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Mittwoch, 22. März 2023

Immer diese Passanten

Immer diese Passanten 

Wir hatten eine tolle Saison im letzten Jahr. Aber - irgendwas ist ja immer. Auch im Paradies gibt es manchmal Ärger. Ob im Hafen oder auf Instagram - ein unschönes Thema kommt immer wieder hoch:  Seit Big C viele Neulinge aufs Wasser und in die Häfen gelockt hat, ist die gute alte Seemannschaft nicht mehr jedem ein Begriff. Wir bedauern das alle sehr. Ich hatte über das sehr gefährliche Brückenmanöver berichtet, welches uns erschreckte. Den Reaktionen musste ich entnehmen: Wir waren nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. 

Noch etwas gab immer wieder Grund für Klagen. Das teils unterirdische Benehmen von Passanten in den Häfen. Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben. Ich hatte ihn schon so gut wie verworfen. Will ja keine die grantige Kojen-Rentnerin geben. Aber die ganze Saison über verging kaum ein Tag, an dem Passanten nicht unangenehm auffielen. Entweder bei uns oder es kam in der Instagram-Boots-Bubble auf. Auch nach der langen Winterpause mit Ausblick auf die neue Saison kam das Thema immer wieder hoch. 


Ja, wir sind auch oft Passanten. 

Darauf bedacht, als Gastlieger den Gastgebern Wertschätzung und Rücksichtnahme entgegen zu bringen. Die meisten Passanten benehmen sich auch so. Jedoch: s.oben, Big C , Seemanschaft und so. Viele scheinen Grundregeln des Miteinander verlernt zu haben. Rücksichtnahme Fremdwort. Viele wollen sich jetzt erst recht nehmen, was (wieder) geht. Lange war es gerade im maritimen Umfeld anders. 

Worum geht es hier überhaupt? Was ist hier mit Passanten gemeint?  

Eine  kleine Einordnung: Für die Freizeitschifffahrt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo und wie man über Nacht liegen kann, wenn man als Passant mit dem Boot unterwegs ist. In den Niederlanden ist diese Infrastruktur überdurchschnittlich gut. Eine dieser Möglichkeiten ist es, einen freien Platz in einem regulären Yachthäfen zu ergattern.   

Liegeplatz Yachthafen Niederlande

Das Yachthafen-Karussell - Passanten willkommen 


Unser Boot liegt in einem privat betriebenen Yachthafen. Wir mieten unsere Box ganzjährig, haben einen festen Liegeplatz und können dort liegen, solange und so oft wie wir wollen. Inclusive Nutzung sämtlicher Angebote des Hafens. Vergleichbar mit einem Campingplatz. Wir sind also quasi Dauercamper. Wenn wir mit dem Boot über Nacht weg sein werden, sagen wir im Hafenbüro Bescheid. Der Hafenmeister oder die nette Dame im Büro wissen dann, unsere Box ist frei. Wenn ein Passant kommt, kann er da rein. Der Hafen verdient damit zusätzliches Geld. 

Schon, wenn man vom Heeger Meer abbiegt und den Schildern zu unserem Hafen folgt, liest man diverse Male: Passanten welkom. Aber auch: Passanten bitte melden beim Hafenmeister. Anlegen bitte erst am Meldesteiger. Mehrere Male. Mehrsprachig. Am Meldesteiger ist das Procedere dann erklärt. Am Hafenbüro dito. Ist dort keiner, kann man klingeln und es meldet sich sofort jemand. Dieses Procedere funktioniert in den meisten Häfen gleich. Es entsteht so in der Saison ein eifriges Karussell, welches allen dient. Simpel und gut. Sollte man meinen. 

Meldesteiger für Passanten im Yachthafen



The Regels are the Regels - eigentlich 


Aber: Es gibt immer und überall welche, für die Regeln nicht gelten. Die einfach durch einen Hafen brettern, voller Einsatz Bug-und Heckstrahlruder und sich den Platz aussuchen, den sie gerade schick finden (oder den, den sie als nicht ganz so schwer zum Anlegen empfinden) Dann wird das Boot mehr oder weniger fachmännisch festgemacht und man geht erstmal fein in den Ort. Dem Passanten doch egal, ob er sich beim Hafenbüro melden sollte. Dem Passanten doch egal, ob der Liegeplatzinhaber vielleicht noch zurück kommt. Oft kann man schon dankbar sein, wenn das Boot wenigstens so festgemacht ist, dass es keine Schäden an Nachbarbooten anrichtet. Und wenn doch der Meldesteiger genutzt wird, kann man von Glück reden, wenn dieser heil bleibt. Alles schon da gewesen. 

Manchen ist auch gar nicht klar, dass sie in einem privaten Yachthafen gelandet sind, sie sind halt nicht so versiert im Karten lesen und nehmen die erste Einfahrt, in der Passanten welkom steht. Dass der echte Passantenhafen eine Einfahrt später kommt, tja Pech, nee. Man liest Passanten welkom und ab dafür. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das führt natürlich zu echtem Verdruss, auch die Hafenmeister und Betreiber sind mittlerweile nicht mehr amused. Der Ton ist rauer geworden. Ich kann es gut verstehen. Klar, man kann sich mal vertun, man kennt sich vielleicht nicht gut aus. Aber wenn ich mit einem Boot unterwegs bin, dann informiere ich mich doch über die Gepflogenheiten. Jeder Vercharterer gibt ein Handbuch mit an Bord, wo diese Procedere genau beschrieben sind. 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 


Beispiele gefällig?: Es ist früher Abend, ich stehe mit einem Bootsnachbar am Steg, wir unterhalten uns. Von hinten kommt einer auf uns zu und quatscht sofort los: "Ey, Ihr da. Ich muss Euch mal was fragen"  Mir kommt sofort die Galle hoch und ich würde am liebsten fragen, ob wir schon mal zusammen an einen Baum gekotzt haben oder warum er mich so vertraulich anspricht. Mein Bootsnachbar ist schon geübter. Er ist ein echter hanseatischer Captain, dem kommt so schnell keiner doof. Er antwortet : "Ja, Ihnen auch guten Abend. Und Ja, wir sprechen deutsch. Und wir sind auch nett, wir unterbrechen gerne, um Ihnen zu helfen" Krchchch. Der Passant, leicht verunsichert, wirft sich aber erstmal in wichtige Pose "Wir liegen auf der 226 mit einer 14 Meter Yacht. Da können wir ja wohl bleiben oder?" Ich rolle die Augen. Wie er sich in Pose wirft, über die Haare streicht bei den Worten "14 Meter Yacht" Glaubt der, wir erstarren jetzt in Ehrfurcht? Weil wir nur knappe 10 haben? Achtung Spoiler: Wir sind das ganze Jahr hier, wir kennen jede Charteryacht in Friesland. Auch die 14 Meter Yacht, mit der er angibt. Er kann sich vielleicht mit seiner Crew für ein paar Tage die 14 Meter Yacht leisten, wir aber können uns eine 10 Meter Yacht das ganze Jahr und das nächste und die nächsten leisten. So nämlich. Mein Bootsnachbar erklärt mit Engelsgeduld das Passanten-Procedere und schlußfolgert: Wer lesen kann, ist halt klar im Vorteil. Eigentlich ganz einfach. Der Passant schleicht sich, kommt aber schließlich noch zurück, um sich zu bedanken. Immerhin. Du mich auch. Und nun gute Fahrt weiterhin. Und demnächst erst an den Meldesteiger. Nix einfach mit "14 Metern auf der 226"  

So in der Art ging es die ganze Saison munter weiter. Es ackern sich riesige Charteryachten durch den Hafen. Munter vor sich hin motzend "Was sind das für enge Boxen hier" "Wie scheiße ist das ausgeschildert" "Fresse halten" und erstmal rabumm gegen einen Poller. Immerhin nicht gegen ein Boot. Da sind wir ja schon dankbar. Zugegeben: Unser Hafen ist nicht für Anfänger. Es ist eng hier. Aber - bitte. Hat Euch keiner gezwungen, hier anzulegen. Besonders Motzer freuen sich, wenn sie in einer Box landen, wo der Liegeplatz-Halter feste Seile angebracht hat.  Diese Festmacher-Leinen werden selbstredend allzeit gerne von Passanten genutzt. So praktisch. Nice. Dass die Seile in 90 % der Passanten-Fälle anschließend dumm ins Wasser fallen gelassen werden - Shit happens.


