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Mittwoch, 11. September 2024

Buddy Boat Tour

Nachdem der Ferienrummel sich in Friesland gelegt hat haben wir 2 schöne Spätsommerwochen auf dem Boot genossen. Diesmal mit einer neuen Erfahrung als 


Buddy-Boat-Tour 


2 Boote liegen hintereinander an einer Wiese
 Perlu / Aquamarijn

Unser Buddy-Boat war die Perlu der Hafenhopper aus Bremen. Im letzten Jahr hatten wir diese in Stavoren kennengelernt und ein paar gemeinsame Tage verbracht. Ihnen und Ihren Katzen gefiel Friesland so gut, dass sie dieses Jahr wieder die friesischen Seen und Kanäle befuhren. 


Treffen vor Joure


Als ersten Treffpunkt verabredeten wir das Marrekrite Hafenbecken vor der Schleuse nach Joure.
Nach unserer etwas schaukeligen Überfahrt über die Langwarder Wielen wurden wir bereits mit Kaffee empfangen und Fussel traf seine beiden Katzenfreundinnen wieder. 

Hund beguckt 2 Katzen auf dem Boot

Für den Abend war dann deutsches Fastfood angekündigt. Die Hafenhopper haben ihre Perlu technisch / elektrisch voll hochgerüstet mit PV-Anlage, Batterien und Konverter, was Strom betrifft sind sie autark. So wurden wir mit Currywurst und Pommes aus der Friteuse überrascht. Der Gasgrill wurde angeschmissen und der Geruch von frisch frittierten Pommes wehte über die Marrekrite.

Grillen vor dem Boot auf der Wiese

Insgesamt verbrachten wir 3 Tage an dieser Marrekrite, da musste abends dann auch mal konrolliert werden, ob denn alles in Ordnung ist.

Die Captains fahren im Beiboot um die Schiffe


Nach so langem Outback dann einen Abstecher in den Passantenhaven von Joure, Mal wieder Duschen stand auf dem Programm und die Vorräte und den Wassertank auffüllen. Wir blieben mit unserer Aquamarijn 2 Nächte, die Hafenhopper legten schon am nächsten Tag wieder ab. Gemeinsam hatten wir beschlossen, Richtung Nationalpark Alde Fean / Earnewald zu schippern. 


Sitebourster Ie


Erster Zwischenstop sollte die Marrekrite im Sitebourster Ie sein. Unser Buddy-Boat fand einen schönen Platz und wir folgten am nächsten Tag auf direktem Wege über das Sneeker Meer, den Prinses-Magriet-Kanal und das Pikmer. Anlegen war dann Millimeterarbeit, aber mit vereinten Kräften kein Problem.
Die Boote liegen Heck an Heck eng aneinander

Kulinarisches Highlight hier:  Burger mit Pommes.

Selbstgemachter Burger mit Pommes

Die Tage wurden wieder wärmer mit Temperaturen an die 30 Grad, Abkühlung verschaffte uns Eis am Stiel und die Eiswürfelmaschine, nichts, was es nicht gibt an Bord der Perlu. Fussel etwas Abkühlung auf dem Wasser zu verschaffen war schwierig, er ist doch eine Landratte.

Hund sitzt auf einem SUP an Land


Alde Feanen / Earnewald


Wir beratschlagten, wie die Tour Richtung Earnewald weitergehen sollte und waren uns schnell einig, dass wir einen gemütliche Spazierfahrt durch die Kanäle und über die Seen in den Alde Feanen machen wollten. Bootsightseeing über das Krumme Ee, Grytmansrak, Hooidamsloot, De Geau, Grutte Kritte, Oksepoel, Hansmar, Folkertssleat, kurzes Stück Prinses-Magriet-Kanal und dann in die Saiterpetten.
Blick von einem Boot auf das vorausfahrende

Ein uns allen noch unbekanntes Seengebiet mit zahlreichen Marrekriten. Wir fanden einen wunderschönen Platz an einer Insel in den Saiterpetten. Dort ist auch das Headerbild zum Beitrag entstanden.

