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Sonntag, 23. Oktober 2022

Vom Sneeker Meer in das Feenreich der Alde Feanen

 Die Nacht am Lieblingssteiger war ruhig und wir am nächsten Tag bereit für die nächste Etappe.  Das ungute Erlebnis des Vortags beim Brückenmanöver hat zwar Eindruck hinterlassen, aber mehr auch nicht. Nachdem ich darüber geschlafen hatte, war auch ich geneigt, dem Captain beizupflichten: Wäre was passiert, wäre das ganz alleine deren Schuld gewesen. Es hätte nie in unserer Macht gestanden, da verhindernd einzugreifen. Idioten gibt es immer und überall. Leider wahr. Und leider seit den Big C Jahren auch vermehrt auf dem Wasser. 

Das nächste Ziel: Das geliebte Feenreich, die Alde Feanen 

In diesem Jahr waren wir noch nicht in diesem wunderschönen Naturschutzgebiet hoch im Norden gewesen. Das geht natürlich gar nicht. Es gilt nicht nur, dass ein Jahr ohne Nordsee kein gutes Jahr ist, auch ein Jahr ohne alde Feanen darf nicht mehr sein. 

Wir starteten vom Sneeker Meer aus und nahmen die direkte Route über den Princess Margriet Kanal. Geht zwar auch landschaftlich schöner, das wollten wir uns aber für den Rückweg aufheben. Die Fahrt verlief ohne große Aufreger. Wenn man davon absieht, dass jenes Segelboot, welches im Gaastmeer für ergiebiges Hafenkino gesorgt hatte, kurz nach der Schleuse von Terherne unseren Weg kreuzte. Zum Glück nach der Schleuse. Da legte der Gatte aber den Hebel auf den Tisch. Dieses Boot und Brücke voraus - nee, lass mal. 

Brücke auf dem Princess Margriet Kanal

Die weitere Strecke bringt Abwechslung nur bei Grou. Ansonsten sehr viel Landwirtschaft am und auf dem Wasser. Entlang des Ufers des PMK sah man entsprechend auch immer wieder Zeichen des unverändert anhaltenden Bauernprotests in den Niederlanden.

Heuernte Abtransport über das Wasser
Ohne Wassertransportmittel geht auch in der Landwirtschaft gar nichts in Friesland 

Bauernprotest in den Niederlanden
Bauernprotest in den Niederlanden 

Die umgedrehte Flagge - Bauernprotest in den Niederlanden
Auch an den Wasserstrassen: Die Flagge steht Kopf, der Protest ist allgegenwärtig 

Nach nicht ganz dreistündiger Fahrt kamen die ersten Anzeichen des Feenreichs in Sicht. Die alde Feanen sind einer der offiziellen Nationalparks der Niederlande und stehen unter besonderem Schutz. Der Nationalpark ist eine 2000 Hektar große Moorlandschaft und beherbergt über hundert Vogelarten, darunter auch den seltenen Seeadler und ganz viele Störche. Sein Wappentier ist der Otter, Bekanntschaft mit ihm schlossen wir auch bereits. 


Der Nationalpark ist durchzogen von unzähligen Kanälen und kleineren Seen, bietet dazu vielfältige Wander- und Radfahr-Möglichkeiten. Er ist ganzjährig zugänglich, allerdings nicht überall zu jeder Zeit. Das hängt von den Vogel-Zügen ab. In den Alde Feanen gibt es unzählige Marrekriten, eine schöner als die andere. Wir bogen über einen der Hauptkanäle ein und fuhren einen extra großen Umweg zu der  anvisierten Marrekrite Insel, wo wir zwei Nächte blieben. Und erstmalig unseren "Niagara-Camp-Shower" ( ich hab mir den Namen nicht ausgedacht, ich kann nichts dafür....) in Betrieb nahmen. Gar nicht mal so schlecht. Hätte kühler sein dürfen. Die von uns ausgesuchte Insel ist eine der größten in den Alde Feanen, so verteilen sich die dort liegenden Boote ziemlich gut. Über die Insel ziehen sich kleine Wege, wo man in Ruhe eine Runde laufen kann. 

