Posts mit dem Label Stoavoren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Stoavoren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 22. September 2016

Het Vrouwtje van Stavoren

und der Besuch des Ruhrpottmädchens

Kopenhagen hat die kleine Meerjungfrau und Stavoren am niederländischen Ijsselmeer sein Vrouwtje. Von der Größe her nehmen die Beiden sich nicht viel, aber sonst könnten die Legenden, die diese Statuen umranken, unterschiedlicher nicht sein.

Die Legende vom Vrouwtje van Stavoren:

Einst lebte in Stavoren eine unermeßlich reiche Kaufmannswitwe. Sie besaß mehr Schiffe als anderen Kaufleute der Stadt zusammen, doch mit ihrem Reichtum wuchs ihr Hochmut und die Gier. Sie befahl einem ihrer Kapitäne, ihr den kostbarsten Besitz der Welt zu besorgen. Der Kapitän fand nach einer langen Reise den besten Weizen, den er je gesehen hatte und kehrte mit diesem zurück. Doch die Witwe hatte sich andere Schätze vorgestellt. Sie befahl dem Kapitän, den backbord geladenen Weizen steuerbord wieder ins Meer zu schütten. Einer der Umstehenden hörte dies und prophezeite ihr, sie würde dareinst vor Armut betteln gehen müssen. Die Witwe zog daraufhin ihren Ring vom Finger und warf diesen mit den Worten „So wenig dieser goldene Ring je wieder zu mir zurückkehren wird, so wenig werde ich jemals Armut leiden“ ebenfalls in Meer. Kurze Zeit später fand die Köchin der Witwe den Ring in einem Fisch, den sie gerade zubereiten wollte. Und wie es so mit Prophezeiungen ist, manchmal erfüllen sie sich.

Noch am selben Abend brachte man der Witwe die Nachricht, dass mehrere ihrer Schiffe im Sturm auf hoher See "mit Mann und Maus" untergegangen seien. Damit begann ihr Abstieg und tatsächlich, sie starb als arme Frau (Vrouwtje). Mit ihr verarmte die ganze Stadt und nach und nach versandete die Zuiderzee, die damals noch eine Bucht der Nordsee war,  Die Bürger von Stavoren jedenfalls gaben dem Vroutje die Schuld daran. Sie ist das niederländische Sinnbild für die, vor deren Fall der Hochmut kam. Nach Eva ist sie die Frau, der man an allem Übel die Schuld gibt. Zumindest in Holland. Aus der versandenden Zuiderzee wurde das Ijsselmeer und bis heute gibt es nahe Stavoren eine Sandbank, den "Frouwesan" ( Frauensand), welcher die Stätte sein soll, an der der kostbare Weizen ins Meer geworfen wurde. Immer noch wächst dort angeblich eine Pflanze, die wie Weizen aussieht, aber keine Ähren trägt. Sagt man. Ich persönlich kenne keinen, der jemals nachgesehen hat. Ist ja auch eher ungünstig, mit einem Boot in die Nähe einer Sandbank zu fahren.




und warum ich das Vrouwtje unbedingt besuchen musste :
Als ich ein kleines Kind war - ungefähr vier müsste ich gewesen sein, so ganz genau weiß das keiner mehr - verbrachte ich wieder einmal mit meinen Eltern, meinen Großeltern und meiner Großtante die Sommerfrische an der Nordsee. Das machte man damals so, wenn man grenznah wohnte. Bis zur holländischen Nordseeküste war es nicht weit, die Strecke schafften der Familienkäfer und die süße Isetta meiner Großeltern allemal. In jenem Jahr sommerfrischlerten wir in der schönen Stadt Bergen - NL in einem schönen alten holländischen Patrizierhaus, welches nunmehr als Pension diente. In diesem Urlaub wurde ich krank, sehr krank. Keuchhusten, Scharlach und was man als Kind in den 60ern eben noch so alles als Begleiterscheinung kriegen konnte. Ich war bettlägerig und nicht transportfähig. Mein Krankenlager schlug man mir im Dachgeschoss der Pension auf, meine Eltern und Großeltern reisten zwischenzeitlich wieder ab, sie mussten zur Arbeit und kamen nur an den Wochenenden. Meine Großtante blieb mit mir da und es gab einen jungen Arzt dort. Mittlerweile müsste er pensioniert sein. 

Dieser junge Arzt war zum einen sehr heilkundig und er war zum anderen sehr lieb. Jeden Tag kam er zu mir auf den Dachboden und erzählte mir Märchen. Besonders gerne hatte ich alte holländische Märchen, Sagen und Legenden. So erzählte er mir dann auch einen Tages die Legende vom Vroutje van Stavoren und aus irgendeinem Grund, den ich bis heute nicht klar benennen kann, machte diese Legende den größte Einduck auf die kleine Britta. Eines Tages schenkte er mir ein sehr liebevoll bebildertes Buch über das Vroutje. Und als ich wieder gesund war, sagte er, ich solle eines Tages das Vrouwtje besuchen gehen und es von ihm grüßen, und dem Vrouwtje sagen, dass ich mit seiner Unterstützung wieder gesund geworden bin. Vielleicht würde es dem Vrouwtje etwas von seiner Schuld nehmen. So zumindest habe ich die Zusammenhänge gefühlsmäßig begriffen, als ich älter wurde. Vergessen habe ich es jedenfalls nie. Die Dachkammer nicht, den netten Arzt nicht und das Vrouwtje eben auch nicht. Und jetzt war ich da. Mit dem Boot über die Binnenmeere, die es zu Zeiten des Vrouwtje noch gar nicht gab. Gegrüßt habe ich sie und mich entschuldigt, dass es 48 Jahre gedauert hat, bis ich da war. Es schien mir so, als habe sie gnädig genickt und es huldvoll zugelassen, dass das Ruhrpottmädchen, zu dem das kleine Kind von damals herangewachsen war, gemeinsam mit dem Vrouwtje aufs Ijsselmeer schaute und der vergangenen Zeiten huldigte. .






FAQs und Antworten rund um alles, was für Bootsurlaub in Stavoren wichtig ist, findet Ihr hier