Sonnenaufgang über dem Wasser

Alle waren restlos begeistert von dieser Landschaft, wir werden wiederkommen. Diesmal blieben wir mit unserer Aquamarijn nur 1 Nacht und brachen am nächsten Tag zum Passantenhaven in Earnewald auf. Die Hafenhopper folgten dann am nächsten Tag.

Wir genossen noch einen letzten gemeinsamen Abend, diesmal ließen wir uns mal im Restaurant bedienen.
Die Bootsleute am Tisch im Restaurant

Leider trennten sich dann am nächtsen Tag unsere Wege, die Hafenhopper fuhren wieder raus an die Marrekriten, wir wollten noch ein paar Tage das (nicht zu) quirlige Leben in Earnewald incl. Hafenkino genießen. Schweren Herzens nahmen wir Abschied von einander und sind fest entschlossen, wieder zusammen auf Tour zu gehen. Es war einfach eine tolle und erfahrungsreiche gemeinsame Zeit, in der aber auch jeder immer seine eigenen Freiräume hatte. Nachdem Fussel sich auch von seinen Katzenfreundinnen verabschieden mußte fand er aber dann noch schnell neue Freunde, Flocke und Simba.

Drei Hunde treffen sich

2 Hunde gehen gemeinsam spazieren

Donnerstag, 7. März 2024

Geliebtes Ritual - Callantsoog 2024

Rituale - so wichtig 

Wie jedes Jahr Ende Februar/ Anfang März waren wir für eine selige Woche an der Nordsee. Meerweh ist ein Notfall, weiß man ja. Nach dem nassen grauen Winter tat unser Ritual so so gut. Auch wenn nicht die ganze Woche sonnig war - alleine das Licht, das Meer, die Wellen. Ach. Hach. Ach. 

Mit Hund am Strand Callantsoog

Dieses "Tussendoortje" noch vor der Bootssaison ist einfach immer wieder schön. Auch in diesem Jahr haben wir uns für Callantsoog entschieden. Sicher gibt es idyllischere Orte  - aber für uns ist Callantsoog perfekt. Die Wege zum Meer sind kurz, die Strände weit, die Dünenlandschaft einmalig.

Dünenlandschaft Nordholland




Dünen Holland Hund

Hunde willkommen 

Großes Plus: Hunde sind sehr willkommen. Böse Zungen behaupten, Menschen ohne Hund fallen in Callantsoog sofort auf.  Am Meer toben, sich im Sand wälzen, unbeschwerte Freiheit genießen geht für Hunde und Menschen dort allzeit. Nur in der Hauptsaison gelten an einigen - nicht allen - Strandabschnitten Einschränkungen tagsüber. Die Vierbeiner sind auch in den Cafes und Restaurants willkommen, Wassernäpfe und Leckerlis stehen bereit. Was natürlich gerne angenommen wird. Die Hunde sind allesamt ausgetobt und müde nach dem Strandlauf. Auf den Terrassen sitzen dann zufriedene Hundemenschen, genießen ihren Sundowner und unter jedem Tisch schnarcht eine Fellnase. Schon witzig. Und ein prima Training. Wohlmeinende Zungen sagen: Eine Woche Callantsoog ersetzt zehn Wochen Hundeschule. 

Strandcafe Holland Hund

Hebbedingetjes    

Sogar zum Shopping durfte unser Flusenbär mit. Wenn man eins in Holland prima kann - dann "Hebbedingetjes" shoppen. Und Klamotten. Vor allem der Captain brauchte dringend eine Garderoben-Auffrischung. Dies Jahr stehen einige große Feiern an, da musste was anderes her als bootstaugliche Fleece-Jacken und Shorts. Der Flusenbär und ich hatten es gemütlich derweil und gaben unser fachmännisches Urteil ab. 



Außer in Callantsoog waren wir zum Shoppen noch in Egmond aan Zee und Bergen Binnen. Das kleine Egmond wirkt von Jahr zu Jahr abgerockter. Schade um die exponierte Lage. Ziemlich aufgehübscht hat sich dafür Bergen binnen. Man styled sich ähnlich wie Worpswede als Künstlerdorf, die meisten Geschäfte entsprechend  exclusiv.  Und genau wie in Worpswede gab es auch dort ein stylisches Geschäft für Hund UND Mensch. Scheint der neueste Trend zu sein. Unser Flusenbär hatte auch diesmal nur ein verächtliches Schnauben über für die angeboteten Gadgets. Ich feier ihn dafür. Denn eins steht mal fest: Unser Fussel braucht kein Chichi Halsband. Er ist auch so nicht nur the hippiest dog in town, sondern auch the happiest dog. So sind wir nach dem Shopping trotz Regen an den Strand. Dort schnüffelt und tobt es sich viel schöner als auf der nicht gekauften Schnüffelmatte. So nämlich.