Camp Shower auf dem Boot
Der Captain bereitet das Bad vor 

Outdoor Dusche
Schöner duschen auf der Marrekrite Insel mit Aussicht 


Steg an der Marrekrite
Der Captain ist bereit zum Ausgang 

Spazierweg auf der Marrekrite Insel
Spazierweg auf der Marrekrite Insel

Wir genießen diese Art von Bootsurlaub sehr. Das hat sich definitiv verändert, seitdem wir unser eigenes Boot haben. Als wir noch charterten, war immer so ein "once in a lifetime" Gefühl beim Bootsurlaub dabei. Wir hatten nur wenige Tage im Jahr, die wir auf dem Wasser verbringen konnten. Da will man natürlich soviel Zeit wie möglich mit Boot fahren verbringen, soviel wie möglich sehen. Nun ist es anders. Wir haben viel Zeit auf dem Wasser. Zeit für alles. Für das, was uns gut tut. Zeit für Zeit. Dieses dringende Gefühl, soviel wie möglich in ein paar Tage zu packen, ist weg. Nun ist das Boot für uns unser Zuhause auf dem Wasser. Das Zuhause, das wir immer dabei haben. Es ist so schön, die Orte und die Gegenden in aller Ruhe erkunden zu können. Klar, wir könnten größere Touren fahren. Werden wir auch. Aber für dies Jahr war es der Plan, die ganze zweite Woche in den friedlichen alde Feanen zu verbringen. Zu Wasser und zu Land. Denn auch der Hauptort der Alde Feanen, Earnewald möchte schließlich noch besucht werden.               



Und hier geht es weiter: Schöne Tage in Earnewald. Alles Wissenswerte zum Ort und Passantenhafen 

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Mit dem Boot von Balk über Sloten bis ins Sneeker Meer

Weiter geht es mit dem Bootstörn im Sommerurlaub 2022 

Von Balk über Sloten bis ins Sneeker Meer 

Nach den großartigen Tagen in Balk und Umgebung war die erste Woche des Urlaubs Geschichte. Der Captain war gut erholt und ganz der Ruhebewahrer. Das war auch mehr als gut so, denn die Fahrt durch Sloten hatte einen fetten Aufreger in petto. Ich spoilerte bereits. 

Wir brachen bei gutem Wetter relativ früh in Balk auf.  Auf dem Sloter Meer war es noch kabbelig, aber kein Vergleich mehr mit dem Weg vom Gaastmeer.  Es waren viele der Segler unterwegs, die besonders gerne in der Fahrrinne kreuzen. Warum auch nicht. Dafür ist die Fahrrinne ja schließlich da. Ironie off. Worüber wir nicht nachgedacht hatten: Es war ein Sonntag. Ein Sonn-tag im Wortsinne, dazu mit viel Wind. Klar, da ist alles auf dem Wasser, was schwimmen kann. Tja, nun waren wir unterwegs. Würde schon gehen. 

Brückenkino 

Auf der Sloter-Vaart wurde es noch voller. Noch kleinere Jollen übten dort das Kreuzen, vor allem in den Hafeneinfahrten. Macht Sinn. Die Anlegeplätze waren gesteckt voll, wenig Platz zum Manövrieren. Wir freuten uns auf die Brücke. Nicht. An der Brücke angekommen war es aber stautechnisch ok. Die Brücke ging sogar gerade auf. Leider für die entgegenkommende Richtung. Von dort kamen so viele Boote, dass unsere Richtung nicht mehr dran kam. Also warten und im Becken vor der Brücke dümpeln. Nicht schlimm. Die Ecke ist recht windgeschützt, das ist nicht so schwierig. Hinter uns kam noch eine große Motoryacht, deren Crew ebenfalls wusste, was sie tat und mehrere Sloepen. (friesisch für Schaluppe) 

Fein. Diesmal hatten wir eher keine Lust auf Brückenkino. Alles dümpelte und wartete. Die nächste Brückenöffnung kommt bestimmt. Sie kam und unsere Seite bekam als erstes grün. Wir fuhren zuerst, der Captain gab genug Gas, um den Betrieb nicht aufzuhalten. Ich stand vorne, das Brückengeld abgezählt in der Hand. Der Brückenwärter kam raus mit seinem Klompen an der Angel. Aber - es gelang mir nicht, den Klompen aufzufangen. Komisch, das hab ich doch schon zigmal gemacht. Ich schaute zum Brückenwärter hoch und wunderte mich. Der gute Mann schaute gar nicht zu mir oder seinem Klompen. Klar, dass ich ihn nicht fangen kann, wenn der Klompen ganz woanders hin geworfen wird. Aber wo guckt der Brückenwärter hin und warum? Er warf den Klompen nochmal, diesmal klappte es. 

