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Sonntag, 22. Oktober 2023

Irgendwas war immer - Abgesang auf die Saison 2023

All in - es war eine gute Saison. Mehr aber auch nicht. Denn:  

Irgendwas war immer 

Von O (Ostern) bis O (Oktober) verbrachten wir so viel Zeit wie nie auf dem Wasser. Wir sind nach wie vor sehr dankbar über das, was wir haben und lieben diese Art, zu leben. Dennoch fiel ein Satz auffällig häufig in dieser Saison: 

Das hatten wir uns anders vorgestellt 

Mit dem eigenen Boot unterwegs

Es war die erste Saison, in der wir hauptberuflich Captain und Crew waren. Unabhängig von Urlaubszeiten, Wochenenden, Feiertagen. Im Winter träumten wir uns als EndlessSunshine-Sailor ohne Zeitdruck auf große, lange Rundreise. Höher in den Norden wollten wir, auch die angrenzenden Provinzen Overijssel und Flevoland warten schon lange auf uns.

Alleine - siehe oben. Von Anfang an. Die längste Zeit, die wir am Stück geschafft haben, waren drei Wochen. In denen wir aber aufgrund von - genau - 'irgendwas war immer' nur knapp anderthalb Wochen unterwegs sein konnten. Ereignisse, Termine, der unselige Murphy und ja - so blöd wie sich das anhört - das Wetter.  

Der Wind, der Wind, das nervige Kind 

Es war nicht nur die nasseste, es war auch die windigste, stürmischste Saison ever. Das sage nicht nur ich, das sagen alle. Und wir bilden uns das nicht ein. Die Ertragszahlen der großen Windkraftanlage  im Ijsselmeer bestätigen das. Jeden einzelnen Monat der Saison gab es mehr Wind als im ganzen letzten Herbst/ Winter zusammen. Die Tage, an denen wir unter Windstärke 4 kamen, konnte man an einer Hand abzählen. Für Tage mit Windstärke 6 und mehr, also richtige Sturm- bis hin zu Orkantagen hingegen reichen 4 Hände nicht aus. Alles Tage, an denen Freizeit-Schifffahrt nicht ratsam war. Better safe than sorry und so. 

Mit dem Boot zu einsamen Anlegeplätzen

Schlechtes Timing 

kam dazu. Als wir wieder einmal die Heimfahrt in den Pott antraten, sagte ein niederländischer Stegnachbar scherzhaft zu uns: De Duitsers, die harren immer tapfer bei Schlechtwetter aus und fahren nach Hause, wenn das Wetter besser wird. War was dran...... 

Kein Frühling, Nichtsommer und plötzlich alte Weiber 

Vor dem Nichtsommer schafften wir nur eine einzige längere Tour. Zu schönen Marrekrite-Plätzen in den Meren und einem längeren Aufenthalt in Joure. Alles schick und schön - aber es sollte nur der Auftakt sein. Aus diversen Gründen gab es danach nur noch Stippvisiten-Touren. Eine einzige der hellen Nächste verbrachten wir auf den Meren, die auch noch teils verregnet. Auch einen Stavoren-Aufenthalt brachen wir wegen ernster Sturmwarnung ab. Zum Nichtsommer sag ich nichts mehr. Rausreißen sollten es die alten Weiber. Klappte auch. In Teilen. Auch diese Tour mussten wir unterbrechen. Das nördlichste Ziel, welches wir erreichten, waren wiederum die Alde Feanen. Die gesetzt sind und jedes Jahr ein Muss. Dokkum und Co müssen noch warten. Genau wie Overijssel und Flevoland.

Mit Hund auf der Fähre


Sehnsucht ist schließlich ein Notfall 

Hafeneinfahrt Stavoren
In diesem Fall Ijsselmeer-Sehnsucht. Die Stippvisite in Stavoren war uns einfach nicht genug und so wurde der Sehnsuchtsort abermals unser Ziel. Wir hatten noch einmal fast eine ganze herrliche Woche Sommerfeeling pur. Theoretisch hätten wir sogar mehr Zeit gehabt. Aber - hallo Sturmwarnung, Du olle Nervensäge. 

