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Sonntag, 16. Juni 2024

Marrekrite

Endlich mal wieder ein paar Tage raus, Zeit an der 

Marrekrite 


genießen und die Seele baumeln lassen.

Sneeker Meer vom Boot aus


Auf das Wetter zwar noch einen Blick geworfen, aber meistens kommt es eh anders als vorhergesagt. So starteten wir Richtung Sneek, Ziel, wie fast immer dort, unser 'Gewittersteiger' im Kruiswetter. Dieser war erstaunlich gut besucht für diese Jahreszeit aber ein Plätzchen findet man eigentlich immer. Rund um und im Sneeker Meer gibt es zahlreiche Marrekriteplätze.


Marrekrite im Kruiswetter


Man liegt an einem festen Steg oder auch direkt an Wiesen an einer Insel. Von unserem Lieblingsplatz am Steg hat man eine prima Aussicht auf den Prinses-Magriet-Kanal und die Kanaleinfahrt nach Sneek. Nicht der absolut ruhige und idyllische Marrekrite Platz, aber das macht auch die tollen, abwechslungsreichen Liegeplätze aus. Auf jeden Fall auch genug Wege und kleine Wiesen auf der Insel für unseren Fussel zum Toben.


Hund auf Wiese

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Grou bzw. Pikmar.


Fahrt ins Pikmar


Da das Wetter gut war fuhren wir eine Schleife über das Sneeker Meer, Zoutepoel, Heerenzijl - hier die Brückendurchfahrt :



Terkaplester Poelen, Akkrum. Eigentlich wollten wir Akkrum auch durchfahren, aber der Warteplatz vor der ersten Brücke war so unübersichtlich und eng, dass wir umgekehrt sind. Über Terherne dann wieder raus Richtung Prinses-Magriet Kanal. Einen kurzen Abstecher noch nach Jirnsum zum Tanken und weiter Richtung Endziel Marrekrite Sitebuorser Ie. 

Marrekrite Sitebourster Ie


Diese Marrekrite Insel hat 2 kleine Hafenbecken in denen man sehr geschützt liegt. Wir wählten einen Liegeplatz an einem Steg in einer Zufahrt, geschützt aber noch mit Blick auf das Wijde bzw. Sitebourster Ee. Plan war so 2 Tage zu bleiben und dann langsam wieder den Rückweg anzutreten, vielleicht mal ein Abstecher nach Grou.

Es kam wie immer anders. Für die nächsten Tage war plötzlich Windstärke 7 angesagt, also blieben wir insgesamt 3 Tage an unserem sicheren Marrekrite Platz, es gibt schlimmeres. So plötzlich wie die Wettervorhersage sich auf Windstärke 7 festgelegt hatte änderte sie auch am nächsten Tag wieder ihre Meinung, nur noch ein 'laues' Lüftchen für die nächsten Tage. 

Boot liegt an Steg  an einer Insel

Blich auf Wasser Wijde Ie

Segler auf dem Wasser Wijde Ie

Hund auf Steg vor Wasser

Sonnenuntergang durch Regenfenster


Wir fuhren dann in einem Rutsch durch Richtung Heimathafen Heeg, es gab schon wieder Verpflichtungen zuhause.

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Mit dem Boot von Balk über Sloten bis ins Sneeker Meer

Weiter geht es mit dem Bootstörn im Sommerurlaub 2022 

Von Balk über Sloten bis ins Sneeker Meer 

Nach den großartigen Tagen in Balk und Umgebung war die erste Woche des Urlaubs Geschichte. Der Captain war gut erholt und ganz der Ruhebewahrer. Das war auch mehr als gut so, denn die Fahrt durch Sloten hatte einen fetten Aufreger in petto. Ich spoilerte bereits. 

Wir brachen bei gutem Wetter relativ früh in Balk auf.  Auf dem Sloter Meer war es noch kabbelig, aber kein Vergleich mehr mit dem Weg vom Gaastmeer.  Es waren viele der Segler unterwegs, die besonders gerne in der Fahrrinne kreuzen. Warum auch nicht. Dafür ist die Fahrrinne ja schließlich da. Ironie off. Worüber wir nicht nachgedacht hatten: Es war ein Sonntag. Ein Sonn-tag im Wortsinne, dazu mit viel Wind. Klar, da ist alles auf dem Wasser, was schwimmen kann. Tja, nun waren wir unterwegs. Würde schon gehen. 

Brückenkino 

Auf der Sloter-Vaart wurde es noch voller. Noch kleinere Jollen übten dort das Kreuzen, vor allem in den Hafeneinfahrten. Macht Sinn. Die Anlegeplätze waren gesteckt voll, wenig Platz zum Manövrieren. Wir freuten uns auf die Brücke. Nicht. An der Brücke angekommen war es aber stautechnisch ok. Die Brücke ging sogar gerade auf. Leider für die entgegenkommende Richtung. Von dort kamen so viele Boote, dass unsere Richtung nicht mehr dran kam. Also warten und im Becken vor der Brücke dümpeln. Nicht schlimm. Die Ecke ist recht windgeschützt, das ist nicht so schwierig. Hinter uns kam noch eine große Motoryacht, deren Crew ebenfalls wusste, was sie tat und mehrere Sloepen. (friesisch für Schaluppe) 

Fein. Diesmal hatten wir eher keine Lust auf Brückenkino. Alles dümpelte und wartete. Die nächste Brückenöffnung kommt bestimmt. Sie kam und unsere Seite bekam als erstes grün. Wir fuhren zuerst, der Captain gab genug Gas, um den Betrieb nicht aufzuhalten. Ich stand vorne, das Brückengeld abgezählt in der Hand. Der Brückenwärter kam raus mit seinem Klompen an der Angel. Aber - es gelang mir nicht, den Klompen aufzufangen. Komisch, das hab ich doch schon zigmal gemacht. Ich schaute zum Brückenwärter hoch und wunderte mich. Der gute Mann schaute gar nicht zu mir oder seinem Klompen. Klar, dass ich ihn nicht fangen kann, wenn der Klompen ganz woanders hin geworfen wird. Aber wo guckt der Brückenwärter hin und warum? Er warf den Klompen nochmal, diesmal klappte es. 

