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Donnerstag, 21. September 2023

Weil es so schön ist - Stavoren 2.0

Hafeneinfahrt Stavoren
Aquamarijn nimmt Kurs 
War das ein ein Wetterken letzte Woche! Die alten Weiber  (nochmal bittegerne ) ließen sich dies Jahr nicht lumpen und bescherten uns nach dem Nichtsommer und der unfreiwillig kurzen Stippvisite in Stavoren DIE Gelegenheit für 

Stavoren 2.0. in diesem Jahr 

Wir hatten ein großartige Zeit. Wir sind so so gerne in diesem schönen Ort am Ijsselmeer. Soviel Hafenkino, so eine schöne Atmosphäre, immer nette Menschen, immer ein guter Austausch. Als wir in den Hafen einfuhren, wurden wir direkt ge-spotted. Insta-Fame und so ;) ( dazu später mehr) 

Es war noch nicht viel los im Hafen - das sollte sich zum Wochenende hin ändern. Wir bekamen unseren Lieblingsplatz an der Insel des Passantenhafens - was besonders für unseren Bootshund toll ist. Direkt an der Wiese, viel Platz zum rumtollen und Freundschaften schließen. 


Lieblingsplatz in Stavoren

Tierische Begegnung in Stavoren

Highlight Insta-Treffen mit den Hafenhoppern 


Instatreffen in Stavoren

Diesmal hatten wir ein besonderes Highlight. Insta-Freunde aus Bremen, die Hafenhopper genießen einen ausgedehnten Bootsurlaub im schönen Fryslan und waren vor Ort. Da es den Beiden auch so gut am Ijsselmeer gefiel und wir soviel Spaß hatten, verlängerten sie spontan ihren Aufenthalt dort. So dass nicht nur Fussel, Enya und Luna ausgiebig Zeit zum kennenlernen hatten.

 

Hund und Katzen
Und Sie sind.....? 

Wir waren viel am Strand, mit den Füßen und der Schnauze sogar im Wasser. Ich hatte meine Fiets mit und fand dabei einiges Erstaunliche unterwegs: 


Straßenkunst Koudum
Ja, ist denn heut schon Ostern? 


Denkmal Melkwierum
Oceanic Airways? Flug 828? 

Ich habe im Logbuch schon viel über Stavoren geschrieben und warum der Ort für mich eine besondere Bedeutung hat. Wer es noch nicht gelesen hat - bitte hier entlang: Das Vrouwtje van Stavoren und das Ruhrpottmädchen 

Da ich öfter Fragen zu Stavoren beantworte, nachfolgend zusammengefasst ein paar Antworten auf die 

FAQs 

Anreise mit dem Boot: Binnen über den Johan Friso Kanal - über das Heeger Meer, de Fluessen, Aquadukt von Galadammen. Schleuse: keine. Brücke: eine bei Warns. Mit gelegentlich langer Wartezeit, wenig Festmachmöglichkeit, dafür aber unangenehmen Winden und Strömungen. Buiten: über das Ijsselmeer. Schleuse: eine mit zwei Kammern und direkt angeschlossener Brücke. 

Häfen: Marina Stavoren 2 x, einmal binnen, einmal buiten. Platz auch für Passanten, 
Stavoren Passantenhafen
melden am Meldesteiger. Wir waren noch in keiner der Marinas, finden aber, dass sie aber einen guten Eindruck machen. Einige private Jachthäfen - können wir nichts zu sagen. Bekannte sind fest in de Roggebroek und dort sehr zufrieden. Der alte Hafen im Ort: Zugang nur vom Ijsselmeer. Immer voll, viele große Plattbodenschiffe, viele Gruppen, viele Kneipen. Unser Favorit: Der Passantenhafen binnen. Plätze längs der Kaden und an der Binneninsel. Zieht sich durch den ganzen Ort, auch hinter der Brücke sind noch viele Plätze. Anmelden über die Marina-App oder warten, bis der Hafenmeister seine Runden dreht. Strom am Steg inclusive, Wasser separat. Preise moderat. Sanitäranlagen nicht die modernsten, aber sauber. 

Versorgung: Gut zugängliche Tanke für Boote und Autos. Großer Supermarkt mit Boots-Anlegemöglichkeit. Guter Metzger. Kleinere Boutiquen im Ort. Leider kein Bootsbedarf mehr im Ort. Am alten Hafen und am Passantenhafen jeweils eine sehr gute Fischbude. Etliche Restaurants. Wir waren bisher in de Kruidmolen und im Posthoorn, bei beiden sehr zufrieden. De Kruidmolen bietet auch einen Abhol-Service, den wir auch diesmal genutzt haben. 

Sehenswürdigkeiten: Das Vrouwtje natürlich und der Buttje Brunnen - einer der Elfsteden-Brunnen. 

Vrouwtje van StavorenButtje van Stavoren

Fahrradtouren: Stavoren ist ein Teil der Zuiderzeeroute. Man kann auch kleinere Teile davon fahren, immer am Ijsselmeer entlang mit schönen Ausblicken. 

Strand: Fußläufig von allen Marinas zu erreichen. Klein, aber fein. Fällt sachte ab, ist seit dem großen Sturm im Juli allerdings etwas abgebrochen. Ich hoffe, die kundigen Niederländer schütten wieder etwas auf. Hinter dem Strand beginnt auch ein schöner Fußweg am Ijsselmeer entlang. Achtung: lebende Drempels ...... 