Gefährliches Brücken-Manöver 

Ich hangelte mich wieder hoch zum Captain und da sah ich es. Wo der Brückenwärter hingeguckt hatte. Mit uns unter der Brücke war noch ein Boot. Eine der Sloepen, die hinter uns gedümpelt hatten. Mit viel Gas überholten sie uns von rechts während des Brückenmanövers. Überholen! Unter der Brücke! In unserem toten Winkel. Dem totesten Winkel, den man so haben kann auf dem Boot. Der Captain realisierte das Ganze erst, als wir durch die Brücke waren und bekam nachträglich noch einen echten Schrecken. Um das zu verdeutlichen: 

Brücke von Sloten
Archivbild: besagte Brücke von Sloten vor der Durchfahrt.  

Die Brückendurchfahrt ist schmal. Auf dem Foto sieht man gut, wie eng sie ist. Da passen zwei Boote kaum nebeneinander. Zumal das ein absolutes No-Go ist. Ein verbotenes No-Go. Aber die Wasser-Polizei kann halt nicht überall sein. Bei der Sloter Brücke manövriert der Captain ziemlich weit links, damit das balancierende Crew-Mitglied die Klompen-Aktion gut hinkriegt. Bugstrahlruder ist also an. Hätte der Captain während des Manövers das Boot nur wenige Zentimeter nach rechts bewegt - es gäbe eine Sloep weniger. Und eine Crew weniger natürlich auch. Die Sloep wäre zwischen uns und der Brückenmauer gnadenlos zerquetscht worden.  Wir sind zwar nicht die größte Yacht unterwegs, aber wir sind 10 x 3 Meter schwimmender Stahl. Und Stahl gewinnt immer. Uns wäre nichts passiert, aber wie gesagt..... Will man das? Nein, will man nicht. 

Was die Crew der Sloep damit bezweckte, ist unklar (um das Lieblingswort deutscher Medienschaffender zu bemühen) Wollten sie nur das Brückengeld sparen? Für 3 Öcken so ein riskantes Manöver fahren? Mutprobe erwachsener Männer? Möglicherweise. Dem Gejohle und Abklatschen der wirklich nicht mehr jugendlichen Crew nach zu urteilen vermutlich. Wir waren absolut  bedient und ziemlich sauer nach diesem Manöver. Welch ein Glück, dass der Captain immer sehr ruhig fährt und wir auch schon viel Erfahrung mit Brückendurchfahrten haben. Ich hab schon Boote unter Brücken schlingern sehen, da hätte ich keine Sloep daneben sehen wollen. 

Wir waren jedenfalls so geschockt, dass wir den Rest der schönen Route auf der Sloter Vaart und durch das Brandemar gar nicht mehr genießen konnten. Gefühlt schnell waren wir auf dem Princess Margriet Kanal, dem Hauptkanal Frieslands. Es war nach wie vor viel los, vor allem viel Berufsverkehr war noch unterwegs. 

Berufsverkehr auf dem Princess Margriet Kanal

Der Rest der Fahrt verlief unspektakulär. Allerdings war dieser Teil der Strecke gefühlt lang. Wir hatten das gar nicht mehr so in Erinnerung. Lag vielleicht auch daran, dass uns die Freude am Bootfahren für den Tag gründlich vergällt war. Selbst jetzt noch, Wochen später, reg ich mich beim Schreiben schon wieder darüber auf. So besoffen kann man doch am Sonntagtagmorgen noch gar nicht oder nicht mehr sein. So ein Leichtsinn. Unfassbar. Allerdings hat dieses wenig seemannschaftliche Benehmen auf dem Wasser oder in den Häfen seit Big C generell merklich zugenommen. Wenn Abenteuer in ferne Länder entfallen, muss man eben anscheinend zuhause gucken, was geht. Oder so.     