Gefährliches Brücken-Manöver 

Ich hangelte mich wieder hoch zum Captain und da sah ich es. Wo der Brückenwärter hingeguckt hatte. Mit uns unter der Brücke war noch ein Boot. Eine der Sloepen, die hinter uns gedümpelt hatten. Mit viel Gas überholten sie uns von rechts während des Brückenmanövers. Überholen! Unter der Brücke! In unserem toten Winkel. Dem totesten Winkel, den man so haben kann auf dem Boot. Der Captain realisierte das Ganze erst, als wir durch die Brücke waren und bekam nachträglich noch einen echten Schrecken. Um das zu verdeutlichen: 

Brücke von Sloten
Archivbild: besagte Brücke von Sloten vor der Durchfahrt.  

Die Brückendurchfahrt ist schmal. Auf dem Foto sieht man gut, wie eng sie ist. Da passen zwei Boote kaum nebeneinander. Zumal das ein absolutes No-Go ist. Ein verbotenes No-Go. Aber die Wasser-Polizei kann halt nicht überall sein. Bei der Sloter Brücke manövriert der Captain ziemlich weit links, damit das balancierende Crew-Mitglied die Klompen-Aktion gut hinkriegt. Bugstrahlruder ist also an. Hätte der Captain während des Manövers das Boot nur wenige Zentimeter nach rechts bewegt - es gäbe eine Sloep weniger. Und eine Crew weniger natürlich auch. Die Sloep wäre zwischen uns und der Brückenmauer gnadenlos zerquetscht worden.  Wir sind zwar nicht die größte Yacht unterwegs, aber wir sind 10 x 3 Meter schwimmender Stahl. Und Stahl gewinnt immer. Uns wäre nichts passiert, aber wie gesagt..... Will man das? Nein, will man nicht. 

Was die Crew der Sloep damit bezweckte, ist unklar (um das Lieblingswort deutscher Medienschaffender zu bemühen) Wollten sie nur das Brückengeld sparen? Für 3 Öcken so ein riskantes Manöver fahren? Mutprobe erwachsener Männer? Möglicherweise. Dem Gejohle und Abklatschen der wirklich nicht mehr jugendlichen Crew nach zu urteilen vermutlich. Wir waren absolut  bedient und ziemlich sauer nach diesem Manöver. Welch ein Glück, dass der Captain immer sehr ruhig fährt und wir auch schon viel Erfahrung mit Brückendurchfahrten haben. Ich hab schon Boote unter Brücken schlingern sehen, da hätte ich keine Sloep daneben sehen wollen. 

Wir waren jedenfalls so geschockt, dass wir den Rest der schönen Route auf der Sloter Vaart und durch das Brandemar gar nicht mehr genießen konnten. Gefühlt schnell waren wir auf dem Princess Margriet Kanal, dem Hauptkanal Frieslands. Es war nach wie vor viel los, vor allem viel Berufsverkehr war noch unterwegs. 

Berufsverkehr auf dem Princess Margriet Kanal

Der Rest der Fahrt verlief unspektakulär. Allerdings war dieser Teil der Strecke gefühlt lang. Wir hatten das gar nicht mehr so in Erinnerung. Lag vielleicht auch daran, dass uns die Freude am Bootfahren für den Tag gründlich vergällt war. Selbst jetzt noch, Wochen später, reg ich mich beim Schreiben schon wieder darüber auf. So besoffen kann man doch am Sonntagtagmorgen noch gar nicht oder nicht mehr sein. So ein Leichtsinn. Unfassbar. Allerdings hat dieses wenig seemannschaftliche Benehmen auf dem Wasser oder in den Häfen seit Big C generell merklich zugenommen. Wenn Abenteuer in ferne Länder entfallen, muss man eben anscheinend zuhause gucken, was geht. Oder so.     

Am Sneeker Meer 

Am Nachmittag erreichten wir das Sneeker Meer und gönnten uns noch eine Runde durch die schönen Nebenkanäle. Überall an den Marrekriten war es recht voll, hatten wir uns schon gedacht. Noch waren viele Sonntags-Ausflügler mit voller Ausrüstung da. Aber die extra Runde brachte das gewünschte Ergebnis. Die Ausflügler brachen nach und nach auf und machten Platz. 

Heißluftballons von der Marrekrite aus gesehen
Viel Verkehr herrschte auch in der Luft. Die Punkte sind alles Heißluftballons. 

der Gewittersteiger

Wir konnten uns an den Steiger legen, der uns schon nach so manch aufregender Fahrt eine Zuflucht war, den von uns so genannten Gewittersteiger. Wenn es das gäbe, würden wir für diesen Steiger schon eine Ehrennadel bekommen. Da uns die aber keiner verleihen wollte, gönnten wir uns als erstes den Anlegeschluck. Den hatten wir uns nach diesem Tag mehr als redlich verdient. 