Hafenkinoprogramm in Dauerschleife  


Es werden 20 Meter lange Querstege mit einem 8 Meter Boot komplett okkupiert, es ragen Boote soweit über die Stege hinaus, dass manövrieren für andere komplett unmöglich wird. Richtig nett auch die, die erstmal das komplette Charteryacht-Equipment auf dem schmalen Steg ausbreiten und es sich gemütlich machen. Ach, da wollen auch noch andere durch? Ja, blöd, ne. Hahaha. Da legen wir erstmal die Hälfte der  Klamotten über die Reling empfindlicher Segelboote. So what! Wenn der Hafenbetreiber keine Garderobenständer zur Verfügung stellt, was soll man da auch tun?   

Gar nicht zu reden davon, dass manche Passanten sich in den Sanitäranlagen austoben, als käme nach ihnen kein Mensch mehr. Und und und. Wie gesagt, es ist eine Minderheit, die sich so benimmt. Leider eine stetig wachsende Minderheit. Es gibt auch immer mehr Dauerlieger im Hafen, die sich zusehends ärgern. Es gibt Bootseigner, die dauernd Gastlieger aus ihren Boxen scheuchen müssen. Die sich zumeist uneinsichtig zeigen. Man solle sich nicht so anstellen und der Dauerlieger sich halt gefälligst seinerseits einen anderen Platz suchen. 

Ganz neu im Passanten-Kino: Auch wenn man kein Boot hat, ist ein Hafenparkplatz anscheinend begehrenswert. Da bleibt man solange auf der Straße, bis man mit einem Hafen-Anlieger durch das Tor fahren kann. Und wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten E-Auto-Lade-Plätze, auf denen man dann tagelang stehen bleibt. Auch wenn man da eigentlich nur stundenweise stehen darf. Dumm für die, die mit ihrem E-Auto den Heimweg antreten wollen und noch aufladen müssen. 

Hawaiihemden gehen immer. Nicht 


Noch spät in der Saison kamen sie mir entgegen. Vier erwachsene Männer in zu engen Shorts und bunten Hawaiihemden. Grölend einen der hafeneigenen Bollerwagen hinter sich her ziehend. Im Bollerwagen: halsbrecherisch gestapelte leere Bierkästen. Frohgemut zog man durch den Hafen, aus dem Hafen heraus, zum Supermarkt. Nachschub organisieren. Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer 4 Uhr.   
Bollerwagen im Hafen

Verblüffender Fakt: die hafeneigenen Bollerwagen sind nicht dafür gedacht, vatertagsmäßig durch den Ort zu ziehen. Die dienen wie in jedem Hafen dazu, sein Gepäck an den Steg zu verfrachten. Immerhin schön, dass der Bollerwagen zurück in den Hafen gekommen ist. Leider soll er nicht als Tisch-Ersatz am Boot verbleiben, er kommt wieder nach vorne zu den anderen. Damit auch andere diesen Bollerwagen nutzen können. Kleiner Hinweis: Der Ballermann ist wieder bespielbar. Nehmt doch bitte Schaufel, Eimerchen und Strohhalm und geht dahin. 

Für mehr "altmodisches" Miteinander 

              
Ich könnte endlos erzählen. Aber so ist es halt. Nicht nur in den Häfen. Sondern auch oft genug im ganz normalen Alltagsleben. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung werden immer weniger. Wie gesagt, in den letzten Jahren ist es ärger geworden. Die Ignoranz der Menschen und das sich zu allem berechtigt fühlen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auch in unserem Hafen wird, soll sich da noch so einiges ändern. Es wird so nicht weitergehen können. Obwohl es wirklich schade ist. Denn es ist auch oft sehr nett, sich mit Passanten zu unterhalten, auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Passantenkultur in den Häfen ist eigentlich eine schöne. Für beide Seiten gewinnbringend. Es wäre schön, wenn man sich darauf wieder konzentrieren könnte.

Montag, 1. November 2021

Fragt ruhig !

 

Ausblick und Austausch 


Dieses Logbuch hat lange pausiert. Das lag zum einen an ausgeprägter Unlust, in sozialen Medien zu diskutieren, ob und wie wir unser Boot in diesen Zeiten nutzen. Lag aber auch wie immer an knapp bemessener Zeit.  Zeit-technisch sind die Aussichten besser und ich hoffe inständig auf mehr Blog-Zeit im diesem Winter. Ein Rückblick auf  Höhen und Tiefen der Bootssaison ist bereits geschrieben, er muss nur noch bebildert werden. Aber es muss nicht immer nur die Rückschau sein. ich hätte auch Spaß an gemeinsamen Ausblick und Austausch.  






Was möchtet Ihr wissen? 


Manchmal erreichen mich per DM Fragen, die ich dann auch dort beantworte. Dadurch kam mir die Idee, über den Winter solchen Fragen auch Blogposts zu widmen. Sagt mir gerne, was Ihr wissen möchtet zum Leben auf dem Wasser? Welche Tipps braucht Ihr? Überlegt Ihr vielleicht auch, ein Boot zu kaufen? Oder zu chartern? Möchtet Ihr mehr zum Fahrgebiet Niederlande erfahren? Oder zu Häfen? Zur Marrekrite? Tipps für Kultur/ Shopping oder für Fahrradtouren hab ich auch reichlich auf Lager. Lasst mich das gerne wissen! 

             




(Nachsatz mit Bedauern: 

Bisher hat mir niemand zufriedenstellend sagen können, wie das verpflichtende externe Datenverarbeitungsverzeichnis geführt werden soll, muss, kann, ohne einen Vollzeitjob daraus zu machen. Daher blogge ich nach wie vor mit sehr abgespeckten Funktionen, de facto beschränke ich mich hier auf die reinen Blogposts. Auch die Kommentarfunktion ist aus diesem und anderen datenschutz-vorschriftlichen immer noch deaktiviert. 