Am Sneeker Meer 

Am Nachmittag erreichten wir das Sneeker Meer und gönnten uns noch eine Runde durch die schönen Nebenkanäle. Überall an den Marrekriten war es recht voll, hatten wir uns schon gedacht. Noch waren viele Sonntags-Ausflügler mit voller Ausrüstung da. Aber die extra Runde brachte das gewünschte Ergebnis. Die Ausflügler brachen nach und nach auf und machten Platz. 

Heißluftballons von der Marrekrite aus gesehen
Viel Verkehr herrschte auch in der Luft. Die Punkte sind alles Heißluftballons. 

der Gewittersteiger

Wir konnten uns an den Steiger legen, der uns schon nach so manch aufregender Fahrt eine Zuflucht war, den von uns so genannten Gewittersteiger. Wenn es das gäbe, würden wir für diesen Steiger schon eine Ehrennadel bekommen. Da uns die aber keiner verleihen wollte, gönnten wir uns als erstes den Anlegeschluck. Den hatten wir uns nach diesem Tag mehr als redlich verdient. 

Anlegeschluck

Und hier geht es weiter: Nach einer ruhigen erholsamen Nacht waren wir bereit. Für die Weiterfahrt in das Feenreich der Alde Feanen  

Samstag, 19. Dezember 2020

Schöne Momente in 2020 - Sommerurlaub Teil zwei

En Jammer met het weer 

So schön wie die erste Woche war, so mies begann die zweite. Zum Glück nur wettertechnisch. Hatten wir in der ersten Woche nachts gerade mal ein Bettlaken zum Zudecken ertragen können, mussten wir am Wochenende schon mit Kuscheldecke upgraden und der Schlafsack lugte schon um die Ecke. 

An und für sich war es unklug, bei dem Wetter und vor allem bei der Prognose unseren Heimathafen zu verlassen, weil wir kaum irgendwo bei Sturm so gut liegen wie in der eigenen Box. Aber nach den vielen Hafenwochenenden wollten wir schon gerne noch ein bißchen touren. Wir vertrauten darauf, dass wir die "Lieblingsorte und ein bißchen was Neues Tour" ordentlich geplant hatten. (was dann auch so war) 

Wir legten Montags bei böiger Windstärke 4 ab, fuhren aber nur die Kanalrunde bis nach Woudsend. Das kurze Stück Heeger Meer Fahrt war spannend genug. Anvisiert hatten wir einen Platz an der Marrekrite im Kanal mit Blick auf die "Skyline" und Brücke, den wir tatsächlich ergattern konnten. Wirklich schön, ein toller Blick. 

Wolken können se, die Friesen
Wolken können se, die Friesen 


Dienstags bekamen wir dann dort Besuch aus der Heimat. Nachbars hatten nach zigmaliger Verschiebung tatsächlich ihre schon lange geplante Bootscharterwoche während unseres Urlaubs und starteten quasi mit der Besichtigung der Aquamarijn. Auch hier der Fehler im eigentlich. Denn eigentlich wollten wir im Mai mit ihnen zusammen ein langes Wochenende auf unserem Boot verbringen  - so blieb es in diesem Jahr bei diesem Kurzbesuch. Wie ja auch alle anderen geplanten Besuche ausnahmslos ausfielen. Ob wir sie wohl jemals werden nachholen können? 

Von Woudsend fuhren wir bei viel Regen und Wind über's Slotener Meer nach Balk. Balk hat seit letztem Jahr endlich einen richtigen Passantenhaven, so dass man diesem schönen, aber etwas abseits gelegenen Ort auch mit dem Boot einen Besuch abstatten und sogar über Nacht bleiben kann. Vorher musste man schon ziemlich Glück haben, um dort einen der sehr raren Übernachtungsplätze zu ergattern und dafür ist der Umweg schon ziemlich groß. Ich hatte den Passantenhaven in diesem Internetz studiert und war mir ziemlich sicher, er würde uns ein guter Hafen während des für Mittwoch angesagten Sturms sein. Ich behielt Recht. Zum Glück. Denn auch die dringenden Warnungen vorher behielten Recht. Es war wirklich hardcore Sturm. 