Anlegeschluck

Und hier geht es weiter: Nach einer ruhigen erholsamen Nacht waren wir bereit. Für die Weiterfahrt in das Feenreich der Alde Feanen  

Freitag, 4. Dezember 2020

Schöne Momente in 2020 - der verwunschene Norden

 Eine Tour in den verwunschenen Norden 


Anfang Juni waren unsere persönlichen Umstände für eine kurze kostbare Zeit so, dass sie uns einen Mehrtagestrip erlaubten. Die erste Fahrt führte uns über den Johan-Friso-Kanal, den ich lieber nur noch JFK nenne, weil ich halt immer an den netten Prinzen denken muss, der so unvermutet aus seinem Leben gerissen wurde. Die erste Outback-Nacht verbrachten wir am guten alten  Gewittersteiger . Von dort nahmen wir die direkte Route über den Princess Margriet Kanal Richtung alde Feanen. Bei allerschönstem Wetter kamen wir dort an und fuhren erstmal eine kleine Goodie-Runde durch die verzauberten Kanäle dieses Naturschutzgebietes. 




Wir waren sehr erschöpft zu dieser Zeit und vor uns lag eine äußerst anstrengende Zeit. Entsprechend unsere Planung. Wir übernachteten zweimal an der Lieblings-Marrekrite in den alde Feanen, einmal in Earnewoude. Der kleine Ort, der uns vor Jahren bei der allerersten Durchfahrt als so ungastlich erschien, den wir aber mittlerweile zu schätzen gelernt haben. Es ist schon ein bißchen schade, in den alde Feanen in einen richtigen Hafen zu gehen, weil es dort so viele unfassbar schöne Marrekriten gibt. Aber der Hafen hat auch ein schönes Flair und wenn man zwischendurch Wasser tanken muss, Landstrom und ein bißchen Vorräte auffüllen will, dann bietet der Ort sich eben an. Zumal er nie überlaufen ist. Die letzte Nacht dieser kurzen Tour verbrachten wir wieder am Gewittersteiger. Er liegt halt so günstig auf halbem Wege, man hat dort immer einen schönen Blick und halbwegs windgeschützt ist es dort auch. 




Eigentlich wollten wir einen der neuen Steiger ausprobieren. Wir hatten dort auch schon angelegt, aber es war nicht machbar. Zum einen nicht wegen des Windes, zum anderen war alles vollgeschissen von Enten und es lag so direkt am Vogelschutzgebiet, wo sich dieser Tage Trillionen von Vögel sammelten, die einfach unfassbar laut waren. Weder wollten wir diese Vögel stören noch die von uns gestört werden, also Leinen wieder los und ab zum Gewittersteiger. 

Alles in allem war es sehr schön und sehr befreiend, wenigstens ein paar Tage unterwegs gewesen sein zu können. Bis zu unserem Sommerurlaub sollte es das dann auch gewesen sein, aber das wussten wir in aller Konsequenz da noch nicht. 

Donnerstag, 26. September 2019

Der erste Urlaub auf eigenem Kiel, Teil 3

Phase drei: die stürmische Phase

Nach den Aufregungen der ersten beiden Phasen gönnten wir uns und der Aquamarijn erstmal einen Heimathafentag. Vorräte auffüllen, Wasser auffüllen und den ganzen Insekten-Poep abschrubbern. Dienstags legten wir wieder ab, das Wetter war durchwachsen, aber ok. Der Weg führte uns wiederum über das Sneeker Meer bis kurz vor Joure in das Limanda-ohne-Bugstrahlruder-bei-Windstärke-6- Gedächtnis-Hafenbecken. 

Marrekrite Hafen vor der Jourster Schleuse 

Hafennachbar. Trip to the Netherlands before Brexit 
Dort war es ziemlich leer und wir genossen Ruhe und relative Einsamkeit im Outback, bevor wir am nächsten Tag nach Joure fuhren, dem wir gerne immer wieder einen Besuch abstatten. Dort war es schon voller, das Wetter wurde schlechter und da ist der geschützte Greenedijk von Joure immer ein beliebter Anlaufpunkt. Diesmal vor allem für große Charterpötte, die bug- und heckstrahlruderten, was die Teile hergaben und sich vor allem in Boxen quetschten, die gar nicht für diese Größe bestimmt waren. Aber egal, dann belegt man eben direkt zwei. Egal, ob nachfolgende Schiffe, die in den richtigen Teil des Hafens wollen, kaum noch manövrieren können. Anlegen mit Seil um hintere Poller erschließt sich eben nicht jedem. Aber unser Seil saß. Beim ersten Versuch. Von mir persönlich geworfen. Konnte ich ja jahrelang nicht, aber so langsam wird et. Bin ich ehrlich stolz drauf.

Anlegen am Poller mit Seil

Grundsätzlich aber finde ich immer öfter, dass es ehrlich nicht schaden könnte, wenn bestimmte Vercharterer bei der Einweisung auch die Grundlagen seemannschaftlichen Verhaltens vermitteln würden. DAvon aber ab war Joure wie immer gastfreundlich und eine nette Abwechslung nach den vielen Tagen fast nur Wasser. Notiz an uns für das nächste Mal: Mit der Nespresso-Kundenkarte kriegt man in Douwe-Egberts-City keinen Landstrom aktiviert.