Den letzten längeren Aufenthalt an Bord hatten wir uns auch - genau - anders vorgestellt. Hallo Murphy, Du Dämlack. Wir hatten fast alle Leinen los, der Motor brummte, wir wollten zusammen mit Schwager und Schwägerin eine schöne, sonnige, große Abschiedsrunde drehen. Aber - das Bugstrahlruder meldete frühen Winterschlaf. Für mit ohne war es  - genau - zu windig. Also nur Hafenkino in diesen Tagen. Plus Ausflüge nach Makkum, nach Sneek und ans Wattenmeer. 
Sogar ein Strandtag war noch drin. 


Mit Hund am Strand


 Auf den allerletzten Drücker machen wir noch einen ganz spontanen Abstecher nach Urk. Das gefiel uns so gut, dass es noch einen extra Eintrag bekommen wird. ( Mit irgendwas muss man sich ja über den Winter trösten ;) )   

Hafen von Urk mit Hund


Die letzten Schritte der Saison 


Immerhin - das Bugstrahlruder ist bereits repariert. So waren wir für die Fahrt ins Winterlager gerüstet. Auch da: es war - mal wieder - eine äußerst stürmische Woche, die an den Küsten sogar mit Sturmflut und Orkan endete. Wir konnten am anvisierten Tag ein sturm- und regenfreies Zeitfenster von einigen Stunden nutzen und waren zunächst einfach nur froh, alles gut über die Bühne gebracht zu haben. Die Wehmut kommt dann dies Jahr später.....   




Unser Bootshund  


Bootshund im Element
Auf der Positiv-Seite steht:  Dr. Fussel ist ein prima Bootshund. Das hat viel besser geklappt als erhofft. Er fühlt sich im Wortsinn pudelwohl an Bord, es ist genau seins. Immer nah bei seinen Menschen, immer viel zu gucken und drumherum viel Freiheit und Auslauf. Er liebt alles daran. Es sind eher wir, die dadurch eingeschränkter sind. Auch wenn uns das vorher klar war, es kam die Saison halt obendrauf. Wir können nicht mehr überall anlegen, wir müssen nach genug Auslauf für unseren Leichtmatrosen gucken. Und wir können ihn schwer alleine an Bord lassen. Alleine schon, weil ein abgeschlossenes Boot sich ähnlich wie ein Auto schnell aufheizt. Da Fussel sich bis jetzt auch absolut nicht ans Fahrradfahren gewöhnen lässt, fielen auch gemeinsame Fahrradtouren weg. Das hatte vor allem ich mir deutlich anders vorgestellt. So schön die Touren in NL auch sind, alleine macht das einfach nicht soviel Spaß. 

Dummerweise wissen wir schon jetzt - das nächste Jahr wird nicht besser. Nächstes Jahr ist das Jahr der Rundungen und Jubiläen, nächstes Jahr sind etliche Termine fest gesetzt. Alle natürlich im allerbesten "Irgendwas ist immer Rhythmus"  . Selbst nur drei Wochen am Stück werden schwierig.  

Bootsleben ist die teuerste Art, unbequem zu leben 

Koje Boot Hund
So war es halt. Bzw. so war es halt nicht. Klar, wir hatten sehr schöne Wochen, wir haben alles genossen, was ging. Aber ich gebe auch zu: Aufgrund des oft sehr usseligen Wetters fanden wir häufiger als - genau - wir uns das vorgestellt hatten, dass unser Zuhause auch sehr schön ist. Bootsleben ist und bleibt die teuerste Art, unbequem zu leben. Und ich gebe auch zu: Wenn man flexibel ist, ist das Gefühl ein anderes. Hat man nach anstrengenden Arbeitswochen nochmal eine Woche Urlaub im Oktober, bedauert man vielleicht schlechtes Wetter, ist aber reif für Essen, lesen, schlafen und wieder von vorne.  Ist man flexibel und hat nicht nur den Urlaub auf dem Wasser, bedeutet das Beste eben manchmal der ersten Heimat den Vorrang zu geben.  

Dennoch: Wir lieben unsere Aquamarijn ungebrochen, wir lieben den Hafen, wir lieben Heeg, wir lieben das Leben auf dem Wasser. Mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Deswegen lass ich die Saison auch nicht mit diesem Abgesang enden, sondern es wird neben dem Beitrag zur Insel der Seligen aka Urk auch noch einen mit allen Höhepunkten der Saison geben. 

Blue Moon auf dem Wasser

 

Und bei Euch so ? Gab es nur Sonnen- oder auch mal Schattenseiten? Erzählt mal. Welches Fazit zieht Ihr nach dem Sommer?   