Zu viel ist zu viel 

Was noch auffiel in diesem Jahr: Während in D die Medien noch über Dürre barmten, wurden in NL Maßnahmen ergriffen. Es war ein außerordentlich regenreicher Winter. Sind wir uns hier auch alle einig oder? In einem unter dem Meeresspiegel liegenden Land ist zuviel Wasser ein Problem. Ich hatte es den Winter über schon verfolgt: Überall im Land wurden zusätzliche Überflutungsgebiete geöffnet, alle Pumpen liefen und laufen unter Hochdruck. Teils waren Straßenseiten gesperrt, weil das Wasser aus Feldern und Wäldern rausgepumpt wurde und über die Straßen abfloss. Auch in den Dünen stand immer noch viel Wasser. Regelrechte Seen waren entstanden, auch diese werden sukzessive rausgepumpt. 

Zuviel Wasser in den Dünen Nordholland

Wasser wird aus Wäldern gepumpt

Am Strand fuhren die Bagger und Baggerschiffe auf, Strände aufschütten. Gerade nach den letzten Stürmen war es deutlich zu sehen, dass sich die Nordsee so einiges wieder geholt hat. Die Strandaufschüttungen gibt es jedes Jahr, das aufwendige Pumpen habe ich in diesem Ausmaß erstmals so gesehen. Nach Aussagen der Niederländer war es letztmalig Ende der 60er Jahre so extrem. Man kann unser Nachbarland nur dafür bewundern, wie versiert sie mit solchen Dingen umgehen. Und sich wünschen, dass sich hierzulande ein Beispiel genommen wird. 

Bagger am Strand Callantsoog


Baggerschiff Callantsoog

Es war uns ein Fest

Wir haben unser Tussendoortje sehr genossen. Es war uns wie immer ein Fest. Das Gute ist: nach dem Urlaub ist vor der Bootssaison. In der sich online einiges ändern wird. Stay tuned. Alles bleibt anders. Auch hier im Logbuch. Wir toben aufregenden Zeiten entgegen. Seid gespannt.

Hund tobt am Strand Callantsoog


Sonntag, 12. März 2023

Einmal Vitamin Sea bitte

Hach. Ach. Hach. War das schön. Es musste einfach sein. Einmal durchatmen. Die Nordsee begrüßen. Licht, Luft und sogar ein bißchen Sonne genießen. Eben

                           Einmal Vitamin Sea bitte 


Strand in Callantsoog

Wie in jedem Vor-Frühling haben wir uns ein paar Tage Auszeit an der Nordsee gegönnt. Diesmal dank des "'nen Scheiss muss ich Modus" für eine Kurzwoche von Mo - Fr aka langes Rentner-Wochenende. Eine in NL außerhalb der Saison sehr gängige Buchungsperiode. Hat den großen Vorteil, dass es deutlich günstiger ist als am Wochenende. Und natürlich nicht so voll. Gleichzeitig war es 

                                             Mr. Portugals erster Urlaub


Mit Hund an der Nordsee


Und wir durften mit. Wie schon einige Male zuvor waren wir in Callantsoog. 
Callantsoog perfekter kleiner Ort an der Nordsee
Urlaub dort ist immer entspannt. Der Ort ist nicht der idyllischste zugegeben, aber dafür überschaubar und hat alles, was man so braucht. Vor allem ist man immer schnell am Strand und am Meer. Direkt hinter der großen Düne am Ortseingang gibt es ein kreisrundes Haus, in dem man Appartements buchen kann. Hunde sind erlaubt. Die Appartements sind nicht groß, aber schön eingerichtet und für ein paar Tage reicht das allemal. 