Erreichbar bin ich über Twitter und Instagram  . Wo ich mich selbstredend auch sehr über Likes und neue Follower freue.  )  

Sonntag, 26. Mai 2019

Die Ardeche - so denkt man - liegt in Frankreich

Tut sie auch. Sowohl als Département als auch als Fluss ist bestimmt wunderschön. Aber es gibt noch eine Ardeche, diese mindestens genauso wunderschön. Die Ardeche ist eins der besonders luxuriösen Boote aus der Flotte unseres Lieblings-Vercharteres und wir hatten schon lange ein Auge auf sie geworfen. Als wir beschlossen, dass es nicht immer etwas Schlechtes sein muss, wenn Geschichte sich wiederholt und wir unseren Mai-Urlaub analog dem im letzten Jahr gestalten wollten - eine Woche Boot, eine Woche Noordzee - beschlossen wir auch Gönnung für uns. Eine Woche wollten wir uns die Schöne mal leisten - und haben es nicht bereut. Die Ardeche ist ein wirklich schönes Boot, mit viel Komfort und Annehmlichkeiten und vor allem einer sehr gut funktionierenden Heizung. Nicht ganz unwichtig, denn - es war mal wieder "en Jammer met het weer" . Wir lernten das Boot bei jeder Wetterlage kennen, auch bei etlichen brenzligen Fahrmanövern ( selber schuld, doofe Route ) und schätzen. Wir würden sie auch jederzeit wieder buchen, aber wir wissen jetzt sicher, dass diese Art Boote nicht ganz unseres ist. Wir haben doch lieber einen richtigen Außensteuerstand, eine Achterkajüte und dafür dann innen mehr "echtes" Bootsfeeling. Die Mistral vom letzten Jahr bleibt unser Favorit. Wenn uns mal so etwas wie die Mistral zum Kauf unterkommt, dann fangen wir an zu rechnen. Wenn es eine Sprayhood oder wenigstens ein Bimini hat. Für Fahrspaß von März bis Oktober. Immer gut, wenn man nicht nur weiß, was man sich leisten kann, sondern auch, was man sich leisten will. Wär das auch geklärt.       

Valkcruiser Ardeche

Zunächst einmal enterten wir aber die Ardeche und direkt nach Übernahme hieß es "Leinen los". Wir waren aus diversen Gründen nicht nur erholungs- sondern auch besonders ruhebedürftig und steuerten sehr zielsicher für die erste Nacht eine unserer Lieblings-Marrekriten an, die wir dann auch prompt exklusiv hatten. Diese Ruhe. Diese Stille. Beim Anlegen stellte aber vor allem ich fest, dass die Ardeche deutlich höher ist als die bisher gebuchten Boote und ich viel tiefer springen musste als gedacht. Und wir hatten im Hafen noch darüber gelacht, dass die Ardeche auch eine einhängbare Leiter besitzt. Nun wussten wir auch wofür. 

Am nächsten Tag ging es dann bei mal Regen, mal Sonne einmal quer über Sneeker Meer, schnell gucken, ob alle Lieblingsplätze den Winter gut überstanden haben und dann in die Betonnung des Princess Margriet Kanals. Kurz am Ort der auf ewig unerfüllbar bleibenden Sehnsüchte ( der Werft mit den superschönen Yachten ) ein Goede Dag entgegengerufen, den Ort Grou links liegen gelassen und ab durchs Pikmar zum Kanal des alten Captains. Dort lagerte raumgreifend ein Berufsschiff - danke für Nichts - also auf dem Teller gedreht und ab ins Sanmar. Dort bei Regen einen Anlegeplatz gesucht und eine uns bis dato unbekannte, nach Pfefferminz duftende, super schön angelegte Insel gefunden. Nix so schlecht, dass es nicht irgendwo gut für ist. ( unser Omma, Ihr kennt den Spruch mittlerweile sicher ) Da waren wir nicht zum letzten Mal. Wunderschön dort. Von dort ging es am nächsten Tag weiter durch den Feenwald der Alde Feanen bis nach Earnewald. Dort fanden wir einen ganz feinen Platz im Passantenhafen mit Ausblick 

Eisschnellläufer in Earnewald


 und guckten uns nach so vielen Durchfahrten in den letzten Jahren dann auch mal den Ort an. Ganz nett, die Pommes war auch lecker, aber wir wollten wieder raus. Kennen wir doch so viele schöne Plätze im Feenwald, einer wird ja wohl frei sein für uns. Wäre bestimmt auch so gewesen, aber wir sollten es nicht mehr rausfinden. Denn über uns entlud sich ein Wetter vom Feinsten, Hagel, Gewitter und Regen ohne Ende. Tjanun. Blieben wir halt im geschützen Hafen. So ist es das mit dem Bootsurlaub. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. 


Am nächsten Tag beruhigte sich das Wetter sichtlich und wir nahmen die geplante Route in Angriff. Der van Haarinxmakanal bis nach Franeker durch Leeuwarden wollte erkundet werden. Ich sag es mal so: Schön geht anders. Sehr viel Berufsschifffahrt auf einem relativ engen Kanal. Hängste hinter einem Frachter, hängste hinter einem Frachter. Ausweglos. Die Ortsdurchfahrt Leeuwarden wurde ihrem schlechten Ruf mehr als gerecht. Baustellen überall, Pontonbrücken mit langer Wartezeit, dabei immer im Kielwasser der Frachter schaukelnd und bangend, nicht gegen die Kaimauer gedrückt zu werden. Auch bei den Brücken, unter die wir locker gepasst hätten, mussten wir warten. Frachter ! 

Ortsumfahrt Leeuwarden

Sooo nervig, sagte ich schon. In Franeker angekommen, fanden wir einen ortsnahen Platz in einer Gracht, immerhin etwas. Allerdings ohne jeden Service, dafür kostenpflichtig. Franeker selbst ist in erster Linie alt, nicht nur die älteste Universitäts-Stadt der Niederlande, sondern auch alles andere war na ja eben alt. Bis auf das - ja ganz im Ernst - Quidditch Stadion und Jan Hendriks Brunnen-Wolke. Hatten wir immerhin einen weiteren Brunnen unserer Elf-Brunnen-Route zugefügt. 

Quidditch in Franeker

Gracht in Franeker

ElfstedeBrunnen

Der Höhe der Ardeche geschuldet, mussten wir einen Großteil des Weges genauso zurücklegen, wie wir gekommen waren, es war tatsächlich noch nerviger als am Vortag. Wir waren sehr erleichtert, als wir in Leeuwarden auf die stande mast Route abbiegen konnten, die dann tatsächlich deutlich schöner war als erwartet. Nur die Marrekriten waren nicht so verlockend. Nachdem man an allen Brücken auf der stande mast den Warteknopf drücken musste, den man nur kriechend erreichen konnte, schenkten wir uns die letzten Brücken und ließen abermals Grou liegen, diesmal Steuerbord und fuhren relativ erschöpft zu einer Marrekrite-Insel im Pikmar, an der wir schon öfter waren. Dort erlebten wir neben den obligatorischen Enten, die genau so gepaart unvermeidlich an jedem Steg, wirklich jedem! auftauchten und für die wundersame Wandlung des Ruhebewahrers in einen Entenflüsterer verantwortlich zeichneten 


noch eine andere tierische Überraschung. Am Steg lagen etliche andere Boote, auf einem eine Familie, deren Kinder sehr ergiebig einen großen, aber ersichtlich geduldigen Schäferhund bespielten. Am nächsten Morgen ging es genauso weiter, auf einmal aber sammelte der Vater seine Kinder ein, Leinen los und ab dafür. Es bot sich folgendes Bild: 

Hund ausgesetzt?

Ein frühmorgendlicher Spaziergang über die Insel brachte dann Aufklärung. Auf der Rückseite der Insel gab es ein idyllisch gelegenes Wohnboot, wo zumindest der Hund wohnte. Wir hoffen nicht allein..... 

friesische Seenplatte

Die letzten beiden Tage verbrachten wir mit gemütlichem Rumgondeln Richtung Heimathafen, wir beehrten wieder den Gewittersteiger, schauten kurz am Naturhafen von Joure vorbei und ließen es uns einfach gut gehen. Bei jeder Wetterlage! Darauf nahmen wir dann bei Wetterwilles den Abmusterungsschluck und gingen schweren Herzens von Bord.  


Um am Tag zwischen friese Meren und Noordzee Narnia zu finden und ein Projekt anzustoßen, welches noch läuft und (noch) Geheimhaltung unterliegt. Der Arbeitstitel lautet Maja Maybe und wir werden berichten. Daumen werden derweil gerne genommen.   


