"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es eine, die den Captain vögelt."
Gut, gehört hier nicht hin. Wollte ich trotzdem nicht vorenthalten haben... Aber now back to the Ernst des Lebens, back to the Boot an the patschnasse Wiesen vor Sloten.
Unsere uns gestern behilflichen Nachbarn legen vor uns ab, diesmal mit unserer Hilfe und wir bleiben dummerweise alleine zurück. Dank ergiebigem Gebrauch des Bugstrahlruders meistern wir dies aber besser als befürchtet. Zuvor beobachteten wir aber noch eine Familie, die beim Ablegen etwas sehr Wichtiges vergaß. Ihr Kind. Tjanun. Bißken schwund iss immer. Nett, wenn man bei dem Wetter dann nochmal an- und wieder ablegen darf.
Wir wagten uns alsdann durch den Slotergat hinaus aufs Slotermeer. Dieser See hat vor allem eine sehr geringe Tiefe, ist aber trotz starken Winds nicht so kabbelig wie befürchtet, allerdings ist die Fahrrinne doch recht eng. Aber fahren kann der Ruhebewahrer gut, da gibt es nichts. Von daher haben wir auch unterwegs nie Probleme, immerhin. Über ein Aquaduct ( irgendwie spannend, so über eine vielbefahrene Strasse hinweg zu gleiten ) passieren wir Woudsend und bestaunen Kaufgelegenheiten am Wasser. Altbekannte Wahrheit: Häuser und Grundstücke, die an Land von der Straße aus gesehen, eher unspektakulär wirken, entfalten erst vom Wasser aus gesehen ihre ganze Pracht.
Aquäduct bei Ijlst |
Windmühle Sloten |
In Woudsend passieren wir wieder eine bewegliche Brücke, das hat ja schon was, wie in Holland der Wasserverkehr während der Brückenzeit bevorzugt bedient wird. Woudsend wirkt recht einladend, scheint auch feine Jachthäfen zu haben, aber gefühlt haben wir ja erst gerade abgelegt. Etwas mehr Weg darf es heute schon sein. Also den Kanal de Rakken gesucht und gefunden (noch klappt das mit meinem Pfadfinder-Talent auch auf Wasser) und durch bis zum Heeger Meer. Dieses ist wesentlich kabbeliger als das Slotermeer, wir nähern uns auch der prognostizierten 15:00 Uhr Grenze. Hat gut gepasst mit der Zeit, mit der Abschätzung der Entfernungen tun wir uns noch schwer und das wird sich auch nicht groß ändern. Man weiß nie, wieviel Zeit man braucht an Brücken und wie schnell und wie langsam man eine Passage bewältigen kann. Außerdem irritieren die Entfernungen auf der Karte, Angaben gibt es kaum und Vergleiche hinken. Aber nun - wir haben ja Zeit und wollen uns eh treiben lassen durch den Urlaub.
Wind und Seegang nehmen mittlerweile beträchtlich zu, wir sichten den Passantenhafen von Heeg und steuern diesen an. Vor uns eine Jacht, die sich noch blöder anstellt als wir und somit nicht nur uns das Leben schwer macht. Vor, zurück, hinten, rechts, links, ohne Rücksicht auf Verluste. Die anderen werden schon gucken. Die anderen manövrieren alle gezwungermaßen mit, alles gar nicht so einfach in dem engen Hafenbecken mit Unterströmung und viel Wind. Aber der Gatte meistert es prima und anders als die Yacht vor uns, die schließlich aufgibt und erstmal wieder aus dem Hafen rausfährt, steuern wir mutig eine Box an.
Passantenhafen Heeg nahe der Stadt, aber schwierige Boxen |
Plattbodenschiffe in Heeg |
Heeger Mar |
Passantenhäfen sind zwar eine sinnvolle Einrichtung, da man dort in der Regel einen Platz bekommt und nahe an der Stadt ist, aber for beginners sind sie jetzt auch nicht zwingend, da man hauptsächlich an Pfählen festmachen kann und trotz meiner Liebe zu Cowboystiefeln - das mit dem Lassowerfen hab ich eher nur mäßig drauf. Das üben wir noch, So ein oder drölfzigtausendmal. Aber wir bekamen tatkräftige und kundige Hilfe und wurden von anderen in die Box gezogen. Wie sich später wies, brauchten alle Neuankömmlinge diese Hilfe, es lag also nicht nur an uns, sondern wirklich an den heftigen Böen. Und wir halfen dann auch im Verlaufe des Nachmittags, Regen hin oder her. Karmapunkte sammeln. Zumal wir einen ganz entzückenden Steg-Nachbarn bekamen. Der Ruhebewahrer nannte ihn Ewok.
wir nannten ihn Ewok |
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der niedlichste Ewok ever, unser Bootsnachbar |