Schafe Deich Stavoren

Mit Hund am Strand Stavoren



Ein erstes Resümee findet Ihr hier: Abgesang auf die Bootssaison 2023 - Irgendwas war immer ! 

               

  

Mittwoch, 22. März 2023

Immer diese Passanten

Immer diese Passanten 

Wir hatten eine tolle Saison im letzten Jahr. Aber - irgendwas ist ja immer. Auch im Paradies gibt es manchmal Ärger. Ob im Hafen oder auf Instagram - ein unschönes Thema kommt immer wieder hoch:  Seit Big C viele Neulinge aufs Wasser und in die Häfen gelockt hat, ist die gute alte Seemannschaft nicht mehr jedem ein Begriff. Wir bedauern das alle sehr. Ich hatte über das sehr gefährliche Brückenmanöver berichtet, welches uns erschreckte. Den Reaktionen musste ich entnehmen: Wir waren nicht die Einzigen, denen so etwas passiert ist. 

Noch etwas gab immer wieder Grund für Klagen. Das teils unterirdische Benehmen von Passanten in den Häfen. Eigentlich wollte ich diesen Post nicht schreiben. Ich hatte ihn schon so gut wie verworfen. Will ja keine die grantige Kojen-Rentnerin geben. Aber die ganze Saison über verging kaum ein Tag, an dem Passanten nicht unangenehm auffielen. Entweder bei uns oder es kam in der Instagram-Boots-Bubble auf. Auch nach der langen Winterpause mit Ausblick auf die neue Saison kam das Thema immer wieder hoch. 


Ja, wir sind auch oft Passanten. 

Darauf bedacht, als Gastlieger den Gastgebern Wertschätzung und Rücksichtnahme entgegen zu bringen. Die meisten Passanten benehmen sich auch so. Jedoch: s.oben, Big C , Seemanschaft und so. Viele scheinen Grundregeln des Miteinander verlernt zu haben. Rücksichtnahme Fremdwort. Viele wollen sich jetzt erst recht nehmen, was (wieder) geht. Lange war es gerade im maritimen Umfeld anders. 

Worum geht es hier überhaupt? Was ist hier mit Passanten gemeint?  

Eine  kleine Einordnung: Für die Freizeitschifffahrt gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo und wie man über Nacht liegen kann, wenn man als Passant mit dem Boot unterwegs ist. In den Niederlanden ist diese Infrastruktur überdurchschnittlich gut. Eine dieser Möglichkeiten ist es, einen freien Platz in einem regulären Yachthäfen zu ergattern.   

Liegeplatz Yachthafen Niederlande

Das Yachthafen-Karussell - Passanten willkommen 


Unser Boot liegt in einem privat betriebenen Yachthafen. Wir mieten unsere Box ganzjährig, haben einen festen Liegeplatz und können dort liegen, solange und so oft wie wir wollen. Inclusive Nutzung sämtlicher Angebote des Hafens. Vergleichbar mit einem Campingplatz. Wir sind also quasi Dauercamper. Wenn wir mit dem Boot über Nacht weg sein werden, sagen wir im Hafenbüro Bescheid. Der Hafenmeister oder die nette Dame im Büro wissen dann, unsere Box ist frei. Wenn ein Passant kommt, kann er da rein. Der Hafen verdient damit zusätzliches Geld. 

Schon, wenn man vom Heeger Meer abbiegt und den Schildern zu unserem Hafen folgt, liest man diverse Male: Passanten welkom. Aber auch: Passanten bitte melden beim Hafenmeister. Anlegen bitte erst am Meldesteiger. Mehrere Male. Mehrsprachig. Am Meldesteiger ist das Procedere dann erklärt. Am Hafenbüro dito. Ist dort keiner, kann man klingeln und es meldet sich sofort jemand. Dieses Procedere funktioniert in den meisten Häfen gleich. Es entsteht so in der Saison ein eifriges Karussell, welches allen dient. Simpel und gut. Sollte man meinen. 

Meldesteiger für Passanten im Yachthafen



The Regels are the Regels - eigentlich 


Aber: Es gibt immer und überall welche, für die Regeln nicht gelten. Die einfach durch einen Hafen brettern, voller Einsatz Bug-und Heckstrahlruder und sich den Platz aussuchen, den sie gerade schick finden (oder den, den sie als nicht ganz so schwer zum Anlegen empfinden) Dann wird das Boot mehr oder weniger fachmännisch festgemacht und man geht erstmal fein in den Ort. Dem Passanten doch egal, ob er sich beim Hafenbüro melden sollte. Dem Passanten doch egal, ob der Liegeplatzinhaber vielleicht noch zurück kommt. Oft kann man schon dankbar sein, wenn das Boot wenigstens so festgemacht ist, dass es keine Schäden an Nachbarbooten anrichtet. Und wenn doch der Meldesteiger genutzt wird, kann man von Glück reden, wenn dieser heil bleibt. Alles schon da gewesen. 