Aber natürlich kann das hier so als alleiniger Logbuch-Rückblog nicht so stehen bleiben. Die Höhepunkte komprimiert findet Ihr in diesem Sehnsucht ist ein Notfall Beitrag. 



Freitag, 4. August 2023

Nach Mittsommer kommt Nichtsommer

Tach auch Liebeleins! Isset nich wunderfein? Der wärmste und längste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wo bleibt der Hitzeschutzplan? Moppern auf hohem Niveau - ich weiß. Wir haben wenigstens die Möglichkeit, uns flexibel um das Wetter herum zu planen. Dennoch - erst gab es keinen Frühling, dann verwindeten all unsere Mittsommer-Planungen und jetzt? 

Nach Mittsommer kam - der Nichtsommer 


Mitte April sind wir ins Wasser gegangen, seitdem begleitet uns der Wind. Nicht einfach nur Wind, sondern viel davon. Selten nur sind wir unter Windstärke 4 gekommen, zwei harte Sommerstürme sind in NL schon über Land gezogen. Seltenst konnten wir gemütliche Sommerabende an Deck genießen, dafür sind die Arktis-tauglichen Schlafsäcke wieder im Einsatz.    


In den niederländischen Schären 


Gleichwohl wagten wir im Juli eine Tour ins Outback, bevor die Hochsaison startet und es "druk op de water" wird (Spoiler: Es ist nach wie vor überall ziemlich leer. Wonder why) Wir fuhren bei erträglichen 3 - 4 Windstärken den großen Schlag bis hinter das Sneeker Meer. Rund um die größeren Meere versteckt die friesische Seenplatte besondere Kleinode, sogenannte Poelen. Kleine Seen mit wenig Tiefgang. Nicht für alle Boote geeignet, sorgfältiges Studium der Wasserkarte und Kontrolle des Tiefenmessers dringend angeraten. In den Goingarijpster Poelen fanden wir einen wunderbaren Marrekrite-Platz. Nicht nur ich finde, dass diese Poelen durchaus mit skandinavischen Schären mithalten können.   

friesische Schären


Endlich eine Fahrt ins Blaue 


Gerne wären wir länger draußen geblieben, angedacht war ein Abstecher in die Terkaplester Poelen . Aber - für die nächsten Tage prognostizierte der Buienradar unseres Vertrauens zur Abwechslung Starkwind und viel Regen.  Auf Umwegen fuhren wir zurück in den Schutz des Heimathafens. Ein echter Ruhe vor dem Sturm Tag gönnte uns eine Fahrt ins Blaue. Bootfahren kann so beglückend sein.    

Fahrt ins Blaue

Better safe than sorry


De Entscheidung war richtig. Das Wetter gab alles. Sturm bis Windstärke 7, heftige unberechenbare Böen und wenigstens eine Belohnung für alle tapfer an Bord ausharrenden: Einen Regenbogen, der sich einmal quer über das ganze Hafenbecken ausdehnte. 

Regenbogen über Hafenbecken


Abgehobene Strandtage im Nichtsommer 


Nach dem stürmischen Wochenende zeigte sich leichte Besserung. Sprich es gab ab und ein Zeitfenster ohne Regen. Mit Windstärke 4 - 5 selbstredend. Nicht soooo toll für eine Bootstour.  Auf 4 Rädern fuhren wir für einen "Strandtag" ans Ijsselmeer. Gut eingemummelt schauten wir denen zu, die sich über den Wind freuen. Fussel fand es auch spannend, er war auch ohne Kite mehrfach kurz vorm Abheben. 

Kitesurfer Workum


Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in die Ijs-Borderij Margje am Workumer Trekweg. Eis geht schließlich bei jedem Wetter, sind wir uns einig oder? Und gehört zu einem Strandtag ja wohl dazu. Übrigens ein echter Geheimtipp in Friesland, fragt ruhig. Gourmet Fussel kam auch nicht zu kurz, er liebt es, die Spitzen von frischem Gras abzuknabbern und davon gab es reichlich. 