Am nächsten Tag wurde es ziemlich ungemütlich und der Buienradar verhieß keine Besserung. Im Gegenteil. Also - zurück zum Heimathafen. Der Regenbogen wies den Weg. Wir müssen es ja nicht drauf ankommen lassen. Schon gar nicht mit dem eigenen Boot. Wozu sich und datt Marijntje  quälen?  (Zugegeben: Der Gedanke, dass es im Fall des Falles nicht mit einer Selbstbeteiligung getan ist, spielt mit. Stahl gewinnt zwar immer, wir fühlen uns bei jedem Wetter safe. Aber jede Delle tut auch weh) Die Entscheidung war gut. Das erwies sich am nächsten Tag, der mit Windböen hart an der Windstärke 8 und vielen Regenschauern echt ungemütlich war. Gut, dass wir da nicht mehr fahren mussten. Ich hatte schon am Tag der Rückkehr bei Windstärke 6 richtig Manschetten vor dem Anlegemanöver in unserem Hafen. Aber mittlerweile brauch ich keinen Cowboy mehr als Mann, auch da meisterten wir unsere Box und die Poller auch an diesem Tag vorbildlich. Das erleichterte mich derart, dass ich schon vor vier mit dem Anlegeschluck aus der Kajüte kam...Tjanun. Watt mutt, datt mutt. Vom Heimathafen fuhren wir dann noch auf 4 Rädern für einen Bummel nach Sneek  und fügten Brunnen Nr. 7 zu unserer Liste hinzu. Und erstanden Spinnen-Abwehr-Spray. Scheint zu wirken. Mal sehen, wie es morgen aussieht, wenn wir zum vermutlich letzten Boots-Wochenende des Jahres aufbrechen.

Fontein van Fortuna, der Mann mit dem Füllhorn
Elf-Städte-Brunnen Sneek , der Glücksbrunnen. 
Fazit: Urlaub auf dem eigenen Boot ist anders. So vong Gefühl her. Der Drang, alles, was irgend geht, in die wenigen Wochen Urlaub zu packen, ist weg.  Wir wissen jetzt, wir können, wann immer unsere Zeit es erlaubt. Auch wenn wir dieses Jahr nur die halbe Saison mit unserer Marijntje verbrachten, haben wir schon in diesem Jahr das Gefühl, sehr viel davon gehabt zu haben. Sämtliche Optionen, die uns das schwimmende Zuhause an den Meren bietet, haben wir genutzt und genossen. Andere haben einen Wohnwagen an der Zee oder ein Ferienhaus, wir eben ein Boot. Vielseitig nutzbar. Immer so, wie wir Lust hatten und wie die Gegebenheiten waren. So schön, wenn man bei heißem Wetter sagen kann, wir fahren nicht soviel mit dem Boot, wir genießen Strand oder Outback, gehen schwimmen und lassen einfach die Seele baumeln. Schön, wenn man bei schlechtem Wetter sagen kann, egal. Fahren wir halt nicht, nutzen wir das Boot und den Hafen als Basis und Ausgangspunkt. Und wie schön, wenn man bei perfektem Bootswetter sagen kann, jetzt aber. Jetzt genießen wir eine tolle Strecke und fahren richtig viel. Was dann auch der Grund war, dass wir direkt am Wochenende nach dem Urlaub wieder da waren und einen Nachschlag genossen.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Das erste lange Wochenende

 Wie unglaublich geil war das? Langes Wochenende, Holland! Früher DER Klassiker. Heutzutage kaum mehr bezahlbar. Es sei denn.... man hat was eigenes. Also was zum drauf oder drin wohnen. Jodeldiplom hilft da nicht wirklich.

Es gelang dem Gatten, sich kurzfristig noch ins Team Brückentag zu buchen und zwischen Bootsübernahme und erstem richtigen Genuss mussten wir nur für 3 schlanke Arbeitstage zurück nach Hause. Noch ein Vorteil des Jodeldiploms: Wir können fahren, ankommen und abreisen, wie wir wollen. Ohne uns an Zeiten von Vermietern oder Vercharterern zu halten. So beschlossen wir Mittwoch-Abends, kaum dass der Gatte den Heimathafen erreicht hatte, einen Kaltstart. Das Kreuz Oberhausen war gesperrt, ein ellenlanger Stau Holland-Reisender dahinter und wenn wir sofort ins Auto springen würden, könnten wir vor dem Stau herfahren. Gesagt, getan. In weiser Voraussicht hatte ich daheim bereits alles fertig und so waren wir ruck zuck in Narnia. Saßen auf Deck, schauten auf den Hafen und waren zwar müde, aber unbeschreiblich glücklich.

Yachthafen Abendstimmung


Den Liegeplatz in Narnia haben wir bis auf weiteres übernommen, für dies Jahr ist er eh bezahlt und gehörte zum Paket dazu. Den angrenzenden Ort kennen wir bereits aus den letzten Jahren, witzigerweise diente er uns bereits 3mal als sicherer Hafen bei schlechtem Wetter. Die Infrastruktur ist super, es ist DER Seglertreff in Friesland schlechthin. Und was für Segler gut ist, ist auch für Motorboote fein. Wir sind in 2 1/ 2 Std. da, das ist zwar eine Nummer, aber wir schauen erstmal, wie wir das auf Dauer finden. Wir wüssten noch ein anderes Gebiet, kurz hinter Arnheim, das wäre eine Stunde weniger. Halten wir als Alternative im Hinterkopf, glauben allerdings, wenn wir dorthin umziehen würden, würden wir jedes Mal bei Ankunft denken, nur noch eine Stunde und wir wären im gelobten Narnia Land.