Aber wir hatten einen feinen Platz im neu erbauten Jachthavenquartier, lagen gut und sicher und dank der exorbitant guten Lasso-Künste unseres jungen Stegnachbar auch sicher vertäut*. Am Nachmittag des Sturmtags wurde es dann etwas heller, ruhiger und freundlicher, so dass wir tatsächlich ein kleines bißchen durch die schöne Gracht und die dortigen Geschäfte wandeln konnten.          



Von Balk aus fuhren wir dann über Sloten ins Brandemeer und von dort über Haringssloot und den Follegasloot zur Marchjepole. DAS musste einfach sein. Das Wetter war endlich wieder auf unserer Seite und wir hatten einen feinen Tag an unserer Lieblingsinsel, die wir fast ganz für uns alleine hatten. Keine trinkwütigen Sauerländer in Sicht diesmal. 





Insel mit "Leihbücherei", Strand und tollem Blick. Braucht man mehr?

Von der Marchjepole aus ging es über Echtenerbrug "rüber" auf die andere, uns unbekannte Seite. Ein Stück weit fuhren wir über den vielbefahrenen Jonkerskanal, einfach nur um zu gucken. Naja. So ungefähr muss der Dortmund/ Ems Kanal von der Wasserseite aus aussehen. Da wir nicht weiter wollten, wendeten wir, fanden und befuhren den Fluss Tjonger. So weit wie wir kamen mit unserer Aquamarijn, Irgendwann beginnt dort die Torfroute und dort sind die festen Brücken für uns zu niedrig. Die Fahrt auf dem Tjonger gefiel uns gut, sehr idyllisch, sehr einsam und landschaftlich ein etwas anderes Bild als "drüben" in Friesland. Wir fanden dort eine feine Marrekrite und verbrachten eine ruhige, wenn auch regnerische Nacht. Am nächsten Tag war das Wetter sehr wechselhaft und wir warteten länger als geplant, bis wir die Leinen lösten. 




Der erste Teil führte uns die Engelenfahrt entlang bis Heerenveen. Sehr schöne Strecke, dort war uns auch das Wetter noch gewogen. Heerenveen selbst lockte uns nicht. In die Stadt rein kamen wir mit der Aquamarijn nicht (feste Brücken!) , die außerhalb gelegenen Häfen wirkten zwar okay, aber was sollten wir dann da? Die Umgebung selbst war dort nicht sehr einladend. Die Heerenveen Umfahrung selbst war auch nur so ging so. Sehr enge Kanäle, vollgestopft mit Booten, schmale Brücken und natürlich einige nicht ganz so kundige Bootsfahrer, mit denen wir in der Durchquerungskolonne waren. Also weiter bis oder kurz vor Akkrum, so der Plan. Akkrum kannten wir nur von der Autodurchfahrt auf dem Weg zu unserem alten Lieblings-Vercharterer. Das würde sich auch dieses Jahr nicht ändern, aber das wussten wir zum Zeitpunkt der Ortsquerung Heeerenveen noch nicht. Die Fahrt auf dem Kanal Heerenveen/ Akkrum war wenig reizvoll. Sehr langweilige Landschaft, viel Industrie, keine Idylle, nichts, was reizt. Nicht einmal das Elefantenrennen mit der Eisenbahn konnten wir gewinnen..... 



Kurz vor Akkrum setzte Regen ein, windig war es dazu und die Sicht war ziemlich bescheiden. Wir verspürten wenig Lust, uns durch die unbekannte und durchquerungstechnisch nicht ganz einfache Stadt bei diesem Wetter zu schlängeln. Spontan beschlossen wir, bis auf Sneeker Meer durchzufahren. Irgendwie wollten wir wieder zurück in "unseren", schönen Teil Frieslands. Der Weg führte uns durch die Terkaplester Poelen, wo wir auch vorher noch nie waren. Obwohl wir wenig sehen konnten, die Navigation dadurch ziemlich anstrengend war, fanden wir es sehr sehr schön. Gerne wären wir einfach da geblieben, wussten aber, dass dort diverse Untiefen lauern, auch an den Marrekriten. Das musste bei dem Wetter nun auch echt nicht sein. Das Wetter wurde so gruselig, dass wir echt Mühe hatten, in der sehr schlecht betonnten Fahrrinne zu bleiben und mussten zu zweit aufmerksam gucken. Keine Chance, mal eben die Karte oder die App zu konsultieren. Also durch die Brücke von Heerenzijl, wo wir noch einen eigenartigen Walzer eines dieser kleinen, in diesem Sommer dauernd auftauchenden Charterboote, die wie ein englisches Narrowboat aussehen, beobachteten. Irgendwann hatten die sich aber auch  ausgewalzert und wir waren wieder zurück. In unserem Revier und hatten direkt Heimatgefühle. Erleichterte Heimatgefühle. Auf dem Meer selbst war es stürmisch, so fuhren wir durch und legten uns halbwegs windgeschützt an "unseren" Gewittersteiger. Nach soviel kolumbinischen Routen war uns erstmal nach einem Ruhetag und wir verbrachten wir einen ruhigen Sonntag an diesem Steiger, der uns schon so oft einen feinen Rückzug geboten und uns gut aufgenommen hatte. Danach waren wir dann bereit für einen schönen Abschluss dieses Urlaubs. 