Sonntag, 23. September 2018

Mistral im September - Woche 2

Stavoren und sein Vrouwtje 


Nach einer wunderschönen sternenklaren Nacht im Gaastmeer machten wir uns auf nach Stavoren. Einmal hallo Ijsselmeer und vor allem natürlich Hallo Vrouwtje - Hallo Britta sagen. Die Geschichte vom Voruwtje und was sie mit mir zu tun hat, lege ich Euch immer wieder gerne ans Herz. Stavoren empfing uns mit einem Premium-Platz an der kleinen Insel im Gemeentehaven. Kurz vorher hatte dort der Surf-Ausstatter Mistral* eine Vorführung gehabt, die ganze Insel-Kade beschlagnahmt und packte gerade ein. Wie nett. Hatte Mistral der Mistral doch echt einen Traumplatz freigehalten. Geplant verbrachten wir dann einen Ruhetag in Stavoren, aßen alles, was der liebe Gott verboten und der Holländer erfunden hat beim Frietje van Stavoren*, stemmten uns am Deich gegen den Wind, entdeckten Stavorens verborgene Grachten, entgingen dem gefräßigen Buttje-Buttje Brunnen, beobachteten eine talentierte Mädelsgruppe beim Segeltraining, füllten den mit einem wortwörtlich eigenwilligen Lot versehenen Wassertank der Mistral auf und legten bei echt krachtigem Wind wieder ab Richtung sehr von Segeln belebtes Heeger Meer. Fand ich nur so bedingt witzig, weil nicht unbedingt alle Segler sich an Regeln wie "kreuzen nicht in der Fahrrinne" hielten und dazu noch etliche Sloepjes rumschaukelten, deren Besatzungen durchgehend aus "komm, wir mieten mal so'n Schalüppchen, kann doch nicht so schwer sein, was muss da schon wissen" bestand. Und auch wenn Skippertrainer Eemke (den wir übrigens am ersten Tag bei Wetterwilles auch wiedersahen) uns dareinst das Mantra "Stahl gewinnt immer" eingeimpft hatte - man will es ja nicht zwingend drauf ankommen lassen. Nach gar nicht so langer Fahrt wegen Rückenwind übernachteten wir dann auf der Insel. die uns dareinst mit Couch empfing und uns den unvergessenen Möhren-Pflanz-JGA präsentierte. Diesmal lagen wir geschützt im Mini-Hafenbecken, das Highlight waren allerdings diesmal nur im Regen grillende Jungs und ein junges Paar, welches ganz geschickt ihr wirklich kleines Segelboot zu einem veritablen Segel-Zelt umbauten und dort ganz ramontisch übernachteten.

Stavoren und sein Vrouwtje
Wunderschönes Stavoren

Wunderschönes Bolsward 

Nachdem wir uns also vom ordnungsgemäßen Zustand unserer Lieblingsinsel überzeugt hatten, begaben wir uns auf die Workumer Trekvaart, neue Ufer entdecken. Die Hansestadt Bolsward im Landesinneren war unser Ziel. Die Fahrt dahin war so mittel, die kleinen an der Trekvaart gelegenen Orte sind ganz niedlich, der Kanal eher nicht so. Hat was von Verkehrsweg und Ende. Immerhin gingen alle Brücken - und das sind auf dieser Strecke nicht wenige - bemerkenswert zügig auf. Vor Bolsward klappten wir dann alles zusammen, was zusammenklappbar war und schlängelten uns unter der Brücke hindurch, von der wir hofften, dass sie nach Bolsward führt. Tat sie auch und auch die Autobahn musste für uns somit nicht angehalten werden. In Bolsward hatten wir genau so ein Glück wie in Stavoren und ergatterten einen wunderschönen Platz im Villenviertel an der Gasthuissingel. Die sich als genauso gastlich erwies wie ihr Name versprach. Wir hatten kaum angelegt und den Anlegeschluck an den Lippen, da näherte sich uns schon die angenehme Variante des Blockwarts. Begrüßte uns in seiner schönen Heimatstadt, erklärte schnell die besten Wege zu den angepeilten Sehenswürdigkeiten  und verschwand mit dem Satz " Wenn Sie was brauchen oder wissen wollen - ich bin in Nummer eins" wieder in seiner schicken Villa. Das nenne ich doch mal einen Empfang. Wie von Nummer Eins versprochen, ließ sich die Stadt von unserem Platz aus ganz wunderbar erkunden, wir bewunderten das Rathaus, den "nuttigen Vleermaus-Brunnen" , die abgebrannte und holländisch-pragmatisch-schick wiedererbaute Brüderkirche, hatten ein ganz wunderfeines Dinner an der Hauptgracht und kommen sicher nochmal wieder. Allerdings dann doch über die Workumer Trekvaart, denn auf dem Rückweg nahmen wir die landschaftliche schönere Strecke Richtung Ijlst, die auch zugleich ein Teil der Middelseeroute ist, von der wir uns bisher nie so recht entscheiden konnten, ob wir sie mal in Gänze fahren wollen. Unsere Strecke hatte ein Highlight, vor dem unsere bootseigene Schissbux (ich) schon vorher Manschetten hatte. Und womit? Mit Recht. Kurz vor Ijlst hatten wir eine Selbstbedienungsbrücke zu meistern und ich kann Euch sagen: Vor die Wahl gestellt, welche Route nach Bolsward, nehmt nicht die landschaftlich schönere. Das ist vielleicht ein Mist. Drei Poller sind da vor einem Steg, der vielleicht halb so breit wie ein handelsüblicher Turnhallen-Schwebebalken ist. Kann man ganz prima festmachen, vor allem bei ablandigem Wind. Nicht. Irgendwie ist es uns aber gelungen und der Ruhebewahrer balancierte todesmutig bis zum Knopf, den man drücken muss. Wir kamen gut durch, mit uns noch ein anderes Boot, welches ordentlich Gas gab, um von unseren Mühen zu profitieren, denn diese SB-Brücke schließt automatisch. War übrigens ein Boot aus Makkum. Passte, nachdem Tage vorher bereits ein Boot aus Makkum uns sehr unrühmlich während der Wartezeit an einer Brücke überholt hat. Macht man nicht. Ist ein echtes Tabu unter Seeleuten. Ich habe diesen Urlaub somit "Makkum ist das neue Greetsiel" ausgerufen. Da half es auch nichts, dass das Boot, welches dem Agnes-Seil fast zum Opfer gefallen wäre, ebenfalls aus Makkum kam und die Agnesianer schnöde abfertigte. Konnte ich also auch diesen Urlaub wieder nicht nachgucken, ob die Hafenmeisterin aus Makkum mir wirklich so ähnlich sieht..... 