Ijsborderij Margje



Meerweh 

Ausblick aufs Wattenmeer
Am zweiten einigermaßen schönen Tag packte mich das Meerweh. Unterversorgung mit Vitamin Sea - wer kennt diesen Notfall nicht. Wir fuhren an den Punkt, an dem Ijsselmeer und Nordsee zusammentreffen, zum Hafen von den Oever. Einer der größten Fischerei-Häfen der Niederlande. Dort ließen wir uns den Starkwind um die Nase wehen. Unseren Dr. Fussel immer fest an der Leine, nicht, dass er abhebt. Der Hafen von den Oever ist beeindruckend, dazu gibt es einen schönen Panorama-Weg hin zum Weltkulturerbe Wattenmeer mit Aussichtspunkt. 

Hafen den Oever



Schockverliebt in Bruno 

Danach wurde das Wetter wieder grottiger, einmal regnete es fast 30 Stunden durch. Doch wir harrten aus. Denn auf uns wartete ein Höhepunkt im Sommerprogramm. Meine Schwägerin und ich hatten ein Date. Und waren sofort schockverliebt. In Bruno und in die ganze Herde der Alpaka World Friesland. Es war ein großartiges Erlebnis, die begleitende Führung war toll, die Tiere geliebt, gepflegt und tiefenentspannt. Kann ich wärmstens empfehlen. 


Schockverliebt in Bruno



Derzeit wettern wir zu Hause im Ruhrpott ab. Abwarten, was der Nichtsommer uns im weiteren Verlauf andient. Ich bin mindestens so skeptisch, wie Kollege Alpaka. Mehr Fotos und Videos zum Date mit Bruno und den anderen Touren findet Ihr in epischer Breite in meinem Instagram Feed und den Stories. Ich freue mich, wenn Ihr da rein schaut, hier wie dort Kommentare hinterlasst. Auch Re-Posts und Verlinkungen werden gerne genommen. Wissta ja. 
      

Skeptisches Alpaka

     Allen solange eine schicke Zeit!
 Datet keinen Bruno, den ich nicht auch daten würden.     


Und da better safe than sorry kennzeichne ich diesen Post als Werbung, unbeauftragt, alles selbst bezahlt. Wegen Namensnennung der besuchten Bauernhöfe. Gibt nichts, was es nicht gibt. Die Welt wird immer bekloppter.    

Donnerstag, 6. Juli 2023

Stippvisite in Stavoren

Long story short 

Dieser Murphy! Einmal eingenistet, wird man ihn so schnell nicht wieder los. Zur Sommersonnen- wende war ich noch hoffnungsfroh. Dumm nur: Murphy auch. Long story short: Das Auto muss nochmal in die Werkstatt. Und wir somit nach Hause. Soviel zu: Bevor es wieder losgeht mit "drukte op het water" machen wir noch eine schöne lange Vorsaison-Tour an hellen Tagen und weißen Nächten. 

Hallo Gaastmeer 

Gaastmeer Marrekrite Hafen

So wurde es nur eine kürzere Tour, die aus Sturmwarnungs-Gründen nochmal kürzer ausfiel als gedacht. Wir begannen mit einem Abstecher ins Gaastmeer - wenigstens eine der hellen Nächte weit draußen auf dem Wasser. War auch schön, nur nicht hell. Hallo Wind - alter Vertrauter! Hallo Regen - jaja, ich weiß, die Natur braucht es.

Stippvisite in Stavoren 

Vom Gaastmeer aus fuhren wir nach Stavoren. Mit viel Gegenwind und Wellen. In Stavoren angekommen - die Überraschung: Am Ijsselmeer war es windstill und warm. Eigenartigerweise, denn der Wind unterwegs kam definitiv von Westen, also von den großen Meeren. Aber gut - man nimmt, was man kriegen kann. Wir bekamen einen schönen Platz an der Insel des Passantenhavens mit Rundum-Blick und fußläufig zu allem, was man so braucht: Schleusenkino, Strand und Fischbude. 

Stavoren Binnenhafen Insel
An der Insel des Passantenhafens Stavoren

Mit Hund in Stavoren
Het Hondje van Stavoren ist bereit für neue Abenteuer

Helle Nächte am Ijsselmeer. Da war es schon kurz vor elf Uhr abends. 

Leuchtturmwärter van Stavoren 

Geplant war, dass wir mehrere Tage am Ijsselmeer bleiben. Murphy, diesmal in Gestalt des allwissenden Buienradars sagte allerdings für das Wochenende nicht nur Wind, sondern richtig Sturm an. Muss man jetzt auch nicht zwingend haben, dabei über die friese Meren zu reiten. Somit wurden es nur 2 Übernachtungen am Ijsselmeer. Schweren Herzens fuhren wir Freitags wieder in den Heimathafen, da noch bei bestem Boots-Fahr-Wetter. 