*Mittlerweile hab ich das mit den Pollern und Seil drumlegen bzw. manchmal auch werfen relativ gut raus, aber in Balk klappte es einfach nicht. Zu weit weg, der Poller, beim Anlegen hatten wir ihn nicht gebraucht und auch nicht kriegen können. Wegen des Sturms wollten wir uns gerne aber auch achtern mit einer Doppelspring absichern. Klappte und klappte nicht. Auch das nette Mädel vom Steg nebenan übte vergeblich. Bis ihr Freund wiederkam und mal eben nonchalant drüben das Seil um den Poller warf. Und netterweise zu uns kam und dassselbe für uns tat. Ja, die jungen Niederländer. Die lernen das noch vor Fahrradfahren.... 


Nachtrag : Hier gibt es noch einen ausführlichen Bericht über Balk !  

Sonntag, 26. Mai 2019

Die Ardeche - so denkt man - liegt in Frankreich

Tut sie auch. Sowohl als Département als auch als Fluss ist bestimmt wunderschön. Aber es gibt noch eine Ardeche, diese mindestens genauso wunderschön. Die Ardeche ist eins der besonders luxuriösen Boote aus der Flotte unseres Lieblings-Vercharteres und wir hatten schon lange ein Auge auf sie geworfen. Als wir beschlossen, dass es nicht immer etwas Schlechtes sein muss, wenn Geschichte sich wiederholt und wir unseren Mai-Urlaub analog dem im letzten Jahr gestalten wollten - eine Woche Boot, eine Woche Noordzee - beschlossen wir auch Gönnung für uns. Eine Woche wollten wir uns die Schöne mal leisten - und haben es nicht bereut. Die Ardeche ist ein wirklich schönes Boot, mit viel Komfort und Annehmlichkeiten und vor allem einer sehr gut funktionierenden Heizung. Nicht ganz unwichtig, denn - es war mal wieder "en Jammer met het weer" . Wir lernten das Boot bei jeder Wetterlage kennen, auch bei etlichen brenzligen Fahrmanövern ( selber schuld, doofe Route ) und schätzen. Wir würden sie auch jederzeit wieder buchen, aber wir wissen jetzt sicher, dass diese Art Boote nicht ganz unseres ist. Wir haben doch lieber einen richtigen Außensteuerstand, eine Achterkajüte und dafür dann innen mehr "echtes" Bootsfeeling. Die Mistral vom letzten Jahr bleibt unser Favorit. Wenn uns mal so etwas wie die Mistral zum Kauf unterkommt, dann fangen wir an zu rechnen. Wenn es eine Sprayhood oder wenigstens ein Bimini hat. Für Fahrspaß von März bis Oktober. Immer gut, wenn man nicht nur weiß, was man sich leisten kann, sondern auch, was man sich leisten will. Wär das auch geklärt.       

Valkcruiser Ardeche

Zunächst einmal enterten wir aber die Ardeche und direkt nach Übernahme hieß es "Leinen los". Wir waren aus diversen Gründen nicht nur erholungs- sondern auch besonders ruhebedürftig und steuerten sehr zielsicher für die erste Nacht eine unserer Lieblings-Marrekriten an, die wir dann auch prompt exklusiv hatten. Diese Ruhe. Diese Stille. Beim Anlegen stellte aber vor allem ich fest, dass die Ardeche deutlich höher ist als die bisher gebuchten Boote und ich viel tiefer springen musste als gedacht. Und wir hatten im Hafen noch darüber gelacht, dass die Ardeche auch eine einhängbare Leiter besitzt. Nun wussten wir auch wofür. 