Wunderschönes Bolsward
Wunderschönes Bolsward

Letzte Tage im Outback 

Nach soviel Urbanität musste es dann für die letzten Tage aber ergiebig Outback sein. Nach Bolsward peilten wir den Kanal nach Woudsend an und fanden dort das erhoffte einigermaßen windgeschützte Plätzchen, besuchten noch einmal das Hafenbecken des "Bugstrahlruder gibt seinen  Geist bei Windstärke 8 auf" Grauens und besuchten für eine eine letzte wunderbare, mit einem sensationellen Sonnenuntergang eingeläutete Nacht noch einmal die Marchjepolle, diesmal der Vollständigkeit halber mit einem Anlegeplatz an der anderen Seite mit Blick auf die Mole. Auf der übrigens der Fortuna-Düsseldorf-Fanclub erstaunliche Ausdauer im die-ganze-Nacht-Angeln bewies.  Der letzte Fahrtag bescherte uns dann wunderbarstes Sonnenwetter, welches wir bis zum letzten Moment ausnutzten. Wir schauten nach, ob die Brug noch kapot war (nein), filmten, wie eine Autobahn zum Stehen gebracht wurde, promenierten in Jirnsum beim Bootsbauer unserer Sehnsucht vorbei und kehrten schließlich in den Heimathafen der Mistral zurück. Mit einem vorschriftsmäßigen Anlegemanöver, so dass wir mit reinem Gewissen die Verrenkungen anderer beobachten und ja auch helfend begleiten konnten. 

mit der Mistral auf den Friese Meren
Mit der Mistral auf den friese Meren


Wie immer: Es war toll, es war wunderbar, es könnte immer so sein. Irgendwann wird die Zeit kommen, in der das Wünschen wieder hilft und Sehnsucht nicht immer nur unser Notfall ist. Irgendwann werden wir es haben, unser eigenes Boot und unser eigenes Friese-Meren-Projekt.
 Ach ja, ach. 
*Dies ist weder bezahlte noch unbezahlte Werbung, sondern einfach eine Aufzählung der Tatsachen vollständigskeitshalber. Ich verlinke nicht aus Gründen, befragt die Suchmaschine Eures Vertrauens. 

In diesem Jahr habe ich erstmals ein paar Handy-Videos gemacht von einigermaßen guter Qualität, was aber eher meinem smarten Fon als meinen Fähigkeiten geschuldet ist. Damit die Beiträge lesbar bleiben, werde ich diese separat einstellen. So nach und nach. Denn - Vorfreude ist zwar eine schöne Freude. Nachfreude aber auch.   

FAQs und Antworten rund um alles, was für Bootsurlaub in Stavoren wichtig ist, findet Ihr hier 

Samstag, 22. September 2018

Mistral im September -Woche eins

Dies vorweg: Nomen war nicht omen. Anders als im letzten Jahr hatten wir zwar ab und an durchaus krachtig Wind, aber von einem richtigen Sturm blieben wir verschont. Unsere(n) Mistral hatten wir ja bei uns.

Mistral im September


So hieß nämlich unser Boot für den diesjährigen 2-Wochen-Törn auf den friese Meren. Bewährt gebucht beim Vercharterer unseres Vertrauens Wetterwille* in Terherne. Die Mistral ist eine Aquanaut*, das erste Mal, dass wir ein derart namhaftes Boot charterten und wir wurden nicht enttäuscht. Sie fuhr sich wirklich toll, ganz ruhig und relativ leicht, weil unaufgeregt zu manövrieren.  Im übrigen unser bis dato größtes Boot, fast 10 Meter lang.  Zu meinem großen Erstaunen: in diesem Fall gilt tatsächlich ausnahmsweise mal Size doesn't matter. Für Manöver ist es an und für sich egal, wenn das Schiff gut lenkbar ist, es ist allenfalls eine Frage des verfügbaren Platzes. Die sich aber in der Nachsaison zum Glück recht selten stellt. 

Mit der Mistral rund ums Sneeker Meer
Mit der Mistral rund ums Sneeker Meer 

Die Marchjepolle


Die ersten Tage verbrachten wir mit gemütlichem Eingrooven unter anderem auf der Drachentöter-Gedächtnisroute. Das Wetter war richtig sommerlich, rumschippern und pausieren war die reinste Freude. Während in Renesse 200 Mann gleichzeitig ins Meer sprangen, gondelten wir zunächst auf dem Sneeker Meer rum, genossen aus vollem Herzen die ersten Nächte an den phantastischen Marrekrite*-Plätzen, von denen wir einige allerdings links liegen ließen. Denn: 100.000 Mücken gefiel das auch. Wir eroberten endlich einmal die Insel Marchjepolle im Tjeuker Meer, an der Anlegeplätze heiß begehrt sind und wir schon mal unverrichteter Dinge abdrehen mussten. Auch diesmal machte die Insel uns die Eroberung nicht leicht. Wir hatten uns vom Sneeker Meer aus gegen den Weg über den Princess Margriet Kanal entschieden und den schöneren Weg über den Kanal abgehend von den Langweerden Wielen gewählt. Nur als wir diesen fast zu Ende genossen hatten, scheiterten wir erstmals an einer Brücke, an der Schaarsterbrug. Nicht, dass wir zu dumm dafür waren - nein, die Brücke war out of order. Wir hatten uns schon über die vielen am Wartepoller liegenden Boote gewundert, als wir langsam auf die Brücke zu fuhren. Ein netter Holländer informierte uns denn auch flugs: "Brug is kapot. Ze weten niet, hoe lang het zal duren." Na prima. Irgendwie hatten wir keine Lust, herauszufinden, wie lange "ze weten et niet" dauern könnte und uns auf Päckchen mit an den Wartepoller zu quetschen. Das Wetter war ja herrlich und so drehten wir um. Den ganzen schönen Kanal zurück, komplett über die Langweerder Wielen und doch die ganze Strecke über den PM. Aber was sollte es? Wir hatten ja Zeit und schließlich waren wir ja zum Bootfahren nach Friesland gekommen. Zumal, wenn das Wetter noch so mitspielte wie an diesem Tag. Belohnt wurden wir dann mit einer gar nicht so vollen Insel und einem prima Anlege-Platz.     

Die Insel Marchjepolle mitten im Tjeukermeer
Die Insel Marchjepolle mitten im Tjeukermeer


Ijlst-Heeg-Gaastmeer 


Nach den ersten Outback-Tagen durfte es aber dann durchaus mal wieder etwas urbaner werden und wir machten uns vom mittlerweile sehr kabbeligen Tjeuker Meer über den Johan-Friso-Kanal auf in die kleine Stadt Ijlst. Sehr schön, sehr romantisch, die hängenden Gärten am Kanal sind ein Traum. Der Passantenhaven ist auch ganz schön, liegt sehr geschützt. Was mit anderen Worten auch heißt: er liegt sehr versteckt. Aber wenn man ihn denn mal gefunden hat - empfehlenswert. Dennoch fuhren wir an diesem Tag noch nach Heeg, auch dort in den Passantenhaven. Nach Umbau mittlerweile fertig, noch gepflegter als vorher und mit etwas kommoderen Anlegemöglichkeiten als vorher.

Törn über's Heeger ins Gaastermeer
Ijlst-Heeg-Gaastermeer


Nachdem wir getan hatten, was man in einem Stadthafen so tut: Duschen, einkaufen, Pommes-Kibbeling essen - musste es aber erstmal wieder Outback sein und so lenkten wir uns ins Gaastmeer, in das Campina-Gedenk-Hafenbecken. Campina war nicht mehr da, überhaupt keine Punk-Vögel mehr, die waren sicher alle schon in Richtung Süden. Pussies. Aber wir hatten diesmal Zeit und das Wetter, um einen ausgiebigen Spaziergang über die Campina-Insel-Wildnis zu machen, bevor wir die Segel Richtung Stavoren hissten. 

*Dies ist weder bezahlte noch unbezahlte Werbung, sondern einfach eine Aufzählung der Tatsachen vollständigskeitshalber. Ich verlinke nicht aus Gründen, befragt die Suchmaschine Eures Vertrauens. 

In diesem Jahr habe ich erstmals ein paar Handy-Videos gemacht von einigermaßen guter Qualität, was aber eher meinem smarten Fon als meinen Fähigkeiten geschuldet ist. Damit die Beiträge lesbar bleiben, werde ich diese separat einstellen. So nach und nach. Denn - Vorfreude ist zwar eine schöne Freude. Nachfreude aber auch.   