Binnenfahrt nach Stavoren
Tot ziens Stavoren ! 

Die Entscheidung war gut. Schon Freitagabend kam der erste Vorgeschmack auf den Sturm und wir waren froh, sicher und gut in unserer Box zu liegen. (Und alle Manöver ohne Vorkommnisse gemeistert zu haben. Darauf nahmen wir erstmal mit allen anderen, die unterwegs und ebenfalls ungeplant früh zurückkamen, einen gepflegten Anlegeschluck im Hafen) 

Stavoren enttäuscht nie 

Stavoren war wie immer schön. Stavoren enttäuscht nie. Ich mag diesen Ort besonders gerne, er hat in meiner Kindheit eine Rolle gespielt. Auch unser Fussel war gerne ein Hondje van Stavoren, auch wenn er sein eigenes Vrouwtje dem steinernen vorzog. Guter Hund.  

Hondje en Vrouwtje van Stavoren
Also mir ist ja mein Vrouwtje lieber 



Die besondere Geschichte des Vrouwtje 

Ich habe hier im Logbuch schon etliche Male zu und über Stavoren geschrieben. Findet Ihr alles unter dem Label Stavoren. Mit Herzblut und viel Verständnis für das Vrouwtje van Stavoren habe ich auch deren Geschichte aufgeschrieben - und die Legende um ein Ruhrpottmädchen erweitert. 

Habt Ihr Fragen zu Stavoren? Nur raus damit. Gerne in die Kommentare. 

Und was Murphy angeht: Er gibt einfach alles: 

                 Gerade mal bis Lemmer schafften wir es ohne Zwischenfälle auf der Rückfahrt 

 

Aber - es gab immerhin eine Sitzgelegenheit auf dem Parkplatz. Und - wir haben es nach Hause geschafft, bevor aus dem Sturm ein Orkan wurde. Man muss auch für Kleinigkeiten dankbar sein......  



Wir haben es sehr bedauert, dass es nur für eine Stippvisite in Stavoren gereicht hat. Im Altweibersommer ergab sich DIE Gelegenheit und wir hatten eine großartige Zeit. Stavoren 2.0. - mit FAQs zum Ort  

Samstag, 17. Juni 2023

Endlich Sommer - aber wo war der Frühling ?


Soooo lange haben wir gewartet auf den Frühling und damit auf die Bootssaison. Ein gefühltes Fingerschnippsen weiter und da sind wir: 

Endlich Sommer ! 


Kurz vor Sommersonnenwende. Bei gefühlt tropischen Temperaturen. 

Aber wo war der Frühling? 

DAS war die große Frage in diesem Jahr. Wenn Ihr mich fragt: Frühling war dies Jahr nicht. Allenfalls in homöopathischen Dosen. Selbst für das Tulpenfeld-Foto mussten wir einen echten Umweg fahren. Aber hat sich gelohnt oder? 




Wie immer: Wir haben das Beste draus gemacht. In dubio Heeg. Da sind wir unbeirrt.  Insgesamt haben wir schon fast 6 Wochen auf unserer Aquamarijn verbracht. Ein kompletter Jahresurlaub sozusagen..... wenn man noch Urlaub hätte..... Schon gut. Ich hör schon auf. ;) 

Der Saisonauftakt war gefühlt Wintercamping, viel Bootfahren war nicht. Einfach zu kalt. Nicht mal das Fahrrad kam so richtig zum Einsatz.  Aber es war eine gute Zeit, um unseren Professor Dr. Fussel an sein schwimmendes Sommerzuhause zu gewöhnen. Wir sind sehr glücklich, einen so talentierten Bootshund an Bord zu haben. 

Heeger Meer Bootshund
Nicht nur unser Bootshund liebt alles in Heeg 

Den bisher längsten Aufenthalt starteten wir in der Woche vor Pfingsten. Die erste der 3 Wochen verging mit Hafenleben as usual. Unser Bootshund hatte sogar einen Termin! Beim Trimsalon. Er war nur mäßig begeistert, aber watt mutt datt mutt. Vor allem, wenn so wie jetzt die warmen Tage beginnen, wird er noch dankbar sein für all die Wolle, die abgekommen ist. 

"Pfft....ich bin beleidigt. Was sollte das denn im Trimsalon?"