Am nächsten Tag ging es dann bei mal Regen, mal Sonne einmal quer über Sneeker Meer, schnell gucken, ob alle Lieblingsplätze den Winter gut überstanden haben und dann in die Betonnung des Princess Margriet Kanals. Kurz am Ort der auf ewig unerfüllbar bleibenden Sehnsüchte ( der Werft mit den superschönen Yachten ) ein Goede Dag entgegengerufen, den Ort Grou links liegen gelassen und ab durchs Pikmar zum Kanal des alten Captains. Dort lagerte raumgreifend ein Berufsschiff - danke für Nichts - also auf dem Teller gedreht und ab ins Sanmar. Dort bei Regen einen Anlegeplatz gesucht und eine uns bis dato unbekannte, nach Pfefferminz duftende, super schön angelegte Insel gefunden. Nix so schlecht, dass es nicht irgendwo gut für ist. ( unser Omma, Ihr kennt den Spruch mittlerweile sicher ) Da waren wir nicht zum letzten Mal. Wunderschön dort. Von dort ging es am nächsten Tag weiter durch den Feenwald der Alde Feanen bis nach Earnewald. Dort fanden wir einen ganz feinen Platz im Passantenhafen mit Ausblick 

Eisschnellläufer in Earnewald


 und guckten uns nach so vielen Durchfahrten in den letzten Jahren dann auch mal den Ort an. Ganz nett, die Pommes war auch lecker, aber wir wollten wieder raus. Kennen wir doch so viele schöne Plätze im Feenwald, einer wird ja wohl frei sein für uns. Wäre bestimmt auch so gewesen, aber wir sollten es nicht mehr rausfinden. Denn über uns entlud sich ein Wetter vom Feinsten, Hagel, Gewitter und Regen ohne Ende. Tjanun. Blieben wir halt im geschützen Hafen. So ist es das mit dem Bootsurlaub. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. 


Am nächsten Tag beruhigte sich das Wetter sichtlich und wir nahmen die geplante Route in Angriff. Der van Haarinxmakanal bis nach Franeker durch Leeuwarden wollte erkundet werden. Ich sag es mal so: Schön geht anders. Sehr viel Berufsschifffahrt auf einem relativ engen Kanal. Hängste hinter einem Frachter, hängste hinter einem Frachter. Ausweglos. Die Ortsdurchfahrt Leeuwarden wurde ihrem schlechten Ruf mehr als gerecht. Baustellen überall, Pontonbrücken mit langer Wartezeit, dabei immer im Kielwasser der Frachter schaukelnd und bangend, nicht gegen die Kaimauer gedrückt zu werden. Auch bei den Brücken, unter die wir locker gepasst hätten, mussten wir warten. Frachter ! 

Ortsumfahrt Leeuwarden

Sooo nervig, sagte ich schon. In Franeker angekommen, fanden wir einen ortsnahen Platz in einer Gracht, immerhin etwas. Allerdings ohne jeden Service, dafür kostenpflichtig. Franeker selbst ist in erster Linie alt, nicht nur die älteste Universitäts-Stadt der Niederlande, sondern auch alles andere war na ja eben alt. Bis auf das - ja ganz im Ernst - Quidditch Stadion und Jan Hendriks Brunnen-Wolke. Hatten wir immerhin einen weiteren Brunnen unserer Elf-Brunnen-Route zugefügt. 