Unserem fusseligen Schatz gefiel es super. Die Weite, der viele Platz am Strand zum toben, die bei Ebbe entstandenen Priele, in denen man so schön rummatschen kann, die Dünen, in denen es so viel zu erschnüffeln gab. Die Wellen wurden noch skeptisch beäugt. Er wagte sich zum Wasser, aber wenn die Wellen kamen, hüpfte er doch lieber ein paar Schritte zurück. 

Mit Hund am Strand
Ach, ist das schön hier. Und soviel zu sehen 

Alles in allem - es waren wunderbare Tage. Wir haben es genossen - unser Tussendoortje an der Nordsee. Und ganz bald geht es dann nicht nur ans Wasser, sondern auch aufs Wasser.   

Toben am Hundestrand
Im Gleichschritt Richtung Freiheit  

Hundespaß im Sand
Tagesplan steht: Ball spielen am Strand 

Sonnenuntergang am Strand
Da staunt sogar Mr. Portugal still

In 2024 führte uns der erste Kurzurlaub des Jahres in eine ganz neue Location: Winter Wunderland Worpswede  

Mittwoch, 2. März 2022

Tussendoortje an der Nordsee

 Sehnsucht ist ein Notfall und Vitamin Sea essentiell. Soweit sind wir uns einig oder? 


Der Captain kam beiläufig damit um die Ecke. Er hätte da noch ein oder zwei Tage Urlaub/ Überstunden übrig und da könnte man doch vielleicht eventuell und überhaupt. Wir konnten. Aufmerksam verfolgten wir die diversen Wetterprognosen und verschoben das Vorhaben von Wochenende zu Wochenende. Eunice und Zeynep fanden das auch besser. 

Schlussendlich wurde es das letzte Februar-Wochenende, mit dem zusätzlichen Charme, dass wir unseren Hochzeitstag an der geliebten Nordsee feiern konnten. Wir buchten uns das schöne kleine Appartement direkt in den Dünen von Callantsoog, in dem wir uns schon zweimal wohlfühlten und in dem wir uns dareinst - es kommt uns wie eine Ewigkeit vor - von der ersten Besichtigung unserer Aquamarijn  "erholten"  und unsere Für und wider Liste zum Projekt Maya Maybe erstellten. 








Denn das war die größte Überraschung an diesem Wochenende. Es war voll. Knallvoll. Gefühlt war ganz Niederlande und halb Deutschland dort. Callantsoog selbst war außerordentlich gut gebucht, auch unsere Anlage war komplett ausgebucht.  Die Restaurants waren voll, alle Geschäfte waren geöffnet und gut besucht. Für dieses köstliche Eis haben wir fast 15 min angestanden. Hat sich aber gelohnt.  Sensationelle Eissorten-Erfindung: Blueberry Muffin. So lecker, dass ich da nachts von geträumt habe. Kein Witz. Musste ich direkt am nächsten Tag nochmal testen. Spoiler: Es war immer noch so gut ;) 


Mit dem Fahrrad waren wir in noch in Petten, Egmond und Julianadorp. Auch dort dasselbe Bild. Hätte ich im Leben nicht mit gerechnet. Wir waren ja schon öfter zu dieser Jahreszeit an der See. Leer war es nie, es gibt immer einige, die den Charme dieser Jahreszeit am Meer lieben. Aber so wie diesmal haben wir es noch nie erlebt. Es gab wohl mehrere Gründe dafür. Zum einen gibt es die Fraktion der Karnevals-Muffel, die diese Tage traditionell für einen Kurzurlaub nutzen. Auch wenn nicht gerade viel Karneval stattfand, die Karnevalsflucht kann man ja trotzdem machen. 

Dann gibt es die, die wie wir gerne nach den langen grauen Monaten Licht und Luft tanken. Nach dem vielen grau in grau ist der hohe Nordseehimmel, das helle Meer, der Strand, die Sonne einfach wie eine Offenbarung. Und in diesem Jahr waren die Wintermonate extrem grau und düster. Die Menschen sind ausgehungert nach Sonne und Licht.   