Manchen ist auch gar nicht klar, dass sie in einem privaten Yachthafen gelandet sind, sie sind halt nicht so versiert im Karten lesen und nehmen die erste Einfahrt, in der Passanten welkom steht. Dass der echte Passantenhafen eine Einfahrt später kommt, tja Pech, nee. Man liest Passanten welkom und ab dafür. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das führt natürlich zu echtem Verdruss, auch die Hafenmeister und Betreiber sind mittlerweile nicht mehr amused. Der Ton ist rauer geworden. Ich kann es gut verstehen. Klar, man kann sich mal vertun, man kennt sich vielleicht nicht gut aus. Aber wenn ich mit einem Boot unterwegs bin, dann informiere ich mich doch über die Gepflogenheiten. Jeder Vercharterer gibt ein Handbuch mit an Bord, wo diese Procedere genau beschrieben sind. 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil 


Beispiele gefällig?: Es ist früher Abend, ich stehe mit einem Bootsnachbar am Steg, wir unterhalten uns. Von hinten kommt einer auf uns zu und quatscht sofort los: "Ey, Ihr da. Ich muss Euch mal was fragen"  Mir kommt sofort die Galle hoch und ich würde am liebsten fragen, ob wir schon mal zusammen an einen Baum gekotzt haben oder warum er mich so vertraulich anspricht. Mein Bootsnachbar ist schon geübter. Er ist ein echter hanseatischer Captain, dem kommt so schnell keiner doof. Er antwortet : "Ja, Ihnen auch guten Abend. Und Ja, wir sprechen deutsch. Und wir sind auch nett, wir unterbrechen gerne, um Ihnen zu helfen" Krchchch. Der Passant, leicht verunsichert, wirft sich aber erstmal in wichtige Pose "Wir liegen auf der 226 mit einer 14 Meter Yacht. Da können wir ja wohl bleiben oder?" Ich rolle die Augen. Wie er sich in Pose wirft, über die Haare streicht bei den Worten "14 Meter Yacht" Glaubt der, wir erstarren jetzt in Ehrfurcht? Weil wir nur knappe 10 haben? Achtung Spoiler: Wir sind das ganze Jahr hier, wir kennen jede Charteryacht in Friesland. Auch die 14 Meter Yacht, mit der er angibt. Er kann sich vielleicht mit seiner Crew für ein paar Tage die 14 Meter Yacht leisten, wir aber können uns eine 10 Meter Yacht das ganze Jahr und das nächste und die nächsten leisten. So nämlich. Mein Bootsnachbar erklärt mit Engelsgeduld das Passanten-Procedere und schlußfolgert: Wer lesen kann, ist halt klar im Vorteil. Eigentlich ganz einfach. Der Passant schleicht sich, kommt aber schließlich noch zurück, um sich zu bedanken. Immerhin. Du mich auch. Und nun gute Fahrt weiterhin. Und demnächst erst an den Meldesteiger. Nix einfach mit "14 Metern auf der 226"  

So in der Art ging es die ganze Saison munter weiter. Es ackern sich riesige Charteryachten durch den Hafen. Munter vor sich hin motzend "Was sind das für enge Boxen hier" "Wie scheiße ist das ausgeschildert" "Fresse halten" und erstmal rabumm gegen einen Poller. Immerhin nicht gegen ein Boot. Da sind wir ja schon dankbar. Zugegeben: Unser Hafen ist nicht für Anfänger. Es ist eng hier. Aber - bitte. Hat Euch keiner gezwungen, hier anzulegen. Besonders Motzer freuen sich, wenn sie in einer Box landen, wo der Liegeplatz-Halter feste Seile angebracht hat.  Diese Festmacher-Leinen werden selbstredend allzeit gerne von Passanten genutzt. So praktisch. Nice. Dass die Seile in 90 % der Passanten-Fälle anschließend dumm ins Wasser fallen gelassen werden - Shit happens.


Hafenkinoprogramm in Dauerschleife  


Es werden 20 Meter lange Querstege mit einem 8 Meter Boot komplett okkupiert, es ragen Boote soweit über die Stege hinaus, dass manövrieren für andere komplett unmöglich wird. Richtig nett auch die, die erstmal das komplette Charteryacht-Equipment auf dem schmalen Steg ausbreiten und es sich gemütlich machen. Ach, da wollen auch noch andere durch? Ja, blöd, ne. Hahaha. Da legen wir erstmal die Hälfte der  Klamotten über die Reling empfindlicher Segelboote. So what! Wenn der Hafenbetreiber keine Garderobenständer zur Verfügung stellt, was soll man da auch tun?   

Gar nicht zu reden davon, dass manche Passanten sich in den Sanitäranlagen austoben, als käme nach ihnen kein Mensch mehr. Und und und. Wie gesagt, es ist eine Minderheit, die sich so benimmt. Leider eine stetig wachsende Minderheit. Es gibt auch immer mehr Dauerlieger im Hafen, die sich zusehends ärgern. Es gibt Bootseigner, die dauernd Gastlieger aus ihren Boxen scheuchen müssen. Die sich zumeist uneinsichtig zeigen. Man solle sich nicht so anstellen und der Dauerlieger sich halt gefälligst seinerseits einen anderen Platz suchen. 

Ganz neu im Passanten-Kino: Auch wenn man kein Boot hat, ist ein Hafenparkplatz anscheinend begehrenswert. Da bleibt man solange auf der Straße, bis man mit einem Hafen-Anlieger durch das Tor fahren kann. Und wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten E-Auto-Lade-Plätze, auf denen man dann tagelang stehen bleibt. Auch wenn man da eigentlich nur stundenweise stehen darf. Dumm für die, die mit ihrem E-Auto den Heimweg antreten wollen und noch aufladen müssen. 