Quidditch in Franeker

Gracht in Franeker

ElfstedeBrunnen

Der Höhe der Ardeche geschuldet, mussten wir einen Großteil des Weges genauso zurücklegen, wie wir gekommen waren, es war tatsächlich noch nerviger als am Vortag. Wir waren sehr erleichtert, als wir in Leeuwarden auf die stande mast Route abbiegen konnten, die dann tatsächlich deutlich schöner war als erwartet. Nur die Marrekriten waren nicht so verlockend. Nachdem man an allen Brücken auf der stande mast den Warteknopf drücken musste, den man nur kriechend erreichen konnte, schenkten wir uns die letzten Brücken und ließen abermals Grou liegen, diesmal Steuerbord und fuhren relativ erschöpft zu einer Marrekrite-Insel im Pikmar, an der wir schon öfter waren. Dort erlebten wir neben den obligatorischen Enten, die genau so gepaart unvermeidlich an jedem Steg, wirklich jedem! auftauchten und für die wundersame Wandlung des Ruhebewahrers in einen Entenflüsterer verantwortlich zeichneten 


noch eine andere tierische Überraschung. Am Steg lagen etliche andere Boote, auf einem eine Familie, deren Kinder sehr ergiebig einen großen, aber ersichtlich geduldigen Schäferhund bespielten. Am nächsten Morgen ging es genauso weiter, auf einmal aber sammelte der Vater seine Kinder ein, Leinen los und ab dafür. Es bot sich folgendes Bild: 

Hund ausgesetzt?

Ein frühmorgendlicher Spaziergang über die Insel brachte dann Aufklärung. Auf der Rückseite der Insel gab es ein idyllisch gelegenes Wohnboot, wo zumindest der Hund wohnte. Wir hoffen nicht allein..... 

friesische Seenplatte

Die letzten beiden Tage verbrachten wir mit gemütlichem Rumgondeln Richtung Heimathafen, wir beehrten wieder den Gewittersteiger, schauten kurz am Naturhafen von Joure vorbei und ließen es uns einfach gut gehen. Bei jeder Wetterlage! Darauf nahmen wir dann bei Wetterwilles den Abmusterungsschluck und gingen schweren Herzens von Bord.  


Um am Tag zwischen friese Meren und Noordzee Narnia zu finden und ein Projekt anzustoßen, welches noch läuft und (noch) Geheimhaltung unterliegt. Der Arbeitstitel lautet Maja Maybe und wir werden berichten. Daumen werden derweil gerne genommen.   


Donnerstag, 4. Oktober 2018

Überbrückung - Brückendurchfahrten in Holland

Ich hab mich tatsächlich getraut und während zweier Brückendurchfahrten die Video-Funktion des smarten Fons gestartet. Als erstes seht Ihr eine klassische holländische Brückendurchfahrt, wie man sie täglich mindestens einmal während eines Bootsurlaubs erfährt. Die Durchfahrt einer Hefbrug/ Hebebrücke. Dafür wird zu Land der Verkehr angehalten und ein Teil der Brücke hebt sich, um Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Die gezeigte Brücke ist eine, wo Bruggeld gratis ist, bzw. in der Toeristenbelasting enthalten. In manchen Orten muss man einen gesonderten Obulus bezahlten. Dafür lässt der Brückenwärter einen an einer Angel befestigten Klompen hinab, in den man dann das Bruggeld legen muss. Das konnte ich aus Gründen leider nie filmen. Weil ich halt für das Überbrückungsgeld zuständig war und beides zusammen geht nicht. Unter manchen Brücken ist übrigens seit diesem Jahr Werbung angebracht. Finde ich auch ganz witzig. Hat man was zu gucken. Aber hat man ja sowieso. Die gefilmte Brücke ist übrigens die, die in Woche eins der Mistral im September noch "Brug kapot" war. 

Schaarsterbrug in Fryslan :



Das zweite Video zeigt ebenfalls eine Durchfahrt einer Hubbrücke, aber diese ist noch dazu eine besondere. Die gezeigte Brücke ist nämlich eine, die zu einer Autobahn gehört. In Holland ganz normal: Eine ganze Autobahn anzuhalten, damit ein Schiff queren kann. Schiffsverkehr ist in Holland gleichberechtigt zum Autoverkehr, wie im übrigen auch der Radverkehr. Beneidenswert. Wir als relativ niedriges Schiff haben die Brücke neben dem Hub benutzt, so dass Ihr in dem Video zusätzlich zur Entstehung eines kleineren Staus auf der Autobahn noch die Spannung sehen könnt, die einen befällt, wenn man unter einer sehr niedrigen Brücke durchtuckert.  

SchaarsterRijnbrug in Fryslan: 


( pro-Tipp: Doppelklicken oder Klicken auf die Vollansicht hilft beim Betrachten ungemein)