Nun aber waren wir erstmal da. Der Donnerstag ging geplant drauf für Erledigungen. Erster wichtigster Punkt war das Namensschild. Wir hatten Hoffnungen in den Ort gesetzt, weil dort immer noch Plattbodenschiffe nach alter Tradition gebaut wurden und wir wollten auch so ein Holzschild, wie es eigentlich auch auf diese Aquanaut-Reihe gehört hatte. Die angrenzende Werft konnte uns zwar mit Namen helfen, selbst machen die es aber auch nicht. Auch die beiden Bootsbedarf-Läden erwiesen sich zwar als hilfreich, aber man konnte uns nur verweisen. Schade. Wir verspürten wenig Lust, die nächsten kostbaren Narnia-Tage mit Namensschild-Rumgondeleien zu verbringen. Google ist unser Freund und wir beschlossen, das zuhause über dieses Internet zu regeln. Vielleicht setzt es sich ja doch durch .....

Dann traten wir noch in ergiebige Action und bekamen erwartungs- und erfahrungsgemäß alles, was für's Erste auf unserer Liste stand. Sogar frisches Holland-Sushi für das erste Abendessen an Bord.

Gepäck an Bord mit Handkarren
Erstmal alle Plörren an Bord. Einräumen kann man auch an der Marrekrite 
Freitag dann warfen wir die Leinen und ab auf die erste Tour mit UNSEREM Boot. Wir fuhren die große Kanalrunde über Woudsend, glitten über das Aquadukt des Johan Friso Gott hab ihn selig und drehten zwei Runden durch Lieblingskanal und am Gewittersteiger vorbei. Zwei, weil wir ja gucken wollten, wo ein besonders schöner Marrekrite Platz frei war. Wir entschieden uns schließlich für den Kanal, an dem wir vor wenigen Wochen erst den Urlaub mit der Ardeche begonnen hatten und legten an.  Witzigerweise konnte ich uns die ganze Zeit sehen, wie wir da Anfang Mai auf der Ardeche gesesssen hatten, mehr oder weniger ahnungslos, dass wir schon wenige Wochen später wieder da sein würden. Mit eigenem Boot und mitten in der Saison, die wir uns sonst nie geleistet hätten. Auf der Ardeche hatten wir zwar ab und an - jedes Mal, wenn eine Aquanaut vorbei fuhr - über die Maybe gesprochen. Aber wir hatten im Laufe der Jahre soviele Boote besichtigt, in der Woche gingen wir noch nicht im Geringsten davon aus, dass wir wirklich zu Potte kommen würden.

Naturschutzgebiet Sneeker Meer

Mit der Ardeche im Mai im Naturschutzgebiet Frijgerzen. Niemals hätte ich gedacht, nur wenige Wochen später wieder da zu sein. Unfassbar.

Frijgerzen, nur wenige Wochen später. Wir können es kaum glauben
Derselbe Kanal, andere Kanalseite, anderes Boot. Ich kann es immer noch nicht glauben. 


Am Samstag war es weniger windig, das Wetter versprach einiges. Wir beschlossen, einfach da zu bleiben, wo wir waren. Wir wollten einiges am Boot machen, Chrom polieren, einräumen, umräumen, ausräumen, dekorieren. Unsere eigene Deko, vor allem die Geschenke sollten einen herausragenden Platz erhalten. Alles halt so einrichten, wie wir es gut finden und brauchen. Und das geht ja prima an einer Marrekrite. Mit vielen Pausen zwischendurch, ergiebigem Kanalkino, Coffee, Cookjes und pre-cooked Nasi Goreng vom in dieser Hinsicht wie überall bestens ausgestatteten Holland-Supermarkt. Kurzum:  jedes gängige holländische Klischee bedient. Aqua-Camping wie aus dem Bilderbuch.

Das holländische Traum Klischee
der holländische Traum - Aquacamping mit allen Klischees

Sonntags fuhren wir dann zurück. Eine ungeplante Runde über das Sneeker Meer, der Gewittersteiger-Kanal war uns zu voll. Es war Bombenwetter, alles, was auch nur ein Mini-Segel hatte, war auf dem Wasser. Dementsprechend war die Rückfahrt. Langsam, langsamer, am allerlangsamsten. Der Rückweg über den JFK ( JohanFriso-Kanal) war Kamener Kreuz in Vollendung. Aber was soll's. Es gab viel zu sehen, wir thronten auf der Aquamarijn, ein leichter Fahrtwind belebte den Tag. Zurück im Hafen legten wir ein leider nur grenzwertiges Anlegemanöver hin, da ist noch Luft nach oben. Dann Boot putzen, entstauben, spülen. Was man eben im Hafen so macht als Bootsbesitzer.

Die nächsten in Angriff zu nehmenden Punkte: Der Strom-Kreislauf. Kühlschrank und Stecker sind nur an den Landstromkreislauf angeschlossen, die Vorbesitzer waren eben Hafenlieger. Dabei lädt die bordeigene Solaranlage die Verbraucher-Batterie des Bootes formidabel auf, eigentlich allerbeste Voraussetzungen. Erste Adressen haben wir, die wir deswegen ansprechen werden. Solange behelfen wir uns mit dem Umwandler, den wir in einer der unzähligen Bootskisten voller Werkzeug fanden. Ging auch.

Bootsleben ist eben die teuerste Variante unbequem zu leben. Aber auch die geilste.


Die Nennung der Werft dient der Vollständigkeit. Dies ist keine bezahlte Werbung. Auch keine unbezahlte. Allenfalls eine unaufgeforderte. Aquanaut selber hat nicht die geringste Ahnung davon, dass wir jetzt dieses Boot besitzen und deren Loblied singen.

Sonntag, 30. September 2018

Vom Tjeuker ins Sneeker Meer


Und noch ein paar Impressionen von unterwegs . Vom Tjeuker ins Sneeker Meer. 