Hawaiihemden gehen immer. Nicht 


Noch spät in der Saison kamen sie mir entgegen. Vier erwachsene Männer in zu engen Shorts und bunten Hawaiihemden. Grölend einen der hafeneigenen Bollerwagen hinter sich her ziehend. Im Bollerwagen: halsbrecherisch gestapelte leere Bierkästen. Frohgemut zog man durch den Hafen, aus dem Hafen heraus, zum Supermarkt. Nachschub organisieren. Irgendwo auf der Welt ist schließlich immer 4 Uhr.   
Bollerwagen im Hafen

Verblüffender Fakt: die hafeneigenen Bollerwagen sind nicht dafür gedacht, vatertagsmäßig durch den Ort zu ziehen. Die dienen wie in jedem Hafen dazu, sein Gepäck an den Steg zu verfrachten. Immerhin schön, dass der Bollerwagen zurück in den Hafen gekommen ist. Leider soll er nicht als Tisch-Ersatz am Boot verbleiben, er kommt wieder nach vorne zu den anderen. Damit auch andere diesen Bollerwagen nutzen können. Kleiner Hinweis: Der Ballermann ist wieder bespielbar. Nehmt doch bitte Schaufel, Eimerchen und Strohhalm und geht dahin. 

Für mehr "altmodisches" Miteinander 

              
Ich könnte endlos erzählen. Aber so ist es halt. Nicht nur in den Häfen. Sondern auch oft genug im ganz normalen Alltagsleben. Gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung werden immer weniger. Wie gesagt, in den letzten Jahren ist es ärger geworden. Die Ignoranz der Menschen und das sich zu allem berechtigt fühlen nimmt ungeahnte Ausmaße an. Auch in unserem Hafen wird, soll sich da noch so einiges ändern. Es wird so nicht weitergehen können. Obwohl es wirklich schade ist. Denn es ist auch oft sehr nett, sich mit Passanten zu unterhalten, auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben. Die Passantenkultur in den Häfen ist eigentlich eine schöne. Für beide Seiten gewinnbringend. Es wäre schön, wenn man sich darauf wieder konzentrieren könnte.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Schöne Tage in Earnewald

Schön und heiß war es an der Marrekrite-Insel in den Alde Feanen. Für die nächsten Tage nun waren Gewitter, Stürme und immer wieder ergiebiger Regen angesagt. Klar, die Natur hatte es dringend nötig. Wir jetzt eher nicht so. Aber ein bißchen Bewegung wäre fein. Am besten per pedales. Nächster Plan:  

Schöne Tage in Earnewald


Bei dem erwarteten Wetter sind Hafentage immer eine gute Idee. Der Nationalpark der alde Feanen ist schon an sich ein gutes Ziel in stürmischen Zeiten, noch einmal mehr der anvisierte 
Passantenhafen in Earnewald. Zum Start umrundeten wir zunächst "unsere" Insel. Warum manövrieren im engen Kanal, wenn eine Insel-Rundfahrt auch seinen Reiz hat. Weiter ging es den ganzen Folkertssleat entlang bis zum Sanemar, einem kleinen See, auf dem auch einige Marrekrite-Inseln locken. 

Marrekrite in Alde Feanen
So viele schöne Marrekriten unterwegs 

Das Sanemar versteckt den Eingang des märchenhaften Kanals nach Earnewald. Wir sind diese Strecke schon etliche Male gefahren, trotzdem zögern wir jedes Mal und fragen uns, ob das so richtig ist. So versteckt liegt der Kanal, so eng und verwunschen wirkt er. Schnell öffnet sich aber die Wasserstraße und gibt den Blick auf den schönen Ort frei. Der Kanal endet in einer Art Sackgasse, einem großen aufgestauten Hafenbecken. Earnewald liegt an keinem offenen Gewässer, aber dieses große Hafenbecken gibt dem Ort einen erstaunlich maritimen Flair. 

Kanal nach Earnewald
Suchspiel: Wer findet die Einfahrt des Kanals nach Earnewald? 


Kanal nach Earnewald
Glück gehabt. Den richtigen Kanal gefunden. So langsam kommt Earnewald in Sicht.  


Der Passantenhafen in Earnewald 

Der Passantenhafen liegt geschützt mitten im Ort. Er ist relativ klein und in der Hauptsaison war er in diesem Jahr wohl des öfteren mehr als gesteckt voll. Ausweichplätze gibt es noch gegenüber am Besucherzentrum, diese aber zumeist ohne Landstromanschluss. Der Passantenhafen hat wie in Balk fast ausschließlich Boxen, es gibt nur sehr wenige Kadenplätze. Die Einfahrt ist großzügig, der Platz zwischen den Boxen auch. Trotzdem kann man sich darauf verlassen, dass das Hafenkino - Programm ebenso großzügig ausfällt. Das Wasser im Hafen ist dauernd in Bewegung ob des vielen Schiffsverkehrs.  

Passantenhafen Earnewald
maritimes Flair im Passantenhafen Earnewald 

Da ist schon so mancher quer durch die Boxen oder den Hafen gedriftet. Wir wurden auch in diesem Jahr nicht enttäuscht. Schon alleine, weil anscheinend nicht jeder lesen kann. Obwohl er dann im Vorteil wäre. Es stehen große Schilder überall, welcher Bereich für welche Schiffsgröße geeignet ist. Und danach wird auch bezahlt. Wir z.B. gehören in den Bereich D. Klar könnten wir uns in den Bereich A legen, in die wesentlich größeren Boxen. Aber dann zahlen wir auch für Kategorie A bis 15 Meter und nicht für die Kategorie D bis 10 Meter. Da hat sich schon mancher gewundert, der es sich leicht machen wollte. Wir hatten jedenfalls freie Auswahl in unserem Bereich und nahmen eine innen liegende Box, die uns von unserem Deck trotzdem beste Aussicht bot. 