Montag, 8. Mai 2017

Tussendoortje - Tanz in den Mai

Wir haben es tatsächlich schon getan. Wir waren schon draußen, also so richtig jottwehdeh draußen. Als "Tussendoortje" am langen 1.Mai Wochenende. Zu viert mit Schwager und Schwägerin waren wir im geliebten Friesland und tanzten mit Wellen und Wind in den Mai.


Wir charterten ein fast 11m großes Boot, aufgrund unserer guten Erfahrungen wiederum bei Wetterwille in Terherne. Platz genug hatten wir also, zwei Doppelbett-Kabinen mit genug Beinfreiheit, von Kopf-freiheit reden wir ganz dezent mal nicht. Es ist halt ein Boot. Unsere Yacht, die Nord, war eine Rogger, eine Yacht alter traditioneller Bauart, ähnlich den Doeraks, die in Friesland überall rumfahren und sowas wie die schwimmende Entsprechung des Volkswagens sind. Diese Boote haben einen ganz flachen Bug - wozu der gut ist, merkten wir, als wir einmal kurz davor waren, auf Grund zu laufen. Zum Glück nur kurz davor. Es war wohl echt die berüchtigte Handbreit Wasser unterm Kiel. Ein anderes Schiff hatte nicht soviel breiter-Bug-Glück, aber glücklicherweise war da schon andere Rettung auf dem Weg. Wir empfanden die Nord auf jeden Fall mehr so als Gleiter denn als Kreuzer und so richtig begeistert hat uns das nicht. Aber egal. Wir hatten Platz genug und nannten unser schwimmendes Zuhause auf Zeit einfach kurzerhand "die Fähre". Und vor allem mit dem Schwager - von Haus aus erfahrener Segler - hatten wir soviel fachkundige Tatkraft an Bord, dass selbst die schwierigsten Manöver und davon hatten wir bei Windstärke fünf bis sechs so einige - gut zu meistern waren.

Der Schwager ist wie gesagt begeisterter Segler, hat auch ein eigenes Segelboot. Aber ihn interessierte unsere Art des Urlaubs sehr und auch die nicht so camping-begeisterte Schwägerin war neugierig. Vorab- beide fanden es toll und wir werden das sicher wiederholen. Schwägerin und ich haben uns auch schon das nächste Schiff ausgesucht. Die Maxima von Wetterwille. Ist zwar dezente 17 Meter lang, aber was soll's. Sie hat vorne zwei fest integrierte Sonnen-Liegen an Bord, das ist doch wohl top. Ich sehe uns da schon vor meinem geistigen Auge. Kein Wunder, dass das Schiff nach der Königin heißt.

Großartig geplant hatten wir unsere Route vorher nicht, denn " wir kennen uns ja aus". (Wurde das geflügelte Wort des Urlaubs, vor allem, weil wir uns gleich am ersten Tag erstmal so richtig ver-navigierten. Geplant war lediglich, das Sneeker und das Heeger Meer zu erkunden, die größten Segelreviere, da war der Schwager neugierig drauf. Freitags nach Einkauf und Bootsbeladung - ich hatte schon am Vortag festgestellt, es ist fast egal, ob man zwei Tage oder zwei Wochen fährt, die Gepäckmenge unterscheidet sich nur marginal - fuhren wir dann über die offene Terherner Schleuse und wurden tatswahrhaftig von einem aus dem Gebüsch springenden Reh begrüßt. Ab aufs Sneeker Meer, der Wind blies ordentlich, die Sonne war noch zaghaft. Kreuz und quer, einmal kurz bei Hart van Friesland reingeschaut und nach besagter Irrfahrt beim Marrekrite Steg am Houkesloot angelegt. Ruhe, Einsamkeit und Glühwein genießen. So kommen die Reste des Winters doch noch zu Ehren. Wurde gerne genommen, war echt kalt. Aber wir sind ja echte Bootsleute, da wird der Außensteuerstand genutzt, komme, was wolle. Basta.




Die nächsten Tage brachten die spannende Ortsdurchfahrt durch Sneek, die gemächliche durch Ijlst, Brückenmanöver, Aquaduct-Befahrungen, viel viel Wind am Heeger Meer, Mittagspausen an einsamen Marrekrite-Inseln, Abende in mäßig belegten Passantenhäfen, lecker essen in Heeg , Burger mit ohne Brötchen und immer wieder kritische An-und Ablegemanöver aufgrund des Windes. Die aber vor allem unsere Männer souverän meisterten, sogar im engen Wetterwille Heimathafen schafften wir es mit viel Geduld und Augenmaß. Einfach so an den Passantensteg und warten, bis Wetterwilles kommen  - nicht mit uns. Das geht gegen die Ehre unserer doch schon recht erfahrenen Männer, das können alle anderen machen. Wir nicht. Hat auch alles geklappt. Ohne auch nur einen Mini-Kratzer. Und wenn die Fender dafür noch so oft in der Höhe verändert werden müssen. dann machen wir das eben. Bootfahren ist ja nichts für Faulenzer. Spannend diesmal auch die Brückenmanöver. Wozu warten, dass die Brücken sich heben, wenn man auch den Mast legen, die Fahne einholen und sich ducken kann. Fünf Zentimeter Platz unter der Brücke durch reichen doch locker. Unschwer zu erraten, weshalb es davon keine Bilder gibt.







Wir sahen viele tolle Boote, beobachten viele spannende Manöver, im Heeger Passantenhafen sogar von einem Plattboden-Schubverband. Die konnten was, die Jungs. Sahen einen Regattastart und auf der Lieblingsinsel vom letzten Jahr . der mit dem Sofa - beobachten wir noch eine ganz verrückte Aktion. Wir saßen gerade schön unter Deck, aßen ein feines heißes Süppchen nach bereits gelungenen Anlege- und Aperol-Spritz-Manövern, als sich mit lautem Techno-Gewumm eins der berüchtigten "Le Boat" Partybomber ankündigte, ganz offensichtlich ein Junggesellenabschied auf dem Wasser. Der arme Bräutigam wurde erstmal unter großem Hallo ins eiskalte Wasser geschmissen, soweit so kalt. Aber was dann kam! Da meint man ja immer, man hätte schon alles gesehen. Das meiste zweimal. Aber irgendeiner setzt immer noch einen drauf. Auf der Insel gab es mehrere große Erdhaufen, wir vermuten, das kleine Hafenbecken wurde neu ausgebaggert. Die Feier-Meier müsen das gewusst haben und ich sach Euch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Schwägerin beobachtete alles aufmerksam und sagte auf einmal: Die machen eine Möhre aus dem Bräutigam! Wie jetzt? Möhre? Ja, eine Möhre. Der Bräutigam bekam ein Möhrenkostüm angezogen und wurde in seiner ganzen karottigen Pracht in den Erdhaufen gesteckt und mit Erde beworfen. Glaubt es oder lasst es. Aber wir waren zu viert. Wir bezeugen das alle ! Es war kein Halluzinogen in unserer Hühnersuppe. Auch wenn wir sie in Holland gekauft haben.....



Das Wetter war fast durchgehend gut. Sehr sehr viel Sonne, erste Sonnenbrände sind zu vermelden, aber eben auch sehr sehr windig und dadurch wirklich richtig kalt. Die paar Klamotten, die wir bei hatten, hatten wir auch alle an. Übereinander. Aber - wir haben einmal tief durchgeatmet, waren ganz eins mit uns und der tollen Natur. Und wie immer an Bord - einfach glücklich. Und jetzt heißt es warten bis Ende August. Sehnsucht bleibt ein Notfall, ein immerwährender.