(Pro-Tipp:  Doppelklicken oder auf die Vollansicht klicken hilft ungemein beim Betrachten. )

Der Captain 


Beweisvideo für die Jungs: Das sind keine Museumsschiffe, die fahren wirklich noch


Kanal zwischen Langweerder Wielen und Sneeker Meer 
auch Jourster Zeilroute genannt, obwohl da zum Glück nicht ganz so viel gekreuzt wird


Sonntag, 23. September 2018

Videos vom Sneeker Meer

Mögt Ihr ein bißchen mitfahren? Über's Sneeker Meer 


(Doppelklicken oder auf Vollansicht klicken hilft beim gucken ungemein )



Regatta am Sneeker Meer 


Von Bug aus gefilmt 



Lieblingskanal ins Sneeker Meer



Samstag, 22. September 2018

Mistral im September -Woche eins

Dies vorweg: Nomen war nicht omen. Anders als im letzten Jahr hatten wir zwar ab und an durchaus krachtig Wind, aber von einem richtigen Sturm blieben wir verschont. Unsere(n) Mistral hatten wir ja bei uns.

Mistral im September


So hieß nämlich unser Boot für den diesjährigen 2-Wochen-Törn auf den friese Meren. Bewährt gebucht beim Vercharterer unseres Vertrauens Wetterwille* in Terherne. Die Mistral ist eine Aquanaut*, das erste Mal, dass wir ein derart namhaftes Boot charterten und wir wurden nicht enttäuscht. Sie fuhr sich wirklich toll, ganz ruhig und relativ leicht, weil unaufgeregt zu manövrieren.  Im übrigen unser bis dato größtes Boot, fast 10 Meter lang.  Zu meinem großen Erstaunen: in diesem Fall gilt tatsächlich ausnahmsweise mal Size doesn't matter. Für Manöver ist es an und für sich egal, wenn das Schiff gut lenkbar ist, es ist allenfalls eine Frage des verfügbaren Platzes. Die sich aber in der Nachsaison zum Glück recht selten stellt. 

Mit der Mistral rund ums Sneeker Meer
Mit der Mistral rund ums Sneeker Meer 

Die Marchjepolle


Die ersten Tage verbrachten wir mit gemütlichem Eingrooven unter anderem auf der Drachentöter-Gedächtnisroute. Das Wetter war richtig sommerlich, rumschippern und pausieren war die reinste Freude. Während in Renesse 200 Mann gleichzeitig ins Meer sprangen, gondelten wir zunächst auf dem Sneeker Meer rum, genossen aus vollem Herzen die ersten Nächte an den phantastischen Marrekrite*-Plätzen, von denen wir einige allerdings links liegen ließen. Denn: 100.000 Mücken gefiel das auch. Wir eroberten endlich einmal die Insel Marchjepolle im Tjeuker Meer, an der Anlegeplätze heiß begehrt sind und wir schon mal unverrichteter Dinge abdrehen mussten. Auch diesmal machte die Insel uns die Eroberung nicht leicht. Wir hatten uns vom Sneeker Meer aus gegen den Weg über den Princess Margriet Kanal entschieden und den schöneren Weg über den Kanal abgehend von den Langweerden Wielen gewählt. Nur als wir diesen fast zu Ende genossen hatten, scheiterten wir erstmals an einer Brücke, an der Schaarsterbrug. Nicht, dass wir zu dumm dafür waren - nein, die Brücke war out of order. Wir hatten uns schon über die vielen am Wartepoller liegenden Boote gewundert, als wir langsam auf die Brücke zu fuhren. Ein netter Holländer informierte uns denn auch flugs: "Brug is kapot. Ze weten niet, hoe lang het zal duren." Na prima. Irgendwie hatten wir keine Lust, herauszufinden, wie lange "ze weten et niet" dauern könnte und uns auf Päckchen mit an den Wartepoller zu quetschen. Das Wetter war ja herrlich und so drehten wir um. Den ganzen schönen Kanal zurück, komplett über die Langweerder Wielen und doch die ganze Strecke über den PM. Aber was sollte es? Wir hatten ja Zeit und schließlich waren wir ja zum Bootfahren nach Friesland gekommen. Zumal, wenn das Wetter noch so mitspielte wie an diesem Tag. Belohnt wurden wir dann mit einer gar nicht so vollen Insel und einem prima Anlege-Platz.     

Die Insel Marchjepolle mitten im Tjeukermeer
Die Insel Marchjepolle mitten im Tjeukermeer


Ijlst-Heeg-Gaastmeer 


Nach den ersten Outback-Tagen durfte es aber dann durchaus mal wieder etwas urbaner werden und wir machten uns vom mittlerweile sehr kabbeligen Tjeuker Meer über den Johan-Friso-Kanal auf in die kleine Stadt Ijlst. Sehr schön, sehr romantisch, die hängenden Gärten am Kanal sind ein Traum. Der Passantenhaven ist auch ganz schön, liegt sehr geschützt. Was mit anderen Worten auch heißt: er liegt sehr versteckt. Aber wenn man ihn denn mal gefunden hat - empfehlenswert. Dennoch fuhren wir an diesem Tag noch nach Heeg, auch dort in den Passantenhaven. Nach Umbau mittlerweile fertig, noch gepflegter als vorher und mit etwas kommoderen Anlegemöglichkeiten als vorher.