Bucket List Earnewald 

Bucket List Earnewald

Die Hafenmeister in Earnewald kommen rum, man kann aber auch im Hafenbüro bzw. am Automaten bezahlen. Das Hafenbüro ist im VVV, dem Fremdenverkehrsbüro beheimatet. Die Damen dort sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit. Was immer man wissen möchte, was immer man plant, sie helfen gerne und kenntnisreich. In diesem Jahr nahmen wir uns die Bucket List für Earnewald mit und unsere prompt auftauchenden Fragen wurden alle beantwortet. Das meiste kannten wir schon, vieles von der Bucket List war bereits abgearbeitet, allem voran das Foto mit dem süßen Otter, dem Wahrzeichen von Earnewald. 


#Otterbeeld
Bucket-List to do: Selfie mit dem Otter ✔ 

Hafenmeister in Earnewald
Die Hafenmeister von Earnewald 


Neu für uns war das Innere der Reformkirche mit einem Skutjes (Plattbodenschiff) Bug als Kanzel. Passt natürlich. In Earnewald ist eine große Skutjes Werft samt angeschlossenem Museum. Dann gibt es noch das Besucherzentrum, welches alles Wissenswerte zum Nationalpark erklärt, wir waren aber auch noch nicht drin. Man will sich ja noch was aufsparen für die nächsten Jahre. Dafür freuten wir uns, dass die LoveFrylan Letter auch wieder zu Besuch waren. 

Ein Skutje als Kanzel in Earnewald
Ein Skutje als Kanzel 

Love Fryslan Letter


Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie in Earnewald

Souvenir Earnewald
Die Infrastruktur in Earnewald, dem einzigen richtigen Ort in den Alde Feanen, ist ansonsten klein, aber ausreichend. Es gibt eine Tankstelle, auch für Boote. Drei Restaurants, eine Frittenbude und eine prima Eisdiele. Und eine Pizzeria, die etwas versteckt liegt. Diese probierten wir in diesem Jahr aus und waren begeistert. Das Restaurant ist klein, aber sehr beliebt. Auch in der Nachsaison geht da ohne Reservieren gar nichts.

Dem Souvenirshop an der Tanke bin ich auch in diesem Jahr wieder zum Opfer gefallen. Ich steh halt auf Seerosen, mach was dran. Daneben gibt es shoppingtechnisch noch einen Supermarkt. Das Attribut "super" verdient er aber nur für seine sehr freundlichen Mitarbeiter. Die Auswahl ist schmal, man bekommt das Nötigste. Plus eine leckere Auswahl regionaler Produkte örtlicher Bauernhöfe: Käse, Wurst, Honig, Kuchen, Schnaps. Das Nötigste, wie gesagt..... 

Regen und Mondscheinfahrt 

Wie vorhergesagt, bekamen wir einiges an Regen ab in Earnewald. Machte aber nix, der Wind stand gut. Wir konnten auf unserer Aussichtsplattform bleiben und genossen die kühlende Brise. Entschädigt wurden wir mit einer wunderschönen Vollmondnacht, in der wir dem ortsansässigen Ausflugsschiff, der Marprincess winken konnten. Sie ging an diesem Abend auf Mondscheinfahrt durch den Nationalpark. Bestimmt schön, vielleicht fahren wir da mal mit. Diesmal begnügten wir uns mit dem Anblick von unserem Boot aus. Zum Glück gab es auch Regenpausen, die wir für ergiebige Fahrradtouren nutzten. Davon wird der nächste Eintrag handeln. 

Regentag in Earnewald
Auch bei Regen schön. Earnewald 

Zuviel Wasser in Earnewald
Übung im Hafen von Earnewald. Oder so. So voll kann das Hafenbecken ja kaum gewesen sein.  


Ausflugsschiff Marprinces in Earnewald
Gute Fahrt, schöne Marprinses 



Die Sonne sieht alles, was wir tun. Aber der Mond kennt unsere Geheimnisse 

Funfact: Für uns gab es noch eine spezielle Sehenswürdigkeit. Zum allerersten Mal begegnete uns eine Namensvetterin. Im Passantenhafen lag doch glatt noch eine Aquamarijn. Oups. Aber selbstverständlich ist unsere Aquamarijn die Wertvollste überhaupt. Für uns. 

Bootsname Aquamarijn
Noch eine Aquamarijn! Na sowas 

Und hier geht es weiter: Mit dem Boot von Earnewald nach Sneek 

Ein Jahr später waren wir wieder da. Diesmal mit unserem Bootshund ! 


 

Freitag, 7. Oktober 2022

Bootstörn Sommer 2022 - zweite Station Balk

 Die zweite Station: Balk 


Wir hatten es noch auf der Insel im Gaastmeer beschlossen: die nächste Route würde uns weg von den offenen Meeren Richtung Binnenland führen. Besser war das. 