"Aber ich will mal nicht so sein. Auf die Vorräte für Pfingsten pass ich trotzdem auf" 

Pünktlich zur Wiederauferstehung des heiligen Geistes wurde das Wetter besser und Pfingsten verbrachten wir bei zwar nicht allzu warmem, aber immerhin sonnigem Wetter. Kam uns sehr gelegen, denn wir hatten hohen Besuch. Unser Ältester und seine Liebste besuchten uns an Bord. Auch zu viert, bzw. ja zu fünft ging es gut. Aber es ist schon besser, wenn das Wetter dann mitspielt. Vor allem, weil wir unserem Besuch natürlich Sightseeing vom Wasser aus bieten wollten. 

Duk op de water
Es war mal wieder so voll, dass man zu Fuß über's Wasser hätte gehen können. Dem Besuch gefiel es trotzdem außerordentlich gut. 

Nach trubeligen Pfingstfeierlichkeiten inclusive Grillparty bei uns an Bord starteten wir die erste größere Tour des Jahres. Bei mittelmäßigem Wetter. Regen gab es zwar nicht mehr allzu viel, aber es war durchgehend kühl. Mit T-Shirt draußen sitzen war selten. Während es zuhause schon heißer herging, war es bei uns in Friesland deutlich zu kühl für die Jahreszeit. Und vor allem war es windig. An keinem unserer bisherigen Bordtage ging die Windstärke unter 3. Meist pendelte es sich zwischen 4 und 5 ein. Dazu noch aus der ungünstigen Richtung Nordost. Auch bekannt als eisekalter Nordwind. Wir begannen die Tour traditionell mit einer Nacht im Outback. Ganz große Marrekrite Liebe auch sofort bei unserem Süßen. 

Marrekrite vor Sneek

Vom Sneeker Meer aus fuhren wir nach Joure und hatten im geschützen Passantenhaven 
Eis macht glücklich
die freie Auswahl. Eigentlich wollten wir nur max 2 Nächte dort bleiben, aber - uns hetzt ja keiner. Wir sind ja nicht auf der Flucht. Da wir alles diesmal ganz wunderfein fanden in Joure - windgeschützter Platz direkt an der Wiese, schöne Spazierwege und sooo leckeres Eis - wurden es 4 Nächte, die wir dort blieben. U.a. auch, weil am Samstag im angrenzenden Park ein großes Festival stattfand, dem wir auf unserem Premiumplatz wunderbar lauschen konnten. Da ich mich ja von Kindheit an gut auskenne mit holländischer Popmusik, hatte ich ganz besonders viel Spaß. Um es mit dem Headliner des Festivals - der in NL sehr bekannten und beliebten Band Bløf - zu sagen: We waren blij dat we er zijn*. 
Kaffeestadt Joure
Von Joure lernen heißt Wichtiges lernen 


Passantenhaven Groenedijk Joure
Passantenhaven Groenedijk Joure 


Vollmond im Hafen
Full moon over Jachthaven - und dazu spielt Blof 


Danach wollten wir noch etwas immer schon Geliebtes machen. Aber wie es so ist - manchmal enttäuscht eine alte Liebe auch. Wir nahmen Kurs aufs Tjeuker Meer und steuerten die Insel Marchjepolle an. Wir hatten es uns so schön vorgestellt. Insel mit Strand, wenig los, viel Platz für uns und Fussel zum toben. Romantischer An - und Ausblick. So war es auch. Wenn man den Fotos glauben mag. 

Marchjepolle Tjeuker Meer
Trügerische Idylle 


Aber - es war einfach unglaublich kalt. Der Wind frischte hart auf, deutlich stärker als die Wettervorhersage es uns versprochen hatte. Die Insel selbst machte einen unüblich ungepflegten Eindruck. Nachwehen ausgedehnter Pfingstfeiern waren deutlich zu sehen. Die Stege waren verschmutzt, die Wiesen komplett durchlöchert. Eine Feuerstelle neben der anderen muss dort zu Pfingsten angelegt worden sein. Man konnte kaum laufen. Den Hund mussten wir an die Leine nehmen, an toben war kein denken. Dazu kam eine "Lärmbelästigung" der besonderen Art. Im letzten Jahr ist dort ein langer Steg abgebrannt und noch nicht wieder erneuert. Genau diesen Platz hatte sich eine Horde Möwen als Brutplatz ausgesucht.  Muss man mit rechnen, wenn man auf dem Wasser übernachtet. Schon klar. Aber das macht es nicht besser. Es war infernalisch laut. Stichwort: Instagram vs. Reality. Am nächsten Tag suchten wir ganz schnell das Weite. Hätten wir damit die Marchjepolle für dieses Jahr auch abgehakt.  Auch die Überfahrt übers Tjeuker Meer war alles andere als ein Spaß. Bei diesem Wind hat man dort schnell Kabbelwasser vom allergemeinsten.    