Törn über's Heeger ins Gaastermeer
Ijlst-Heeg-Gaastermeer


Nachdem wir getan hatten, was man in einem Stadthafen so tut: Duschen, einkaufen, Pommes-Kibbeling essen - musste es aber erstmal wieder Outback sein und so lenkten wir uns ins Gaastmeer, in das Campina-Gedenk-Hafenbecken. Campina war nicht mehr da, überhaupt keine Punk-Vögel mehr, die waren sicher alle schon in Richtung Süden. Pussies. Aber wir hatten diesmal Zeit und das Wetter, um einen ausgiebigen Spaziergang über die Campina-Insel-Wildnis zu machen, bevor wir die Segel Richtung Stavoren hissten. 

*Dies ist weder bezahlte noch unbezahlte Werbung, sondern einfach eine Aufzählung der Tatsachen vollständigskeitshalber. Ich verlinke nicht aus Gründen, befragt die Suchmaschine Eures Vertrauens. 

In diesem Jahr habe ich erstmals ein paar Handy-Videos gemacht von einigermaßen guter Qualität, was aber eher meinem smarten Fon als meinen Fähigkeiten geschuldet ist. Damit die Beiträge lesbar bleiben, werde ich diese separat einstellen. So nach und nach. Denn - Vorfreude ist zwar eine schöne Freude. Nachfreude aber auch.   

Donnerstag, 28. September 2017

Einmal Nordsee und zurück

der gelebte Traum - Woche eins Bootsurlaub 2017 

Von Friesland bis zum Lauwersmeer/Waddenzee -einmal Nordsee und zurück 

Aufregend war es dieses Jahr. Für meinen Geschmack vielleicht auch ein kleines bißchen zu aufregend. Aber bitte - wir sind ja keine Schönwetter-Bootsmenschen. Muss man ja alles mal mitgemacht haben. Der Start in den Bootsurlaub kam noch relativ harmlos daher. Wir übernahmen am Freitag bei den wie immer perfekt vorbereiteten Wetterwilles in Terherne "unsere" Limanda, starteten erstmal in Ruhe die Aktion "Rückereroberung der alten Dame" und begnügten/vergnügten uns am ersten Abend an Bord mit ausgiebigem Hafenkino. Kegelclubs, junge Familien mit Babys, Spanier mit Wasserfetisch - es rüstete mal wieder alles zum Aufbruch, was man sich denken kann und von dem man sich erst recht nicht denken kann, wie es auf dem Wasser wohl besteht.

De Winpel zijn klaar

De Winpel zijn klaar 


Den ersten Tag nutzten wir zum gemütlichen Eingondeln auf dem Sneekermeer. Erstmal gucken, was es alles so Neues gibt und vor allem den Schwager/Schwägerinnen-Törn Gedächtnisweg nochmal abfahren. Wir wollen uns ja schließlich auskennen.


Am Sonntag dann brachen wir so "richtig" auf. Die Nordsee war unser entferntes Ziel, meine Nordsee. Naja, ok. Natürlich wollten wir nicht auf die Nordsee, aber wenigstens bis dahin. Geplante Route zunächst: Über das Pikmar in das Naturschutzgebiet Alde Feanen - Lits-Lauwersmeer-Route - Lauwersoog. Der Wettergott war mit uns, die Sonne schien, es war viel los. Erste Übernachtung kurz hinter der "Immer-noch-Idylle-te-koop" an einer kleinen Insel mit tollem Ausblick auf regen Schiffsverkehr an diesem schönen Tag. Nur unterbrochen von sich leicht selbst überschätzenden Charterfahrern, die trotz heulender Bug-und Heckstrahlruder einfach kein Anlegemanöver hinkriegen, ohne das Charterboot gepflegt an die Stege zu dongen. Mein Verständnis dafür: Null. Wenn ich kein Boot fahren kann, dann lass ich es. Und Punkt. (Wie diese Spezialisten die Stürme der folgenden Woche gemeistert haben - man will es gar nicht wissen.)


Die Lits-Lauwersmeer-Route 

Im Zauberwald der alde Feanen übernahm Firma Immergrün das Wecken. Die sprechen sich doch mit ihren Kollegen im Pott ab. Anders kann ich es mir nicht erklären. Einsame Insel, Outback, himmlische Ruhe - wer landet an? Richtig. Die Immergrünen. Aber gut - es ist nach wie vor unfassbar großartig, was die Marrekrite so leistet und ich bin immer noch für wenig so dankbar wie dafür.



Über das Burgumer Meer (ganz ok, aber so toll, wie alle sagen? Äh, nö) befuhren wir dann den Fluss Lits, der uns zum Lauwersmeer führen würde. Die Lits-Lauwersmeer-Route ist erst seit wenigen Jahren offen und aufgrund vieler unbeweglicher Brücken nur mit Booten von einer Gesamthöhe bis maximal 2,90 befahrbar. Was aber anscheinend auch nicht jeder weiß, der frohgemut diese Route einschlägt. Wasserkarten lesen können ist klar von Vorteil. Diese Spezialisten konnten dann üben. Wenden auf kleinstem Raum, drehen auf dem Teller, wie der Bootsmann sagt. Wir aber konnten uns klein machen, Mast umlegen, Equipment auf dem Achterdeck und man selber ebenso, denn das Wetter gab es her, dass der/die (Bolle) Maat schön nach vorne auf den Bug konnte während der gemächlichen Lits-Fahrt. Diese Route ist unfassbar und unglaublich wunderschön, es ist, als ob man durch ein Zauberland fährt. Die Weite Frieslands wechselt sich ab mit baumbestandenen Ufern, so dass man zwischenzeitlich das Gefühl hat, mit dem Boot durch eine Allee zu gleiten. Es gibt zahlreiche Marrekriten, eine schöner als die andere. Ich bin mir ziemlich sicher, dies muss das Broederland sein, in dem der verehrte niederländische Musiker und Schriftsteller  Auke Hulst sich erinnert.  Ich konnte gar nicht aufhören, zu gucken und zu staunen. Nur widerwillig übernahm ich ab und an das Ruder, damit auch der Ruhebewahrer mal nach vorne konnte, um das Wunderland ergiebig zu bestaunen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich genau das für den Rest des Urlaubs tun wollen: Die Lits rauf, die Lits wieder runter und jede Nacht an einer der wunderfeinen Marrekriten.