Die Menschen sind aber auch ausgehungert nach etwas anderem. Nach Normalität. Nach Eigenverantwortung. Auch das war deutlich zu spüren. Und das heißt nicht, dass dort über die Stränge geschlagen wurde. Ganz und gar nicht. Auch wir fanden es schön, uns in einem ganz normalen Alltagsleben wieder zu finden. Und das hieß nicht, dass wir über die Stränge schlugen oder unvorsichtig waren. Ganz und gar nicht. Aber es oblag uns, wie wir uns und die Situation einschätzen und damit umgehen wollen. Das hat schlicht und einfach gut getan. Ich hörte und las von Leuten, die an der deutschen Küste waren bzw. dort leben. Dort war gähnende Leere. Von dringend benötigtem Touristen-Geschäft keine Spur. Deutlich weniger als sonst am Karnevals-Wochenende. Das lass ich jetzt einfach mal so stehen. 

Was leider auch noch auffiel: Der Sturm, die Stürme haben Spuren hinterlassen. Auf dem Weg sahen wir allüberall umgeknickte oder bereits gefällte Bäume, teils richtige Schneisen. Auch die Dünenkante an den Stränden hat einiges abbekommen. Und überall am Strand waren Anschwemmungen von Meeres-Bewohnern zu sehen, die sonst eher selten am Strand gesichtet werden. Große Muscheln, Krebse und sehr sehr viele Seesterne. Bleibt die Hoffnung, dass es das für diese Saison gewesen ist mit den heftigen Stürmen. 






Uns bleibt die Vorfreude auf die Boots-Saison, die uns zwar nicht häufig, aber doch ab und an zurück an die schöne Nordsee führen wird.   

 

Nachtrag: Falls Ihr nach Infos sucht, um einen Fahrradurlaub oder eine Fahrradtour in den Niederlanden zu planen, ich hätte das was für Euch: Einen ausführlichen Post zum Netz der Fietsknopppunte in NL - Radeln nach Zahlen ! 


Und noch eine wichtige Info gibt es mittlerweile. Denn ein Jahr später waren wir wieder in Callantsoog. Diesmal aber nicht für ein Wochenende. Sondern für eine Kurzwoche aka langes Rentner-Wochenende. Und das ganze mit Hund ! Bitte hier entlang 

Freitag, 16. August 2019

Stürmische Zeiten - aber das Leben ist gut

The old king is dead - long live the King !

Nein, ich zitiere hier kein shakesperianisches Drama, es ist auch keins passiert. Alles gut. Aber gestern mittag war es wieder mal soweit. Im Radio lief "Viva la vida". Das Lied, um das wir alle einen absichtlichen Bogen machen, von dem wir aber nicht verhindern können, dass es uns von Zeit zu Zeit unvermutet trifft. Dareinst - in einer fern anmutenden, in echt gar nicht so lange vergangenen Zeit - war es "unser" Lied. Das Lied, welches wir immer hörten, wenn wir auf dem Weg in unsere damalige zweite Heimat waren. Sobald wir von der Autobahn abbogen, wurde dieses Lied angemacht und es passte immer haargenau bis vor die Haustür. Wenn der Trommelwirbel einsetzt - nach übrigens exakt 3:00 Minuten - bogen wir in "unsere" Straße ein. Bis heute ist es so: Wenn ich die ersten Tamtamtam Schläge und "I used to rule the world. Seas would rise when I gave the word" höre - empfinde ich einen Schlag in die Magengrube und hab einen dicken Kloß im Hals. Ohne das kann ich das Lied nicht hören. Weil tempi passati. Unwiederbringlich.

Gestern aber war es erstmals anders. Der Schlag war nicht ganz so heftig, der Kloß nicht ganz so dick bei  "The old king is dead - long live the King!" konnte ich wieder mitsingen und den Trommelwirbel grinsend begleiten. Denn unser altes viva la vida ist zwar verloren, aber nun haben wir Narnia. Unser eigenes, nicht mehr nur geborgtes Narnia. Und das fühlte sich so verdammt gut an. Trotz des immer noch gefühlten Schlages und den Kloß runterschucken müssen.
Das Leben ist gut - vor allem auf dem Boot