Leicht entnervt peilten wir kein festes Ziel an. Die Vorgabe lautete: ein windstillerer Platz. Egal wo. Und wenn wir bis nach Balk fahren müssen. Balk wurde es dann nicht, wir ergatterten einen der begehrten idyllischen Plätze am Steiger vor Sloten und genossen dort 2 Tage und Nächte lang Kanalkino vom Feinsten, Spaziergänge durch Felder und die schöne Atmosphäre der kleinsten Stadt der Niederlande. Und wir genossen frisch aufgebackene Brötchen. Im Outback. Dank des endlich eingeweihten Omnia**.  

Liegeplatz vor Sloten
Am Kanal vor Sloten. Erstmal runterkommen 

Omnia - der erste Versuch
Omnia Einweihung - wir üben noch 

Voll mit neuen Eindrücken ging es dann nach nicht ganz 2 Wochen unterwegs zurück in den Heimathafen. Das letzte Feiertagswochenende stand vor der Tür und es zeichnete sich bereits ab, wie voll es überall werden würde. Mit dem Feiertag kam die Wärme. Wie erwartet - Schalter umgelegt und zack Sommer. Eine gute Gelegenheit, der Nordsee Hallo zu sagen und dem schönen Harlingen einen Besuch abzustatten. 

Mit Bootshund in Harlingen
Hallo Nordsee - Hallo Fussel 

Schönes harlingen
Hallo Harlingen, Du Schöne 

Und es war endlich Zeit für eine ausgedehnte Fahrradtour, auf der ich nicht nur einen neuen Rastplatz sondern auch einen älteren Friesen kennen lernte, der mir das ein oder andere Döneken mit auf den Weg gab. 

Rastplatz Nijezijl Brücke
Schöner Rastplatz bei Nijezijl 

So lernte ich, dass genau dieser Platz auch der Liegeplatz ist für eines der Skutjes, die den Sinter Klaas im Winter nach Südholland bringen. Und mit dieser lyrischen Erkenntnis entlasse ich Euch - 

in den Sommer !
Habt es wunderfein.  


 * abgewandelt zitiert aus "Zoutelande" von Blof . Befragt den Streamingdienst Eures Vertrauens, Ihr kennt das bestimmt. 

**Werbung wegen Markennennung. Unbeauftragt, unbezahlt, der Firma auch nicht bewusst. Der Omnia war ein Weihnachtsgeschenk. Ich erwähne das nur wegen DSVGO und überhaupt und sowieso. Weil better safe than sorry. Aber das Ding ist halt überall mit diesem Namen bekannt. Keiner sagt Campingbackofen. Genau wie keiner Papiertaschentuch sagt. Genauso wie ich nichts dafür kann, dass der Name der Kaffeefirma auf ihrer Fabrik und somit auf meinem Foto steht.  Aber heutzutage ist man besser übervorsichtig. Also: Werbung. Hier Kopfklatsch Emoji Einfügen.     

Freitag, 2. Dezember 2022

Ein unerwartet schönes Wochenende

Der Urlaub war Geschichte. 3 selige Wochen gingen für den Captain zu Ende, auch ich musste mich einer Tatsache stellen: Der Sommer war so gut wie vorbei und ich sollte mich mal wieder in der ersten Heimat blicken lassen.  Aber es war noch nicht das Ende der Saison. 