Satz des Wochenendes: Wir kennen uns ja aus.
Befehl des Wochenendes: Mast legen, Fahne einholen, Kopf einziehen, nee besser flach hinlegen, dann passt das schon. ( Köpfe sind noch dran, Boot und Brücken unbeschädigt. Passte wirklich alles. Geht doch nichts über Augenmaß)
Rätsel des Wochenendes: Haben Adam und Eva  den Winter nicht überlebt? Sind sie etwa untergegangen?

Mittwoch, 28. September 2016

Zurück in den Heimathafen der Limanda

Mit dem Gefühl, dank Aussteiger-Oppa etwas klarer zu sehen und einen Plan entwickeln zu können, brechen wir auf. Noch ein bißchen Pikmar-Bummelei - traumschön dort, aber irgendwie unübersichtlich. Wir nehmen schließlich den Kanal zurück zur Princess Margriet, beschließen aber dort, einfach nochmal abzubiegen. In das Naturschutzgebiet Alde Feanen.



Die Idylle vom letzten Jahr ist immer noch te koop. Das ist aber auch echt mal sowas von jottwedeh. Muss man schon wollen, dort zu leben. Wir wollen einfach nur noch einmal traumhafte Natur, traumhafte Ruhe genießen und das ist auf den Kanälen in den Alde Feanen eine geradezu zauberhafte Angelegenheit. Wir steuern die letzte Marrekrite Insel für dieses Jahr an, eine letzte Kaffeepause, ein letztes Sonnenbad, ein letztes Mal die Füße und Seele baumeln lassen und ein letztes Mal fasziniert dem Bugstrahl-Heckstrahlruder-Konzert eines großen Charterboots beim Anlegen zuhören. Irgendwie erinnern mich diese Hilfsmittel ja immer ein bißchen an Carving-Ski. Plötzlich rasten alle auf der Piste rum wie Pottsäue, egal, ob sie es konnten oder nicht. Genauso jetzt mit den Strahlrudern, damit kriegt es jeder gebacken. Früher oder später. Was die allerdings bei starkem Wind machen, mir ein Rätsel. Und dass die rückwärts nicht reagieren, hat sich wohl auch den Wenigsten erschlossen...



Schweren Herzens brechen wir am frühen Abend auf, zurück nach Terherne über den großen Kanal. Ein bißchen schwer ist uns um Herz. Gar nicht so einfach, diese Parallelwelt zu verlassen und den Traum erstmal wieder auf Eis zu legen. Da lenkt mich auch die Eisenbahnbrücke und ein hinter uns stattfindendes Elefantenrennen zweier Berufsschiffer nur marginal ab. Wir gucken noch kurz im schönen Yachthafen an der Schleuse vorbei. Hätte er Platz gehabt, hätten wir dort noch übernachtet. Aber er ist ähnlich knallevoll wie Hart von Friesland. Nicht nur wir wissen anscheinend, wo die besten Kinoplätze sind.



Nun gut, fahren wir heim. Das Schiff muss am nächsten Morgen abgegeben werden, dann bleiben wir halt die letzte Nacht dort in der Marina. Eine Dusche könnte auch echt nicht schaden. Und so haben wir weniger Stress. Und Zeit, das Gewusel bei Wetterwille zu sehen, wenn die Schiffe alle reinkommen und Herr Wetterwille an drei Orten gleichzeitig zu sein scheint. Auch uns erspäht er sofort, winkt fröhlich und beglückwünscht uns zu dem sensationellen Wetter, welches wir gehabt haben. Das Anlegemanöver klappt gut, obwohl die Boxen dort echt eng sind. Aber wäre uns auch unangenehm gewesen, wenn nicht. Wobei wir dann später sehen, dass es ganz normal ist, dass der gute Vercharterer von Boot zu Boot springt und alle eigenhändig in die Boxen manövriert. Da können wir uns ja echt mal was drauf einbilden, dass er bei uns nur plaudernd am Steg stehen blieb. Ha! Eemke! Auch Dein Verdienst. Wie ich überhaupt sagen muss, manövriertechnisch war der Urlaub um einiges entspannter als im letzten Jahr. Wir sind echt sicherer und besser geworden, aus der Einsteiger-Schublade sind wir endgültig raus. Und deswegen wird es auch im nächsten Jahr weitergehen. Hoffentlich steht bald der Urlaubsplan 2017 und wir können buchen. Am liebsten wieder die Limanda. Wir werden berichten.  




Sonntag, 18. September 2016

Ganz großes Kanalkino

Am Ende des Kanals zwischen Woudsend und Heeger Meer

Der erste Tag. an dem wir richtig viel gefahren sind. Und es ist heiß. Sehr heiß. Wozu machen wir eigentlich in Holland Urlaub? Wenn ich Tropen wollte, wäre ich in die Tropen gefahren. Nein, aber Scherz beiseite. Es ist wirklich unglaublich warm, ich kann mich an wenige derart warme Tage in Holland erinnern. Und wir sind auf dem Wasser, nicht in irgendeinem stickigen stadt. Zunächst einmal sind wir froh, einen Halbschatten-Platz ergattert zu haben und geben den holländischen Camping-Profi. Eigentlich wollten wir ja bis ins Heeger Meer, aber man sieht vor lauter Booten das Meer an diesem Tag nicht. Und das ist kein Scherz.



Womit wir beim Thema wären: Es ist ja beileibe kein Geheimnis, dass ich Holland liebe und das mit der geilsten Stadt der Welt ohne jede Einschränkung unterschreibe. Einer der vielen und einer der gewichtigsten Gründen, warum das so ist: Ja, Holland liegt unter dem Meeresspiegel und sie müssen viel tun, alleine, um dort einfach so liegenbleiben zu können. Aber Holland wäre nicht Holland, wenn sie es nicht so täten, dass es auch für die Menschen gemacht wird. Die Menschen, die am und zum Teil auf dem Wasser leben.

Was mit sich bringt, dass unsere grosse gemeinsame Liebe, das Boot-Fahren und Leben auf einem solchen in Holland eine ganz normale Sache ist. In Deutschland und auch in anderen Ländern, die südlicher gelegen sind, ist Bootfahren etwas Elitäres und man wird sofort für überheblich, überspannt und eingebildet gehalten, wenn man die Wörter Bootsurlaub oder Yacht auch nur erwähnt. Ich habe auch ganz regelmäßig und sofortemang mindestens 10 Follower weniger, wenn ich ein Bild von mir auf einem Boot poste.... Tjanun.

In Holland gibt es den schönen Begriff "Aqua-Camping" und der trifft es ziemlich gut. Das Urlaubsprinzip ist dassselbe wie mit einem Wohnmobil, nur eben auf und nicht an einem Wasser. Die holländischen Yachten sind eher zweckmäßig denn luxuriös und wie gesagt: In Holland hat mindestens jeder zweite ein Boot. Etliche davon sehen wir an diesem Nachmittag am Marrekrite-Steg des Woudsender Kanals. Man kann getrost annehmen, dass an diesem wunderbaren Sommer-Nachmittag kein, aber auch wirklich kein Boot mehr an seinem Liegeplatz oder im Schuppen ist.