Drei Wochenenden waren wir nun hintereinander auf der Aquamarijn und jede einzelne Minute war schön. Vom kay-wye-bee-Wochenende habe ich bereits berichtet. Das Wochenende drauf war dann - ein perfektes Boots-Wochenende wie aus dem Bilderbuch. Die Aquamarijn - oder wie ich sie jetzt meistens nenne: et Marijntje (soviel Holländerin steckt in mir, dass ich aus meiner tje-Verniedlichungs-Sucht nicht rauskomme) - zeigte sich von ihrer friedlichsten Seite, sie tat, was sie sollte und was wir wollten. Und wir wollten vor allem Einsamkeit. Nicht ganz so einfach in der Hauptsaison, wie wir ja schon zur Genüge festgestellt hatten. Einerseits toll auch in dieser Jahreszeit die Wunder der friese Meren genießen zu können, andererseits sind wir eben nicht alleine. 

Auch an diesem Wochenende war es voll, voller, am allervollsten. Die Sneekweek begann und die große Skutjes-Regatta auf dem Heeger Meer. Wir steuerten zielsicher über das Heeger Meer raus und dann über das Gaastermeer in den Kanal, der zu den Oudegaster Brekken führt. Aufgrund der dort vorherrschenden Untiefen war es relativ leer. Wir suchten und fanden die eine Marrekrite, die unser Tiefgang erlaubte und ergatterten einen Platz. An dem wir einfach blieben. Die Ruhe genossen, lasen, sonnten und im Falle des Captain bastelten. Was Männer auf Booten eben so tun. Umso größer der Kulturschock, als wir Sonntag aus den Brekken rausfuhren und uns im Hochsommer-Sonntags-Betrieb wiederfanden. Alles, was schwimmen kann, war auf dem Wasser. Kamener Kreuz ist ein Schiss dagegen. Bilder davon gibt es keine, keine Zeit zu knipsen. Glücklich zurück im Hafen lernten wir dann auch unsere anderen Stegnachbarn kennen, die sich bis dato auf einem längeren Segeltrip befunden hatten. Sehr nett, auch aus dem Pott, passt. Sehr schön. 

Marrekrite in den Oudegaaster brekken

Das Kuh-Orakel - wenn sie liegen, gibt es Regen
Das Kuh-Orakel: Wenn sie liegen, gibt es Regen* ! 


Was man bei Windstärke 7 so tut  Gemeinsam standen wir dann auch das letzte Wochenende durch. Wobei unsere Standfestigkeit derbe geprüft wurde. Es hatte nämlich dezente 6 - 7 Windstärken, kurz vor Orkan. Im Amsterdamer Hafenbecken tobte sogar ein Tornado. Dementsprechend sind wir und auch sonst niemand genau keinen Meter gefahren. Aber egal. Es war trotzdem schön. Wir bereiteten schon ein wenig den Urlaub vor, bevorrateten uns getränketechnisch für den Rest der Saison, genossen ein bißchen Sonne und lekker Essen. 
Zu gucken gab es genug, zu quatschen und zu basteln auch.


Wenn man genau hinguckt: Ich hab einen Blitz fotografiert. jaha !
 Am Samstag gönnten wir uns einen Trip nach Harlingen. 2016 begannen wir dort unseren Urlaub und waren aus mehreren Gründen nicht so recht überzeugt von diesem Ort. Diesmal fanden wir es aber total schön dort, wahrscheinlich weil unsere Erwartungen runtergeschraubt waren. Und - weil wir Brunnen Nr. 6 unserer Besichtigungsliste zufügen konnten. Noch 5 ... die schaffen wir auch noch. Ist ja jetzt unsere zweite Heimat! Mit dem wiedergewonnenen "Going on to rule the world" Gefühl !   
  
De Walvis - Elf-Brunnen-Tour in Friesland
De Walvis - Elf-Brunnen-Tour in Friesland 

Harlingen Hafen binnen und Veerhaven

* Das stimmt übrigens wirklich. Wenn Kühe liegen, naht Regen. Sie tun das, um sich wenigstens einen Flecken trockenen Grases zu bewahren, weil sie nasses nicht verdauen können. Und auch wenn der Captain meine Aussage lustig fand: Kühe sind Vegetarier. In Echt ! Bittegerne Ihre Autorin mit bäuerlichen Wurzeln .