzwertige Situationen. Seit es E-Bikes gibt,  hat sich der Radius deutlich erweitert. Sehr viele, auch junge Leute benutzen die unterstützenden Bikes. Einfach, weil sie damit deutlich mehr mit dem Rad erledigen können. (Dort guckt keiner schräg oder macht blöde Kommentare von wegen unsportlich oder Omma-Rad. Wobei diese Kommentare in der Regel eh von Leuten kommen, die nach wie vor alles mit dem Auto machen) Aber darum soll es hier nicht gehen. Sondern um: 

Das Radwege-System in den Niederlanden - das Netz der Fietsknooppunte 

Das Fahrradwege-System in den Niederlanden ist überdurchschnittlich gut ausgebaut. Es gibt fast überall separate Fahrradwege, so gut wie nie muss man sich als Radfahrer die Straße mit dem Auto teilen. In den Großstädten sind die Straßen immer unterteilt in Rad - und Autospur, deutlich voneinander abgetrennt durch Wälle. So kann man ganz entspannt neben dem Verkehr herradeln - und ihn oft genug überholen. Sogar neben einigen Autobahnen führen Radwege her. In den beliebten Kreisverkehren gibt es eigene Spuren für die Radler, die immer schräg entgegen die Autofahr-Richtung gesetzt werden. Man kommt da tatsächlich entspannt und ungefährdet drüber.  Auf dem Land gibt es auch meistens Fahrradwege neben den Landstraßen. Gibt es keine direkt neben der Landstraße, kann man sicher sein: Man sieht den Fahrradweg nicht auf den ersten Blick, er ist aber da. Er führt nur anders. Schöner. 


Radweg durch die Felder
oder durch die Felder. Wie ganz oft lockt ein Picknickplatz 

Radweg am Princess Margriet Kanaal
Sehr oft auch direkt neben den Wasserwegen entlang




Fahrradparkplatz am Meer
Am Strand angekommen. Fahrradparkplätze gibt es. Autoparkplätze natürlich nicht. Gut so. 


Bringt uns zu der Frage: Wie finde ich diese traumschönen Radwege? Wie finde ich die beste Route, um mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen. Die Antwort:    

Radeln nach Zahlen - das Netz der Fietsknooppunte

Das Radwege-Netz in den Niederlanden ist komplett kartographiert. Zu den Karten gibt es auch eine App, die Fietsknoop-App. Jede Wegmarke, jeder Ort, jede Radweg-Kreuzung hat eine Zahl. 

Den Fietsknooppunt, den Fahrradknotenpunkt

Man sucht sich die Route anhand dieser Zahlen.

Fahrradkarte Friesland
Fietsknooppunt-App. Old school 

Die Radwege haben unterwegs kleine Markierungs-Pfeile mit der Zahl des Knotenpunkts drauf, in dessen Richtung man fährt. Hat man einen Knooppunt erreicht, befindet sich dort eine große Karte des Gebiets, in dem man gerade ist. So kann man schnell  nochmal nachschauen, welcher Zahl man als nächstes hinterherfährt. Dieses System ist in den ganzen Niederlanden gleich, einzig in Zeeland hat man lange ein anderes System benutzt und gleicht sich erst sukzessive an. 

Gerne nehme ich Euch auf eine Beispieltour mit: ich möchte von Heeg aus eine schöne Radtour machen und suche mir eine Strecke auf der Karte aus. Ich will einmal rund um die Aldegaaster Brekken und dabei durch Oudega und Gaastmeer fahren. In Heeg hat der Knooppunt die Zahl 35. Von dort kann ich direkt in Richtung Knooppunt 38, Oudega fahren. 

Fahrradweg nach Oudega
Immer der 38 nach 

                                               
Schön, dass die 38 mitten im Ort ist und Oudega so eine gute Eisdiele hat. Gestärkt zur 31
                                                      
Badeplatz an den Brekken
Knooppunt 31 erstmal Pause am Strand. 


Fahrradweg rund um die Aldegaaster brekken
Jetzt zur 15, dann zur 16. Der See, die Aldegaaster Brekken, ist umrundet!   

Fahrradfähre
Es ist Wasser im Weg. Kein Problem, es gibt überall Fähren für Radfahrer und Fußgänger

Theoretisch könnte ich jetzt bis zum Ijsselmeer fahren. Ein erstaunlich kurzer Fahrradweg führt querfeldein. Sind fast 10 km weniger als mit dem Auto. Ich fahre aber heute an schönen alten Gehöften vorbei bis zum nächsten Knooppunt 16. Kurz noch der 34 hinterher und zack bin ich in 

Gaastmeer - der Ort
Gaastmeer. Das Meer gleichen Namens beehren wir oft mit dem Boot.   

Dort finde ich den Wegweiser zum Knooppunt 35, der genau - mich ruckzuck zurück nach Heeg führt. Ganz entspannte Runde. 25 km auf traumschönen Wegen, kein Stress damit, den Weg zu suchen. Ich kann einfach die Tour genießen. Radeln nach Zahlen eben. Hat man das System einmal verinnnerlicht, geht die Planung ganz schnell und man kann sich entspannt in den Sattel schwingen. Noch entspannter geht es mit den Routen-Vorschlägen der VVVs, der Touristenbüros oder der Fietsknoop-Webseite. Einfach immer den Zahlen hinterher. Verfährt man sich mal, weil man etwas übersehen hat - nicht schlimm. Der nächste Knooppunt kommt bestimmt. Absolut einfach, absolut genial. Ich danke dem Erfinder und denen, die dieses System aufgesetzt haben. Das muss zunächst eine gigantische Arbeit gewesen sein. 

Das Knooppunt-System gibt es übrigens nicht nur für Fahrradfahrer, sondern auch für Wanderer und für Reiter. Manchmal führen diese Wege nebeneinander her, das finde ich immer besonders witzig. Mitten im tiefsten Wald kreuzen sich Wege und dann ist man eine Zeitlang parallel. Die einen auf dem Drahtesel, die anderen hoch zu Roß oder auf Schusters Rappen. Sehr gesellig. 

Nachtrag: Was mich besonders freut. Auch in anderen Länder hat es sich mittlerweile rumgesprochen: Dieses System ist nicht zu toppen. Belgien ist ebenfalls komplett Knooppunte-durchkartographiert. Viele deutsche grenznahe Bereiche ebenfalls Und - yabbadabbadu - der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat es auch adaptiert. Zumindest die Trassen und einige Routen haben bereits Nummern, Knotenpunkt-Tafeln und Wegmarkierungen. Ich find es großartig. 
Kennt Ihr dieses System und habt es auch schon genutzt?  

Fahrradknotenpunkte im Ruhrgebiet
Karte abfotografiert am Knotenpunkt Recklinghausen auf der Trasse "Allee des Wandels"  

Fahrradtour von Balk nach Sloten: hier klicken für den Bericht