Lang und hoch statt kurz und kabbelig: Die Wellenfahrt 


Trotz kleinerer Störungen starteten wir gut ausgeruht von der Insel. Ziel des Tages: Balk. Gut ausgeruht war auch angesagt, die Fahrt war - ich sag mal - interessant. Der Captain sagt zwar zu Recht  "so schlimm war der Wind jetzt auch wieder nicht". Das stimmt zwar und wir sind auch schon einige Male bei noch deutlich mehr Wind über die Meere geschippert. Aber diesmal kam der Wind aus Nordost, was er in Friesland selten tut. Und es war kein stetiger, sondern ein böiger Wind. Die friese Meren können schon bei einer geringen Windstärke erstaunlich kabbelig sein. Das liegt an der nicht so großen Wassertiefe, da bauen sich Wellen schnell und knackig auf. Soweit so bekannt. An diesem Tag kamen die Wellen aber nicht kurz und kabbelig, sondern lang und hoch. Öfter mal was Neues. Gar nicht soooo schwierig zu fahren, aber auch nicht angenehm. Es rollte gut. Unsere Aquamarijn pflügte tapfer und unverdrossen. Allerdings wurde sie sehr nass. Wir kennen es, dass das Wasser über das Unterdeck spritzt und man dort nicht mehr so gut sitzen kann. Aber dass das Wetter bis zum höchsten Punkt schwappt - das hatten wir bisher noch nie. Ich war wirklich froh, dass wir Stavoren gecancelt hatten. 

Funfact:. Die Pollen blieben unbeeindruckt kleben. Man hätte doch denken können, dass soviel Wasserkraft auch da was wegschafft. Aber nix da. Wir waren jedenfalls froh, als wir das Heeger Meer überquert hatten und eine Runde durch ruhigere Kanäle gleiten konnten. Das Wetter war ansonsten gut, blauer Himmel und viel Sonne. Auf dem Sloter Meer wurde es nochmal unruhig, aber schon kein Vergleich mehr mit dem Heeger Meer. Trotzdem schön, in den ruhigen Fluss Luts einzubiegen, der uns nach Balk führte. 

Zuhause ist, wo mein Boot ist

Zuhause ist, wo mein Boot ist - heute der Passantenhafen in Balk 


In Balk angekommen, bekamen wir den Platz im Passantenhaven, den wir wollten. Sprich genau den, der uns schon vor zwei Jahren einen sicheren Hafen in stürmischen Zeiten bot.  Der Passantenhaven in Balk ist relativ neu und sehr gepflegt. Schöne Anlegeplätze, die meisten davon in Boxen. Es gibt auch einige Plätze, wo man nur seitlich anlegen muss, aber gerade bei viel Wind bevorzugen wir es, gut vertäut in einer Box zu liegen. Der Passantenhaven liegt vor der malerischen Kulisse des ebenfalls neu errichteten Jachthavenquartiers. Zur anderen Seite hat man einen guten Ausblick auf die Luts, den Fluss, der Balk durchquert. Der Hafen besteht aus zwei großen Becken, das vom Kanal aus gesehen hinten liegende Becken ist noch einmal windgeschützter. Die Hafenmeister sind sehr freundlich und hilfsbereit, die Sanitäranlagen klein, aber  fein und vor allem sauber. 

Passantenhaven Balk
Box im Passantenhaven Balk 

Das Yachthafenquartier in Balk
Malerische Kulisse in Balk 

Der Weg zum Passantenhaven Balk
Blick auf die Luts 

Balk - noch immer so etwas wie ein Geheimtipp 


Wirklich schön für Balk und uns, dass es jetzt diesen Hafen gibt. Früher war es absolute Glückssache, in dieser Stadt einen Platz zu finden, weil rar gesät. Ein weiteres Problem ist die geringe Wassertiefe der Luts und vor allem die festen Brücken. Mit Segelboot oder auch einer Motoryacht wie der unseren kommt man nicht weit in die Stadt rein. Das hat dazu geführt, dass Balk bis heute noch so etwas wie ein Geheimtipp ist. Ein unterschätzter Ort, der es meiner Meinung nach locker mit seinen Nachbar-Orten aufnehmen kann. Balk ist eine mittelgroße Stadt mit einem breit gefächerten Angebot, sowohl an Gastronomie als auch an Einkaufsmöglichkeiten. Die Innenstadt liegt  gediegen rund um die Luts, vom Passantenhaven aus gut zu Fuß zu erreichen. Balk liegt mitten im Gaasterland, das einzige wirklich waldreiche Gebiet Frieslands. Wir hatten schon viel Gutes gehört von den Fahrradtouren, die man rund um Balk fahren kann. Und genau das hatten wir vor für die nächsten Tage.  Dazu berichte ich separat, weil die traumschönen Routen einen eigenen Eintrag verdienen. 


Balk Stadtmitte bei Nacht
Moon over Balk Street 

Balk - immer einen Besuch wert 



Wir verlängerten unseren Aufenthalt, denn wir bekamen noch Besuch. Der andere Teil der familieneigenen Flotte war von unseren Berichten aus Balk so begeistert, dass sie sich spontan für einen Wochenendausflug entschieden. Wenn man direkt von Heeg aus fährt, schafft man es auch in gut anderthalb Stunden. Es war für die Beiden das erste Mal, dass sie mit ihrem Boot so weit fuhren und woanders übernachteten. Balk war perfekt für diesen Test und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Zuhause ist eben da, wo das Boot ist.  Für die nächste Saison freuen wir uns auf mehr gemeinsame Törns. Ganz im Sinne von:    


Lebe Dein Leben 


Seinen Namen hat der Balk übrigens aus der Historie. Der Ort entstand als Handelsplatz im 15ten Jahrhundert. Über den Fluss Luts wurde damals ein Balken gelegt, um den Handel zu erleichtern. An dieser Stelle wurde es immer belebter und so entstand ein ganzer Ort, eben der Ort Balk. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Entstehung und gibt einen friendly reminder mit auf den Weg. 