Denn - die Bootssaison geht bekanntlich von O bis O 

Von Ostern bis Oktober. Mindestens. Unsere uns so wertvolle Aquamarijn ist ein Stahlboot, theoretisch kann sie das ganze Jahr im Wasser bleiben. Wir haben eine ordentliche Bordheizung, das geht also ohne Probleme (Fun Fact: Unser schwimmendes Tiny House wird so schnell warm, da kann ein Haus nicht mithalten. Gefroren habe ich im Oktober eher zuhause als auf dem Boot) 

Saisonausklang planten wir erst für Mitte Oktober. Über den Feiertag Anfang Oktober stand ein langes Wochenende auf dem Plan. Die Woche, in der das Boot in den wohlverdienten Winterschlaf gelegt wird, ist keine reine Erholungswoche. Dafür planten wir das lange  Wochenende als erholsame Boots-Zeit. Die Wettervorhersage verhagelte uns die Vorfreude. Fast wären wir ihr auf den Leim gegangen. Aber nur fast. Wir fuhren nach Heeg und es wurde 

ein unerwartet schönes Wochenende 

Oktoberwetter
Sowas von unfassbar schön. Ja, es war windig. Ja, es hat zwischendurch auch geregnet. Aber - nur kurze Schauer, da waren wir von der Earnewald-Woche anderes gewohnt. Wir konnten die Tage von morgens bis abends an Deck verbringen, meist mit schöner Altweiber-Sommer-Sonne. 

Wir sattelten noch einmal unsere Klappfietsen, die vor allem mir so gute Dienste geleistet hatten. Gemütlich radelten wir nach Oudega (unser Oudega) , um festzustellen: Dort ist schon alles in den Winterschlaf gefallen. Alle Bürgersteige hochgeklappt. Kurzer Abstecher an die Oudegaaster Brekken. Ein Mann, ein See, fehlt nur noch ein Hund. Zwinkersmiley. 

Abstecher an die Oudegaaster brekken

Von Oudega radelten wir nach Gaastmeer, dort hatte immerhin noch das Restaurant an der Kade auf. Pause in der Sonne, lecker Kuchen, guter Koffie, alles fein. Auf dem Rückweg kurzer Abstecher in den fast leeren Heeger Passantenhafen - wie anders hatte es noch vor wenigen Wochen dort ausgesehen. 

Kaffee an der Kade Gaastmeer
Die alte Herberge Gaastmeer 

Ein Feiertag wie aus dem Bilderbuch 

Boot fahren im Oktober
Am Montag war allerfeinstes Feiertagswetter und wir konnten nicht widerstehen. Leinen los und noch einmal eine schicke Runde Bootfahren. Hatten wir vorher gar nicht auf dem Schirm. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass wir nach der langen Saison keine Runde mehr drehen würden. Aber bei solchen Traum-Bedingungen! Fast windstill, schön warm und ein Montag! Kein Feiertag in den Niederlanden. Ganz so leer wie erhofft war es dann nicht auf dem Wasser, aber es waren dennoch entspannende Stunden.

Tankstelle Boot

Wenn man davon absieht, dass wir auch einen Abstecher zur Boots-Tankstelle machten. Wir hatten beides ausprobiert: mit vollem Tank überwintern, mit leerem Tank überwintern und die Erfahrung zeigte - so der Captain - voller Tank ist besser. Die meisten anderen Bootsbesitzer-Freunde machen es auch so. Außerdem: Watt man hat, datt hat man. Wer weiß, wie teuer der Sprit im nächsten Jahr noch wird. Trotzdem schmerzlich, wenn die Euronen nur so durch die Zapfsäule rauschen. 

Da der Captain noch den Dienstag frei hatte, konnten wir die Runde am Montag ganz unbeschwert von Rückreise-Kalamitäten drehen. Wir fuhren noch einmal den schönen langen Kanal bis Woudsend, von dort die große Schleife über den Johan-Friso-Kanal und dann eine große Ehrenrunde über das Heeger Meer. Wenn auch ungeplant, freue ich mich noch jetzt über diese schöne letzte Runde Bootfahren in 2022. Auch eine der Erinnerungen, die mich über den Winter tragen und prima gegen Winterblues helfen. . 


Heeger Meer WOudsend Route

Auf der Rückfahrt hielten wir kurz am Möbel-Outlet Duiven, welches uns diesmal aber nicht helfen konnte. Kurzentschlossen schlenderten wir noch durchs benachbarte Gartencenter und erlebten eine Überraschung: Die größte Weihnachtsausstellung der Niederlande war bereits fast fertig und begehbar. Das kam ebenfalls unerwartet und mutete nach den vergangenen Tagen voller Sommergefühle höchst surreal an. (Immerhin - auch Sneek hatte einen Platz in der Ausstellung)   

  

Duiven Gartencenter

 Und hier geht es weiter: Der letzte Akt. Finito la Musica. Das Boot wird winterfest gemacht und ins Winterlager gebracht.