Heldin der Schleuse 

Es ging aber nicht nach mir. Nach knapp zwei glücklichen Stunden auf der Lits war feddich mit schönschreiben und wir waren in den Dokkumer Nieuwe Zijlen, dem Wasserweg, den ich vorab in zig Filmchen in diesem Internetz erkundet hatte. Backbord tauchte ein Schild auf "Dokkum", Steuerbord eins, welches nach Lauwersoog wies. "Dokkum ist bestimmt ganz, ganz schön" versuchte ich schmeichelnd dem Gatten eine Planänderung schmackhaft zu machen, aber et half allet nüscht. Der Captain sprach ein Machtwort und steuerte zielbewusst die mächtige Schleuse an, die uns vom gelobten Meer trennte. Alexander bei Wetterwilles hatte noch frohgemut gemeint, dass die Schleusen zwischen Lauwersmeer und Friesland eigentlich offen stünden, aber nada. Sluis staat niet open und nach kurzem, nicht ganz so abgeklärtem Wartemanöver fuhren wir dann in dieses Ding ein.



Das war genau das, wovor ich immer richtig Schiss hatte. Zu zweit schleusen. Der Captain wusste vorher auch nur theoretisch, wie es geht und ich war früher mit meiner Segler-Clique zwar öfter dabei, aber damals mit sechs Mann an Bord bestand meine Aufgabe immer nur darin, gut auszusehen und nicht im Wege zu stehen. Das konnte ich. Aber nun - alleine die Seile legen und ziehen. Ganz toll. Aber - zugegebenermaßen sah die Willem-Lore-Sluis, so heißt das Bauwerk, beeindruckender aus, als sie war. Bis die Tore zugingen und wir - im übrigen - ganz alleine in der riesigen Kammer waren, war ich schon wieder ruhiger. Das Seil lag richtig und der Ausgleich des Wasserstandes erfolgte so gemächlich, dass man es kaum spürte. Geschweige denn sah. Das Mächtigste an dieser Schleuse ist wohl die große Brücke, die zeitgleich gehoben werden muss, aber das musste sie für die niedrige Limanda nicht einmal. Was allerdings wohl zu einer ziemlich beeindruckenden Geräuschkulisse führte, weil über uns LKW und PKW donnerten, während wir in der Kammer schaukelten. Aber nun - alles ging gut. Und ehe wir uns versahen, waren wir auf dem Lauwersmeer. Und nein - wir haben kein Bild von uns in der Schleuse. Aus Gründen. Genauso wie es kaum welche vom Sturm gibt. Aus denselben Gründen. Vier Hände sind einfach wenig auf einem Boot. Aber meinen WA-Status habe ich noch am selben Tag geändert. Auf "Heldin der Schleuse". Und da bleibt er auch erstmal. Man muss auch mal auf sich selber stolz sein dürfen.

Zee => =< Meer


Das Lauwersmeer also. Ebenfalls ganz schön, bißchen kabbelig bereits und derart eigenwillig betonnt, dass wir gar nicht so viel sagen können zu der sagenumwobenen Naturschönheit, denn wir waren vollauf mit Steuern ( der Mann ) und Navigieren (ich) beschäftigt. Schließlich aber tauchte die große Schleuse zur Nordsee (die wir ja leider, leider räusper nicht befahren durften)  und das Sturmwehr, welches sehr an meine heiß geliebten Delta-Werke in Zeeland erinnert, vor uns auf. Lauwersoog, das nördlichste Tor zur Nordsee in NL. Von dort gehen die Fähren zur Insel Schiermonikoog und wir hätten also durchaus einen Nordsee-Strandtag machen können. Machten wir aber nicht - denn 1. frischte das Wetter bereits an diesem Tag eindrücklich auf und wir wollten nicht riskieren, die Rücktour bei richtig schlechtem Wetter zu machen und 2. war der Yachthafen in Lauwersoog zwar sehr gepflegt, der Hafenmeister sehr nett, aber idyllisch geht anders und nachdem  Hägar, der Schreckliche aus Greetsiel uns aus seiner popeligen Joghurtschüssel heraus meinte, den King of Kotelett in Holland geben zu müssen, sehnten wir uns bereits wieder nach tröstlicher Zweisamkeit bei Marrekrites. ( Das mit Hägar erzähl ich vielleicht noch oder auch nicht. Klüger ist es wahrscheinlich, dem weiter keine Bühne zu geben. Aber Greetsiel muss leider jetzt damit leben, dank diesem Muffkopp bei uns das Synonym für gar nicht mal so nett geworden zu sein. Den ganzen Urlaub über hieß es "Der kommt bestimmt aus Greetsiel", wenn sich jemand daneben benahm. Und das tut mir leid für das bestimmt schöne Örtchen und die freundlichen Greetsieler, die es bestimmt auch gibt. Aber ich bin es nicht schuld)  Immerhin - wir schnupperten Nordseehafenatmosphäre, aßen feines Leckerbekje ( Fisch des Tages ) und machten immerhin ein Foto, welches all meine Sehnsüchte perfekt zusammenfasst.





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