Der Balken von Balk

Lebe Dein Leben.
Gib jedem um Dich herum Liebe. 
Alles andere kann man lernen. 
Lache jeden Tag, das Leben ist kurz.

Die Skutjes-Fähre 


Und noch etwas lernten wir in Balk: Es gibt einen Fährverkehr zwischen Balk und Heeg, mit einem Skutsje. (friesisch für Plattbodenschiff oder Tjalk) In Balk macht man da fleißig Werbung für, in Heeg haben wir das all die Jahre nicht erfahren. Obwohl wir das Boot schon öfter gesehen haben, die schöne Aleida Hendrika. Man lernt halt nie aus.         

Fährverkehr Balk Heeg
Da liegt sie und sagt nichts - die Aleida Hendrika  


Montag, 1. November 2021

Fragt ruhig !

 

Ausblick und Austausch 


Dieses Logbuch hat lange pausiert. Das lag zum einen an ausgeprägter Unlust, in sozialen Medien zu diskutieren, ob und wie wir unser Boot in diesen Zeiten nutzen. Lag aber auch wie immer an knapp bemessener Zeit.  Zeit-technisch sind die Aussichten besser und ich hoffe inständig auf mehr Blog-Zeit im diesem Winter. Ein Rückblick auf  Höhen und Tiefen der Bootssaison ist bereits geschrieben, er muss nur noch bebildert werden. Aber es muss nicht immer nur die Rückschau sein. ich hätte auch Spaß an gemeinsamen Ausblick und Austausch.  






Was möchtet Ihr wissen? 


Manchmal erreichen mich per DM Fragen, die ich dann auch dort beantworte. Dadurch kam mir die Idee, über den Winter solchen Fragen auch Blogposts zu widmen. Sagt mir gerne, was Ihr wissen möchtet zum Leben auf dem Wasser? Welche Tipps braucht Ihr? Überlegt Ihr vielleicht auch, ein Boot zu kaufen? Oder zu chartern? Möchtet Ihr mehr zum Fahrgebiet Niederlande erfahren? Oder zu Häfen? Zur Marrekrite? Tipps für Kultur/ Shopping oder für Fahrradtouren hab ich auch reichlich auf Lager. Lasst mich das gerne wissen! 

             




(Nachsatz mit Bedauern: 

Bisher hat mir niemand zufriedenstellend sagen können, wie das verpflichtende externe Datenverarbeitungsverzeichnis geführt werden soll, muss, kann, ohne einen Vollzeitjob daraus zu machen. Daher blogge ich nach wie vor mit sehr abgespeckten Funktionen, de facto beschränke ich mich hier auf die reinen Blogposts. Auch die Kommentarfunktion ist aus diesem und anderen datenschutz-vorschriftlichen immer noch deaktiviert. 

Erreichbar bin ich über Twitter und Instagram  . Wo ich mich selbstredend auch sehr über Likes und neue Follower freue.  )  

Montag, 8. Mai 2017

Tussendoortje - Tanz in den Mai

Wir haben es tatsächlich schon getan. Wir waren schon draußen, also so richtig jottwehdeh draußen. Als "Tussendoortje" am langen 1.Mai Wochenende. Zu viert mit Schwager und Schwägerin waren wir im geliebten Friesland und tanzten mit Wellen und Wind in den Mai.


Wir charterten ein fast 11m großes Boot, aufgrund unserer guten Erfahrungen wiederum bei Wetterwille in Terherne. Platz genug hatten wir also, zwei Doppelbett-Kabinen mit genug Beinfreiheit, von Kopf-freiheit reden wir ganz dezent mal nicht. Es ist halt ein Boot. Unsere Yacht, die Nord, war eine Rogger, eine Yacht alter traditioneller Bauart, ähnlich den Doeraks, die in Friesland überall rumfahren und sowas wie die schwimmende Entsprechung des Volkswagens sind. Diese Boote haben einen ganz flachen Bug - wozu der gut ist, merkten wir, als wir einmal kurz davor waren, auf Grund zu laufen. Zum Glück nur kurz davor. Es war wohl echt die berüchtigte Handbreit Wasser unterm Kiel. Ein anderes Schiff hatte nicht soviel breiter-Bug-Glück, aber glücklicherweise war da schon andere Rettung auf dem Weg. Wir empfanden die Nord auf jeden Fall mehr so als Gleiter denn als Kreuzer und so richtig begeistert hat uns das nicht. Aber egal. Wir hatten Platz genug und nannten unser schwimmendes Zuhause auf Zeit einfach kurzerhand "die Fähre". Und vor allem mit dem Schwager - von Haus aus erfahrener Segler - hatten wir soviel fachkundige Tatkraft an Bord, dass selbst die schwierigsten Manöver und davon hatten wir bei Windstärke fünf bis sechs so einige - gut zu meistern waren.

Der Schwager ist wie gesagt begeisterter Segler, hat auch ein eigenes Segelboot. Aber ihn interessierte unsere Art des Urlaubs sehr und auch die nicht so camping-begeisterte Schwägerin war neugierig. Vorab- beide fanden es toll und wir werden das sicher wiederholen. Schwägerin und ich haben uns auch schon das nächste Schiff ausgesucht. Die Maxima von Wetterwille. Ist zwar dezente 17 Meter lang, aber was soll's. Sie hat vorne zwei fest integrierte Sonnen-Liegen an Bord, das ist doch wohl top. Ich sehe uns da schon vor meinem geistigen Auge. Kein Wunder, dass das Schiff nach der Königin heißt.