Unsere Limanda "Fly-Bridge" ist an diesem Tag der Logenplatz schlechthin und wir verlassen sie so gut wie nicht mehr. Es gibt einfach zuviel zu sehen. Wir können es schlecht schätzen, aber vom Spätnachmittag bis in die frühen Nachtstunden sind es wenigstens 500 Boote mit durchschnittlich vier Leuten an Bord, die an uns vorbeituckern. Schaluppen, Ruderboote, Gummiboote,  große und kleine Motorboote, Plattbodenboote.  Alles dabei. Und Segler natürlich hier am windigen Heeger Meer, dem Segelrevier der friese Meren schlechthin . In Gruppenverbänden, auf dem Weg zum Kurs oder zurück, barbusige Amzonen und Männergruppen auf Junggesellenabschied. Bedauerlicherweise ist unter all diesen Booten nicht ein einziger Brötchenservice, nicht einmal das vorbeituckernde Ijsje-Boot, welches angeblich auch Frikandel kann, mag sein Können bei Marrekrite unter Beweis stellen.

Samstag, 10. September 2016

Skippertraining in Terherne

Na, da hatte ich mir was eingebrockt..... Wenn ich das gewusst hätte, was da auf uns und im speziellen auf mich zukam, ich - hätte das Skippertraining trotzdem gebucht. Es war schmerzhaft, es war sagenhaft stressig, es war aber auch spassig und sehr, sehr lehrreich. Und hat uns mit Sicherheit so einiges an Aufregung während des Urlaubs erspart. Das war die fast drei Stunden Stress allemal wert.

Auf der Webseite der Wetterwilles hatte ich das gefunden. Dort wird die Vermittlung von Skippertrainings angeboten und zwar nicht nur für Anfänger, sondern auch für Leute mit Erfahrung. Das fand ich ja mal gar nicht so schlecht, wenn ich an so manches nervenaufreibende Manöver im letzten Jahr so dachte..... jeder blamiert sich eben, so gut er kann. Und wie gesagt - mit einem Stahlschiff waren wir beide noch nie gefahren. Für den Sohn eines Stahlhändlers wurde das ja auch mal Zeit. (Irgendwie finde ich eh, so eine holländische Stahljacht ist ein bißchen wie wir - halb Ruhrpott, halb Holland).

Dazu kam, in meiner "Sehnsucht ist ein Notfall" Stimmung vor dem Urlaub hatte ich begonnen, diverse Blogs im Netz zu lesen, die von Bootsurlauben berichteten, fast ausnahmslos von Männern geschrieben. Und wie manche Männer nun mal so sind, so waren auch diese Blogs. Voller (meist künstlich) erzeugter Spannung, voller Aufreger und natürlich voller Ruhm darüber, über welche Fähigkeiten diese Skipper so alle verfügen und was man alles so drauf haben sollte, wenn man sich wirklich aufs Wasser wagt. Und je mehr ich las, desto verzagter wurde ich zwischenzeitlich. Was maßen wir uns da bloß wieder an? Der Ruhebewahrer holte mich dann wieder runter und er hatte natürlich Recht. Auch er hat einen Bootsführerschein und zwar schon ewig und drei Tage. Und unsere gemeinsamen Bootsstunden sind schon sehr, sehr zahlreich. Es ist ja nun echt nicht so, dass wir keine Ahnung haben. Man verstehe mich nicht falsch, ich bin auch kein Fan davon, Leute ohne Vorkenntnisse und Sinn und Verstand auf den Schiffsverkehr loszulassen und finde auch, man sollte das ohne Ahnung nicht tun. Aber unsere Ahnung ist eben doch gar nicht so klein. Vielleicht sogar größer als die derer, die sich da im Netz derart aufplusterten.

Dennoch fanden wir die Idee eines Skippertrainings gar nicht so schlecht und buchten das dann kurzerhand. Nachdem wir also in Terherne "unsere" Limanda geentert hatten, kam er auch schon an Bord. Unser Lehrer. Wettergegerbt, den erfahrenen Bootsmann, Skipper und Segler sah man ihm schon drei Meilen gegen den Wind an. Verschmitztes Lächeln, Lachfältchen und ein fester Händedruck. Das war Eemke aus dem benachbarten Akkrum, Pensionär, Regattasegler und nebenberuflicher Skippertrainer. Er hörte sich zunächst an, was uns am Herzen lag. Dass der Ruhebewahrer fahren konnte, war ihm schon nach den ersten Metern klar. Auch dass wir durchaus versiert im Seekarten-Lesen sind, vermerkte er wohlwollend und strich diese Punkte direkt von der Liste. Somit war klar, wir würden nur Manöver üben, die sich besonders für ein Stahlschiff anbieten.



Kaum draußen aus dem Hafen wurde klar, das würde kein Spaziergang. Der Wind war krachtig, die See war kabbelig - so schlechte Bedingungen hatten wir während des ganzen Urlaubs nicht mehr. Aber gut - wir wollen ja keine Sonnenschein-Bootsfahrer sein und wenn man bei solchen Bedingungen übt, kann es der Sicherheit nur dienen. Wir lernten also diverse Stege, Häfen, Boxen in der Nachbarschaft der Wetterwille Marina kennen, legten an und ab, seitwärts, rückwärts, vorwärts. mit Radeffekt, mit und ohne Bugstrahlruder, gegen den Wind und mit ihm. Der Gatte stand gemütlich am Ruder, ich turnte mit Eemke über das ganze Boot. Zum Bug, zum Heck, Backbord, Steuerbord, hängte Fender um, rollte Leinen auf und ab, hängte diese wieder um, hüpfte auf den Steg und wieder aufs Boot, machte mal so, mal so fest. Achterspring, Vorderspring. Knoten, Knoten, Knoten aller Arten, Eemkes Wunderknoten für alle Fälle eingeschlossen. Kommandos für die schnelle Verständigung untereinander - schließlich sind wir nur zu zweit, das ist und bleibt wenig auf einem Boot - bekamen wir auch noch frei Haus. Am besten gefiel mir "fern vom Holz" als Bestätigung dafür, dass Dirk nun gefahrlos fahren kann, weil der Anleger weit genug entfernt ist und ich versäumte es bei keinem Ablegemanöver mehr, dieses Kommando anzubringen.... Hat was, wenn man auf dem fahrenden Boot steht, das Seil fachmännisch aufrollend "fern vom Holz" brüllt.





Das Wichtigste, was Eemke uns beibrachte, war, dass -egal, wie die Wetterbedingungen sind - es das Wichtigste ist, Manöver in aller Ruhe durchzuführen und so langsam wie möglich. Das war etwas, was wir vorher nicht so beherzigt hatten und im letzten Jahr wohl zu der ein oder anderen stressigen Situation geführt hatte. Aber so ein Stahlschiff ist zwar schwerer zu lenken, aber es ist eben auch ein Verdränger und geht nicht so schnell wieder vom Kurs resp. Steg ab. Der Ruhebewahrer lernte vor allem das Manöver mit dem Radeffekt und damit sind wir auch ganz prima klargekommen während des Urlaubs. Ich war feddich wie Bolle nach dem Training, klatschnass natürlich auch ( aber das dänische High-Tech-Jüppschen hielt wie eh und je) und leicht lädiert. Die blauen Flecke an meinen Beinen, die daher rührten, dass ich das Schiff und seine Reling noch nicht kannte und mich dauernd stieß, zumal man bei dem strömenden Regen die Hand vor Augen nicht sehen konnte, gereichen mir noch heute zur Zierde. Aber - es hat echt viel gebracht und unsere, vor allem meine Sicherheit und unser Zusammenspiel enorm erhöht. Hat sich also gelohnt. Fotos davon gibt es aus Gründen natürlich keine. Die hier geposteten sind aus dem reichhaltigen Urlaubsvorrat. Der Abend belohnte uns dann mit plötzlicher Aufklarung und einem schönen Sonnenuntergang, der schon versprach, was die nächsten Wochen hielten.