Großartig geplant hatten wir unsere Route vorher nicht, denn " wir kennen uns ja aus". (Wurde das geflügelte Wort des Urlaubs, vor allem, weil wir uns gleich am ersten Tag erstmal so richtig ver-navigierten. Geplant war lediglich, das Sneeker und das Heeger Meer zu erkunden, die größten Segelreviere, da war der Schwager neugierig drauf. Freitags nach Einkauf und Bootsbeladung - ich hatte schon am Vortag festgestellt, es ist fast egal, ob man zwei Tage oder zwei Wochen fährt, die Gepäckmenge unterscheidet sich nur marginal - fuhren wir dann über die offene Terherner Schleuse und wurden tatswahrhaftig von einem aus dem Gebüsch springenden Reh begrüßt. Ab aufs Sneeker Meer, der Wind blies ordentlich, die Sonne war noch zaghaft. Kreuz und quer, einmal kurz bei Hart van Friesland reingeschaut und nach besagter Irrfahrt beim Marrekrite Steg am Houkesloot angelegt. Ruhe, Einsamkeit und Glühwein genießen. So kommen die Reste des Winters doch noch zu Ehren. Wurde gerne genommen, war echt kalt. Aber wir sind ja echte Bootsleute, da wird der Außensteuerstand genutzt, komme, was wolle. Basta.




Die nächsten Tage brachten die spannende Ortsdurchfahrt durch Sneek, die gemächliche durch Ijlst, Brückenmanöver, Aquaduct-Befahrungen, viel viel Wind am Heeger Meer, Mittagspausen an einsamen Marrekrite-Inseln, Abende in mäßig belegten Passantenhäfen, lecker essen in Heeg , Burger mit ohne Brötchen und immer wieder kritische An-und Ablegemanöver aufgrund des Windes. Die aber vor allem unsere Männer souverän meisterten, sogar im engen Wetterwille Heimathafen schafften wir es mit viel Geduld und Augenmaß. Einfach so an den Passantensteg und warten, bis Wetterwilles kommen  - nicht mit uns. Das geht gegen die Ehre unserer doch schon recht erfahrenen Männer, das können alle anderen machen. Wir nicht. Hat auch alles geklappt. Ohne auch nur einen Mini-Kratzer. Und wenn die Fender dafür noch so oft in der Höhe verändert werden müssen. dann machen wir das eben. Bootfahren ist ja nichts für Faulenzer. Spannend diesmal auch die Brückenmanöver. Wozu warten, dass die Brücken sich heben, wenn man auch den Mast legen, die Fahne einholen und sich ducken kann. Fünf Zentimeter Platz unter der Brücke durch reichen doch locker. Unschwer zu erraten, weshalb es davon keine Bilder gibt.







Wir sahen viele tolle Boote, beobachten viele spannende Manöver, im Heeger Passantenhafen sogar von einem Plattboden-Schubverband. Die konnten was, die Jungs. Sahen einen Regattastart und auf der Lieblingsinsel vom letzten Jahr . der mit dem Sofa - beobachten wir noch eine ganz verrückte Aktion. Wir saßen gerade schön unter Deck, aßen ein feines heißes Süppchen nach bereits gelungenen Anlege- und Aperol-Spritz-Manövern, als sich mit lautem Techno-Gewumm eins der berüchtigten "Le Boat" Partybomber ankündigte, ganz offensichtlich ein Junggesellenabschied auf dem Wasser. Der arme Bräutigam wurde erstmal unter großem Hallo ins eiskalte Wasser geschmissen, soweit so kalt. Aber was dann kam! Da meint man ja immer, man hätte schon alles gesehen. Das meiste zweimal. Aber irgendeiner setzt immer noch einen drauf. Auf der Insel gab es mehrere große Erdhaufen, wir vermuten, das kleine Hafenbecken wurde neu ausgebaggert. Die Feier-Meier müsen das gewusst haben und ich sach Euch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Schwägerin beobachtete alles aufmerksam und sagte auf einmal: Die machen eine Möhre aus dem Bräutigam! Wie jetzt? Möhre? Ja, eine Möhre. Der Bräutigam bekam ein Möhrenkostüm angezogen und wurde in seiner ganzen karottigen Pracht in den Erdhaufen gesteckt und mit Erde beworfen. Glaubt es oder lasst es. Aber wir waren zu viert. Wir bezeugen das alle ! Es war kein Halluzinogen in unserer Hühnersuppe. Auch wenn wir sie in Holland gekauft haben.....



Das Wetter war fast durchgehend gut. Sehr sehr viel Sonne, erste Sonnenbrände sind zu vermelden, aber eben auch sehr sehr windig und dadurch wirklich richtig kalt. Die paar Klamotten, die wir bei hatten, hatten wir auch alle an. Übereinander. Aber - wir haben einmal tief durchgeatmet, waren ganz eins mit uns und der tollen Natur. Und wie immer an Bord - einfach glücklich. Und jetzt heißt es warten bis Ende August. Sehnsucht bleibt ein Notfall, ein immerwährender.

Satz des Wochenendes: Wir kennen uns ja aus.
Befehl des Wochenendes: Mast legen, Fahne einholen, Kopf einziehen, nee besser flach hinlegen, dann passt das schon. ( Köpfe sind noch dran, Boot und Brücken unbeschädigt. Passte wirklich alles. Geht doch nichts über Augenmaß)
Rätsel des Wochenendes: Haben Adam und Eva  den Winter nicht überlebt? Sind sie etwa untergegangen?